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19. Februar 2012
Straßensplitter (2)
Straßen, ja, es gibt sie, auch wenn nicht alle davon den Namen verdienen. Auch gibt es Autobahnen, doch muss man sich schleunigst von dem Bild einer ordentlich asphaltierten dreispurigen Autobahn ohne Tempolimit nach deutschem Vorbild frei machen. Die vietnamesische A1, die das Land in Gänze von Nord nach Süd durchzieht, sieht an den meisten Abschnitten wie folgt aus.
Straßen und deren Nutzung
Eine Spur in jede Richtung und daneben jeweils eine Standspur, etwa 1,5 Meter breit. Letztere ist für Fußgänger, Radfahrer, Ochsenkarren, motorisierte Zwei- und Dreiräder gleichermaßen nutzbar. Sie dient zudem als Halte- und Parkstreifen, in den Ortschaften und darum herum als Stellplatz für die Straßenhändler und für Motorroller ferner als Überholspur (also immer schön rechts vorbei an den LKWs) sowie bisweilen dem Gegenverkehr. Im Regelfall dient sie aber auch als Rettungsstreifen für jedermann, der gezwungen ist, die Fahrspur zu verlassen, weil einem auf der eigenen Spur ein Bus entgegenkommt. Dieser überholt dann wild hupend und die Lichthupe betätigend gerade einen LKW, der selbst in der Mitte der Straße fährt, um seinerseits einige Mopeds am Rande zu überholen, die wiederum gerade an einem Ochsengespann vorbei ziehen. Also vierspuriges Überholen in einer Richtung - beileibe keine Seltenheit. Verschätzt sich der Busfahrer bei einer solchen Aktion, kann auch die eigene Standspur zur Gegenfahrbahn werden. Man tut in einem solchen Falle gut daran, sich mit einem beherzten Sprung ins Reisfeld zu retten. Zum Glück blieb uns diese Erfahrung weitestgehend erspart. Aber es war eng. Obwohl wir uns in sicherer Distanz befanden, jagte ein Busfahrer sein Gefährt bei einem Überholmanöver in der Kurve fast selbst ins Reisfeld. Unter Ausnutzung der gesamten Straßenbreite und natürlich auch unseres Seitenstreifens, schaffte er es gerade noch, die Kontrolle über den Bus wiederzuerlangen. Wären wir etwas näher gewesen... Besser nicht darüber nachdenken. Bei einer der wenigen Nachtfahrten jedoch, ein ähnliches Szenario: Auf unserer Spur kam uns ein Bus entgegen, der uns mit seiner Lichthupe noch den letzten Rest Sicht nahm. Jochen rette sich mit einer Vollbremsung, während ich instinktiv auf die Seitenspur ausweichen wollte. Zu meinem Leidwesen musste ich feststellen, dass diese hier ausnahmsweise fehlte. Es ist halt auf nichts mehr Verlass. Etwas überrascht war ich dann schon, als ich mich neben der Straße inmitten eines Geröllhaufens wiederfand. Glücklicherweise sehr langsam unterwegs, ging das Bike seiner eigenen Wege und ließ mich zwischen Kopfgroßen Steinen liegen. Natürlich sind wir immer mit Helm unterwegs. Andernfalls... Besser nicht darüber nachdenken.
© Bergholter Kilometer 2000 - viele weitere sollten folgen...
Was die Straßen selbst angeht, so muss man fairerweise sagen, dass sie über weite Strecken in tadellosem Zustand sind. Doch leider nicht immer. Manchmal münden sie - bevorzugt hinter einer Kurve - ohne Vorwarnung einfach in einem Schotterfeld. Bisweilen findet man hier Schlaglöcher, die sich über die gesamte Breite der Straße erstrecken. Sie erinnern in Größe und Tiefe eher an Schützengräben, die einer halben Kompanie Platz bieten. Ok, ich neige (in diesem Fall) zur Übertreibung, aber es ist alles andere als angenehm, wenn ein solcher Graben plötzlich vor einem auftaucht und man ungebremst dort hinein schlägt. Dann gilt es, das gesamte fahrerische Können abzurufen und zudem ein wenig in die artistische Trickkiste zu greifen, um sich im Sattel zu halten. Dass das Material halten wird, darauf muss man einfach vertrauen. Geplatzter Reifen oder gebrochene Gabel in einer solchen Situation... besser nicht darüber nachdenken.
© Bergholter More Biker-Posing.
Doch scheint es in Vietnam auch so etwas wie ein Straßenbauamt zu geben, denn hin und wieder sieht man die größten Schlaglöcher ausgebessert. Dabei gilt offenbar die Devise, einen möglichst ebenen Straßenbelag um jeden Preis zu vermeiden. So erlebten wir es nicht selten, dass Löcher in liebevoller Kleinarbeit mit möglichst spitzen Steinen unterschiedlicher Größe aufgefüllt worden sind. Um zu wissen, wie es sich anfühlt, wenn man in eine solche Stelle gerät, bedarf es nicht gerade einer ausgeprägten Fantasie.
Von Peer Bergholter
Straßen und deren Nutzung
Eine Spur in jede Richtung und daneben jeweils eine Standspur, etwa 1,5 Meter breit. Letztere ist für Fußgänger, Radfahrer, Ochsenkarren, motorisierte Zwei- und Dreiräder gleichermaßen nutzbar. Sie dient zudem als Halte- und Parkstreifen, in den Ortschaften und darum herum als Stellplatz für die Straßenhändler und für Motorroller ferner als Überholspur (also immer schön rechts vorbei an den LKWs) sowie bisweilen dem Gegenverkehr. Im Regelfall dient sie aber auch als Rettungsstreifen für jedermann, der gezwungen ist, die Fahrspur zu verlassen, weil einem auf der eigenen Spur ein Bus entgegenkommt. Dieser überholt dann wild hupend und die Lichthupe betätigend gerade einen LKW, der selbst in der Mitte der Straße fährt, um seinerseits einige Mopeds am Rande zu überholen, die wiederum gerade an einem Ochsengespann vorbei ziehen. Also vierspuriges Überholen in einer Richtung - beileibe keine Seltenheit. Verschätzt sich der Busfahrer bei einer solchen Aktion, kann auch die eigene Standspur zur Gegenfahrbahn werden. Man tut in einem solchen Falle gut daran, sich mit einem beherzten Sprung ins Reisfeld zu retten. Zum Glück blieb uns diese Erfahrung weitestgehend erspart. Aber es war eng. Obwohl wir uns in sicherer Distanz befanden, jagte ein Busfahrer sein Gefährt bei einem Überholmanöver in der Kurve fast selbst ins Reisfeld. Unter Ausnutzung der gesamten Straßenbreite und natürlich auch unseres Seitenstreifens, schaffte er es gerade noch, die Kontrolle über den Bus wiederzuerlangen. Wären wir etwas näher gewesen... Besser nicht darüber nachdenken. Bei einer der wenigen Nachtfahrten jedoch, ein ähnliches Szenario: Auf unserer Spur kam uns ein Bus entgegen, der uns mit seiner Lichthupe noch den letzten Rest Sicht nahm. Jochen rette sich mit einer Vollbremsung, während ich instinktiv auf die Seitenspur ausweichen wollte. Zu meinem Leidwesen musste ich feststellen, dass diese hier ausnahmsweise fehlte. Es ist halt auf nichts mehr Verlass. Etwas überrascht war ich dann schon, als ich mich neben der Straße inmitten eines Geröllhaufens wiederfand. Glücklicherweise sehr langsam unterwegs, ging das Bike seiner eigenen Wege und ließ mich zwischen Kopfgroßen Steinen liegen. Natürlich sind wir immer mit Helm unterwegs. Andernfalls... Besser nicht darüber nachdenken.
Was die Straßen selbst angeht, so muss man fairerweise sagen, dass sie über weite Strecken in tadellosem Zustand sind. Doch leider nicht immer. Manchmal münden sie - bevorzugt hinter einer Kurve - ohne Vorwarnung einfach in einem Schotterfeld. Bisweilen findet man hier Schlaglöcher, die sich über die gesamte Breite der Straße erstrecken. Sie erinnern in Größe und Tiefe eher an Schützengräben, die einer halben Kompanie Platz bieten. Ok, ich neige (in diesem Fall) zur Übertreibung, aber es ist alles andere als angenehm, wenn ein solcher Graben plötzlich vor einem auftaucht und man ungebremst dort hinein schlägt. Dann gilt es, das gesamte fahrerische Können abzurufen und zudem ein wenig in die artistische Trickkiste zu greifen, um sich im Sattel zu halten. Dass das Material halten wird, darauf muss man einfach vertrauen. Geplatzter Reifen oder gebrochene Gabel in einer solchen Situation... besser nicht darüber nachdenken.
Doch scheint es in Vietnam auch so etwas wie ein Straßenbauamt zu geben, denn hin und wieder sieht man die größten Schlaglöcher ausgebessert. Dabei gilt offenbar die Devise, einen möglichst ebenen Straßenbelag um jeden Preis zu vermeiden. So erlebten wir es nicht selten, dass Löcher in liebevoller Kleinarbeit mit möglichst spitzen Steinen unterschiedlicher Größe aufgefüllt worden sind. Um zu wissen, wie es sich anfühlt, wenn man in eine solche Stelle gerät, bedarf es nicht gerade einer ausgeprägten Fantasie.
Von Peer Bergholter
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