Hauptinhalt
5. Februar 2012
Happy Tet?
Tet Nguyen Dan, das Fest des ersten Morgens, ist das vietnamesische Neujahrsfest und der wichtigste Feiertag in diesem Land. Das Pendant zum chinesischen Frühlingsfest markiert den Beginn des neuen Jahres nach dem Mondkalender. Klar, dass wir uns einiges von den Feierlichkeiten versprachen.
Tet unterteilt sich in drei Perioden: Tat Nien (die Vorbereitung auf das Fest), Giao Thua (der Vorabend des Festes) und Tan Nien (die Festtage selbst). Wir erlebten die Vorbereitungen bereits in Sapa und Hanoi. Die Straßen und Häuser waren beflaggt und bunt geschmückt. Auf klapprigen Mopeds wurden mithilfe angsteinflößender Konstruktionen riesige Bäume transportiert, die zu Hause dekoriert wurden. Neben den für dieses Fest üblichen blühenden Pfirsichästen sahen wir aber auch Orangenbäume und allerlei anderes Gewächs.
© Jochen Müller Zu Tet sind dem Kitsch keine Grenzen gesetzt. Hauptsache es ist bunt und blinkt.
Was tun?
Traditionell verbringen die Vietnamesen Tet mit ihren Familien oder besuchen die Tempel.
© Jochen Müller Der traditionelle Neujahrsgruß in Vietnam:
Chuc Mung Nam Moi!
Doch was machen Touristen während dieser Zeit? Wir erkundigten uns bereits in Hanoi, was denn an Tet hier los sei. Feuerwerk? Partys? Irgendwas? Nichts, lautete die niederschmetternde Antwort. Alles sei geschlossen und jedermann sei bei seiner Sippe. Man empfahl uns, Hanoi an Tet zu meiden und uns in kleinere Orte zu begeben. Gesagt, getan. Am Vorabend brachen wir auf in Richtung Osten zur Halong Bay. Die Widrigkeiten mit unseren Motorrädern sowie Regen und einsetzende Dunkelheit zwangen uns dann dazu, in einem winzigen, namenlosen Dorf kurz hinter Hanoi Station zu machen. Hier also sollten wir den Vorabend des Neujahrsfestes, quasi das vietnamesische Silvester, erleben. Der Erlebnischarakter hielt sich allerdings in Grenzen, gab uns aber einen Vorgeschmack auf das, was uns in den kommenden Tagen erwarten sollte.
Irgendwo im Nirgendwo
Wir fanden auf der einzigen Straße des Ortes ein kleines Hotel, das auf den ersten Blick nicht als solches zu erkennen war. Wir waren hier offenbar die einzigen Gäste. Froh über die Kundschaft wurden wir freundlich empfangen, man winkte uns gleich herein. Und zwar noch bevor wir uns aus dem Sattel schwingen konnten. Also fuhren wir mit den Bikes durch die Rezeption in die Küche, wo wir sie parken sollten. Vielleicht war es aber auch die Garage, in der zugleich gekocht wurde. Wir wissen es nicht genau.
© Jochen Müller Was uns daheim der Tannenbaum an Weihnachten, ist den Vietnamesen ein geschmücktes Mandarinenbäumchen. Was natürlich heim transportiert werden will.
© Jochen Müller Alternativ zum Mandarinenbäumchen geht
auch ein Pfirsichzweig.
Gekocht wurde jedenfalls nicht für uns, was schade war, denn es gibt eine Reihe ziemlich schmackhaft klingender traditioneller Gerichte, die zu Tet bereitet werden. Daher begaben wir uns auf die Straße, um etwas Essbares zu finden. Wir blickten in beide Richtungen und wähnten uns in einer Geisterstadt des Wilden Westens. Gespenstische Leere, heruntergelassene Rollläden und weit und breit kein Imbiss in Sicht. Wäre nicht ab und zu ein vereinzelter Motorroller die Straße entlang gekommen oder hätte man nicht bei genauerem Hinsehen durch die Türen Menschen in ihren Häusern gesehen, wir wären überzeugt davon, dass dieser Ort gänzlich ausgestorben wäre.
Immerhin fanden wir nach kurzer Suche doch noch einen Ort, an dem man uns eine Nudelsuppe und ein Dosenbier kredenzte. Mehr war nicht zu erwarten. Wir schlenderten zurück zu unserem Hotel und hatten doch noch die vage Hoffnung auf ein Feuerwerk, das traditionell zum Tet-Fest gehört. Wenigstens ein kleines. Nur eine Wunderkerze. Doch nichts dergleichen. Also gingen wir aufs Zimmer und legten uns ins Bett. Denn mehr gab es hier nicht zu tun. Das war also unser Giao Tua. Happy Tet!
Was Tet für Touristen bedeutet
Früh am nächsten Morgen begaben wir uns wieder auf die Straße in Richtung Halong Bay. Hier wartete das spanische Pärchen auf uns, die uns seit Sapa begleiteten. In Bai Chay nahe der Bucht angekommen, trafen wir unsere Weggefährten. Sie berichteten uns von ihren vorabendlichen Erfahrungen, die sich mit unseren deckten. Absolut tote Hose hier. Allerdings hatten die beiden das Glück, von der Familie unserer Hotelbetreiberin zu Schnaps und Karaoke eingeladen worden zu sein. Offenbar auch eine Tradition.
© Jochen Müller Die Vietnamesen bleiben an Tet daheim mit ihrer Familie. Oder sie gehen in den Tempel.
Als wir gemeinsam das Städtchen erkundeten, fanden wir allmählich heraus, was Tet für Touristen bedeutet: ausgestorbene Orte, leere Straßen und geschlossene Geschäfte. Wir mussten tatsächlich auch hier lange suchen, bis wir ein kleines Restaurant fanden, dass sich bereit erklärte, uns zu bewirten. Als wir dann die Rechnung serviert bekamen, kippten wir fast aus unseren Plastikstühlchen. Man erklärte uns wie selbstverständlich, dass dies die Tet-Preise seien. Und tatsächlich fanden wir sie seither allerorts. Wenn man das Doppelte oder Dreifache des normalen Preises etwa für eine Suppe zahlte, so kam man noch günstig dabei weg. Selbst das Fünffache war keine Seltenheit. Überflüssig zu erwähnen, dass auch die meisten Läden geschlossen waren, in denen man sich hätte selbst versorgen können. Das neue Preisniveau galt natürlich auch für Busse und Züge, so sie denn überhaupt verkehrten. Und selbstverständlich in gleichem Maße für unseren geplanten Bootstrip durch die Halong Bay, immerhin dem Hauptgrund unseres Besuches in dieser Ecke des Landes. Bleich um die Nasenspitze fragten wir, wie lange Tet denn nun genau ginge. Wikipedia versicherte uns, dass der Spuk nach drei Tagen ein Ende habe, die Realität sieht aber anders aus. Fünf Tage, eine Woche - so genau wusste es offenbar niemand, den wir fragten. Uns beschlich das Gefühl, dass man Tet hier so lange feiern wird, wie wir im Ort sind. Also keine Aussicht auf Besserung. Happy Tet!
Von Peer Bergholter
Tet unterteilt sich in drei Perioden: Tat Nien (die Vorbereitung auf das Fest), Giao Thua (der Vorabend des Festes) und Tan Nien (die Festtage selbst). Wir erlebten die Vorbereitungen bereits in Sapa und Hanoi. Die Straßen und Häuser waren beflaggt und bunt geschmückt. Auf klapprigen Mopeds wurden mithilfe angsteinflößender Konstruktionen riesige Bäume transportiert, die zu Hause dekoriert wurden. Neben den für dieses Fest üblichen blühenden Pfirsichästen sahen wir aber auch Orangenbäume und allerlei anderes Gewächs.
Was tun?
Traditionell verbringen die Vietnamesen Tet mit ihren Familien oder besuchen die Tempel.
Chuc Mung Nam Moi!
Irgendwo im Nirgendwo
Wir fanden auf der einzigen Straße des Ortes ein kleines Hotel, das auf den ersten Blick nicht als solches zu erkennen war. Wir waren hier offenbar die einzigen Gäste. Froh über die Kundschaft wurden wir freundlich empfangen, man winkte uns gleich herein. Und zwar noch bevor wir uns aus dem Sattel schwingen konnten. Also fuhren wir mit den Bikes durch die Rezeption in die Küche, wo wir sie parken sollten. Vielleicht war es aber auch die Garage, in der zugleich gekocht wurde. Wir wissen es nicht genau.
auch ein Pfirsichzweig.
Immerhin fanden wir nach kurzer Suche doch noch einen Ort, an dem man uns eine Nudelsuppe und ein Dosenbier kredenzte. Mehr war nicht zu erwarten. Wir schlenderten zurück zu unserem Hotel und hatten doch noch die vage Hoffnung auf ein Feuerwerk, das traditionell zum Tet-Fest gehört. Wenigstens ein kleines. Nur eine Wunderkerze. Doch nichts dergleichen. Also gingen wir aufs Zimmer und legten uns ins Bett. Denn mehr gab es hier nicht zu tun. Das war also unser Giao Tua. Happy Tet!
Was Tet für Touristen bedeutet
Früh am nächsten Morgen begaben wir uns wieder auf die Straße in Richtung Halong Bay. Hier wartete das spanische Pärchen auf uns, die uns seit Sapa begleiteten. In Bai Chay nahe der Bucht angekommen, trafen wir unsere Weggefährten. Sie berichteten uns von ihren vorabendlichen Erfahrungen, die sich mit unseren deckten. Absolut tote Hose hier. Allerdings hatten die beiden das Glück, von der Familie unserer Hotelbetreiberin zu Schnaps und Karaoke eingeladen worden zu sein. Offenbar auch eine Tradition.
Als wir gemeinsam das Städtchen erkundeten, fanden wir allmählich heraus, was Tet für Touristen bedeutet: ausgestorbene Orte, leere Straßen und geschlossene Geschäfte. Wir mussten tatsächlich auch hier lange suchen, bis wir ein kleines Restaurant fanden, dass sich bereit erklärte, uns zu bewirten. Als wir dann die Rechnung serviert bekamen, kippten wir fast aus unseren Plastikstühlchen. Man erklärte uns wie selbstverständlich, dass dies die Tet-Preise seien. Und tatsächlich fanden wir sie seither allerorts. Wenn man das Doppelte oder Dreifache des normalen Preises etwa für eine Suppe zahlte, so kam man noch günstig dabei weg. Selbst das Fünffache war keine Seltenheit. Überflüssig zu erwähnen, dass auch die meisten Läden geschlossen waren, in denen man sich hätte selbst versorgen können. Das neue Preisniveau galt natürlich auch für Busse und Züge, so sie denn überhaupt verkehrten. Und selbstverständlich in gleichem Maße für unseren geplanten Bootstrip durch die Halong Bay, immerhin dem Hauptgrund unseres Besuches in dieser Ecke des Landes. Bleich um die Nasenspitze fragten wir, wie lange Tet denn nun genau ginge. Wikipedia versicherte uns, dass der Spuk nach drei Tagen ein Ende habe, die Realität sieht aber anders aus. Fünf Tage, eine Woche - so genau wusste es offenbar niemand, den wir fragten. Uns beschlich das Gefühl, dass man Tet hier so lange feiern wird, wie wir im Ort sind. Also keine Aussicht auf Besserung. Happy Tet!
Von Peer Bergholter
Kommentare zu "Happy Tet?"
Fernweh
von Lillie
am 20.02.2012 um 11:59 Uhr
Ich hatte 2007 eine Auszeit in Vietnam genommen. Wenn ich den Bericht so sehe, ist es Zeit mal wieder in das schöne Asien zu reisen.
"Happy Tet?" kommentieren


wir waren letztes Jahr zum Tet Fest da, genauer gesagt, unser Abreisetag war der erste Tag des Tet-Festes, so herum ist es glaube ich am besten in Vietnam, lassen wir sie untereinander feiern, wie SIE wollen !