Hauptinhalt
21. Februar 2012
Straßensplitter (4)
Auf und neben den Straßen Vietnams sieht man bisweilen Bemerkenswertes. Auch wenn wir uns kaum trauten, den Blick einmal von der Straße abzuwenden, um die traumhafte Landschaft in Augenschein zu nehmen, so sprangen einem doch manche Dinge wie von selbst ins Auge. Insbesondere, wenn sie sich auf der Straße befanden.
Auf und abseits der Straße
Auf den Straßen Vietnams findet man so einiges. Und zumeist muss man nicht einmal genauer hinsehen. Manchmal aber doch, um sich verwundert die Augen zu reiben. Fundstück Nummer eins sind mit Sicherheit einzelne Flipflops oder Badeschlappen. Das bevorzugte Schuhwerk der Vietnamesen, auch beim Rollerfahren, geht aber natürlich aufgrund des losen Sitzes am Fuß gerne einmal verloren. Ferner kommt es nicht selten vor, dass Passagiere eines Busses einfach ihren Müll aus dem Fenster werfen. Blendet man den ökologischen Aspekt aus, ist das zunächst einmal kein großes Problem. Schmeißen sie einem aber leere (und gewissenhaft wiederverschlossene) Plastikflaschen direkt vor das Vorderrad, so kann das schon zu einer unangenehmen Überraschung führen. Gleiches gilt für LKWs, die ihre Ladung verlieren. Überhaupt sind vietnamesische LKWs in der Regel abenteuerlich bepackt. Diesen Schluss legt zumindest deren teilweise bedrohliche Schieflage nahe. Bei Containerfracht soll es uns egal sein, auch bei Kipplastern, die etwa mit Sand beladen sind, sorgt doch der Sand, der von den überladenen Lastern geweht wird, für ein angenehmes Gesichtspeeling. Ungemütlicher wird es, wenn es sich um größeres Frachtgut handelt. Oder aber Gefahrgut. Von Glück kann zum Beispiel der Fahrer eines LKWs reden, der unzählige ungesicherte Gasflaschen größeren Kalibers transportierte. Wie passierten seinen Laster, der im 45°-Winkel aus dem Graben ragte. Da zudem das eine Hinterrad komplett im Gelände war, drängte sich uns die Frage auf, wie er das Kunststück vollbrachte, sein Vehikel derart festzufahren. Die Gasflaschen hingegen lagen im Graben, auf der Straße oder in wilder Unordnung auf der Ladefläche. Das hätte auch ins Auge gehen können. Andere Trucker hatten weniger Glück. Wir sahen mindestens zwei LKWs, darunter ein Schwertransporter, die mitten auf der Straße komplett auf der Seite lagen. Wir wissen bis heute nicht, wie sie das angestellt haben. Vermutlich eine Mischung aus ungeschickter Beladung und vietnamesischem Fahrverhalten.
© Bergholter Auch sie sieht man regelmäßig auf und neben der Straße.
Weniger spektakulär nehmen sich dagegen die Herden von Ziegen oder Rindern aus, die mal herrenlos unterwegs sind, mal von einem Hirten über die Autobahn getrieben werden. Witzig war in diesem Zusammenhang eine Markierung, die wir auf einer Passstraße sahen. Mit weißer Farbe war der Hinweis auf Mittagessen in 50 Metern auf den Asphalt gemalt. Wir fuhren um die nächste Kurve und nach ziemlich genau 50 Metern lagen dort einige Kühe auf der Straße. Wir waren kurz in Versuchung, unser Campingbesteck auszupacken und uns unser Mittagessen zu gönnen.
© Bergholter Was man hier sieht und erlebt, kann einen schonmal nachdenklich stimmen.
Weniger witzig hingegen war ein Erlebnis, das wir in einer kleinen Ortschaft hatten. Als plötzlich alles vor uns abbremste und auf den Seitenstreifen auswich, taten wir es den Bussen und LKWs vor uns gleich. Als wir die entsprechende Stelle passierten, sahen auch wir den Grund dafür. Eine alte Frau hatte sich inmitten der Straße niedergelegt. Ob zum Schlafen oder zum Sterben, wir wissen es nicht. Wir mutmaßten, dass sie, so sie nicht geistig verwirrt war, sich zum Sterben darnieder gelegt hatte. Aber das ist reine Spekulation. In jedem Fall ließ uns diese Episode mit einem Gefühl der Beklemmung zurück.
Von Peer Bergholter
Auf und abseits der Straße
Auf den Straßen Vietnams findet man so einiges. Und zumeist muss man nicht einmal genauer hinsehen. Manchmal aber doch, um sich verwundert die Augen zu reiben. Fundstück Nummer eins sind mit Sicherheit einzelne Flipflops oder Badeschlappen. Das bevorzugte Schuhwerk der Vietnamesen, auch beim Rollerfahren, geht aber natürlich aufgrund des losen Sitzes am Fuß gerne einmal verloren. Ferner kommt es nicht selten vor, dass Passagiere eines Busses einfach ihren Müll aus dem Fenster werfen. Blendet man den ökologischen Aspekt aus, ist das zunächst einmal kein großes Problem. Schmeißen sie einem aber leere (und gewissenhaft wiederverschlossene) Plastikflaschen direkt vor das Vorderrad, so kann das schon zu einer unangenehmen Überraschung führen. Gleiches gilt für LKWs, die ihre Ladung verlieren. Überhaupt sind vietnamesische LKWs in der Regel abenteuerlich bepackt. Diesen Schluss legt zumindest deren teilweise bedrohliche Schieflage nahe. Bei Containerfracht soll es uns egal sein, auch bei Kipplastern, die etwa mit Sand beladen sind, sorgt doch der Sand, der von den überladenen Lastern geweht wird, für ein angenehmes Gesichtspeeling. Ungemütlicher wird es, wenn es sich um größeres Frachtgut handelt. Oder aber Gefahrgut. Von Glück kann zum Beispiel der Fahrer eines LKWs reden, der unzählige ungesicherte Gasflaschen größeren Kalibers transportierte. Wie passierten seinen Laster, der im 45°-Winkel aus dem Graben ragte. Da zudem das eine Hinterrad komplett im Gelände war, drängte sich uns die Frage auf, wie er das Kunststück vollbrachte, sein Vehikel derart festzufahren. Die Gasflaschen hingegen lagen im Graben, auf der Straße oder in wilder Unordnung auf der Ladefläche. Das hätte auch ins Auge gehen können. Andere Trucker hatten weniger Glück. Wir sahen mindestens zwei LKWs, darunter ein Schwertransporter, die mitten auf der Straße komplett auf der Seite lagen. Wir wissen bis heute nicht, wie sie das angestellt haben. Vermutlich eine Mischung aus ungeschickter Beladung und vietnamesischem Fahrverhalten.
Weniger spektakulär nehmen sich dagegen die Herden von Ziegen oder Rindern aus, die mal herrenlos unterwegs sind, mal von einem Hirten über die Autobahn getrieben werden. Witzig war in diesem Zusammenhang eine Markierung, die wir auf einer Passstraße sahen. Mit weißer Farbe war der Hinweis auf Mittagessen in 50 Metern auf den Asphalt gemalt. Wir fuhren um die nächste Kurve und nach ziemlich genau 50 Metern lagen dort einige Kühe auf der Straße. Wir waren kurz in Versuchung, unser Campingbesteck auszupacken und uns unser Mittagessen zu gönnen.
Weniger witzig hingegen war ein Erlebnis, das wir in einer kleinen Ortschaft hatten. Als plötzlich alles vor uns abbremste und auf den Seitenstreifen auswich, taten wir es den Bussen und LKWs vor uns gleich. Als wir die entsprechende Stelle passierten, sahen auch wir den Grund dafür. Eine alte Frau hatte sich inmitten der Straße niedergelegt. Ob zum Schlafen oder zum Sterben, wir wissen es nicht. Wir mutmaßten, dass sie, so sie nicht geistig verwirrt war, sich zum Sterben darnieder gelegt hatte. Aber das ist reine Spekulation. In jedem Fall ließ uns diese Episode mit einem Gefühl der Beklemmung zurück.
Von Peer Bergholter
"Straßensplitter (4)" kommentieren

