Hauptinhalt
Dirk Lehman und Claus Peter Simon haben als Team bereits die Tour Transalp gemeistert, das härteste Jedermann-Etappenrennen der Welt, und sind fast 1000 km quer durch Deutschland geradelt, von A (Aachen) bis Z (Zittau). In diesem Blog würdigen sie mit dem Charme gnadenloser Subjektivität neue Rad-Trends, Reiseziele und Routen, Bekleidung und Zubehör.
Echt abgefahren: Diese alten Reifen geben neuen Halt (der Hose!)

Sozusagen ein kleiner Nachtrag zum Thema Reifen im Winter - und was man mit Fahrrad-Pneus noch so alles anfangen kann, nachdem man sie durch diverse Ausfahrten malträtiert hat. Das erscheint mir einen Tipp wert für all jene, die noch Weihnachtsgeld zur Verfügung haben, denen aber angesichts des miesen Radwetters die Ideen für den Erwerb von normalem Zubehör ausgegangen sind.
In London, im Stadtteil Brixton, fertigen die Modemacher Bettina Galizzi und Christian Baumgartner ziemlich einzigartige Gürtel aus recycelten Reifen und Schläuchen. Viele "Tires" (Reifen) seien zwar "tired" (müde) aber viel zu schade für das "retirement" (den Ruhestand). Ihre kleine Firma velo-re hat sich aus einem Fahrrad-Recycling-Projekt in Bern entwickelt, das alte Fahrradteile für Reparaturen und den Neuaufbau von Rädern wiederverwertete.






So kommt es auch, dass jeder Gürtel eine ganz eigene Historie besitzt; alle Laufflächen haben ihre besondere Narbenstruktur. Galizzi und Baumgartner unterscheiden allerdings zwischen "Belties", die aus Vorderadreifen entstehen und entsprechend weniger beansprucht waren - und die unter Vollast des früheren Besitzers durchgewalkten "Beltoes" aus Hinterradreifen. Bevor die Reifen und Schläuche in den Verkauf kommen werden sie allesamt sorgfältig gereinigt. Kostenpunkt für die Hüftzierden: rund 50 Euro. Die britische Olympiasiegerin und Weltmeisterin auf Straße und Gelände Nicole Cooke konnten die Reifen-Recycler schon von ihren Produkten überzeugen.
Bald soll es sogar Gürtelkonkurrenz geben, aus der Schweiz: In der Brühlgut-Stiftung für Behinderte in Winterthur werden ebenfalls Gürtel aus Gebrauchtreifen gefertigt, die im Webshop ilovecycling angeboten werden sollen, zu etwa 73 Euro. Heute allerdings war er noch nicht online.Stahlzähne für Hard-Core-Winterradler
Das gibt ordentlich Halt auf Schnee und EisManchmal fühlt man sich geradezu als Weichei: Wenn ich heute so rausschaue und den Eisregen sehe, zieht mich rein gar nichts aufs Zweirad. Wahrscheinlich hat mein geo.de-Kollege Peter Carstens schon längst eine Runde gedreht. Er hatte sich im vergangenen Winter Spikes fürs Rad angeschafft. Grund genug, ihn um einen Gastbeitrag für unseren Blog zu bitten, in dem er seine Erfahrungen schildert:
"Was wäre ein Fahrradblog im Winter ohne Stichhaltiges über Winterreifen? Sagen wir, unvollständig. Ergänzungsvorschlag von einem fahrradverrückten Kollegen.
Viele lassen das Rad ja schon stehen, wenn die Straße mal nass ist. Einen Aficionado schreckt das nicht. Im Gegenteil: Je feuchter, glatter und leerer die Straßen, desto mehr Spaß hat er. Er gehört nämlich gerne zu den paar Verrückten, die einfach immer fahren. Ich auch.
Ich entschloss mich nach einem Winter, der einfach nicht enden wollte, Reifen mit Spikes auszuprobieren. Meine Wahl fiel nach einer knallharten Internetrecherche auf den Schwalbe Marathon Winter mit 240 Spikes. Bewährte Langlebigkeit, gepaart mit Spezialstahl-Zähnen, die sich erbarmungslos ins Eis bohren würden. Schöne Vorstellung. Den Reifen gibt es auch mit 120 Spikes, aber Foren-User wussten: Das ist nix. Wenn schon, denn schon. Und um es gleich vorweg zu sagen: Auch mit 240 Spikes fährt man auf blankem Eis nicht wie auf Schienen. Ich hab’s ausprobiert. Anfang des Jahres auf der Alster und jetzt wieder an den Schneetagen im Dezember.
Alle Wetter: Peter Carstens mit einem Fahrrad und 480 SpikesMan sollte gar nicht erst versuchen, sich mit dem Pneu in die Kurve zu legen. Man rutscht allerdings deutlich weniger - auf blankem Eis wie auf festgefahrenem Schnee. Eis-Spurrillen bleiben aber tricky. Sehr tricky sogar. (Besonders schön: Autofahrer, die dicht auffahren, während man ausschließlich damit beschäftigt ist, nicht zu stürzen.) Aber Obacht: Auf Asphalt und Dreck ist der Halt sogar wesentlich schlechter als der von Normalbereifung. Daran muss man sich gewöhnen.
Spike in voller SchönheitSobald die Wege allerdings mehr frei als vereist sind, macht der Reifen einfach keinen Spaß mehr. Dann ist Umrüsten angesagt. Das will man natürlich nicht beliebig oft machen. Also: Wetterbericht kucken, besonders die Langzeitvorhersage.
Ach ja, der Hersteller weist darauf hin, dass sich die Spikes erst „setzen“ müssen. Man soll den Reifen auf Asphalt einfahren. Es kann allerdings passieren (auch später noch), dass sich einzelne Spikes aus dem Reifen lösen und auf halb acht hängen. Sind mit einer Zange aber leicht wieder einzudrücken. Wenn man mal welche ganz verloren hat, schickt der nette Schwalbe-Kundenservice kostenlos Ersatz – vermutlich noch so lange, wie solche Reifen liebenswerte (und nicht ganz billige) Nischenprodukte sind."
Perfektes Präsent für Rad-Enthusiasten
Er ist bei einer Ausfahrt mit dem Rennrad gestürzt, die Hand sieht schlimm aus und muss operiert werden. Doch während unser Held auf die Narkose-Spritze wartet, sieht er im Fernsehen die letzten Kilometer des Radrennens Paris-Roubaix. Ein spannendes Finale, wer wird als erster in das Holz-Oval einfahren und gewinnen? Kurz vor Ende des Rennens kommt der Arzt und will die OP beginnen. Aber Paul Fournel kann ihn überreden, noch zu warten. Und so kommt es zu der skurrilen Situation, dass Chirurg und Pedaleur wie gebannt das Finale in einem Sport verfolgen, der letzteren überhaupt zu ersterem gebracht hat. Erst als der Sieger im Velodrom von Roubaix feststeht, fällt Fournel selig ins kontrollierte Koma.
Miniaturen wie diese, erzählt in einem knappen, fast lakonischen Stil, prägen den Ton einer autobiographischen Sammlung von Kurzgeschichten mit dem unprätentiösen Titel „Die Liebe zum Fahrrad“. Es ist das cyclistische Manifest eines Schriftstellers und Lektoren, der in Deutschland nur wenigen Lesern bekannt sein dürfte. Doch mit diesem, vor bereits mehr als zehn Jahren, aber erst im Herbst auf Deutsch veröffentlichen Buch muss sich das ändern, denn es gehört in das Regal eines jeden ernsthaften Radfahrers.
Fournel beschreibt einen Lebensstil, der selbstverständlich geprägt ist von alltäglichen Verrichtungen, man geht ins Büro, arbeitet in der Stadt, hat ein soziales Leben, doch die wahren Momente der Ruhe und Entspannung, die findet man auf dem Rad. Zu Beginn des Jahres schmerzt es noch, wenn man den Hintern in den schmalen Sattel einrastet, den Rücken über den Bügel beugt. Doch dann stellt sich der Körper darauf ein, und irgendwann kennen die Waden jeden Anstieg der Trainingsrunde, die man ständig fährt. Man unterscheidet die Wälder am Duft der Bäume. Man liebt das Geräusch des Freilaufs. Und im Sommer, wenn ganz Frankreich in den Ferien ist, setzt sich Fournel aufs Rad und fährt seine persönliche Tour de France, selbstverständlich nie, ohne abends die Übertragung der Zieleinfahrt einer Etappe in einem Landgasthof zu sehen. weiterlesen
Mit dem Fahrrad zur Schule fahren macht schlau!
Die sehen ziemlich aufgeweckt aus - wahrscheinlich liegt es am Radfahren Foto: pd-f.d/herculesRaus aus dem Auto, rauf aufs Rad!! Jungen und Mädchen, die ständig mit dem Elterntaxi zur Schule gefahren werden, lernen schlechter als jene, die zu Fuß oder mit dem Rad zur Schule kommen. Das hat eine aktuelle Untersuchung der Universität von Aarhus gezeigt, die im Zuge der Dänischen Wissenschaftswoche als "Mass Experiment 2012" erstellt wurde. Dafür wurden rund 20.000 Kinder im Alter von fünf bis 19 Jahren befragt, wie sie normalerweise ihren Schulweg zurücklegen. Zudem beantworteten sie Fragen zu ihren Lerngewohnheiten und sollten eine Konzentrationsaufgabe lösen (ein Puzzle zusammensetzen). Dabei schnitten Kinder, die mit dem Auto, Bus oder Bahn zur Schule gelangten schlechter ab als Gleichaltrige, die die Wege mit Fahrrad, Roller, Skates oder zu Fuß zurücklegten.
"Es ist schon interessant zu sehen, wie sich das Training durch die körperliche Betätigung positiv auf die Konzentrationsfähigkeit auswirkt", sagt der Erziehungswissenschaftler Professor Niels Egelund, der verantwortliche Forscher. Dass sich körperliche Aktivität geistig anregend auswirkt, ist natürlich kein ganz neuer Befund - aber das sich dies so direkt bei Schulkindern nachweisen lässt, ist schon frappierend.
Für Schulen sollte das heißen: Bitte großzügige Fahrradparkplätze einrichten, die gut einsehbar sind und bei denen Vandalismus und Aufbrüche verhindert werden. Und für die Eltern: Auch wenn eine gemeinsaem Autofahrt zur Schule ein schönes Ritual ist - man kann auch gemeinsam zu Schule radeln oder gehen!!
Jetzt umsteigen aufs Dienstfahrrad!
Auto und Rad - nicht immer eine Liebesbeziehung Foto: abus/pd-f.deUnd das im Autoland Deutschland: Das Dienstwagenprivileg ist auf Fahrräder und Pedelecs ausgedehnt worden, per Erlass der Landesfinanzminister rückwirkend für 2012. Man darf gespannt sein, welches Rad die Rolle des Passat Variant und des Audi A4 übernimmt, zwei der beliebtesten Dienstfahrzeuge. Vielleicht ein MTB von Cube und ein Alu-Rennrad von Canyon? Und die S-Klasse für Vorstände, wird sie abgelöst durch einen Edel-Carbon-Renner von Storck? Werden demnächst wirklich sechs von zehn gekauften Fahrrädern Dienstbikes sein (so in etwa ist das Verhältnis bei Dienst- und Privat-PKW)? Und zahlt der Arbeitgeber dann auch für den Betriebsstoff, also statt Benzin für Brot und alkoholfreies Hefeweizen? Wir glauben: eher nein. Sind künftig massenweise Handelsvertreter mit Hänger unterwegs statt mit Ford-Lastesel? Wohl kaum. Aber es könnte ein Anfang sein. Ein Anfang für mehr Gleichbehandlung von Auto und Fahrrad. Beides allerdings ist eine Subventionierung auf Kosten der Allgemeinheit (und im Falle der PKW eine gewollte staatliche Stütze für den Standort Deutschland).
Dabei hätte der Umstieg aufs Rad gerade für die jüngeren Dienstwagenberechtigten Vorteile. Überlebensvorteile sogar. Denn das Autofahren ist bei jungen Männern unfallträchtiger als das Radfahren. Das jedenfalls ergibt eine brandneue Studie von Epidemiologen des University College London. Demnach ist es für Männer zwischen 17 und 20 dreimal sicherer sich aufs Rad statt hinters Steuer zu setzen. Und auch im Alter zwischen 20 und 30 ist das Rad nicht unsicherer, erst danach schiebt sich das Auto knapp nach vorne. Die Wissenschaftler berechneten die Unfallhäufigkeit pro Stunden Transportzeit, das sei eine im Stadtverkehr relevante Größe, dort, wo Räder inzwischen fast so schnell unterwegs sind wie Autos. Verletzte pro Kilometer, eine Größe die bislang meist zu Rate gezogen wurde, verzerre das Ergebnis, weil Räder ja praktisch nicht für Langstrecken eingesetzt werden, Autos aber schon. Ein weiteres Ergebnis: Ab 70 wird es auf dem Rad dann vergleichsweise gefährlich. Obwohl, wer bis dahin durchgehalten hat, wird sicher auch im Alter nicht so leicht vom Zweirad kippen.Fazit der Forscher: Eine Person, die 40 Jahre lang jeden Tag eine Stunde Rad fährt und während der Zeit ungefähr 180.000 Kilometer zurücklegt, läuft in einem von 150 Fällen Gefahr, in einen tödlichen Unfall verwickelt zu werden. Klingt nicht gerade ungefährlich, ist aber ein geringeres Risiko ist als für einen Fußgänger, der ebenso viele Stunden unterwegs ist - und ein kaum höheres Risiko als für einen Autofahrer. Wobei gegenüber letzterem der Radfahrer gesundheitlich profitiert – was die Gesamtbilanz deutlich zugunsten der zwei Räder verschieben dürfte.
Kein Vorbild: Radfahren ist gesund - sicher ist es aber nur mit Helm Foto:pd-f.deRadfahrer im Film: "Premium Rush" ist leider eine Premium-Radfilm-Enttäuschung

Postzusteller auf zwei Rädern: Filmheld Wilee wird gespielt von Joseph Gordon-Levitt
„Der schlimmste Unfall, den ich je gesehen habe, war ein Unfall mit einer Bremse – Bremsen sind der Tod“, sagt Wilee und empfiehlt seiner Freundin Vanessa, die Bremse an ihrem Rad abzubauen. So spricht der Held im Film „Premium Rush“ kurz bevor eine schlichtweg aberwitzige Action-Posse beginnt.
Premium Rush ist der erste Film, der im Milieu der Fahrradkuriere Manhattans spielt. Die Protagonisten: Wilee, ein jede Verkehrsregel missachtender Postzusteller auf zwei Rädern, wird dargestellt von Joseph Gordon-Levitt, der in der wundervollen Komödie „500 days of Summer“ die männliche Hauptrolle spielte, und dafür sogar für den Golden Globe nominiert wurde. Manny (Wolé Parks), sein dunkelhäutiger Widersacher in der Kurier-Firma, pilotiert ein mehrgängiges Rennrad mit Bremse. Das schöne Courier-Girl Vanessa (Dania Ramirez) muss sich zwischen beiden entscheiden. Der Polizist – Achtung Kalauer! – Bobby (Michael Shannon) ist dem chinesischen Glücksspiel verfallen und hat mehrere tausend Dollar Schulden. Eine in New York lebende Chinesin, die ihren Sohn aus China nachholen will. Fußgänger, die vor allem Hindernisse sind, und mörderische Autofahrer.
Die erst kaum nachvollziehbare und dann kaum glaubwürdige Handlung lässt sich in etwa so zusammen fassen: Wilee muss einen Umschlag nach Chinatown bringen, der enthält eine codierte Einzahlungsquittung. Sie stammt von einer chinesischen Studentin, die in New York lebt (zufälligerweise in einer Wohnung mit Vanessa, die wiederum mit Wilee liiert ist) und ihren Sohn nachholen will (deswegen muss Vanessa ausziehen, warum sie das Zimmer räumen soll, erfährt sie nicht; warum ihr Manny beim Umzug hilft, erfahren wir nicht).
Weil die chinesische Studentin einen kritischen Beitrag über Tibet veröffentlich hat (wo der veröffentlicht wurde, erfahren wir auch nicht), erhält das Kind keine Ausreisegenehmigung, und die Studentin wendet sich an die Chinatown-Mafia. Die verlangt Geld dafür, das Kind in die USA zu schmuggeln. Die Studentin nimmt mehrere Jobs an, um den Schmuggel bezahlen zu können. Jetzt muss nur noch der kodierte Einzahlungsbeleg an die richtige Stelle übermittelt werden. Doch plötzlich will der böse Polizist den Beleg auch haben (warum, auch das erfahren wir leider nicht) und versucht mit allen – selbstverständlich illegalen – Mitteln zu verhindern, dass der Umschlag zugestellt wird. weiterlesen
Was ist eigentlich ein Fahrrad? Und: Wie halten wir es mit der Helmpflicht?

Puristische Form und gar nicht so kleinwüchsig wie das gleichnamige Auto: ein Pedelec von Smart Foto: Daimler
Seit es Pedelecs gibt, ist diese scheinbar leicht zu beantwortende Frage gar nicht mehr so einfach zu beantworten. Haben wir es mit Fahrrädern oder mit Motorgefährten zu tun?
Das Europäische Parlament hat in seiner Weisheit jetzt ein Machtwort gesprochen und verfügt, das weiterhin nur solche E-Bikes weiterhin als echte Fahrräder gelten, deren Motor nicht mehr als 250 Watt Leistung abgibt und die den Fahrer (oder müsste es nicht besser heißen: Treter?) nur bis zu einer Geschwindigkeit von maximal 25 km/h elektrisch unterstützt.
Der Zweiradhändlerverband ETRA hatte sich zuvor dafür eingesetzt, auch leistungsstärkere Motoren den Fahrrad-Status zuzubilligen. Dies sei für elektrisch unterstützte Lastenräder und in hügeligen Regionen sinnvoll. Der eigentliche Grund: Man wollte dadurch den Absatz der teuren Gefährte ankurbeln.
Denn die bisherige und nun vom Parlament bestätigte Regelung macht den Fahrern der stärkeren Pedelecs (den sogenannten S-Pedelecs) das Leben deutlich schwerer als den langsameren E-Bike-Besitzern. Erstere gelten offiziell als Kleinkrafträder und benötigen daher ein Nummernschild samt Versicherung. Außerdem muss der Fahrer mindestens 15 Jahre als sein und eine Mofa-Prüfbescheinigung besitzen (für Ältere reicht auch ein PKW- oder Motorrad-Führerschein). Noch dazu muss er einen Helm tragen. weiterlesen
Sonntagsausfahrt: Nichts für Saubermänner!

So sieht es aus, wenn man an einem nassen Dezember-Sonntag drei Stunden durch Feld, Wald und Wiese gefahren ist - und vor allem durch massive Matschlöcher. Ein Riesenspaß, gerade mit einer kleinen Gruppe (wir waren zu fünft), aber für die Reinigungsprozedur (Rad, Klamotten, Mann) ist fast noch einmal die gleiche Zeit zu veranschlagen. Die Gore-Jacke und -Hose wären ein Fest für jede Waschmittelwerbung - aber der Weisse Riese sollte bei Funktionkleidung ja lieber nicht zum Einsatz kommen.
Wir sind eine wunderbare Strecke gefahren, im Raum Neuschönningstedt, Reinbek, Bergedorf, Dassendorf, Hohenhorn, Aumühle. Erstaunlich wie viele kleine Wege es dort gibt, Singletrails und steile Anstiege (dank an den Tourguide Mirco!!!). Leider hat meine Hinterradbremse den Geist aufgegeben, kein Druckpunkt mehr die Magura. Das führt dann bei steilen Abfahrten und ausschließlicher Betätigung der Vorderradbremse dazu, dass man Ruckzuck über den Lenker ins Grüne saust. Aber nix passiert.


Nachtrag zum Fahren im Dunkeln: Der Fahrradweg zum Mitnehmen!

Fahrradstreifen auf Fahrbahnen gibt es längst nicht überall, schon gar nicht im Dämmerlicht oder gar im Dunkeln gut sichtbare. Also warum nicht aus der Not eine Tugend machen und einen mobilen Radweg entwickeln, dachten sich die Fahrrad-Enthusiasten der US-amerikanischen Firma Xfire. Denn gerade bei schlechten Sichtverhältnissen geraten Radler schnell in Gefahr, wenn sie sich auf der Straße bewegen und Autofahrer nicht den nötigen Sicherheitsabstand einhalten.
Das Bike Lane Safety Light schafft hier Abhilfe, mit zwei roten Linien, die signalisieren sollen: bis hierher und nicht weiter. Das ermöglicht ein Lasersystem, das zu beiden Seiten des Radfahrers Begrenzungsstreifen auf den Asphalt projiziert. Zum Glück muss man dafür keine aufwendige Laseranlage im Hänger mit sich herumschleppen, das Lichtsystem sieht aus wie ein normaler Rückstrahler, verfügte über 5 LED und wird schlicht an der Sattelstange montiert. In dem Gehäuse verbergen sich zwei Laser-Projektoren (5mW), die nach rechts und links eine Linie neben das Rad werfen. So hat man den Radweg immer dabei. Die Stromversorgung übernehmen zwei AAA-Batterien. 40 Dollar kostet der Spaß, der hierzulande allerdings sicherlich gegen die Bestimmungen der Straßenverkehrsordnung verstößt. Radfahren in Kathmandu: die tollkühnen Männer auf ihren klapprigen Kisten

Das Metzger-Fahrrad: Dieser junge Mann fährt täglich mit frischem Schweine- und Ziegenbock-Fleisch durch die Straßen am Stadtrand von Kathmandu. Das Fleisch wird direkt auf der Ladefläche zerteilt
Ich habe viel Respekt für die Radfahrer in Kathmandu. Der Straßenverkehr in Nepal gehört zu den gefährlichsten der Welt – laut UN starben im Jahr 2010 rund 1700 Menschen bei Verkehrsunfällen. Eine monströse Zahl, wenn man bedenkt, dass für die meisten der überwiegend armen Nepali (jährliches Pro-Kopf-Einkommen laut Auswärtigem Amt: 645 Dollar) ein Pkw unbezahlbar ist. Cirka 350.000 Fahrzeuge, darunter viele motorisierte Zweiräder, sollen in in dem Land zugelassen sein. In Deutschland sind rund 50 Millionen Fahrzeuge angemeldet, knapp 4000 Verkehrstote zählte man zuletzt.
In Kathmandu wähnt man sich dem Verkehrstod immer nah. Es liegt vor allem am eisenharten Straßen-Darwinismus: Der stärkere drückt den schwächeren von der Fahrbahn. Lastwagen verdrängen Pkws, Autos schieben Mopeds und Radfahrer weg. Ganz unten in der Hackordnung stehen die Fußgänger. Doch als solcher kann man sich immer noch in einen Hauseingang retten oder einfach ein Geschäft betreten. Als Radfahrer aber muss man immer auf der Hut sein, bremsen, den Weg frei machen, schnell vom Rad springen. Und wenn es dann doch dazu kommen sollte, dass man mit einem Auto kollidiert, dreht dessen Fahrer durch. Und alle Umstehenden geben ihm Recht, denn es ist in der Gesellschaft tief verankert, dass der Wohlhabende und damit Privilegierte eher Auto fährt als Fahrrad. Die meisten Rechte hat er zudem.


Das Umzugs-Rad: Der Fahrer mietet das Rad für etwa 2500 Rupien (ca. 21 Euro) pro Monat und verkauft dann die Transportkapazität und die eigene Kraft. Für diesen Umzug etwa verlangt er 1500 Rupien, ca. 13 Euro
Auch deshalb habe ich dann doch davon Abstand genommen, in Kathmandu zu radeln. Dabei sind die Fahrräder in der Stadt besonders. Man fährt hier vor allem indische Fabrikate, Modelle von Avon oder Atlas. Sie haben einen schweren Stahlrahmen, keine Gangschaltung und eine mechanisch recht aufwändige Gestänge-Bremse, die nicht auf die Flanken greift sondern auf die Innenflächen der Felgen. Weil viele Fahrräder vor allem als Lastentransporter dienen, haben sie besonders dicke Speichen. Ich habe in Nepal kein Bike in den Händen gehalten, das weniger als 20 Kilogramm zu wiegen schien. weiterlesen

Dirk Lehmann, Redakteur beim Reisemagazin GEO SAISON, ist schon in Kanada und in Kambodscha geradelt, in Vietnam und im Vinschgau, er interessiert sich für Bike-Gadgets, -Bekleidung und -Hotels, hat kein Auto sondern fährt einen Randonneur.