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17. August 2012
Besuch der Wetterstation (Interview von Antje Boetius)
In diesem Blog wollen wir auch ab und zu über Berufe in der (Forschungs-)Seefahrt berichten. Heute besuche ich die Wetterstation des Forschungsschiffs POLARSTERN, derzeit besetzt von einem Meteorlogen (Max Miller aus Thannhausen bei Augsburg) und einer Wettertechnikerin (Juliane Hempelt aus Bautzen - wohnhaft in Potsdam), die übrigens die erste Frau auf See des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ist. Max und Juliane sind für uns an Bord sehr wichtig, denn sie beraten uns, ob die Helikopter fliegen können und wie weit, und sie erklären uns einmal am Tag, was für ein Wetter und Wellengang wir zu erwarten haben. Außerdem beliefern sie den Deutschen Wetterdienst mit Daten aus einer Gegend, in der es nicht viele Wetterstationen gibt ...
Fotos: Antje Boetius Juliane Hempelt und Max Miller in der Bordwetterwarte. Wichtigstes Werkzeug nach dem Wetterballon: der Computer
Max und Juliane, wie ist euer Tagesablauf an Bord?
Max: Eigentlich ähnlich wie bei einem Bürojob, ich bin um 06:30 in der Bordwetterwarte und arbeite dann bis abends um 18:30 ungefähr - wenn geflogen wird, auch mal länger.
Juliane: Ich bin um ca. 06:00 in der Bordwetterwarte, weil dann der erste Radiosondenaufstieg ansteht. Sondenaufstiege werden derzeit 2 gemacht, einer generell gegen Mittag, den anderen am Morgen, je nach dem ob geflogen werden soll oder nicht.
Max: Der Ballon misst Druck, Temperatur, Feuchte und Wind. Die Helikopterpiloten müssen z.B. wissen, ob Vereisungsgefahr besteht und wie weit sie fliegen können, ob Nebel droht.
Foto: Bordwetterwarte Juliane Hempelt lässt den Wetterballon steigen,
der wichtige Daten aus der Höhe übermittelt
Wie viele Tage vom Jahr seid ihr auf See, und wo arbeitet ihr sonst ?
Max: Ich bin ca. 7 Monate vom Jahr auf See als Meteorologe. Der Rest vom Jahr ist dann aber frei, denn auf See sammelt man Überstunden, Feiertage und Urlaubstage an. Eigentlich muss man zuhause dann nur ab und zu für Besprechungen ins Büro.
Juliane: Da ich in meinem ersten Jahr bin, fahr ich erstmal länger, aber in Zukunft dann wohl auch um die 6-7 Monate.
Was war Euer extremstes Wetterevent, das ihr untersucht habt?
Max: Ich hatte eine Reise nach 60° Süd im Atlantik zur Eisgrenze im Juni - da ist im Süden Winter. Meine Schlechtwetter-Vorhersage war richtig, wir hatten über 10 m Wellen – da gab es sogar Schäden am Schiff bei dem Unwetter.
Juliane: Bei mir war noch nichts so schlimm.
Max: Das kommt schon noch bei der ersten Südreise, wenn Du durch die schaurige Südzone durchmusst ...
Seid Ihr denn beide seefest?
Juliane: Nur bei meiner ersten Reise hat es mich ausgeknockt - war ich ja nicht gewohnt mit dem Schaukeln. Und METEOR bewegt sich mehr als POLARSTERN. Aber dann nach dem ersten Mal ging es immer besser. Es ging dann ja bei mir auch mit Mittelmeerreisen los, und hier im Eis schaukelt es auch nicht.
Max: Mich hat es auch nur bei meiner ersten Reise erwischt, da war ich einmal grundgereinigt, dann war damit Schluss.
Was denkt Ihr denn, wenn Ihr zuhause Wetternachrichten im Fernsehen seht?
Juliane: Also wenn ich zuhause bin, schau ich zwar Fernsehen, aber da interessiert mich das Wetter nicht so.
Max: Die Wetternachrichten im Fernsehen und Radio haben auch nichts direkt mit dem Wetterdienst zu tun.
Juliane: Die Fernsehsender haben eigene Meteorologen. Die kriegen nur die Rohdaten vom Wetterdienst und machen dann selber eine Vorhersage daraus.
Max: Oder die kriegen einen Text und lesen den vor, sind ja auch nicht immer alles Meteorologen die das Wetter vortragen.
Und warum kann man heute besser als noch vor 10 Jahren das Wetter vorhersagen?
Max: Vor allem sind es die besseren Rechnerleistungen, und auch die besseren Modelle. Man kann regional immer feiner auflösen, daher wird die Vorhersage genauer.
Juliane: Die Messtechnik ist eigentlich gleich geblieben, man kann aber viel öfter und mit hoher zeitlicher Auflösung genaue Daten produzieren.
Max: Besser könnte man noch mit mehr Wetterstationen werden. Es gibt Regionen der Erde fast ohne Daten, besonders wo viel Wasserfläche ist. Die Analysen werden natürlich besser, wenn die Messstationen dichter werden.
Wo gibt es denn überhaupt Wetterstationen auf dem Wasser? Und woher weiß ich was für ein Wetter am Nordpol ist?
Max: Es gibt auf dem Ozean Bojen, auch Schiffe mit Wetterstationen – Forschungsschiffe sowie Handelsschiffe, die Daten produzieren. Für den Nordpol gibt es nur den Wettersatelliten, der kann Wolken sehen, manchmal auch Eis - aber nicht die Temperatur über dem Eis messen.
Ich habe noch eine letzte Frage an Juliane: Wie bist Du auf die Idee gekommen, Wettertechnikerin zu werden, es gibt ja sicher wenige Frauen in dem Beruf?
Juliane: Also in der Ausbildung ist das schon halbe halbe. Im Osten waren früher sogar vor allem Frauen im Wetterdienst. Es gibt aber überhaupt sehr wenige Ausbildungsplätze - der Deutsche Wetterdienst bildet selber aus, zu meiner Bewerbungszeit wurden von ungefähr 1200 Bewerbern 120 zum Gespräch geladen und dann 12 ausgewählt. Der Wetterdienst bildet derzeit alle zwei Jahre ungefähr 10 Wetterbeobachter/-techniker und jährlich ca. 10 Berater (FH) aus.
Wie bist Du denn darauf gekommen Dich auf so eine Ausbildung zu bewerben, und dann noch zur See zu fahren?
Juliane: Naja, eher Zufall. Ich hatte Unterlagen dazu vom Arbeitsamt bekommen. Meine Mutter meinte, das wäre was für mich, weil ich als Kind so von Gewittern begeistert war - Auf meine ersten Ostereier habe ich Gewitter gemalt. Ich habe mich beworben und bin dann auch ausgewählt worden. Dann hatte ich neulich von einem Kollegen von METEOR gehört und konnte mich auf die Forschungsschifffahrt bewerben - Glück gehabt!
Aktuelle Online-Wetterdaten von der Bordwetterwarte auf Polarstern (Auszug aus Bordnetz)
Fotos: Antje Boetius Juliane Hempelt und Max Miller in der Bordwetterwarte. Wichtigstes Werkzeug nach dem Wetterballon: der ComputerMax und Juliane, wie ist euer Tagesablauf an Bord?
Max: Eigentlich ähnlich wie bei einem Bürojob, ich bin um 06:30 in der Bordwetterwarte und arbeite dann bis abends um 18:30 ungefähr - wenn geflogen wird, auch mal länger.
Juliane: Ich bin um ca. 06:00 in der Bordwetterwarte, weil dann der erste Radiosondenaufstieg ansteht. Sondenaufstiege werden derzeit 2 gemacht, einer generell gegen Mittag, den anderen am Morgen, je nach dem ob geflogen werden soll oder nicht.
Max: Der Ballon misst Druck, Temperatur, Feuchte und Wind. Die Helikopterpiloten müssen z.B. wissen, ob Vereisungsgefahr besteht und wie weit sie fliegen können, ob Nebel droht.
Foto: Bordwetterwarte Juliane Hempelt lässt den Wetterballon steigen,der wichtige Daten aus der Höhe übermittelt
Max: Ich bin ca. 7 Monate vom Jahr auf See als Meteorologe. Der Rest vom Jahr ist dann aber frei, denn auf See sammelt man Überstunden, Feiertage und Urlaubstage an. Eigentlich muss man zuhause dann nur ab und zu für Besprechungen ins Büro.
Juliane: Da ich in meinem ersten Jahr bin, fahr ich erstmal länger, aber in Zukunft dann wohl auch um die 6-7 Monate.
Was war Euer extremstes Wetterevent, das ihr untersucht habt?
Max: Ich hatte eine Reise nach 60° Süd im Atlantik zur Eisgrenze im Juni - da ist im Süden Winter. Meine Schlechtwetter-Vorhersage war richtig, wir hatten über 10 m Wellen – da gab es sogar Schäden am Schiff bei dem Unwetter.
Juliane: Bei mir war noch nichts so schlimm.
Max: Das kommt schon noch bei der ersten Südreise, wenn Du durch die schaurige Südzone durchmusst ...
Seid Ihr denn beide seefest?
Juliane: Nur bei meiner ersten Reise hat es mich ausgeknockt - war ich ja nicht gewohnt mit dem Schaukeln. Und METEOR bewegt sich mehr als POLARSTERN. Aber dann nach dem ersten Mal ging es immer besser. Es ging dann ja bei mir auch mit Mittelmeerreisen los, und hier im Eis schaukelt es auch nicht.
Max: Mich hat es auch nur bei meiner ersten Reise erwischt, da war ich einmal grundgereinigt, dann war damit Schluss.
Was denkt Ihr denn, wenn Ihr zuhause Wetternachrichten im Fernsehen seht?
Juliane: Also wenn ich zuhause bin, schau ich zwar Fernsehen, aber da interessiert mich das Wetter nicht so.
Max: Die Wetternachrichten im Fernsehen und Radio haben auch nichts direkt mit dem Wetterdienst zu tun.
Juliane: Die Fernsehsender haben eigene Meteorologen. Die kriegen nur die Rohdaten vom Wetterdienst und machen dann selber eine Vorhersage daraus.
Max: Oder die kriegen einen Text und lesen den vor, sind ja auch nicht immer alles Meteorologen die das Wetter vortragen.
Und warum kann man heute besser als noch vor 10 Jahren das Wetter vorhersagen?
Max: Vor allem sind es die besseren Rechnerleistungen, und auch die besseren Modelle. Man kann regional immer feiner auflösen, daher wird die Vorhersage genauer.
Juliane: Die Messtechnik ist eigentlich gleich geblieben, man kann aber viel öfter und mit hoher zeitlicher Auflösung genaue Daten produzieren.
Max: Besser könnte man noch mit mehr Wetterstationen werden. Es gibt Regionen der Erde fast ohne Daten, besonders wo viel Wasserfläche ist. Die Analysen werden natürlich besser, wenn die Messstationen dichter werden.
Wo gibt es denn überhaupt Wetterstationen auf dem Wasser? Und woher weiß ich was für ein Wetter am Nordpol ist?
Max: Es gibt auf dem Ozean Bojen, auch Schiffe mit Wetterstationen – Forschungsschiffe sowie Handelsschiffe, die Daten produzieren. Für den Nordpol gibt es nur den Wettersatelliten, der kann Wolken sehen, manchmal auch Eis - aber nicht die Temperatur über dem Eis messen.
Ich habe noch eine letzte Frage an Juliane: Wie bist Du auf die Idee gekommen, Wettertechnikerin zu werden, es gibt ja sicher wenige Frauen in dem Beruf?
Juliane: Also in der Ausbildung ist das schon halbe halbe. Im Osten waren früher sogar vor allem Frauen im Wetterdienst. Es gibt aber überhaupt sehr wenige Ausbildungsplätze - der Deutsche Wetterdienst bildet selber aus, zu meiner Bewerbungszeit wurden von ungefähr 1200 Bewerbern 120 zum Gespräch geladen und dann 12 ausgewählt. Der Wetterdienst bildet derzeit alle zwei Jahre ungefähr 10 Wetterbeobachter/-techniker und jährlich ca. 10 Berater (FH) aus.
Wie bist Du denn darauf gekommen Dich auf so eine Ausbildung zu bewerben, und dann noch zur See zu fahren?
Juliane: Naja, eher Zufall. Ich hatte Unterlagen dazu vom Arbeitsamt bekommen. Meine Mutter meinte, das wäre was für mich, weil ich als Kind so von Gewittern begeistert war - Auf meine ersten Ostereier habe ich Gewitter gemalt. Ich habe mich beworben und bin dann auch ausgewählt worden. Dann hatte ich neulich von einem Kollegen von METEOR gehört und konnte mich auf die Forschungsschifffahrt bewerben - Glück gehabt!
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