Hoi An im Süden Vietnams ist immer noch ein Kleinod, was angesichts seiner Beliebtheit bei Touristen keine Selbstverständlichkeit ist. Die gesamte Altstadt mit ihren kleinen Gassen und den gut erhaltenen alten Gebäuden und Tempeln ist UNESCO Weltkulturerbe. Zu Recht.
Nach unserer ersten richtig schönen Fahrt von Hue nach Hoi An waren wir so bereit wie wir nur sein konnten, um bei gutem Wetter vietnamesisches Flair zu erleben. Die Etappe war kurz, keine 150 Kilometer galt es zu bewältigen, immer in Richtung Süden auf der A1. Und der Wettergott meinte es endlich gut mit uns. Kaum hatten wir Hue hinter uns gelassen, zeigte sich ein lustiger großer gelber Ball am Himmel, den wir erst nach einer Weile wieder erkannten. Juchei, die Sonne! Wir hatten sie beinahe vergessen. Nicht in Eile konnten wir uns Zeit lassen und die Fahrt genießen. Kurz vor Da Nang ging es in Serpentinen in die Höhe bis in die Wolken hinein, nur selten die Küste außer Sicht lassend. Zur einen Seite die endlose Weite des südchinesischen Meeres, zur anderen die steilen, wild bewachsenen Hänge des Bach Ma Nationalparks, den wir streiften. Unnötig zu sagen, dass es herrlich war.
© Jochen Müller Auf solchen Straßen macht das Motorradfahren Freude.
© Jochen Müller Und wenn man einen Ausblick hat wie diesen gleich doppelt.
In Da Nang legten wir eine kurze Mittagspause ein, saßen am Fluss inmitten der Stadt, aßen unsere morgens geschmierten Baguettes und ließen Seele und Füße baumeln, bis wir die letzten Kilometer bis Hoi An zurücklegten.
© Jochen Müller Dennis Hopper und Peter Fonda sind wieder auf Tour.
© Jochen Müller In Da Nang gab es nur eine kurze Pause, eine Stulle und ein wenig Tee. Dann ging es direkt nach Hoi An.
Voller Touristen und trotzdem schön: Hoi An
© Jochen Müller Ab hier ist für Autos Schluss. Denn
der alte Kern Hoi Ans ist autofrei.
In Hoi An fragten wir die ersten Touristen am Straßenrand nach günstigen Unterkünften und fanden kurz danach eine nette Bleibe direkt am Markt inmitten des Zentrums. Was uns zuerst auffiel: hier gibt es keine Autos. Wenn auch sonst in den vietnamesischen Städten die Autos im Gegensatz zu Rollern und Motorrädern in der Unterzahl sind, so sind sie dennoch allgegenwärtig. Doch nicht in Hoi An. Die gesamte Innenstadt steht in Gänze unter UNESCO Weltkulturerbe Schutz, was effektiv verhindert, dass die kleinen Gassen ausgeweitet und für Autos zugänglich gemacht werden können. Doch wer einmal in Vietnam war, der weiß, dass man kein Auto braucht um ausreichend Dinge oder Personen zu transportieren, also dürfte das für die hiesigen Anwohner ohnehin keine allzu große Einschränkung darstellen.
© Jochen Müller Von der Dachterrasse unseres Gasthauses sieht man gut was Hoi An ausmacht. Kleine Gassen, niedrige Häuser und keine Autos, die würden hier kaum durchpassen. Im Hintergrund ist der Markt zu sehen, der...
© Jochen Müller ... aus der Nähe betrachtet, genauso kunterbunt wie seine Planendächer ist. Hier kann man auch gut und günstig essen!
Was als nächstes auffiel, waren die Touristen. Natürlich sind sie hier in großer Zahl, denn soviel steht fest. Hoi An ist wunderschön. Doch auch, wenn man kaum einen Schritt machen kann, ohne ein westliches Gesicht zu sehen, so hat man hier nicht den Eindruck als wäre man in einem Kunstprodukt gelandet. Es ist einfach eine gut erhaltene, idyllische alte vietnamesische Stadt, die so attraktiv ist, dass sie sich fast alle Touristen, die dieses Land besuchen, gerne ansehen. Fast, denn was weiterhin auffiel, war, dass das Publikum ganz anders war als in Sapa oder in Hanoi. Wobei wir der Gerechtigkeit halber sagen müssen, dass wir in Hanoi in einem Gebiet wohnten, das als Zentrum für Backpacker gilt und ganz Sapa eine Backpacker Attraktion ist. Doch genau diese waren in Hoi An seltener zu finden. Die Mehrheit der Besucher identifizierten wir als normale Urlauber, in der Mehrheit etwas fortgeschritteneren Alters. Geht man abends in die Bars, wird der Unterschied zu Sapa oder der Altstadt Hanois besonders offensichtlich. Hier gibt es keine kleinen ranzigen Schenken, in denen man Bier aus der Flasche trinkt und auf Plastikstühlen sitzt. Hier gibt es moderne und recht schicke Bars und Pubs, mit gediegenem Mobiliar und leider auch mit dementsprechenden Preisen. Doch ein leichtes Getränk einzunehmen, über den Fluß zu blicken, während über Hoi An die Sonne untergeht und die unzähligen Lampions der Stadt langsam erwachen, ist die Dongs sicher wert.
© Jochen Müller In den Gassen von Hoi An.
© Jochen Müller Hier ist beinahe jede Ecke renoviert und herausgeputzt. Das gilt auch für das Publikum.
© Jochen Müller Wenn es hier dunkel wird, wird jeder schnöde Hauseingang zu einem kleinen Kunstwerk.
Zentrum der Schneider Warum auch immer, aber in den letzten Jahren hat sich Hoi An zu einem Zentrum der Schneider entwickelt. Man kann kaum eine Straße entlang gehen, ohne aus irgendeinem Geschäft heraus gefragt zu werden, ob man sich nicht für ganz bestimmt günstiges Geld innerhalb eines Tages einen Anzug oder ein Kleid maßschneidern lassen wollte. Wir spielten kurz mit dem Gedanken, uns eine Motorradkombi anfertigen zu lassen, doch setzten lieber auf unser sicher anhaltendes Wetterglück und lehnten stets dankend ab. Im Fünfminutentakt, denn die Kunde, dass wir keine potentiellen Kunden sind, wollte sich wenig bis gar nicht von Straße zu Straße verbreiten. So kann es doch ein wenig lästig werden und das stets zu wiederholende "nein danke" kommt einem mit der Zeit immer gequälter über die Lippen. Man kann es sich auch einfach abgewöhnen und eine gewisse Ignoranz an den Tag legen, indem man stumm von dannen zieht. Wir taten beides im Wechsel.
© Jochen Müller In den vielen Geschäften findet man beinahe alles. Vor allem aber Bekleidung.
Tempel und Privathäuser, alles zu einem Preis Da Hoi An als Gesamtkunstwerk bezeichnet werden kann, erkundet man es am besten zu Fuß, schreitet die kleinen Gassen ab und versucht sich an den Fassaden der niedrigen Häuser satt zu sehen. Will man jedoch mehr Details über diese, allesamt unter Denkmalschutz stehenden, Bauten erfahren, muss man - wenig verwunderlich - Eintritt zahlen. Da kann es sich lohnen einen Pass zu kaufen, der einen dazu berechtigt, gleich mehrere Häuser und Tempel der Altstadt zu besichtigen. Davon sahen wir aus Zeitgründen jedoch ab und besuchten stattdessen ausgesuchte Tempel, deren Eintritt frei war oder wo man nur vergaß, uns nach unserem Kombi-Ticket zu fragen. Chinesische Tempel, nebenbei bemerkt, denn Hoi An war früher ein nicht unbedeutender Handelshafen, in dem sich chinesische und auch japanische Händler ansiedelten, um von hier aus ihren Geschäften nachzugehen. Die Privathäuser der Einwohner zu besuchen sparten wir uns ebenfalls, uns reichte es, in ein paar der Läden zu gehen. Denn man muss sich der Tatsache bewusst sein, dass die Anzahl der Häuser, die in Hoi Ans Zentrum noch von Familien bewohnt werden, jedes Jahr zugunsten von Schneidereien und anderen Geschäften abnimmt, wobei die Häuser nach wie vor dieselben sind - ein neues Schild über die Tür und fertig.
© Jochen Müller Der Inenhof einer der Tempel, in die man umsonst hinein kommt.
© Jochen Müller Unzweifelhaft chinesischen Ursprungs.
Hoi An leuchtete in der Nacht Wenn der Besucher von Hoi An tagsüber schon begeistert ist, dann setzt die Stadt dem Ganzen nachts noch die Krone auf. Nicht nur, dass alle Geschäfte und Marktstände, die Lampions verkaufen, sie nachts erleuchten. Die gesamte Stadt ist damit geschmückt und erstrahlt allnächtlich in einem märchenhaften Ambiente. Hier lohnt es sich, ein Mittagsschläfchen zu halten, damit man nachts noch genug Kraft hat, an der Flusspromenade zu sitzen, an der tagsüber die diverse Kähne ablegen, um Touristen den Fluss hinauf und hinab zu schippern. In der Nacht leuchten unzählige Laternen und hinzu kommen die an jeder Ecker verkauften, aus Papier gefalteten, kleinen Lichter, die mit Kerzen bestückt auf dem Fluss auf Reise geschickt werden und als schwimmende, flackernde Lichter die Sahnehaube auf diesem Lichtkunstwerk bilden.
© Jochen Müller Während tagsüber der Fluss und der Kai den Fischer- und Touristenbooten gehört...
© Jochen Müller ... so erstrahlt hier nachts alles im Glanz der Restaurants und der Laternen.
© Jochen Müller Einen kleinen Nachtmarkt gibt es hier auch. Man kann herum schlendern und Nippes kaufen....
© Jochen Müller ... oder sich mit ausreichend Lampions eindecken.
© Jochen Müller Wenn das alles nichts für Sie ist, dann kaufen Sie sich ein kleines Kerzenlicht, lassen es schwimmen und genießen den Anblick.
Mögen hier noch so viele Touristen sein, die Stimmung konnten sie noch nicht kaputt machen. Noch nicht.
Jochen Müller
Wunderbare Bildunterschriften!
Ich konnte die Betonung einzelner Worte bis hierher hören und habe Tränen in den Augen.
Herrlich!
Übrigens kannte ich mal ein Mädchen aus München, die sich genau dort diverse Business-Anzüge hat schneidern lassen, um sie sich in einem gigantischen Paket nach Deutschland schicken zu lassen. Sie hatte auch nur einen Rucksack dabei und doch sah ihre Reise ganz anders aus...