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30. April 2012
Wiedervereinigt in Chiang Mai
Nach drei Wochen Trennung trafen Peer und ich in Chiang Mai in Nord-Thailand wieder aufeinander. Die Zeit verbrachten wir mit dem Austausch von Neuigkeiten, Spaziergängen durch die Altstadt und einem Ausflug zum Doi Suthep, dem nahe gelegenen Berg mit gleichnamigem Tempel.
Chiang Mai ist die größte Stadt in Nord-Thailand und Heimat eines bunten Gemischs aus Bergstämmen und Nord-Thais, was der Stadt einen vielschichtigen und bunten Charakter verleiht. Die Nord-Thais gelten als besonders freundlich und sanftmütig, was Chiang Mai den Ruf eingebracht hat, die Stadt mit dem freundlichsten Umgangston in Thailand zu sein. Zwar können wir dazu wenig sagen, immerhin haben wir nicht alle Städte im Land bereist, trauen uns jedoch zumindest so viel zu bestätigen: Wir trafen hier ausnahmslos freundliche Menschen und die Stadt wirkte sehr friedlich und entspannt.
© Jochen Müller In Chiang Mai.
Trecking, Trecking, Trecking
Zwar kann man in Chiang Mai einige Tage damit zubringen, sich kultureller Ertüchtigung hinzugeben, die Hauptattraktion der Stadt ist jedoch ihr Umland. Trecking ist das große Zauberwort. Jedes Gasthaus, Hostel oder Hotel bietet Touren an, man kann zu und mit den Bergstämmen wandern, Elefanten reiten oder sich zum Mahout, zum Elefanten-Führer, ausbilden lassen. Wem das nicht reicht, der kann raften, Fahrrad fahren, klettern oder sonstigen Natursportarten frönen. Die Stadt gilt als Mekka für alle nur denkbaren Outdoor-Aktivitäten. Wir taten nichts davon.
Zum einen lag das daran, dass es trotz des Überangebots nicht gerade leicht ist, Touren zu finden, die unter der Prämisse der Nachhaltigkeit organisiert sind. Zum anderen daran, dass, wenn man eine solche findet, sie alles andere als günstig ist. Als Peer in Chiang Mai ankam, hatte ich die Abrechnung für Laos fertig gestellt und begrüßte ihn mit der guten Nachricht, dass unser Budget sich immer weiter erholte. Vielleicht wollten wir diese Tatsache noch etwas länger genießen und dachten uns, dass uns in Indonesien noch genug Urwald erwarten sollte. Vielleicht waren die Erinnerungen an die unvergleichlichen Erlebnisse der Gibbon Experience in Laos noch zu präsent oder aber uns hielt einfach die Hitze von einer mehrtägigen Wanderung ab. Die Temperaturen näherten sich der 40°C-Marke, was uns beiden die Lust signifikant dämpfte, uns bergauf und bergab durch den Dschungel zu schleppen. Wir verbrachten den ersten gemeinsamen Tag damit, uns die Erlebnisse der vergangenen Wochen zu erzählen, genossen es, wieder beisammen zu sein und entschlossen uns dazu, ein wenig in Kultur zu machen.
„Historisches" Tor von 1980
Die Altstadt Chiang Mais ist ein Carree von etwa eineinhalb Kilometern Seitenlänge, umgeben von einem Wassergraben und einer mehrspurigen Straße. An einigen Stellen lugt die historische Stadtmauer hervor, die nur noch in Resten erhalten ist. Es tat dem Anblick keinen Abbruch, als wir erfuhren, dass das Osttor, hölzern und hübsch anzusehen, erst in den 1980er Jahren erbaut wurde.
© Jochen Müller Das östliche Tor in der Stadtmauer ist zwar noch recht jung aber durchaus hübsch anzusehen.
Innerhalb der Altstadt kann man sich in den kleinen Gassen verlieren, von Gasthaus zu Hostel und von Wäscherei zu Restaurant schlendern oder eine der über 30 Tempelanlagen allein in diesem Viertel bewundern. Das Wat Phra Singh ist hierbei besonders zu nennen. Im Jahre 1345 gegründet, beherbergt es seit 1367 den Phra Puttha Sihing, eine Buddha-Statue, um die sich einige Legenden ranken, da bis heute ihr Ursprung nicht vollends geklärt ist. Ist sie aus Indien über Sri Lanka und Ayutthaya nach Chiang Mai gekommen oder nicht, ist ihr Kopf nun Original oder Replik, dem Eindruck, den sie beim Betrachter hinterlässt, tut die Ungewissheit keinen Abbruch. Auch wenn wir auf unserer Reise schon mehr Wats besuchten als wir noch nachvollziehen können, so sticht diese Tempelanlage durch ihre Schönheit aus der Masse hervor. Die von außen kunstvoll verzierten Bauwerke waren herrlich anzusehen und die Wandmalereien im Inneren schlicht spektakulär, obwohl der Zahn der Zeit bereits sichtbar an ihnen genagt hatte.
© Jochen Müller Im Wat Phra Singh stehen Stupas und einige Tempelbauten. Rechts im Bild ist der Ubosot zu sehen, der heiligste Tempelraum des Wats. Hier werden die wichtigsten Zeremonien abgehalten.
© Jochen Müller Im Ubosot ist der Phra Puttha Sihing untergebracht, eine legendäre Buddha Statue.
© Jochen Müller Die Wandmalereien und Verzierungen im Ubosot.
Am Rande der Stadt
Ein Ausflug auf den Doi Suthep, den nahe gelegenen Berg, sei jedem Besucher Chiang Mais wärmstens empfohlen.
© Jochen MüllerDie goldene Chedi des Wat Phra That Doi Suthep.
Einen Roller kann man sich für fünf Euro am Tag mieten und die Fahrt den Berg hinauf ist auch ohne den Besuch des Tempels oder des königlichen Sommerpalastes ein Erlebnis. Nicht nur wegen des Linksverkehrs. Der mich mehr forderte, als es mir lieb ist, mir eingestehen zu müssen. Es ist Peers beherzten Rufen (LIIINKS!!!) zu verdanken, dass ich allen Fahrzeugen letztendlich doch auswich. Besonders der fahrbare Grillstand wäre ungünstig gewesen. Ich bin kein Anhänger von Körperkunst, und die Aussicht auf Streifenlook im Gesicht löst in mir keine Begeisterung aus. Doch alles ging gut, spätestens als wir die Stadt hinter uns gelassen hatten war die Fahrt ein reiner Genuss. Enge Serpentinen durch dichten Wald zur Rechten und ein zunehmend schönerer Ausblick zur Linken entlohnten für die Schrecksekunden in der Stadt. Am Wat Phra That Doi Suthep, dem Wahrzeichen Chiang Mais, angekommen, mussten wir dennoch erst einmal schlucken. Schließlich galt es über 200 steile Stufen zu erklimmen, um in die Tempelanlage zu gelangen. In der prallen Sonne und bei dieser Hitze kein Vergnügen, letztlich aber machbar. Oben angelangt belohnte uns die Schönheit der Anlage für die Mühen allemal. Um 1371 gegründet, soll diese Tempelanlage eine Reliquie Buddhas enthalten, die in der vergoldeten Chedi im Zentrum des Geländes untergebracht ist. Ob dies nun der Wahrheit entspricht oder nicht sei dahin gestellt, der Anblick war auf jeden Fall eindrucksvoll.
© Jochen Müller Hinduistische Ganeshas und Buddhastatuen sind alle schön anzusehen. Aber bei der Hitze kann es anstrengen...
Auch der Ausblick vom Wat über Chiang Mai soll herrlich sein, allerdings waren wir an diesem Tag nicht mit einem klaren Himmel gesegnet. Die Stadt lag im Dunst, man konnte jedoch mit einem Tele-Objektiv die Altstadt ganz gut erkennen.
© Jochen Müller Blick auf die Altstadt Chiang Mais vom Wat Phra That Doi Suthep.
Erfrischungen
Da uns die Hitze doch recht zu schaffen machte, verzichteten wir auf den Besuch des Sommerpalasts der königlichen Familie. Stattdessen fuhren wir wieder zurück in Richtung Chiang Mai und kühlten uns auf halbem Weg unter einem Wasserfall ab. Die Dusche fiel leider recht kurz aus, da eine Gruppe Thais damit beschäftigt war, eine junge Dame hundertfach an genau dieser Stelle abzulichten. Ob wir hier ein thailändisches Supermodell nicht erkannten oder ob es sich um einen Ausflug des örtlichen Volkshochschul-Fotokurses handelte, werden wir nie erfahren. Auf jeden Fall zogen wir uns lieber zurück und nahmen mit dem nächsten Wasserfall vorlieb, der vielleicht weniger spektakulär aussah aber genauso erfrischend war wie der große. An diesem Tag war das alles, was für uns zählte. Am Abend genossen wir noch den Nachtmarkt, der als der größte seiner Art in Thailand gilt, jedoch mehr den Eindruck mehrerer lose miteinander verbundener einzelner Märkte machte. Bei einem Thai-Curry und einem kühlen Chang-Bier saßen wir in den Gassen, genossen die (wenn auch nur leicht) zurück gehenden Temperaturen und das bunte Treiben in den Straßen. Denn so viel war klar. Auch wenn Chiang Mai vielleicht nicht die entspannteste Stadt Thailands ist, es war anzunehmen, dass es hier deutlich ruhiger zuging, als wir z.B. von Bangkok erwarteten.
© Jochen Müller Ob Berühmtheit oder nicht. Hier wollten wir uns nicht ins Bild drängen.
© Jochen Müller Kein Grund zu verzagen. Zum Glück gab es Alternativen.
Jochen Müller
Chiang Mai ist die größte Stadt in Nord-Thailand und Heimat eines bunten Gemischs aus Bergstämmen und Nord-Thais, was der Stadt einen vielschichtigen und bunten Charakter verleiht. Die Nord-Thais gelten als besonders freundlich und sanftmütig, was Chiang Mai den Ruf eingebracht hat, die Stadt mit dem freundlichsten Umgangston in Thailand zu sein. Zwar können wir dazu wenig sagen, immerhin haben wir nicht alle Städte im Land bereist, trauen uns jedoch zumindest so viel zu bestätigen: Wir trafen hier ausnahmslos freundliche Menschen und die Stadt wirkte sehr friedlich und entspannt.
Trecking, Trecking, Trecking
Zwar kann man in Chiang Mai einige Tage damit zubringen, sich kultureller Ertüchtigung hinzugeben, die Hauptattraktion der Stadt ist jedoch ihr Umland. Trecking ist das große Zauberwort. Jedes Gasthaus, Hostel oder Hotel bietet Touren an, man kann zu und mit den Bergstämmen wandern, Elefanten reiten oder sich zum Mahout, zum Elefanten-Führer, ausbilden lassen. Wem das nicht reicht, der kann raften, Fahrrad fahren, klettern oder sonstigen Natursportarten frönen. Die Stadt gilt als Mekka für alle nur denkbaren Outdoor-Aktivitäten. Wir taten nichts davon.
Zum einen lag das daran, dass es trotz des Überangebots nicht gerade leicht ist, Touren zu finden, die unter der Prämisse der Nachhaltigkeit organisiert sind. Zum anderen daran, dass, wenn man eine solche findet, sie alles andere als günstig ist. Als Peer in Chiang Mai ankam, hatte ich die Abrechnung für Laos fertig gestellt und begrüßte ihn mit der guten Nachricht, dass unser Budget sich immer weiter erholte. Vielleicht wollten wir diese Tatsache noch etwas länger genießen und dachten uns, dass uns in Indonesien noch genug Urwald erwarten sollte. Vielleicht waren die Erinnerungen an die unvergleichlichen Erlebnisse der Gibbon Experience in Laos noch zu präsent oder aber uns hielt einfach die Hitze von einer mehrtägigen Wanderung ab. Die Temperaturen näherten sich der 40°C-Marke, was uns beiden die Lust signifikant dämpfte, uns bergauf und bergab durch den Dschungel zu schleppen. Wir verbrachten den ersten gemeinsamen Tag damit, uns die Erlebnisse der vergangenen Wochen zu erzählen, genossen es, wieder beisammen zu sein und entschlossen uns dazu, ein wenig in Kultur zu machen.
„Historisches" Tor von 1980
Die Altstadt Chiang Mais ist ein Carree von etwa eineinhalb Kilometern Seitenlänge, umgeben von einem Wassergraben und einer mehrspurigen Straße. An einigen Stellen lugt die historische Stadtmauer hervor, die nur noch in Resten erhalten ist. Es tat dem Anblick keinen Abbruch, als wir erfuhren, dass das Osttor, hölzern und hübsch anzusehen, erst in den 1980er Jahren erbaut wurde.
Innerhalb der Altstadt kann man sich in den kleinen Gassen verlieren, von Gasthaus zu Hostel und von Wäscherei zu Restaurant schlendern oder eine der über 30 Tempelanlagen allein in diesem Viertel bewundern. Das Wat Phra Singh ist hierbei besonders zu nennen. Im Jahre 1345 gegründet, beherbergt es seit 1367 den Phra Puttha Sihing, eine Buddha-Statue, um die sich einige Legenden ranken, da bis heute ihr Ursprung nicht vollends geklärt ist. Ist sie aus Indien über Sri Lanka und Ayutthaya nach Chiang Mai gekommen oder nicht, ist ihr Kopf nun Original oder Replik, dem Eindruck, den sie beim Betrachter hinterlässt, tut die Ungewissheit keinen Abbruch. Auch wenn wir auf unserer Reise schon mehr Wats besuchten als wir noch nachvollziehen können, so sticht diese Tempelanlage durch ihre Schönheit aus der Masse hervor. Die von außen kunstvoll verzierten Bauwerke waren herrlich anzusehen und die Wandmalereien im Inneren schlicht spektakulär, obwohl der Zahn der Zeit bereits sichtbar an ihnen genagt hatte.
Am Rande der Stadt
Ein Ausflug auf den Doi Suthep, den nahe gelegenen Berg, sei jedem Besucher Chiang Mais wärmstens empfohlen.
© Jochen MüllerDie goldene Chedi des Wat Phra That Doi Suthep.
© Jochen Müller Hinduistische Ganeshas und Buddhastatuen sind alle schön anzusehen. Aber bei der Hitze kann es anstrengen...Auch der Ausblick vom Wat über Chiang Mai soll herrlich sein, allerdings waren wir an diesem Tag nicht mit einem klaren Himmel gesegnet. Die Stadt lag im Dunst, man konnte jedoch mit einem Tele-Objektiv die Altstadt ganz gut erkennen.
Erfrischungen
Da uns die Hitze doch recht zu schaffen machte, verzichteten wir auf den Besuch des Sommerpalasts der königlichen Familie. Stattdessen fuhren wir wieder zurück in Richtung Chiang Mai und kühlten uns auf halbem Weg unter einem Wasserfall ab. Die Dusche fiel leider recht kurz aus, da eine Gruppe Thais damit beschäftigt war, eine junge Dame hundertfach an genau dieser Stelle abzulichten. Ob wir hier ein thailändisches Supermodell nicht erkannten oder ob es sich um einen Ausflug des örtlichen Volkshochschul-Fotokurses handelte, werden wir nie erfahren. Auf jeden Fall zogen wir uns lieber zurück und nahmen mit dem nächsten Wasserfall vorlieb, der vielleicht weniger spektakulär aussah aber genauso erfrischend war wie der große. An diesem Tag war das alles, was für uns zählte. Am Abend genossen wir noch den Nachtmarkt, der als der größte seiner Art in Thailand gilt, jedoch mehr den Eindruck mehrerer lose miteinander verbundener einzelner Märkte machte. Bei einem Thai-Curry und einem kühlen Chang-Bier saßen wir in den Gassen, genossen die (wenn auch nur leicht) zurück gehenden Temperaturen und das bunte Treiben in den Straßen. Denn so viel war klar. Auch wenn Chiang Mai vielleicht nicht die entspannteste Stadt Thailands ist, es war anzunehmen, dass es hier deutlich ruhiger zuging, als wir z.B. von Bangkok erwarteten.
© Jochen Müller Ob Berühmtheit oder nicht. Hier wollten wir uns nicht ins Bild drängen.
© Jochen Müller Kein Grund zu verzagen. Zum Glück gab es Alternativen.Jochen Müller
Kommentare zu "Wiedervereinigt in Chiang Mai"
Re:
von Jochen Müller
am 05.05.2012 um 11:45 Uhr

Danke für Blumen, bzw. khoop khun khaaaaa ;)
"Wiedervereinigt in Chiang Mai" kommentieren

Wie immer beschreibst du die Stimmung eines Ortes genial.Ich kann den Nachtmarkt förmlich vor mir sehen und höre das murmeln der betenden Thais, die den Chedi im Doi Suthet umrunden. Ich liiiiiiebe Chiang Mai! Und, es stimmt, die Natur rund um die Stadt ist grandios. Danke mal wieder für´s mitnehmen auf die Reise.
Sawadee Khaaaaa
Romy