Wir erlebten sie in Hue, der alten Kaiserstadt in Zentralvietnam. Zwar hörten wir von nahezu allen Vietnamreisenden nur Positives über das Land, bislang konnte Vietnam selbst uns davon aber noch nicht überzeugen. Einen negativen Höhepunkt stellte unser Zwischenstopp in Hue dar. Schade, hat die Stadt doch eigentlich einiges zu bieten.
© Bergholter Abschied von der Halong Bucht. Natürlich im Regen.
Nachdem wir die Halong Bucht verließen, führte uns die nächste Etappe mit einem Zwischenstopp für die Nacht nach Ninh Binh. In Ninh Binh selbst haben wir außer einer Werkstatt und unserem Domizil nichts weiter gesehen, da wir nur weg wollten. Schnellstmöglich in Richtung Süden. In Richtung Sonne. Nachdem wir das Land nun eine knappe Woche mit unseren Motorrädern befahren haben, konnten wir seit Sapa nicht einen sonnigen Tag auf der Straße verbuchen. Doch wir sind genügsam, uns hätte ja eine trockene Straße schon gereicht. Nicht einmal diese war uns vergönnt. Nun hofften wir sie endlich in Hue zu finden.
© Bergholter Auf nach Hue. An die glorreiche Vergangenheit der Stadt erinnert die Zitadelle Hues.
Schlechte Vorzeichen Nach einer weiteren und äußerst langen Regenfahrt trafen wir, nass bis auf die Knochen und entsprechend übellaunig, in Hue ein. Der Verschleiß, den unsere Maschinen als Folge der vietnamesischen Schlaglochpisten aufwiesen, tat sein Übriges, um unsere Stimmung zu dämpfen. Natürlich kann die Stadt selbst zunächst einmal nichts dafür, dass die Vorzeichen unseres Besuchs dort eher schlecht waren. Nun ja, man hätte sie vielleicht an anderer Stelle errichten können, liegt sie doch unmittelbar nördlich einer ausgeprägten Wetterscheide. Theoretisch sollte das unserer Hoffnung auf bessere Witterung Auftrieb verleihen, doch in der Praxis lauteten alle Vorhersagen gleich: Regen, Regen, Regen. Überflüssig zu erwähnen, dass auch Hue da keine Ausnahme bildete.
Erst mal ankommen Zunächst hieß es, erst einmal anzukommen. Wir fanden ein nettes Hostel, das fast chinesischen Standard erreichte und ein entsprechendes Flair verbreitete. Ist doch schon mal gar nicht so schlecht. Oder?
© Bergholter Erinnerungen an China werden wach: Unser Hostel in Hue.
Jedenfalls schälten wir aus unseren schlammigen Klamotten, gönnten uns eine heiße Dusche und ein überteuertes Abendessen. Wobei überteuert ausnahmsweise mal nicht auf die Tet-Preise zurückzuführen war, die hier selbstverständlich immer noch aufgerufen wurden. Gut eine Woche nach Tet. Doch in diesem Fall war es uns ausnahmsweise mal egal, waren wir doch zu hungrig und erschöpft, um uns aufzuregen und dinierten kurzerhand im Hostel. Wir akklimatisierten uns also und schmiedeten Pläne für den nächsten Tag. Schließlich sollte es hier in der alten Hauptstadt (1802-1945) einiges zu sehen geben.
Die nasse Realität Die Realität sah am kommenden Tag aber anders aus. Oberste Priorität genoss die Wartung unserer Maschinen. Und ausschlafen. Daher begaben wir uns zunächst auf die Suche nach einer Werkstatt, die wir schließlich auch fanden. Hier trafen wir auf einen ehrlichen Vietnamesen, der gemeinsam mit uns die Mängelliste durchging und sogar gleich einen Preis für jeden Handgriff nannte. Nicht günstig - wir erinnern uns an Tet - aber dafür wussten wir, woran wir waren. Keine negativen Überraschungen bei der Rechnung. Im Gegenteil, ließ er doch mit sich handeln und es gelang uns tatsächlich, nicht nur den Preis zu drücken, sondern auch noch ein paar ordentliche Gepäckträger rauszuschlagen.
© Bergholter Unser erster Sightseeingspot in Hue: Eine Werkstatt. Mal wieder.
Zurück im Hostel beschlossen wir, das geplante Sightseeing-Programm auf den späten Nachmittag zu verschieben, wurde doch der Regen zunehmend stärker. In der Gewissheit, die kommenden Tage wieder auf der Straße zu verbringen, nutzten wir die Gelegenheit, dieses Blog ein wenig voran zu bringen. Schließlich hinken wir etwas hinterher.
Unerwartetes Wiedersehen Doch auch später am Tag sollte es mit unserer geplanten Stadterkundung nichts werden. Kaum hatten wir uns entschlossen, die nassen Stiefel (die hier selbst nach drei Tagen nicht trocknen wollten) für einen Stadtbummel zu schnüren, ertönte in der Bar unseres Hostels ein ohrenbetäubendes Geschrei. Es dauerte einen Augenblick, bis wir realisierten, dass die euphorischen Rufe uns galten. Völlig unvermittelt stand auf einmal ein schwedisches Pärchen vor uns. Auf den zweiten Blick erkannten wir sie als unsere Weggenossen aus der Transsibirischen Eisenbahn! Natürlich gab es ein großes Hallo und die Sehenswürdigkeiten Hues mussten zugunsten einer spontanen Wiedersehensfeier weiter auf unseren Besuch warten. Es ist nicht das erste Mal, dass diese Reise ihren eigenen Tagesplan schreibt. Doch genau das ist es, was den ganzen Trip ausmacht.
Also verließen wir das Hostel nicht mehr, wobei sich dessen Ambiente als nicht so positiv herausstellte. Zumindest für die Highlights Hues.
Dreister geht's nicht Als unsere Bar um 23 Uhr schloss, wurden unsere Getränke in Plastikbecher umgefüllt und wir des Lokals verwiesen. Also suchten wir uns eine überdachte Stelle auf der Straße, um den Abend ausklingen zu lassen. Es dauerte nicht lange und drei junge Vietnamesen gesellten sich zu uns. Wir hatten diese vermeintliche Freundlichkeit und Neugier schon öfter erlebt. Wo kommst Du her? Wo gehst Du hin? Der übliche Smalltalk. In nicht wenigen Fällen folgt dann alsbald der Versuch, einem irgendetwas zu verkaufen. Zu horrenden Preisen versteht sich. Doch dieser Fall war etwas anders gelagert. Während wir nett plauderten und uns die drei Gesellen breit angrinsten, fingerten gleich mehrere Hände an den unterschiedlichen Taschen unserer Hosen und Jacken herum. Und zwar nicht sonderlich dezent. Ich schaute den Kerl vor mir entgeistert an, mein Blick wanderte zu seiner Hand, die gerade etwas aus meiner Jackentasche zu nesteln versuchte. Geht's noch? Völlig perplex ob dieser Dreistigkeit versäumte ich eine angemessen Reaktion. Wir erklärten ihnen, dass sie im Begriff seien nicht nur einen großen Fehler zu begehen, sondern überdies auch unser ohnehin nicht gerade positives Bild ihres Heimatlandes nachhaltig zu erschüttern. Jochens Gutgläubigkeit ließ ihn einen Moment lang denken, dass diese Worte eine Wirkung erzielt hätten. Als wenig später aber die nächste Hand nach seinem Portemonnaie taste, sah er sich in seiner Einschätzung getäuscht. Kopfschüttelnd ließen wir die drei stehen und zogen von dannen.
Wir haben ja in Sachen Abzocke hier bereits einiges erlebt - Touristen sind halt Freiwild, aber diese Aktion setzte dem Ganzen doch die Krone auf.
© Bergholter Sanierungsbedürftig.
Doch was sehen An unserem letzten vollen Tag in Hue zwangen wir uns dann endlich, unsere immer noch klammen Klamotten überzuwerfen und die Stadt zu erkunden. Natürlich im strömenden Regen. Doch wir wollten es wenigstens in die alte Zitadelle schaffen, die Verbotene Stadt Hues. Und wir schafften es. Diese Verbotene Stadt wurde der in Peking nachempfunden, kann ihr allerdings in Sachen Größe und Pracht nicht ansatzweise das Wasser reichen. Das Areal war recht überschaubar und in einem erbarmungswürdigen Zustand. Ziemlich heruntergekommen präsentierte sich des alten Kaisers Bleibe: Der Putz bröckelte von den Wänden, in den Thronsaal regnete es gleich an mehreren Stellen durch das Dach und sämtliche Ertüchtigungen, die mit bloßem Auge zu erkennen waren, waren äußerst lieblos durchgeführt. Vietnam hat offenbar ein gespaltenes Verhältnis zu seiner (kaiserlichen) Vergangenheit.
© Bergholter Ein Garten in der Verbotenen Stadt Hues. Hübsch, aber kein Vergleich zu Peking.
© Bergholter Und auch der große Thronsaal hat schon bessere Tage gesehen.
Heimweh Wir schlenderten durch die Gärten, suchten die kaiserlichen Gemächer auf und entschieden uns, auf ein Foto auf dem Thron im herrschaftlichen Gewand zu verzichten. Doch weder das Wetter noch der heruntergekommene Zustand der Anlage hielt die zahlreichen Besucher davon ab, sich dieses vermeintliche Kleinod anzusehen. Unter den in Regenmänteln und Plastikfolien gewandeten Touristen machten wir auch eine chinesische Reisegruppe aus. Wir konnten dem Impuls nicht widerstehen, uns dieser für eine Weile anzuschließen. Lachend und lärmend posierten sie für ein gestelltes Erinnerungsfotos, scherzten und verbreiteten eine warme und herzliche Atmosphäre. Wir hätten sie am liebsten in den Arm genommen. Jochen und ich sahen einander an und dachten dasselbe: Nach gut vier Monaten unterwegs hatten wir erstmals „Heimweh". Wir sehnten uns zurück nach China.
© Bergholter Eine chinesische Reisegruppe lässt Wehmut aufkommen.
von Peer Bergholter
WIE SCHÖN ES SICH ANHÖRT IN VIETNAM HEIMEWH NACH CHINA ZU HABEN....MANN DIE LETZTEN TAGE WERDET IHR WAHRLICH NICHT VONNE AURORA GESTREICHELT,BLEIBT BITTE WEITERHIN TAPFER AUCH WENN ES “ÜBERALL“NASS IST.BALD KOMMEN BESTIMMT ANDERE GRADZAHLEN...LASST ES EUCH GUTGEHN UND MEHR FOTOS VON EUCH UND EUREN HARLEYS.GRUSS BOB