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19. September 2012
Interview: Ausbildung auf hoher See (Von Christina Bienhold)
Wir sind nun bei 88°N und 60°O angelangt und haben die Forschungsarbeiten an unserer siebten Eisstation wieder aufgenommen - in fast völlig geschlossener Eisdecke. Die Luft ist schon kalt genug, dass die Schmelztümpel auch tagsüber zufrieren. Nur unter dem Eis ist das Wasser noch etwas über dem Gefrierpunkt von Meereis - das heißt, der arktische Sommer ist noch nicht ganz zu Ende.
Heute möchte ich noch einmal zwei Mitglieder der Polarstern-Crew vorstellen. Axel und Micha machen in Rostock eine Ausbildung zum Schiffsmechaniker und sind zur Zeit Azubis an Bord der Polarstern und damit die jüngsten Mitglieder der Crew. Axel ist im 2. und Micha im 3. Ausbildungsjahr.
Christina: Axel und Micha, wo an Bord arbeitet ihr zur Zeit und was sind eure Aufgaben?
Axel: Ich arbeite im Moment an Deck. Zu meinen Aufgaben gehört das Arbeiten mit Tauwerk und Sichern der Ladung, sowie das Instandhalten der ausschließlich an Deck befindlichen Maschinen und Anlagen, aber auch gelegentlich das Bedienen von Winden und Kränen. Zudem helfe ich beim Aussetzen der wisschenschaftlichen Geräte. Ab nächster Woche bin ich dann auf der Brücke. Auf Brücke habe ich die Möglichkeit, das Schiff mal selbst zu steuern.
Micha: Ich bin zur Zeit im Maschinenraum, haupsächlich in der Werkstatt, wo ich mich viel mit Metallarbeiten beschäftige. Im Maschinenraum sind wir für die Maschinenanlagen und auch für die tägliche Maschinen-Datenerfassung zuständig.
Michael überprüft eine Gasmaske
Christina: Wer sind Eure direkten Vorgesetzten hier an Bord?
Micha: Bei mir sind das der Chief, bzw. der Lagerhalter. Auf anderen Schiffen ist der 2. Ingenieur, der praktisch der Arbeitsminister ist, für die Verteilung der Aufgaben zuständig.
Axel: Bei mir sind das der Bootsmann und der Chief Mate (1. Offizier).
Christina: Wie sieht für euch ein typischer Tagesablauf an Bord aus?
Micha: Also, in der Regel fange ich um 8 Uhr an. Morgens setzen wir uns dann erstmal zusammen und Paul, der Lagerhalter, verteilt die Arbeitsaufgaben, die für den Tag anliegen. Feierabend habe ich dann gegen 17 Uhr. Donnerstag (am Seemanns-Sonntag) und am Sonntag kann ich schon zum Kaffee Feierabend machen. Allerdings habe ich keinen freien Tag.
Axel: Bei mir ist das unterschiedlich. Teilweise arbeit ich von 0-8 Uhr, oder auch mal von 16-24 Uhr. Es kommt immer darauf an, wie das wissenschaftliche Programm es erfordert. Außerdem habe ich einen Tag in der Woche frei.
Axel bei der Arbeit an Deck
Christina: Seit wann seit ihr auf Polarstern und auf welchen Schiffen habt ihr davor schon gearbeitet?
Axel: Ich bin seit etwas über 1 Monat hier, also auch mit Beginn des 3. Fahrtabschnitts zugestiegen. Davor war ich schon auf dem Forschungsschiff Meteor.
Micha: Ich bin seit Ende Mai auf der Polarstern, also schon etwas mehr als 3 Monate. Davor bin ich Container-Schiff gefahren, Gastanker und auch auf einer Fähre.
Christina: Was macht ihr, wenn ihr nach diesem Fahrtabschnitt wieder an Land seid?
Axel & Micha: Wir werden beide ein bisschen Urlaub machen, und im November fängt dann die Berufsschule wieder an.
Kein ganzes Fußballfeld, aber der Arbeitsgang bietet
genug Platz für ein bisschen Training mit dem Ball
Christina: Wie seid ihr dazu gekommen, eine Ausbildung zum Schiffsmechaniker zu machen?
Micha: Mein Vater fährt auch zur See, und ich komme aus Rostock, wo ich schon immer das Meer vor der Haustür hatte. Als ich 16 war hat mich mein Vater schon auf einem Container-Schiff mitgenommen, und ich habe dort einen ersten Einblick in die Arbeit an Bord bekommen.
Axel: Ich war vorher 2 Jahre bei der Marine und wollte weiterhin auf See arbeiten, jetzt aber eben zivil.
Christina: Was fasziniert euch an der Arbeit auf dem Schiff - man ist ja oft lange von zu hause weg?
Micha: Die Arbeit hier ist sehr abwechslungsreich, und ich durchlaufe alle möglichen Arbeitsbereiche. Von der Brücke in die Maschine, Rettungsboot fahren usw.. Man bekommt sehr viel mit. Bei Anfragen aus der Wissenschaft sind oft kreative Lösungen gefragt.
Außerdem ist da natürlich die Reiselust, fremde Länder und Orte kennenzulernen, Orte, von denen viele noch nie zuvor gehört haben. Und einfach mal weg zu sein, es gibt keine Staumeldungen im Radio, kein Handy... und das ist das Entspannte an der Arbeit auf See.
Axel: Mir gefällt auch die Vielseitigkeit und die verschiedenen Aufgaben, die hier an Bord anfallen. Vieles kann ich auch in Eigenverantwortung machen, es muss eben am Ende fertig sein. Und auch bei mir spielt die Reiselust eine Rolle. Außerdem gefällt mir, dass ich zu hause ausschließlich Freizeit habe. Auf dem Schiff ist mein Arbeitsplatz und wenn ich wieder zu hause bin, kann ich vollkommen von der Arbeit abschalten und so die Zeit viel mehr genießen.
Anmerkung: Allerdings haben beide zugegeben, dass sie neben der spannenden Arbeit auf See natürlich auch ihre Familien und Freunde zu hause vermissen!
Christina: Wie lange seid ihr in der Regel auf See?
Axel: Im Moment 3 Monate.
Micha: Die maximale Zeit für einen deutschen Seemann sind 6 Monate. Mein Vater fährt z.B. immer 4 Monate (+/- 1 Monat). Aber es gibt Kollegen aus anderen Ländern, die teilweise 11 Monate am Stück auf See sind.
Christina mit ihrem Interviewpartner Axel
Christina: Was macht ihr während eurer Freizeit an Bord?
Axel: Neue Leute kennenlernen, ab und zu Sport machen, z.B. Wasserball spielen, Ping Pong, oder Fußball (Christina: Stimmt, ich sehe dich öfter im Arbeitsgang vor unserem Labor mit deinem Fußball kicken), chillen, Bücher lesen, Filme gucken.
Micha: Wasserball spielen, Gitarre spielen, mich hin und wieder einen Abend im roten Salon mit euch Wissenschaftlern zusammensetzen und unterhalten. Zeitung lesen - auch wenn wir nur alte Zeitungen hier an Bord haben....
Christina: So, und hier meine letzte Frage. Habt ihr einen Lieblingsplatz an Bord?
Axel: Mein Bett...
Micha: Hm, da stehen der rote Salon gegen unsere Diesel. Im roten Salon kann man gut abschalten und bei den Dieseln einfach nur hinhören.
Christina: Axel und Micha, vielen Dank für eure Zeit und viel Erfolg für Euren weiteren Ausbildungsgang.
Das Interview führte Christina Bienhold (Postdoc in der HGF-MPG Brückengruppe für Tiefseeökologie und Technologie, Alfred Wegener Institut für Polar- und Meeresforschung und Max Planck Institut für Marine Mikrobiologie)
Heute möchte ich noch einmal zwei Mitglieder der Polarstern-Crew vorstellen. Axel und Micha machen in Rostock eine Ausbildung zum Schiffsmechaniker und sind zur Zeit Azubis an Bord der Polarstern und damit die jüngsten Mitglieder der Crew. Axel ist im 2. und Micha im 3. Ausbildungsjahr.
Christina: Axel und Micha, wo an Bord arbeitet ihr zur Zeit und was sind eure Aufgaben?
Axel: Ich arbeite im Moment an Deck. Zu meinen Aufgaben gehört das Arbeiten mit Tauwerk und Sichern der Ladung, sowie das Instandhalten der ausschließlich an Deck befindlichen Maschinen und Anlagen, aber auch gelegentlich das Bedienen von Winden und Kränen. Zudem helfe ich beim Aussetzen der wisschenschaftlichen Geräte. Ab nächster Woche bin ich dann auf der Brücke. Auf Brücke habe ich die Möglichkeit, das Schiff mal selbst zu steuern.
Micha: Ich bin zur Zeit im Maschinenraum, haupsächlich in der Werkstatt, wo ich mich viel mit Metallarbeiten beschäftige. Im Maschinenraum sind wir für die Maschinenanlagen und auch für die tägliche Maschinen-Datenerfassung zuständig.
Christina: Wer sind Eure direkten Vorgesetzten hier an Bord?
Micha: Bei mir sind das der Chief, bzw. der Lagerhalter. Auf anderen Schiffen ist der 2. Ingenieur, der praktisch der Arbeitsminister ist, für die Verteilung der Aufgaben zuständig.
Axel: Bei mir sind das der Bootsmann und der Chief Mate (1. Offizier).
Christina: Wie sieht für euch ein typischer Tagesablauf an Bord aus?
Micha: Also, in der Regel fange ich um 8 Uhr an. Morgens setzen wir uns dann erstmal zusammen und Paul, der Lagerhalter, verteilt die Arbeitsaufgaben, die für den Tag anliegen. Feierabend habe ich dann gegen 17 Uhr. Donnerstag (am Seemanns-Sonntag) und am Sonntag kann ich schon zum Kaffee Feierabend machen. Allerdings habe ich keinen freien Tag.
Axel: Bei mir ist das unterschiedlich. Teilweise arbeit ich von 0-8 Uhr, oder auch mal von 16-24 Uhr. Es kommt immer darauf an, wie das wissenschaftliche Programm es erfordert. Außerdem habe ich einen Tag in der Woche frei.
Christina: Seit wann seit ihr auf Polarstern und auf welchen Schiffen habt ihr davor schon gearbeitet?
Axel: Ich bin seit etwas über 1 Monat hier, also auch mit Beginn des 3. Fahrtabschnitts zugestiegen. Davor war ich schon auf dem Forschungsschiff Meteor.
Micha: Ich bin seit Ende Mai auf der Polarstern, also schon etwas mehr als 3 Monate. Davor bin ich Container-Schiff gefahren, Gastanker und auch auf einer Fähre.
Christina: Was macht ihr, wenn ihr nach diesem Fahrtabschnitt wieder an Land seid?
Axel & Micha: Wir werden beide ein bisschen Urlaub machen, und im November fängt dann die Berufsschule wieder an.
Kein ganzes Fußballfeld, aber der Arbeitsgang bietetgenug Platz für ein bisschen Training mit dem Ball
Micha: Mein Vater fährt auch zur See, und ich komme aus Rostock, wo ich schon immer das Meer vor der Haustür hatte. Als ich 16 war hat mich mein Vater schon auf einem Container-Schiff mitgenommen, und ich habe dort einen ersten Einblick in die Arbeit an Bord bekommen.
Axel: Ich war vorher 2 Jahre bei der Marine und wollte weiterhin auf See arbeiten, jetzt aber eben zivil.
Christina: Was fasziniert euch an der Arbeit auf dem Schiff - man ist ja oft lange von zu hause weg?
Micha: Die Arbeit hier ist sehr abwechslungsreich, und ich durchlaufe alle möglichen Arbeitsbereiche. Von der Brücke in die Maschine, Rettungsboot fahren usw.. Man bekommt sehr viel mit. Bei Anfragen aus der Wissenschaft sind oft kreative Lösungen gefragt.
Außerdem ist da natürlich die Reiselust, fremde Länder und Orte kennenzulernen, Orte, von denen viele noch nie zuvor gehört haben. Und einfach mal weg zu sein, es gibt keine Staumeldungen im Radio, kein Handy... und das ist das Entspannte an der Arbeit auf See.
Axel: Mir gefällt auch die Vielseitigkeit und die verschiedenen Aufgaben, die hier an Bord anfallen. Vieles kann ich auch in Eigenverantwortung machen, es muss eben am Ende fertig sein. Und auch bei mir spielt die Reiselust eine Rolle. Außerdem gefällt mir, dass ich zu hause ausschließlich Freizeit habe. Auf dem Schiff ist mein Arbeitsplatz und wenn ich wieder zu hause bin, kann ich vollkommen von der Arbeit abschalten und so die Zeit viel mehr genießen.
Anmerkung: Allerdings haben beide zugegeben, dass sie neben der spannenden Arbeit auf See natürlich auch ihre Familien und Freunde zu hause vermissen!
Christina: Wie lange seid ihr in der Regel auf See?
Axel: Im Moment 3 Monate.
Micha: Die maximale Zeit für einen deutschen Seemann sind 6 Monate. Mein Vater fährt z.B. immer 4 Monate (+/- 1 Monat). Aber es gibt Kollegen aus anderen Ländern, die teilweise 11 Monate am Stück auf See sind.
Christina: Was macht ihr während eurer Freizeit an Bord?
Axel: Neue Leute kennenlernen, ab und zu Sport machen, z.B. Wasserball spielen, Ping Pong, oder Fußball (Christina: Stimmt, ich sehe dich öfter im Arbeitsgang vor unserem Labor mit deinem Fußball kicken), chillen, Bücher lesen, Filme gucken.
Micha: Wasserball spielen, Gitarre spielen, mich hin und wieder einen Abend im roten Salon mit euch Wissenschaftlern zusammensetzen und unterhalten. Zeitung lesen - auch wenn wir nur alte Zeitungen hier an Bord haben....
Christina: So, und hier meine letzte Frage. Habt ihr einen Lieblingsplatz an Bord?
Axel: Mein Bett...
Micha: Hm, da stehen der rote Salon gegen unsere Diesel. Im roten Salon kann man gut abschalten und bei den Dieseln einfach nur hinhören.
Christina: Axel und Micha, vielen Dank für eure Zeit und viel Erfolg für Euren weiteren Ausbildungsgang.
Das Interview führte Christina Bienhold (Postdoc in der HGF-MPG Brückengruppe für Tiefseeökologie und Technologie, Alfred Wegener Institut für Polar- und Meeresforschung und Max Planck Institut für Marine Mikrobiologie)
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