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10. August 2012
Eisfischen (Von Hauke Flores, Polarökologe am AWI)
Arbeitsgruppe: Iceflux (Hauke Flores, Carmen David, Benjamin Lange, Michiel van Dorssen)
Hauke Flores an Bord der
Polarstern
Rumpelnd, quietschend und gelegentlich krachend schiebt sich die Polarstern durch das Eis des Nordpolarmeers. Seit 30 Jahren tut sie nichts anderes: von Oktober bis Mai in der Antarktis, von Juni bis Oktober in der Arktis, Jahr ein Jahr aus. In Anbetracht ihres Alters könnte man das Teilen des Eises mit einigem Recht als ‚souverän' bezeichnen.
Unser vierköpfiges Team hatte der Ankunft im Meereis mit großer Spannung entgegengefiebert. Uns stand eine Premiere bevor. Zum ersten Mal sollten wir mit unserem schweren Untereisnetz unter dem Eis des Nordpolarmeers fischen.
Die Manschaft hat das Gerät schlicht den ‚Kampfwagen' getauft: Ein mehr als eine Tonne schwerer Stahlschlitten, an dem zwei 15 m lange Fangnetze befestigt sind. Dieses Surface and Under-Ice Trawl (SUIT; engl. Oberflächen- und Untereis-Schleppnetz) des niederländischen Forschungsinstituts IMARES wird mit großen Auftriebskörpern an der Oberfläche gehalten und gleitet beim Fischen auf der Unterseite des Eises. Durch eine ausgeklügelte Konstruktion schert es nach dem Aussetzen von Polarstern zur Seite, so dass es nicht im Fahrwasser des Eisbrechers fischt. Der ‚Kampfwagen' war zuvor nur in der Antarktis eingesetzt worden. Würde er auch dem ungleich dickeren, raueren mehrjährigen arktischen Meereis standhalten können?
Foto: Benjamin Lange SUIT nach dem Aussetzen hinter der Polarstern
Und nun endlich. Eis. Die Nervosität steigt bei uns an Deck der Polarstern, als der ‚Kampfwagen' am Morgen des 07. August klar gemacht wird zum Aussetzen. Die meterhohen Presseisrücken bereiten uns Sorge. Eine Erhebung von drei Metern über dem Eis kann leicht einen Auswuchs von doppelter Tiefe an der Unterseite bedeuten.
Das Gerät wird über einen A-förmigen Schwenkkran achtern auf dem Schiff ausgeschwenkt. Alle passen auf, denn es besteht Gefahr für Mannschaft und Wissenschaftler, wenn ein Drahtseil reißen würde. Aber die Deckscrew ist erfahren, und es gibt keine Probleme. Nach dem Aussetzen schert der ‚Kampfwagen' zur Steuerbordseite aus, als das Schiff Fahrt aufnimmt. Mit 2,5 Knoten rammen wir die erste Eisscholle, und ... der ‚Kampfwagen' gleitet problemlos unter das Eis. Aufatmen.
Als der Fang ca. eine halbe Stunde später an Bord kommt, folgt schließlich die große Überraschung: Wir haben arktischen Polardorsch gefangen. Der Polardorsch ist angepasst an das Leben an der Unterseite des Eises. In seinem unzugäglichen Lebensraum ist der bis etwa 20 cm große Fisch nur schwer für wissenschaftliche Zwecke zu beproben.
Im Eis lebende Mikroalgen stellen eine wichtige Kohlenstoffquelle in polaren Ökosystemen dar. Dieser Kohlenstoff ernährt durch die Nahrungskette zu einem wesentlichen Teil die Fischbestände, Wale, Robben und Eisbären der Arktis. Der Polardorsch ist als Nahrungsquelle für viele Robben und Seevögel ein wichtiges Bindeglied in dieser Nahrungskette. Untersuchungen am Polardorsch können entscheidende Hinweise darüber liefern, welche Rolle Meereislebensräume für die Ökosysteme der Arktis spielen. Und welche Veränderungen womöglich mit einem weiteren Rückgang des Eises zu erwarten sind. Solche Erkenntnisse helfen, die zukünftige Entwicklung der arktischen Fischbestände und der Artenvielfalt besser vorherzusagen.
Foto: Hauke Flores Fast alle Polardorsche konnten lebendig aus dem Fangnetz des Surface and Under-Ice Trawls (SUIT) geborgen werden
Als wir stolz unseren Fang in die Labore im Schiffsinneren bringen wollen, ertönt zum ersten Mal auf dieser Reise die Meldung „Eisbär voraus". Die Polarstern passiert eine Eisbärenmutter und ihr Junges, deren Fell im Licht der Polarsonne kurz aufleuchtet. Wie zur Bestätigung unserer Mühen ein Gruß von dem Raubtier, das unangefochten an der Spitze der arktischen Nahrungskette steht.
Foto: Brückenkamera Polarstern Eisbären voraus!
Der Blog-Eintrag auf englisch:
http://www.awi.de/en/discover/expedition_reports/blog_polarstern_expedition_icearc/
Hauke Flores an Bord derPolarstern
Unser vierköpfiges Team hatte der Ankunft im Meereis mit großer Spannung entgegengefiebert. Uns stand eine Premiere bevor. Zum ersten Mal sollten wir mit unserem schweren Untereisnetz unter dem Eis des Nordpolarmeers fischen.
Die Manschaft hat das Gerät schlicht den ‚Kampfwagen' getauft: Ein mehr als eine Tonne schwerer Stahlschlitten, an dem zwei 15 m lange Fangnetze befestigt sind. Dieses Surface and Under-Ice Trawl (SUIT; engl. Oberflächen- und Untereis-Schleppnetz) des niederländischen Forschungsinstituts IMARES wird mit großen Auftriebskörpern an der Oberfläche gehalten und gleitet beim Fischen auf der Unterseite des Eises. Durch eine ausgeklügelte Konstruktion schert es nach dem Aussetzen von Polarstern zur Seite, so dass es nicht im Fahrwasser des Eisbrechers fischt. Der ‚Kampfwagen' war zuvor nur in der Antarktis eingesetzt worden. Würde er auch dem ungleich dickeren, raueren mehrjährigen arktischen Meereis standhalten können?
Und nun endlich. Eis. Die Nervosität steigt bei uns an Deck der Polarstern, als der ‚Kampfwagen' am Morgen des 07. August klar gemacht wird zum Aussetzen. Die meterhohen Presseisrücken bereiten uns Sorge. Eine Erhebung von drei Metern über dem Eis kann leicht einen Auswuchs von doppelter Tiefe an der Unterseite bedeuten.
Als der Fang ca. eine halbe Stunde später an Bord kommt, folgt schließlich die große Überraschung: Wir haben arktischen Polardorsch gefangen. Der Polardorsch ist angepasst an das Leben an der Unterseite des Eises. In seinem unzugäglichen Lebensraum ist der bis etwa 20 cm große Fisch nur schwer für wissenschaftliche Zwecke zu beproben.
Im Eis lebende Mikroalgen stellen eine wichtige Kohlenstoffquelle in polaren Ökosystemen dar. Dieser Kohlenstoff ernährt durch die Nahrungskette zu einem wesentlichen Teil die Fischbestände, Wale, Robben und Eisbären der Arktis. Der Polardorsch ist als Nahrungsquelle für viele Robben und Seevögel ein wichtiges Bindeglied in dieser Nahrungskette. Untersuchungen am Polardorsch können entscheidende Hinweise darüber liefern, welche Rolle Meereislebensräume für die Ökosysteme der Arktis spielen. Und welche Veränderungen womöglich mit einem weiteren Rückgang des Eises zu erwarten sind. Solche Erkenntnisse helfen, die zukünftige Entwicklung der arktischen Fischbestände und der Artenvielfalt besser vorherzusagen.
Foto: Brückenkamera Polarstern Eisbären voraus!Der Blog-Eintrag auf englisch:
http://www.awi.de/en/discover/expedition_reports/blog_polarstern_expedition_icearc/
Kommentare zu "Eisfischen (Von Hauke Flores, Polarökologe am AWI)"
von Guybrush Threepwood
am 11.08.2012 um 18:54 Uhr
Zu eurem Dorschfang kam mir sofort folgendes in den Sinn:
http://www.chefkoch.de/rezepte/807341184577148/Dorsch-in-Bratfolie-auf-dem-Gemuesebett.html
Allerdings müsstet ihr noch etwas an der Ausbeute schrauben, damit nicht nur Gemüse auf dem Teller liegt.
Aber Spaß beiseite - Schön, dass ihr mit der Eisdicke keine Probleme hattet. Das Eisbärenfoto ist toll und auch die Idee, einen Clip mit einzubauen ist erste Sahne!
video of suit and photos of cod
von Jaye Lange
am 20.08.2012 um 06:34 Uhr
Very impressive, Ben. Your work looks very interesting! We are so proud of you. Hope all the testing continues to go well. Love you very much, Mum and Dad Lange
"Eisfischen (Von Hauke Flores, Polarökologe am AWI)" kommentieren


Glueckwunsch zu dem gelungenen Dorschfang mit dem
'Kampfwagen'. Danke auch fuer das Eisbaerenfoto.
Viel Erfolg weiterhin.