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13. August 2012
Buddeln im Schlamm - Beprobung des Meeresbodens für Umweltbakterien (Von Christina Bienhold)
Die Autorin ist Mikrobiologin in der HGF-MPG Brückengruppe für Tiefseeökologie und Technologie, Alfred Wegener Institut für Polar- und Meeresforschung und Max Planck Institut für Marine Mikrobiologie
Die Tiefseebakterienforscher mit ihrem Probenahmegerät. Von links nach rechts: Christina Bienhold, Wiebke Rentzsch, Rafael Stiens. (HGF MPG Brückengruppe, MPI Bremen)
Foto: Christina Bienhold, MPI für Marine Mikrobiologie) TV-MUC (MUltiCorer) zur Entnahme von
Sedimentproben in mehreren tausend Metern
Wassertiefe
Im heutigen Blog wird es um die Beprobung des Meeresbodens gehen. Im Gegensatz zu vielen anderen Fahrtteilnehmern, die an Proben und Messungen aus dem Meereis bzw. der Wassersäule interessiert sind, wollen wir mehr über das erfahren, was sich tief unten in der Tiefsee abspielt. Die am Meeresboden lebenden Organismen werden als Benthos bezeichnet. Hierbei ist unsere kleine Gruppe vom AWI und Max Planck Institut für Marine Mikrobiologie besonders an den Kleinstlebewesen, den benthischen Bakterien, interessiert. Diese sind zwar für das bloße Augen nicht sichtbar da nur ein Tausendstel Millimeter gross, mit ihren Stoffwechselleistungen spielen sie aber eine bedeutende Rolle für das arktische Ökosystem, denn sie kommen zu Milliarden in nur einem Gramm Sediment vor und machen somit einen großen Teil der Biomasse am Meeresboden aus.
An Bord benutzen wir den sogenannten TV-MUC, um Proben aus dem Meeresboden in mehreren tausend Metern Wassertiefe zu entnehmen. „MUC" steht dabei für MUltiCorer, der uns im Idealfall 8 Sedimentkerne mit einer Länge von maximal 50 cm aus der Tiefe mitbringt. Das „TV" heißt, dass eine Kamera an dem Gerät angebracht ist, mit der wir bei Einsatz des Gerätes live Bilder vom Meeresboden erhalten. So bekommen wir unmittelbar einen Eindruck davon, wie es an der Stelle aussieht, an der wir unsere Proben nehmen. Wir sind gerade dabei arktische Tiefseesedimente in 4000 m Wassertiefe zu beproben, die vor uns wohl noch nie ein Mensch gesehen hat. Auf den ersten Blick sehen wir eintönigen Meeresboden, doch hier und da tauchen Tiefseeanemonen oder kleine Krebschen im Bild auf und zeigen, dass es auch hier in einer der kältesten und nahrungsärmsten Regionen der Ozeane Leben gibt.
Foto: Renate Degen, AWI Rafael und Christina sichern die Sedkimentkerne,
die der MultiCorer aus 4000 m Tiefe an Bord gebracht
hat: eine matschige Angelegenheit
Sobald der MultiCorer wieder an Deck der Polarstern ist, geht für uns die Arbeit los. Insgesamt teilen wir uns die Sedimentproben noch mit anderen Gruppen an Bord, und jeder ist an verschiedenen Messungen und Experimenten interessiert. Aus unseren Meeresbodenproben wollen wir die Zusammensetzung der Bakteriengemeinschaften bestimmen und frieren dafür Schlammproben ein, aus denen wir zuhause im Labor über die Erbinformationen (DNA) Rückschlüsse auf die in der arktischen Tiefsee lebenden Mikroorganismen ziehen können. Einige Messungen führen wir auch direkt an Bord durch. Dafür haben wir uns ein komplettes Labor eingerichtet, in dem wir z.B. die Konzentration des Pflanzenfarbstoffs Chlorophyll bestimmen können. Dies liefert uns ein Maß dafür, wie groß bzw. klein das Nahrungsangebot für die Bodenbewohner ist, die hauptsächlich von dem leben, was an abgestorbenem Algenresten aus den oberen Wasserschichten nach unten sinkt. Die Reste enthalten Chlorophyll das sonst nicht am Meeresboden vorkommt, damit wissen wir also was von der Primärproduktion im lichtdurchfluteten Oberflächenwasser für die Tiefseetiere am Boden zur Verfügung steht.
Foto: Renate Degen, AWI Christina und Wiebke nehmen erste Proben
des Tiefseeschlamms
Aber nicht nur den ganz kleinen Bodenorganismen wollen wir uns auf dieser Fahrt widmen, sondern auch den etwas größeren, wie der sogenannten Meiofauna (Tiere zwischen 0.06 mm und 1mm), der Makrofauna (> 1mm) und der Megafauna (> 20 mm). Mit dem Videoschlitten OFOS (Ocean Floor Observation System, AWI), der hochauflösende Videos vom Meeresboden liefert, wollen wir weitere Einblicke in das Leben der arktischen Tiefsee gewinnen - davon berichten später unsere Mitstreiterinnen Renate, Antonina und Elena, die sich mit den Tieren von 1 mm bis über 1 cm Grösse beschäftigen. Die ersten Aufnahmen zeigen, dass es einige Tiere geschafft haben, sich trotz Nahrungsarmut und Kälte an diesen Lebensraum anzupassen.
Mit den besten Grüßen an alle Daheimgebliebenen!
Eine erste Aufnahme vom Meeresboden mit dem OFOS (Ocean Floor Observation System, AWI). Trotz Kälte und Nahrungsarmut schaffen es z.B. einige Seeanemonen und Seegurken in der arktischen Tiefsee zu überleben. Zum Größenvergleich: die beiden roten Laserpunkte im Bild sind ca. 50 cm voneinander entfernt
Die Tiefseebakterienforscher mit ihrem Probenahmegerät. Von links nach rechts: Christina Bienhold, Wiebke Rentzsch, Rafael Stiens. (HGF MPG Brückengruppe, MPI Bremen)
Foto: Christina Bienhold, MPI für Marine Mikrobiologie) TV-MUC (MUltiCorer) zur Entnahme vonSedimentproben in mehreren tausend Metern
Wassertiefe
An Bord benutzen wir den sogenannten TV-MUC, um Proben aus dem Meeresboden in mehreren tausend Metern Wassertiefe zu entnehmen. „MUC" steht dabei für MUltiCorer, der uns im Idealfall 8 Sedimentkerne mit einer Länge von maximal 50 cm aus der Tiefe mitbringt. Das „TV" heißt, dass eine Kamera an dem Gerät angebracht ist, mit der wir bei Einsatz des Gerätes live Bilder vom Meeresboden erhalten. So bekommen wir unmittelbar einen Eindruck davon, wie es an der Stelle aussieht, an der wir unsere Proben nehmen. Wir sind gerade dabei arktische Tiefseesedimente in 4000 m Wassertiefe zu beproben, die vor uns wohl noch nie ein Mensch gesehen hat. Auf den ersten Blick sehen wir eintönigen Meeresboden, doch hier und da tauchen Tiefseeanemonen oder kleine Krebschen im Bild auf und zeigen, dass es auch hier in einer der kältesten und nahrungsärmsten Regionen der Ozeane Leben gibt.
Foto: Renate Degen, AWI Rafael und Christina sichern die Sedkimentkerne,die der MultiCorer aus 4000 m Tiefe an Bord gebracht
hat: eine matschige Angelegenheit
Foto: Renate Degen, AWI Christina und Wiebke nehmen erste Probendes Tiefseeschlamms
Mit den besten Grüßen an alle Daheimgebliebenen!
Eine erste Aufnahme vom Meeresboden mit dem OFOS (Ocean Floor Observation System, AWI). Trotz Kälte und Nahrungsarmut schaffen es z.B. einige Seeanemonen und Seegurken in der arktischen Tiefsee zu überleben. Zum Größenvergleich: die beiden roten Laserpunkte im Bild sind ca. 50 cm voneinander entferntKommentare zu "Buddeln im Schlamm - Beprobung des Meeresbodens für Umweltbakterien (Von Christina Bienhold)"
von Ephraim Langstrumpf
am 21.08.2012 um 22:00 Uhr
Eure Geräte sehen aus wie von einem anderen Stern - genau wie die Lebewesen, denen ihr begegnet.
Beeindruckend und beneidenswert!
"Buddeln im Schlamm - Beprobung des Meeresbodens für Umweltbakterien (Von Christina Bienhold)" kommentieren

Hallo
Ihr macht eine wirklich wertvolle Arbeit.
Sollte der Mensch nicht mit Achtung staunend inne halten, wo sich Leben tummelt, das er gedankenlos bis jetzt übergangen hat?
Macht Weiter!
LG Dirk