Hauptinhalt
28. September 2012
Im Kalten fliegt's sich besser (Von Stefan Hendricks, Arbeitsgruppe Meereisphysik, AWI)
Ein Schwerpunkt des Arbeitsprogramms der Meereisphysiker hier an Bord ist die großflächige Vermessung der Dicke des Meereises. Mit diesen Daten wollen wir untersuchen, wie dünn das verbleibende Meereis diesen Sommer gewesen ist und wo man noch älteres und dickeres Meereis finden kann.
Die Messungen führen wir mit einem der beiden Bordhelikopter und einem sogenannten EM-Bird durch. Dabei handelt es sich um ein etwa 4 Meter lange Messgerät, welches aus einer Höhe von 10 bis 15 Metern die Dicke von Meereis direkt messen kann. EM steht für Elektromagnetisch, da das Gerät mithilfe von elektromagnetischen Feldern Eis und Wasser aufgrund ihrer deutlich unterschiedlichen elektrischen Leitfähigkeiten auseinanderhalten kann. Das Messprinzip ist sehr ähnlich zu dem eines Metalldetektors, und da der Helikopter aus viel Metall besteht, hängt das Gerät an einem 20 Meter langen Schleppkabel unter dem Luftfahrzeug.
Photo: Stefan Hendricks, AWI EM-Bird im Einsatz für die Messung der Dicke von Meereis. Das Gerät wird von einem Bordhelikopter in einer Höhe von 10 bis 15 Meter über dem Meereis geschleppt
Wenn das Wetter es zulässt, dauern die Messflüge mit dem EM-Bird bis zu 2 Stunden. Da der Helikopter für die Eisdickenmessungen sehr tief fliegen muss, sind wir auf gute Sichtbedingungen angewiesen, was leider während dieser Polarstern-Reise viel zu selten der Fall war. In den ersten Wochen der Expedition verhinderten häufig tiefe Wolken und Nebel die Messungen mit dem EM-Bird, oder Flüge mussten oft vorzeitig abgebrochen werden. Seitdem jedoch Polarstern weiter Richtung Norden vorgedrungen ist, hat sich das Wetter deutlich gebessert. Dies liegt zu einem guten Teil daran, dass die Sonne nur noch tief über dem Horizont steht und es merklich kälter wird. Dadurch gefrieren sowohl die Schmelztümpel auf dem Eis als auch das Meerwasser zwischen den Eisschollen so, dass sich nicht mehr viel Nebel bildet.
Diesen Umstand nutzen wir aus, um entlang der Fahrtroute einen Querschnitt der Meereisdicke vom Rand der Eiszone bis zum Nordpol zu erstellen. Jetzt ist das Wetter zwar ausgezeichnet, dafür ist es nur noch wenige Stunden am Tag hell genug für Flüge. Daher wechseln sich Thomas Krumpen und ich ebenso wie die beiden Piloten für direkt aufeinanderfolgende Messflüge ab. Wir fliegen entlang der Schiffsroute vor und zurück, so dass die Messungen an einem Tag dort anfangen, wo sie am Vortag geendet haben. Für die Bedienung des EM-Birds ist dabei nur eine Person notwendig. Der Operator des EM-Birds sitzt mit einem Laptop-Computer auf der Rückbank des Helikopters und hat ständig die Höhe des EM-Birds im Auge. Das Gerät überträgt seine Daten in Echtzeit über Funk und wird ebenso gesteuert.
Photo: Stefan Hendricks, AWI Thomas bei der Bedienung des EM-Birds auf der Rückbank des Helikopters. Die EM-Bird Operatoren wechseln sich bei mehreren Flügen pro Tag ab
Photo: Stefan Hendricks, AWI Ausblick des EM-Bird Operators im Helikopter. Vorne sitzt neben dem Piloten immer ein Eisbeobachter. Der EM-Bird wird über einen Laptop gesteuert, der auch zur Anzeige der Daten in Echtzeit verwendet wird
Nach der langen Durststrecke am Anfang der Fahrt wurden wir in den letzten Tagen mit spektakulären Flügen mit tiefstehender Sonne belohnt. Diese Aussicht kann neben uns und den Piloten auch ein Eisbeobachter genießen. Es war nicht schwierig, für die Aufgabe Freiwillige zu finden, die die Protokollierung und Dokumentation des Fluges übernehmen.
Photo: Stefan Hendricks, AWI Ausblick aus dem Helikopter während eines Messfluges. In der Arktis geht Ende September die Sonne bereits früh unter
Auf den Flügen werden jedoch nicht nur aus dem Helikopter Fotos vom arktischen Sonnenuntergang aufgenommen. Wir haben den EM-Bird mit einer Luftbildkamera ausgerüstet, welche senkrecht nach unten die Meereisoberfläche fotografiert. Mit diesen Luftbildern können wir untersuchen, wie groß der Anteil von Schmelztümpeln auf dem Meereis ist. Schmelztümpel bilden sich durch Abschmelzen der Meereisoberfläche ab dem Beginn des arktischen Sommers. Da sie mehr Wärme von der Sonne aufnehmen als die hellere Eisoberfläche, führen sie zu einer verstärkten Abschmelze - bis das Eis unter dem Tümpel komplett verschwunden ist. Diese Tümpel erscheinen dann schwarz auf unseren Luftbildern, während Tümpel auf dickerem Meereis eine hellblaue Farbe aufweisen. Am Anfang der Fahrt konnten wir Luftbilder von Eisschollen machen, deren Oberfläche fast nur aus Schmelztümpeln bestand. Seitdem sind diese Eisschollen vermutlich komplett geschmolzen. Auf dem verbleibenden Eis sind die Tümpel mittlerweile jedoch komplett überfroren und mit Schnee bedeckt, so dass sie auch mit dem Auge nur noch schwer auszumachen sind.
Photo: Meereisphysik, AWI Selbstbild der Luftbildkamera im EM-Bird. Das Photo wurde über sehr glattem Wasser aufgenommen, so dass sich der EM-Bird und der Helikopter zwischen kleinen Eisschollen spiegeln
Photo: Meereisphysik, AWI Luftbild einer Eisscholle mit Schmelztümpeln. Die Bilder werden aus einer Höhe von einigen hundert Metern gemacht um ganze Eisschollen auf das Bild zu bekommen. Tümpel auf dicken Meereis erscheinen hellblau, auf dünnem Meereis hingegen schwarz
Dank der kalten Temperaturen und dem guten Wetter konnten wir in den letzten Tagen viele Messflüge durchführen, die wir gut mit Eisdicken-Messungen aus den vergangenen Jahren vergleichen können. Wie schon bei der Polarsternfahrt im letzten Jahr konnten wir nur noch wenig dickes Meereis finden. Die sehr geringe Eisbedeckung in diesem Jahr zeigt deutlich, dass sich der Trend zu einer Arktis mit nur wenig und dünnem Eis im Sommer fortsetzt.
Unser besonderer Dank gilt den beiden Piloten Klaus und Roland, sowie den Helikoptertechnikern Jens und Thomas, die uns bei den Messungen immer tatkräftig unterstützen. Ohne die Hilfe der vielen Beteiligten, die auch zu früher Stunde einen Wetterbericht erstellen oder den EM-Bird auf dem Helikopterdeck einfangen, wären unsere Messungen nicht möglich.
Die Messungen führen wir mit einem der beiden Bordhelikopter und einem sogenannten EM-Bird durch. Dabei handelt es sich um ein etwa 4 Meter lange Messgerät, welches aus einer Höhe von 10 bis 15 Metern die Dicke von Meereis direkt messen kann. EM steht für Elektromagnetisch, da das Gerät mithilfe von elektromagnetischen Feldern Eis und Wasser aufgrund ihrer deutlich unterschiedlichen elektrischen Leitfähigkeiten auseinanderhalten kann. Das Messprinzip ist sehr ähnlich zu dem eines Metalldetektors, und da der Helikopter aus viel Metall besteht, hängt das Gerät an einem 20 Meter langen Schleppkabel unter dem Luftfahrzeug.
Photo: Stefan Hendricks, AWI EM-Bird im Einsatz für die Messung der Dicke von Meereis. Das Gerät wird von einem Bordhelikopter in einer Höhe von 10 bis 15 Meter über dem Meereis geschlepptWenn das Wetter es zulässt, dauern die Messflüge mit dem EM-Bird bis zu 2 Stunden. Da der Helikopter für die Eisdickenmessungen sehr tief fliegen muss, sind wir auf gute Sichtbedingungen angewiesen, was leider während dieser Polarstern-Reise viel zu selten der Fall war. In den ersten Wochen der Expedition verhinderten häufig tiefe Wolken und Nebel die Messungen mit dem EM-Bird, oder Flüge mussten oft vorzeitig abgebrochen werden. Seitdem jedoch Polarstern weiter Richtung Norden vorgedrungen ist, hat sich das Wetter deutlich gebessert. Dies liegt zu einem guten Teil daran, dass die Sonne nur noch tief über dem Horizont steht und es merklich kälter wird. Dadurch gefrieren sowohl die Schmelztümpel auf dem Eis als auch das Meerwasser zwischen den Eisschollen so, dass sich nicht mehr viel Nebel bildet.
Diesen Umstand nutzen wir aus, um entlang der Fahrtroute einen Querschnitt der Meereisdicke vom Rand der Eiszone bis zum Nordpol zu erstellen. Jetzt ist das Wetter zwar ausgezeichnet, dafür ist es nur noch wenige Stunden am Tag hell genug für Flüge. Daher wechseln sich Thomas Krumpen und ich ebenso wie die beiden Piloten für direkt aufeinanderfolgende Messflüge ab. Wir fliegen entlang der Schiffsroute vor und zurück, so dass die Messungen an einem Tag dort anfangen, wo sie am Vortag geendet haben. Für die Bedienung des EM-Birds ist dabei nur eine Person notwendig. Der Operator des EM-Birds sitzt mit einem Laptop-Computer auf der Rückbank des Helikopters und hat ständig die Höhe des EM-Birds im Auge. Das Gerät überträgt seine Daten in Echtzeit über Funk und wird ebenso gesteuert.
Photo: Stefan Hendricks, AWI Thomas bei der Bedienung des EM-Birds auf der Rückbank des Helikopters. Die EM-Bird Operatoren wechseln sich bei mehreren Flügen pro Tag ab
Photo: Stefan Hendricks, AWI Ausblick des EM-Bird Operators im Helikopter. Vorne sitzt neben dem Piloten immer ein Eisbeobachter. Der EM-Bird wird über einen Laptop gesteuert, der auch zur Anzeige der Daten in Echtzeit verwendet wird
Photo: Stefan Hendricks, AWI Ausblick aus dem Helikopter während eines Messfluges. In der Arktis geht Ende September die Sonne bereits früh unterAuf den Flügen werden jedoch nicht nur aus dem Helikopter Fotos vom arktischen Sonnenuntergang aufgenommen. Wir haben den EM-Bird mit einer Luftbildkamera ausgerüstet, welche senkrecht nach unten die Meereisoberfläche fotografiert. Mit diesen Luftbildern können wir untersuchen, wie groß der Anteil von Schmelztümpeln auf dem Meereis ist. Schmelztümpel bilden sich durch Abschmelzen der Meereisoberfläche ab dem Beginn des arktischen Sommers. Da sie mehr Wärme von der Sonne aufnehmen als die hellere Eisoberfläche, führen sie zu einer verstärkten Abschmelze - bis das Eis unter dem Tümpel komplett verschwunden ist. Diese Tümpel erscheinen dann schwarz auf unseren Luftbildern, während Tümpel auf dickerem Meereis eine hellblaue Farbe aufweisen. Am Anfang der Fahrt konnten wir Luftbilder von Eisschollen machen, deren Oberfläche fast nur aus Schmelztümpeln bestand. Seitdem sind diese Eisschollen vermutlich komplett geschmolzen. Auf dem verbleibenden Eis sind die Tümpel mittlerweile jedoch komplett überfroren und mit Schnee bedeckt, so dass sie auch mit dem Auge nur noch schwer auszumachen sind.
Photo: Meereisphysik, AWI Selbstbild der Luftbildkamera im EM-Bird. Das Photo wurde über sehr glattem Wasser aufgenommen, so dass sich der EM-Bird und der Helikopter zwischen kleinen Eisschollen spiegeln
Photo: Meereisphysik, AWI Luftbild einer Eisscholle mit Schmelztümpeln. Die Bilder werden aus einer Höhe von einigen hundert Metern gemacht um ganze Eisschollen auf das Bild zu bekommen. Tümpel auf dicken Meereis erscheinen hellblau, auf dünnem Meereis hingegen schwarzUnser besonderer Dank gilt den beiden Piloten Klaus und Roland, sowie den Helikoptertechnikern Jens und Thomas, die uns bei den Messungen immer tatkräftig unterstützen. Ohne die Hilfe der vielen Beteiligten, die auch zu früher Stunde einen Wetterbericht erstellen oder den EM-Bird auf dem Helikopterdeck einfangen, wären unsere Messungen nicht möglich.
Kommentare zu "Im Kalten fliegt's sich besser (Von Stefan Hendricks, Arbeitsgruppe Meereisphysik, AWI)"
answer
von MaloneTOMMIE
am 29.09.2012 um 18:39 Uhr
I received 1 st credit loans when I was not very old and that helped me very much. Nevertheless, I need the bank loan as well.
Meereisphysik
von Anna-Maria Ciupe
am 30.09.2012 um 15:51 Uhr
Sehr schoene Bilder, danke. Viel Erfolg!
"Im Kalten fliegt's sich besser (Von Stefan Hendricks, Arbeitsgruppe Meereisphysik, AWI)" kommentieren

Sie schreiben eben in Ihren Bericht:
"Es war nicht schwierig, für die Aufgabe Freiwillige zu finden ...."
Ich melde mich auchan, um diese Aufgabe zu übernehmen.
Die Frage ist nur, wie komme ich zur Polarstern.
Liebe Grüße
Ihnen noch eine gute Rückkehr.
Wolfgang Krumpen