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Fischereireform ein Erfolg im Parlament
Die SPD-Abgeordnete Ulrike Rodust hat als Berichterstatterin im Fischereiausschuss des EU-Parlaments einen guten Job gemacht und überraschend klar auch die Zweifler auf Linie gebracht. Vor wenigen Tagen hat die Reform den Ausschuss mit großer Mehrheit passiert; jetzt ist das Parlamentsplenum dran. Die Deutsche Umwelthilfe schreibt:
Mit dem vorliegenden Kompromiss der deutschen Berichterstatterin Ulrike Rodust (SPD) verpflichtet sich die EU rechtlich dazu, Fangmöglichkeiten für alle europäischen Fischbestände ab 2015 nur noch innerhalb nachhaltiger Grenzen festzulegen. Ziel ist es, bis 2020 alle Bestände auf ein nachhaltiges Niveau wachsen zu lassen mit Größen oberhalb des sogenannten „höchstmöglichen Dauerertrags“. Das Europäische Parlament kann zum ersten Mal nach Inkrafttreten des Lissabon-Vertrags über eine Neuausrichtung der europäischen Fischerei mitbestimmen.
Die DUH appellierte an das Plenum, das bis spätestens März 2013 über den Bericht zur GFP-Reform entscheidet, die gestern gefassten Beschlüsse mitzutragen und nicht durch kurzfristige Profitinteressen zu verwässern. Das Europäische Parlament tritt im kommenden Jahr mit dem EU-Ministerrat in Verhandlungen über die GFP-Reform. (...) Auch dass die EU-Mitgliedstaaten Überkapazitäten in ihren Flotten künftig erfassen und abbauen müssen und Fördermittel auf Mitgliedstaaten und Fischereibetreiber beschränkt werden, die ihre Fangkapazitäten an vorhandene Fangmöglichkeiten anpassen, sei als positiv zu bewerten.
Ist die Fischerei-Wende geschafft? Keineswegs
Im Laufe des Jahres vermelden Fischereiverbände immer wieder, dass es den EU-Beständen deutlich besser geht und eine „Nachhaltigkeitswende“ geschafft sei. Mir sind die Meldungen etwas zu euphorisch. Ich denke dazu...,
# dass man unbedingt hervorheben muss, dass sich etwas tut, die nachhaltigen Ziele stärker angenommen werden und Management-Pläne greifen, allerdings...
# sind 53 Prozent im Nordostatlantik nachhaltige Befischung nicht 100 Prozent,
# ist dies erst seit kurzem erreicht. Wir haben also noch keine langfristigen Resultate sondern erste Anzeichen nach Jahrzehnten des Desasters
# geht es nur um die erfassten Bestände; viele sind es nicht. Und es geht nur um die Speisefische. Wer fragt da etwa nach Rochen und Haien, denen es mies geht.
# gibt es auch externe Faktoren, die teils nicht benannt werden, aber zu Erfolgen beitragen wie etwa in Polen, das lange illegal fischen ließ und erst mit einem Regierungswechsel eine Änderung bekam. Das ist ein wichtiger Grund für das „Ostseedorsch-Wunder“
# sind die zentralen Fehler im EU-System immer noch da, warten wir die Reform ab
# Wird immer noch darum gerungen, was denn die besten Kriterien für „nachhaltige Fischerei“ sind, dazu mehr in unserer Serie
# ist die Situation regional sehr verschieden, im Mittelmeer etwa sind über 80 Prozent noch überfischt.
Die neue GEO-Fischerei-Serie - um was es geht
Ich möchte kurz für die neue Serie zur Europäischen Fischerei werben, die auf GEO.de letzte Woche angelaufen ist. Es geht u.a darum, warum die EU-Bestände bedroht sind, was die Forschung weiß und auch, welche Lösungen es gibt. Wir hinterfragen die Überfischung in der sechsteiligen Reihe multimedial und aus verschiedenen Perspektiven. Ganz im Sinne der Nachhaltigkeit, die Leitbild der Fischereireform ist.
Es gibt Texte, Infoboxen, Fotostrecken, Filme und Audio-Interviews. Hier auf dem Blog werde ich in der Zeit, in der die Serie läuft, die politische Entwicklung in Brüssel kurz kommentieren – denn da wird gerade die Zukunft der Meere verhandelt. Es geht darum, Fehler aus 30 Jahren zu beseitigen, ein großes Vorhaben!
Heute ist im Fischereiausschuss des EU-Parlamentes ein Kompromiss erzielt worden. Ein wichtiger Zwischenschritt. Was genau das bedeutet folgt in Kürze. Der WWF bloggt dazu:

Dr. Torsten Schäfer ist Redakteur bei GEO Inter-