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3. August 2012
"Leinen los" in Tromsø (von Antje Boetius, AWI)
Die wissenschaftlichen Besprechungen sind auf Englisch, da wir ein Drittel ausländische Fahrtteilnehmer dabei haben. Es gibt zuerst einfach sehr viel zu organisieren – alle Labore müssen eingerichtet werden und an Deck muss Platz zum Arbeiten sein. Vom Platz und Anspruch her ist das ungefähr so, wie wenn man über 50 Menschen, die sich nicht unbedingt kennen, den Auftrag gibt, in 2 Tagen gemeinsam 5 Einfamilienhäuser umzuziehen. Denn ein Forschungsschiff wird ja zu jeder Reise „nackig“ übernommen, das heißt es gibt vorwiegend leere Labore und Container, die dann mit allen Instrumenten, Zubehör und Material ausgestattet werden müssen – und die müssen alle sicher stehen und festgezurrt („gelascht“) werden, wegen der Bewegungen des Schiffes bei Wellengang und Eisbrechen.
Foto: Montser Roca Unterwegs: Tromsø (69°N) liegt hinter uns, es geht Richtung Spitzbergen und Bäreninsel (74°N)
Zudem müssen wir die Dampfstrecke in den Norden nutzen, um die ersten Probennahmen und Arbeitspläne durchzusprechen. Die erste wissenschaftliche Aufgabe: wir müssen herausfinden, wo wir nordöstlich von Spitzbergen eine mehrere Hundert Meter große, möglichst noch über einem Meter dicke Eisscholle finden könnten, um für wertvolle Dauerbeobachtungen Messinstrumente aufzustellen, die wir dann am Ende der Reise wieder abbauen können. Das heißt die Eisscholle soll 2 Monate halten und dann nicht über die Fram Straße wegdriften oder abschmelzen. Das ist gar nicht so einfach, denn in der Region wo wir arbeiten wollen, ist das Eis ist derzeit weniger und dünner denn je. Also beraten wir mit Hilfe des Teams von Meereisphysikern an Bord, den Eis-Ozean Modellieren an Land und den Satellitenkarten, wo wir ansetzen werden mit unserer ersten großen Station. Dazu werden wir am Abend das erste längere wissenschaftliche Treffen ansetzen. Die Eisphysik hat uns die neuesten Daten vom Zustand des Meereises mitgebracht und wird uns erklären, welche Messungen sie vorhaben. Es ist für mich eine der größten Belohnungen der Expeditionsarbeit auf See, dabei stets die neuesten, frischesten, direktesten Beobachtungen und Daten aller anwesenden Forschungsgruppen mitzubekommen und dabei viel zu lernen, über den eigenen Horizont hinaus.
Und auch die Einweisungen in die Sicherheit sowie die Regeln an Bord durch die Schiffsbesatzung spielen in den ersten Tagen an Bord auch eine wichtige Rolle. Kapitän Uwe Pahl hat uns gleich nach Auslaufen sehr freundlich begrüßt - und dann sind auch von der Besatzung noch mal 45 Menschen kennen zu lernen. Denn es empfiehlt sich möglichst schnell zu wissen, wer zum Beispiel Bootsmann, Schiffskoch und Deckschlosser ist – denn jedes Besatzungsmitglied an Bord trägt erheblich zum Erfolg der wissenschaftlichen Arbeiten bei. Am allerschnellsten lernen wir unseren Systemoperator kennen, der unsere Computer auf Viren checkt bevor sie ins Schiffsnetz dürfen, und unsere netten Stewardessen und Stewards bei der Essensausgabe in der Messe.
Noch ist also die Anzahl der Meetings und Besprechungstermine ungefähr so hoch wie an Land - an der Universität oder im Institut. Nun sind wir unterwegs – und während wir üben, Schwimmwesten an- und auszuziehen, zu den Rettungsbooten zu finden und die Feueralarme zu erkennen, haben wir immer wieder einen Blick auf den blauen Himmel, die glücklicherweise ruhige See, die rauen, wenig bewachsenen Inseln vor Nordnorwegen. Die Fahrt durch die Schären vor Tromsø ist sehr schön, und die Möwen fliegen uns ein Stück des Weges hinter her. Es ist schön, dass es nun endlich losgeht!
Kommentare zu ""Leinen los" in Tromsø (von Antje Boetius, AWI)"
Guter Start
Beeindruckende Fotos!
Alles sieht nach einem tollen Start aus. Und das Meer scheint bisher auch noch keine Gelegenheit zur Seekrankheit zu geben.
Schade, dass man das Gruppenfoto nicht auch zum Vergrößern anklicken kann, um einzelne Gesichter erkennen.
Ich verfolge eure Fahrt auch über den "Ship tracker" auf sailwx.info - dort kann man die Position der Polarstern samt örtlicher Wetterbedingungen begutachten :)
Mast- und Schotbruch!
Leinen los
Hallo. Antje!
Wuensche euch viel Erfolg in eurem Unternehmen. Die Fotos sind sehr schoen.
Viele Gruesse von Anna-Maria.
Leinen los
Ich wünsche dem Schiff mit Mann und Frau eine gute Fahrt, viele interessante Forschungsergebnisse und last not least auch den gebotenen Spaß. Besondere Grüße an meinen Sohn Daniel Scholz!
Ahoi
Andreas Scholz
Super Expedition! Ich frage mich wieviel Diphenhydramin, Dimenhydrinat oder Scopolamin mitgenommen wurde. Ich kann mir nicht vorstellen das alle an Bord 100% seefest sind.
Wünsche guten Erfolg, viele Ergebnisse und Daten und jede Menge neue Erkenntnisse. Aber auch viel Spaß!
Debora
Scopolamin bei Seekrankheit? Man lernt nie aus. Das Kennenlernen an Bord stelle ich mir fordernd, aber auch sehr spannend vor - ich denke, man wird schnell zusammenwachsen (müssen), um als Team zu funktionieren. Die künftigen Berichte werde ich jedenfalls mit Spannung verfolgen.
arctic trip
best wishes to you all. have fun, be careful. love to you, my son, Benjamin Lange
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Hallo Ihr "HeyDu's",
wir wünschen euch allen viel Erfolg bei eurer Arbeit und eine sichere Heimkehr.
Beste Grüße vom MPI
Volker