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8. Oktober 2012
Ende der Expedition IceArc - Wir sind eingelaufen! (Von Antje Beotius)
Lebens- und Forschungsraum MeereisFünf Tage haben wir gebraucht, von Absetzen des Hoverkraft RH Sabvabaa im Kongsfjord, entlang der spektakulären Szenerie der steilen Berge von Svalbard (Spitzbergen) in der Framstrasse, durch das Europäische Nordmeer an Norwegen vorbei, in die Deutsche Bucht hinein und die Weser hinauf. Ein Rückenwind hat uns angeschoben und die zunehmenden Wellenhöhen fühlten sich gar nicht so schlimm an. Nur einen Tag hat es wegen eines Sturms vor Island merklich geschaukelt, doch inzwischen sind alle an die Schiffsbewegungen gewöhnt.
Foto: Stefan Hendricks, AWI Zum Abschied vom Eis - Eisbären begleiten uns hinausNun haben die 53 Wissenschaftler und Techniker der Expedition IceArc aus 12 verschiedenen Länder, die vor 9 Wochen in Tromso eingestiegen sind, wieder ihre insgesamt 23 Labore und Laborcontainer eingepackt und gesäubert, Hunderte von Kisten in ihre 7 20-Fuß Container eingeladen - alles mit freundlich-eiliger Unterstützung der Mannschaft, die sich mindestens genauso wie wir auf Zuhause freut. Nach über drei Jahren Planung und Vorbereitung und knapp 2 Monaten im Eis ist die Expedition IceArc beendet. 8775 Seemeilen sind wir gedampft, teilte uns der Kapitän bei der Abschlussbesprechung im Konferenzraum der Polarstern mit und wir staunen.
Foto: Martin Schiller Spitzbergen in der AbendsonneAber wie unsere erfahrenen Techniker sagen: Nach der Expedition ist vor der Expedition - denn schon wieder werden neue Pläne geschmiedet, was nun als nächstes erforscht werden muss, wo wir soviel Neues gesehen und gelernt haben.
Eines unserer wichtigsten Ziele war, mehr über die Bedeutung des Meereisrückgangs für das Ökosystem der zentralen Arktis herauszufinden. Das Eis ist ein Lebensraum der Erde, der uns fremd und extrem erscheint, der aber eine unglaubliche Vielfalt von Gesichtern hat und eine noch unglaublichere Vielfalt von Leben beherbergt oder ernährt. Während wir mit Polarstern im Eis waren, um einige der ersten synchronen Messungen zum Wechselspiel Eis-Ozean-Meeresboden durchzuführen, ist das Meereis auf die kleinste Fläche seit Beginn der Satellitenbeobachtung zusammengeschrumpft. Es waren nur eine Hand voll Forschungsschiffe im Eis, um wie wir herauszufinden, was dieses schnelle Schwinden für Konsequenzen haben wird und was die Ursachen sind. Wann überhaupt wieder jemand mit einer Fotokamera in der Tiefsee der zentralen Arktis nachschaut, ob die Seegurken immer noch Meereisalgen fressen, ist noch gar nicht klar - internationale Programme beschäftigen sich noch immer vor allem mit der Frage, ob der schnelle Meereisschwund zunimmt, weniger, mit der Frage was wenn ja.
Foto: Stefan Hendricks, AWI Unsere Forschungsplattform Polarstern hat sich wieder einmal bewährtDie Änderungen geschehen derzeit also schneller als wir forschen können. Da man nicht in die Zukunft sehen kann, ist aber auch nicht klar, wie zukünftige Generationen Forscher und andere Interessierte auf unsere Zeit und Forschungsergebnisse zurückblicken. Sind einige der Beobachtungen vielleicht die einzigen, die von der „alten" Arktis gemacht wurden, bevor sie sich ganz verändert? Haben wir genug gemessen, geprobt, gefilmt und nachgedacht, über was wir sehen?
Mit diesen Fragen endet der BLOG unserer Reise - wir, die Expeditionsteilnehmer der Polarsternreise ARK27-3 „IceArc" bedanken uns für Ihr Interesse an unseren Erlebnissen und Bildern.
Auf Wiederlesen!
Antje Boetius und das wissenschaftliche Team der Expedition IceArc.
Kommentare zu "Ende der Expedition IceArc - Wir sind eingelaufen! (Von Antje Beotius)"
Ende der Expedition
Vielen Dank fuer all die interessanten Berichte von diesem Blog. Ich wuensche allen viel Glueck.
Sicher kommmt noch vieles dazu, wenn man die Forschungen weiter in den Laboren betreibt. Auf Wiedersehen!
Spannende Expedition
Vielen Dank für die ganzen Artikel und Berichte.
Es war echt spannend, den Blog zu verfolgen.
So, ich habe die Blogs von Anfang an verfolgt, aber diesen letzten Teil konnte ich leider erst heuite lesen. Auch von mir herzlichen Dank für die Berichte von diesem aufregenden Abenteuer, man hatte stellenweise das Gefühl, "dabei" zu sein... ganz toll, großes Lob!
Freundliche Grüße
J.Freimuth
Ich bin immer wieder fasziniert, wenn ich Wisenschaftler sehe, die sich in unwägbare Situationen begeben um Forschen zu können. Ich hoffe in Zukunft mehr solche Berichte lesen zu können um auch meinen Horizont zu erweitern.
Wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg.
Grüße Tamer
Für mich selber wäre es eine Riesenerfahrung sowas auch mal zu machen. Ich denke, dass solche Momente immer an einem haften bleiben, die sich in solch unbewohnbaren Gegenden trauen. Ich hoffe übrigens, dass da noch mehr solcher spannender Artikel mit solhen Fotos kommt.
Großartige Reise-Eindrücke!
Wirklich beeindruckend und toll beschrieben. Im Zusammenspiel mit den herausrangenden Fotos fühlt man sich, als sei man live dabei gewesen.
Ich habe die Artikel mit etwas zeitlichem Versatz gelesen und bin begeistert! Oft sind es solche Grenzerfahrungen und Reisen in abgelegene Orte der Welt, die uns erst das Bewusstsein für die Einzigartigkeit unserer Erde vor Augen führen. Schön, wenn sich die so wichtige Wissenschaft mit persönlich prägenden Eindrücken verbinden lässt.
Regina
Very good and useful information. Why not write a book about this topic.For today’s economic fluctuation and lack of opportunities, it really will be a very hot topic. Thanks anyway. All the best.
Very good and useful information.Dadurch waren die Beteiligten zwar lange sehr weit weg, aber doch nahe, weil man an dem Geschehen teilhaben konnte...ganz toll, großes Lob!
"Ende der Expedition IceArc - Wir sind eingelaufen! (Von Antje Beotius)" kommentieren


Sehr geehrte Frau Boetius,
es war eine tolle Idee, diesen blog zu installieren und mit sehr vielen interessanten Berichten füllen zu lassen.
Dadurch waren die Beteiligten zwar lange sehr weit weg, aber doch nahe, weil man an dem Geschehen teilhaben konnte.
Viel Erfolg für nachfolgende Projekte wünschen Ihnen
Monika und Hans-Christian Albrecht.