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Radikal-Kürzungen für Öko-Strom – sind kurzsichtig
Die Bundesregierung zerpflückt die Öko-Strom-Förderung viel stärker als gedacht, ist zu lesen. Sicher sollte keine Branche krass „überfördert“ werden. Aber sollten die Solarsätze nicht ohnehin langsam sinken? Und ist die Erneuerbaren-Branche denn irgendeine Branche? Lässt sie sich genauso bewerten wie andere Sektoren? Sie wird doch auch aufgebaut wegen ihrer Zukunftsdividenden - Klimaschutz, Energieautarkie, und, bei dezentralen Modellen, mehr Demokratie.
All das ist bei den ganzen laufenden Berechnungen noch nicht „monetarisiert“ worden, wie ebenfalls zu lesen ist. Aber es wird Einsparungen bringt, und zwar nicht zu knapp. Klima- und Umweltschutz spart Geld ein, aber erst in der Zukunft – weil ökologische Schäden und deren Folgen nicht mehr teuer beseitigt, abgemildert oder präventiv abgewendet werden müssen. Warum ist das noch immer nicht in diesen Debatten drin?
Klar muss man hinschauen, wenn lange und hoch gefördert wird. Und da ist es berechtigt zu fragen, warum Solar-Strom besonders hohe Förderungen erhält gegenüber anderen erneuerbaren Energieformen. Und zu sagen, dass sich um Energieeffizienz, dem mit wichtigsten Hebel, die wenigsten kümmern. Auch viele Umweltverbände tun dies nur eher am Rande. Die Grünen haben da ebenfalls lange geschlafen, Rot-Grün auch.
Aber jetzt die Axt an das ganze EEG zu legen und alles unter Vorbehalt jährlicher sparwilliger schwarz-gelber Argusaugen zu stellen? Das macht wenig Sinn. Das EEG ist doch in erster Linie ein politisches Projekt und kein Geschäftsfeld!
Es hat einen langfristigen, auf steter, wenn auch langsam abnehmender Förderung, beruhenden Ansatz. Und es ist ein soziales, ökologisches und, wenn man will, auch ein demokratisches Projekt. Es zur Verschiebemasse auf dem politischen Rangierbahnhof zu machen, zeugt nicht von großer Weitsicht.
Natur und Mensch bitte nicht trennen – fordert ein Natursoziologe
Mittlerweile sind die Wanderforschungs-Themen so weit vorangetrieben, dass sie erste Nachahmer-Studien provoziert haben. Premiumwege gibt es zu Hunderten in ganz Deutschland, und sie werden begeistert vom Publikum angenommen, weil sie ganz offensichtlich (und ja auch gezielt) ein weit verbreitetes Bedürfnis nach Naturkontakten im Sinne eines entlastenden Psychotops aufgreifen.
Von daher ist endlich Zeit und Raum für das übergreifendere Thema “Natur im Alltag”. Subthema um Subthema wird ausgebaut, zuletzt Naturwissen und Naturerfahrung, derzeit stelle ich Daten zum Thema Naturschutz zusammen. All das ist nicht zuletzt deshalb so faszinierend, weil dieses an sich große Feld noch weitgehend unbeackert ist und – wie schon zuvor beim Wandern – aus den empirischen Daten ein ganz anderes Bild entsteht als das der einschlägigen Klischees, Medien und Umweltprofis.
Derzeit wird das Thema Umwelt in der öffentlichen Kommunikation noch weitgehend auf der technisch-industriellen Ebene abgehandelt, wo sich Objekte und Subjekte wie in den Naturwissenschaften scharf getrennt gegenüberstehen. Tatsächlich ist unser alltägliches Naturverhältnis sehr viel integrativer angelegt. Natur und Mensch sind nicht zu trennen, und das gilt selbst auf der begrifflichen Ebene.
Jeder neue Wissenschaftszweig beginnt mit losen Einsichten, dann kommt ein Sammelsurium von irgendwie spannenden Befunden. Im Moment versuche ich, darüber hinauszukommen – leider immer noch weitgehend als Einzelgänger. Natursoziologie ist eigentlich eine Unterdisziplin der Umweltsoziologie, die sich aber bis heute nicht von der wissenschaftlich- technisch geprägten Perspektive der Trennung von Mensch und Natur hat emanzipieren können.
Heimatlos in Deutschland: Umweltjournalismus
Es gibt keinen Verband, keine Studiengänge, kaum Weiterbildungsangebote. Einen Verband gab es mal in den 90ern. Seitdem hat sich der institutionalisierte Umweltjournalismus aber dünn gemacht – punktuell und aktuell gibt es nun erste Entwicklungen in die Gegenrichtung, an der Universität Lüneburg oder der FH Rhein-Sieg.
Aber noch ist und lange war da nichts. Österreich ist breiter aufgestellt. Hier gibt es Symposien, fragt sich die Journaille, ob und wie sie grün sein will. In den USA gibt es einen großen Verband, mehrere Studiengänge - und eine Debatte darüber, was Umweltjournalismus überhaupt sein soll. Was ist er denn nun, gerade in Zeiten einer grünen Themenrevolution? Eigentlich müsst der Gesuchte höchst sichtbar sein. Die Antwort: Ja und Nein. weiterlesen
Problematische Problemstruktur – warum der Klimawandel ein schwieriges Thema ist
Wie aber kann es sein, dass die Mehrheit dieser These zustimmt? Nach all den Debatten der vergangenen Jahre, trotz all des neuen Wissens. Und schon 2001 gab es eine zehn Jahre alte, breite Klimakampagne! Auch das macht die Unterlagen aus der Umzugkiste klar: Zum Beispiel das vergilbte Zehn-Punkte-Programm für eine europäische Energiepolitik, das deutsche Umweltverbände 1993 verfasst haben – zusammen mit dem Hausfrauenbund und der Deutschen Reiterlichen Vereinigung.

Dr. Torsten Schäfer ist Redakteur bei GEO Inter-