Hauptinhalt
31. Mai 2011
Die soziale Klimadimension
Seit ein paar Jahren grünt es wieder überall. Und der Klimawandel war eine Art Gießkanne. Oder vielmehr die Botschafter, die von ihm kündeten - vor allem 2006 und 2007: Al Gore mit seinem Film, der Stern-Report, der Klima-Bericht des IPCC - und dann die Bali-Konferenz. Wenn so viele Großereignisse mit geschickten Inszenierungen zusammenkommen, geschieht das, was in der Medienlandschaft nur selten vorkommt: Es wird ein Themenstrang geboren, der nicht mehr vergeht. An den immer wieder angedockt werden kann. Der neue Unterthemen gebiert und alte artverwandte Themen wieder hochspült.
Das war zum Beispiel bei der Pisa-Debatte der Fall, die dem Bildungsthema in der deutschen Öffentlichkeit einen neuen, alten Platz verliehen hat. Es folgten: Ein plötzliches Interesse an Wissensthemen allgemein, dann speziell an Universitätsthemen. Und: Bildungs- und Wissenschaftsseiten in Zeitungen und Magazinen, Radio-Sendungen und TV-Programmen. Zuletzt: DeutschlandRadio Wissen, Hörzu Wissen.
Diesen Prozess erleben wir jetzt noch umfassender und tiefgreifender. Die Debatte um den Klimawandel ist seine Triebfeder: Die Gesellschaft grünt auf allen Ebenen. Das heißt allerdings nicht, dass dieses Grünen überall machtvoll und sichtbar ist. Und es heißt nicht, dass sich dadurch die Einstellung in der Bevölkerung ändert - also die Fähigkeit wächst, Probleme zu lösen. Information = Wissen = Handeln? Dass diese Gleichung nicht aufgeht, muss immer wieder gesagt werden. Denn sie ist so verführerisch. Dabei kann das Gegenteil gelten: Wie lähmend zu viele „schlechte“ Nachrichten wirken können, haben Forscher immer wieder herausgefunden.
Wie aber verarbeitet die Gesellschaft nun die grüne Themenrevolution? Wo finden Lähmungen statt, herrscht schon Apathie? An welchen Stellen gibt es Verstärkungen und Verzerrungen? Und halten die oben formulierten Beobachtungen auch empirischen Studien stand? Erst langsam beginnen sich die Sozialwissenschaften mit solchen Fragen zu beschäftigen. Und gleichzeitig mit anderen Disziplinen zu vernetzen: In Hamburg arbeiten Forscher unterschiedlichster Fächer zusammen, um nicht nur den Klimawandel zu analysieren - sondern auch seine Auswirkungen auf die Gesellschaft zu erforschen.
Endlich, sollte man sagen. Denn der Klimawandel ist nicht nur ein Thema der Zahlenwelt, eine Frage für Ingenieurs- oder Naturwissenschaften - und die Ökonomie. Diesen Eindruck haben wir bisher aber vermittelt. Wir Journalisten! Die sozialen und kulturellen Dimensionen des Themas haben wir zu wenig beachtet, den Klimawandel selten in den Kontext der Nachhaltigkeit gestellt - um ihn damit als Chance für einen umfassenden Wandel zu begreifen. Den Geistes- und Sozialwissenschaften haben wir dadurch - wie in der gesamten Wissenschaftsberichterstattung - zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt.
Und tun dies immer noch. Denn wo sind die Erkenntnisse von Umweltpsychologen, die Neuigkeiten aus der Klimasoziologie, Einschätzungen von Philosophen und die Diskussionen in der Politikwissenschaft, ob Demokratien das Klimaproblem lösen können, zu lesen? Zu sehen, zu hören? An zu wenigen massenmedialen Orten. Deshalb muss dieses Wissen raus aus der Nische. Es geht schließlich um uns und unsere Reaktionen auf einen gesellschaftlichen Paradigmenwechsel. Denn das ist die grüne, so unübersichtliche und teils widersprüchliche Revolution mittlerweile geworden.
Das war zum Beispiel bei der Pisa-Debatte der Fall, die dem Bildungsthema in der deutschen Öffentlichkeit einen neuen, alten Platz verliehen hat. Es folgten: Ein plötzliches Interesse an Wissensthemen allgemein, dann speziell an Universitätsthemen. Und: Bildungs- und Wissenschaftsseiten in Zeitungen und Magazinen, Radio-Sendungen und TV-Programmen. Zuletzt: DeutschlandRadio Wissen, Hörzu Wissen.
Diesen Prozess erleben wir jetzt noch umfassender und tiefgreifender. Die Debatte um den Klimawandel ist seine Triebfeder: Die Gesellschaft grünt auf allen Ebenen. Das heißt allerdings nicht, dass dieses Grünen überall machtvoll und sichtbar ist. Und es heißt nicht, dass sich dadurch die Einstellung in der Bevölkerung ändert - also die Fähigkeit wächst, Probleme zu lösen. Information = Wissen = Handeln? Dass diese Gleichung nicht aufgeht, muss immer wieder gesagt werden. Denn sie ist so verführerisch. Dabei kann das Gegenteil gelten: Wie lähmend zu viele „schlechte“ Nachrichten wirken können, haben Forscher immer wieder herausgefunden.
Wie aber verarbeitet die Gesellschaft nun die grüne Themenrevolution? Wo finden Lähmungen statt, herrscht schon Apathie? An welchen Stellen gibt es Verstärkungen und Verzerrungen? Und halten die oben formulierten Beobachtungen auch empirischen Studien stand? Erst langsam beginnen sich die Sozialwissenschaften mit solchen Fragen zu beschäftigen. Und gleichzeitig mit anderen Disziplinen zu vernetzen: In Hamburg arbeiten Forscher unterschiedlichster Fächer zusammen, um nicht nur den Klimawandel zu analysieren - sondern auch seine Auswirkungen auf die Gesellschaft zu erforschen.
Endlich, sollte man sagen. Denn der Klimawandel ist nicht nur ein Thema der Zahlenwelt, eine Frage für Ingenieurs- oder Naturwissenschaften - und die Ökonomie. Diesen Eindruck haben wir bisher aber vermittelt. Wir Journalisten! Die sozialen und kulturellen Dimensionen des Themas haben wir zu wenig beachtet, den Klimawandel selten in den Kontext der Nachhaltigkeit gestellt - um ihn damit als Chance für einen umfassenden Wandel zu begreifen. Den Geistes- und Sozialwissenschaften haben wir dadurch - wie in der gesamten Wissenschaftsberichterstattung - zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt.
Und tun dies immer noch. Denn wo sind die Erkenntnisse von Umweltpsychologen, die Neuigkeiten aus der Klimasoziologie, Einschätzungen von Philosophen und die Diskussionen in der Politikwissenschaft, ob Demokratien das Klimaproblem lösen können, zu lesen? Zu sehen, zu hören? An zu wenigen massenmedialen Orten. Deshalb muss dieses Wissen raus aus der Nische. Es geht schließlich um uns und unsere Reaktionen auf einen gesellschaftlichen Paradigmenwechsel. Denn das ist die grüne, so unübersichtliche und teils widersprüchliche Revolution mittlerweile geworden.
"Die soziale Klimadimension" kommentieren

Dr. Torsten Schäfer ist Redakteur bei GEO Inter-