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20. April 2012

Keine einsame, doch eine schöne Insel


Weit über eine Millionen Touristen im Jahr, eine flächendeckende touristische Infrastruktur und - glaubt man dem Reiseführer - außer den Stränden wenig zu bieten. Das ist Koh Samui, eine der beliebtesten Ferieninseln Thailands. Dennoch zog es mich dorthin, um zu überprüfen, ob die Insel tatsächlich nicht mehr als ein Magnet für Pauschaltouristen ist.



Palme_Faecher.JPG© Bergholter Ich will Palmen!
Doch um ehrlich zu sein war es weniger die Hintergrundrecherche, die mich nach Koh Samui führte, sondern vielmehr die Hoffnung, eine entspannte Zeit mit meiner Freundin abseits von Schlafsälen und unrasierten Rucksacktouristen zu verbringen. Also entschieden wir uns für Koh Samui, das in den 1970er und 80er Jahren noch als Aussteigerinsel und „Hippieparadies" galt, bevor das Eiland massentouristisch erschlossen wurde, wofür eben diese Aussteiger unfreiwillig den Weg bereiteten. Spätestens mit der Eröffnung des Inselflughafens 1989 hat Koh Samui endgültig seine Pforten für den Pauschaltourismus geöffnet. Eine entsprechende Infrastruktur findet man hier inzwischen nahezu überall und die Urlauber nehmen diese dankend an. Ob die zahllosen „Western-Style"-Restaurants oder die Bungalowanlagen und Luxusresorts, die die Strände säumen, das Feld für den pauschalen Massentourismus auf der drittgrößten Insel Thailands ist bereitet.




In bester Gesellschaft

Brille.JPG© Bergholter Schöne Aussicht: Muu Koh Samui fest im Blick.


Koh Samui befindet sich sozusagen in bester Gesellschaft. Als Hauptinsel des Samui-Archipels (Muu Koh Samui), liegen in der Nähe rund 60 weitere Inseln. Die bekanntesten unter ihnen sind wohl Koh Tao, das Taucherparadies im Golf von Thailand schlechthin oder Koh Phangan, die man von Koh Samui aus bequem mit dem Taxi-Boot erreichen kann. Auch Koh Phangan soll viele traumhafte und noch weit unberührtere Strände bieten und ist berühmt für die legendären Vollmond-Partys, zu denen sich allmonatlich hunderte Feierwütige zusammenrotten. Pauschale (Feier-)Touren zu diesen Veranstaltungen werden bereits von Bangkok aus angeboten. Auch wenn wir (rein zufällig natürlich) pünktlich zum Vollmond auf Koh Samui waren, so ersparten wir uns doch eine Fahrt zu der großen Sause auf Koh Phangan. Es wollte sich einfach nicht mit unserer entspannten Grundstimmung vereinbaren lassen.

Ueberfahrt1.JPG© Bergholter Die Überfahrt bringt einen durch das Samui-Archipel.

Ueberfahrt2.JPG© Bergholter Und bietet traumhafte Panoramen.

Ueberfahrt3.JPG© Bergholter Mit all den größeren ...

samui-atoll2.JPG© Bergholter ... und kleineren Inseln.



Angenehm überrascht

Beach_Lamai__hoch.JPG© Bergholter Wenig los hier.
Normalerweise haben wir bisher einen großen Bogen um die klassischen Ziele für Pauschaltouristen gemacht, doch vielleicht ist es abhängig von der Reisezeit oder auch von der Einstellung, mit der man an die Sache herangeht, aber bei genauerem Hinsehen findet man auch hier auf Koh Samui schöne Ecken. Überrascht musste ich feststellen, dass selbst die beliebtesten Strände der Insel alles andere als überfüllt waren. Trotz herrlichen Wetters und angenehmster Badetemperaturen, kam ich mir etwa am Lamai-Beach im Osten Koh Samuis zeitweilig recht verloren vor. Lediglich eine Handvoll Urlauber lag hier am weitläufigen Sandstrand in der Sonne oder versteckte das Gesicht hinter einem Buch. In den kleinen Bambushütten auf dem Strand dösen Masseure vor sich hin, während sie auf Kundschaft warten.

Lamai_Strand_leer.JPG© Bergholter Lamai-Beach: Volle Strände sehen anders aus.

Abends sitzt man in den Restaurants und Strandbars, die zur Standardausrüstung einer jeden Ferienanlage gehören, und genießt köstliches Thai-Food oder fangfrischen Fisch. Die Musik, die dann hier und dort über den Strand ertönt, ist dezent und keinesfalls aufdringlich oder störend. Bisweilen sieht man am anderen Ende der Bucht ein Feuerwerk die sternenklare Nacht zerreißen. Doch nichts von alledem taugt dazu, die Stimmung zu zerstören oder das Gefühl zu erwecken, man befinde sich in einer touristischen Hochburg.

Angler_Fels.JPG© Bergholter Selbst die Locals kommen hierher um zu fischen.

Lamai_Beach_Felsen_I.JPG© Bergholter Auch andere Ecken wirken nicht überfüllt.

Apropos Burg: Man sieht hier auch keine mehrstöckigen Bettenburgen, dafür aber nette kleine Bungalows direkt am palmengesäumten Strand. Und das zu erschwinglichen Preisen. Ich muss gestehen, ich war positiv überrascht und meine ursprüngliche Skepsis wurde bereits am ersten Abend, als ich in der Hängematte auf der Veranda unseres Bungalows lag und aufs Meer blickte, zerstreut. Als ich dann vom Rauschen der Brandung und vom Gesang der Geckos in den Schlaf gewiegt wurde, hatte ich die Gewissheit: Hier lässt es sich aushalten. Beim weiteren Erkunden der Insel fand ich zwar auch andere Buchten, die mit opulenten Luxusresorts einen weniger ursprünglichen Charme versprühten, aber die Grundstimmung war doch stets die gleiche: entspannt und zurückhaltend.


Vollmond.JPG© Bergholter Vollmond, auch ohne Party.


Spuren der Zivilisation

Natürlich findet man sie auch hier auf Koh Samui, die Spuren der Zivilisation, doch sind auch diese recht dezent ausgeprägt. Nathon, die „Hauptstadt" der Insel, ist der einzige Ort, der entfernt an eine Stadt erinnert. Neben dem Fährhafen gibt es hier diverse Einkaufsmöglichkeiten. Doch lässt man diesen Ort in der Regel schnell hinter sich, stellt er doch lediglich das Tor zu Koh Samui dar. Von hier aus nimmt man sich ein Taxi oder einen Mini-Pick-Up-Truck (als Ersatz für Busse die einzigen öffentlichen Verkehrsmittel) und fährt weiter zu einer der malerischen Buchten. Die Orte dort sind nicht mehr als eine Ansammlung von Häusern und Geschäften, die beiderseitig entlang der Straße liegen. Zur touristischen Infrastruktur gehört es wohl auch, dass man nahezu in jeder Ortschaft einen 7-Eleven-Supermarkt und bei genauerem Hinsehen auch hier und da ein McDonalds oder ein Kentucky Fried Chicken Fastfood-Restaurant findet, doch die kleinen Thai-Restaurants und Imbisse mit traditionellem Flair sind glücklicherweise noch in der Überzahl.

Kokosnussstand.JPG© Bergholter Statt BigMäc lieber eine Kokosnuss.


Abseits der Strände

Die einzelnen Buchten im Norden und Osten, den touristisch erschlossenen Gegenden der Insel, sind durch Landzungen voneinander getrennt, welche von Felsformationen geschmückt sind. Die berühmteste unter ihnen liegt am südlichen Ende der Lamai-Bucht: der Wonderful Rock, von den Thai als Hin Ta - Hin Yai (Großvater und Großmutter) bezeichnet. Der Legende nach verkörpern diese Felsen ein Ehepaar, das hier vor der Küste Schiffbruch erlitt und versteinert wurde. Neben der schönen Aussicht sollen diese Felsen die sexuelle Phantasie beflügeln, da sie in ihrer Form an Genitalien erinnern. 

Penis.JPG© Bergholter Großväterchen.
Vagina.JPG
© Bergholter
Großmütterchen.
Auch abseits der Strände, immerhin die Hauptattraktion Koh Samuis, gibt es auf der Insel einiges zu entdecken. Zwar sparte ich die Schmetterlings- und Schlangenfarm ebenso wie den örtlichen Zoo oder das Aquarium aus, auch schenkte ich mir den Ritt auf einem Elefanten, doch lohnt es sich, einmal einen Motorroller zu mieten und die Insel zu erkunden. Auf der 53 Kilometer langen Ringstraße, die Koh Samui fast in Gänze erschließt, kommt man nicht nur an einigen Buchten und kleinen Ortschaften vorbei, die weitestgehend frei von touristischem Rummel sind, sondern auch an den meisten Sehenswürdigkeiten, die die Insel zu bieten hat.

Strand_locals.JPG© Bergholter Auch sie gibt es hier: einsame Strände ganz ohne touristischen Rummel.

Im Norden etwa, auf der kleinen Insel Koh Fan, die über zwei schmale Dämme mit Koh Samui verbunden ist, thront das Wahrzeichen des Eilandes: ein 12 Meter hoher goldener Buddha. Dieser sitzt an exponierter Stelle im Wat Phra Yai und lächelt milde auf die Besucher herab, das Meer im Rücken und den „Big-Buddha-Beach" zu seiner Rechten. Weitere kleinere Tempelanlagen findet man überall auf der Insel, doch muss ich gestehen, dass ich auf meiner bisherigen Reise schon spektakulärere zu sehen bekam.

Buddha_Blume.JPG© Bergholter Das Wahrzeichen der Insel.


Im Inneren der Insel


5265-Wasserfall.JPG© Bergholter Hin-Lat Wasserfall. Naja...

Dschungel.JPG© Bergholter Da war der Dschungel spektakulärer.
Weitere Attraktionen warten im Herzen der Insel. So gibt es etwa den Magic Garden, einen Park mit zahllosen Stein-Figuren, der bei Besuchern recht beliebt ist. Da die Figuren aber nicht besonders alt sind (also keine Weltkulturerbe-Stätte und darunter machen wir es ja bekanntlich nicht mehr) und die Bilder des Parks bei uns eher Erinnerungen an eine Sammlung überdimensionierter Gartenzwergen weckten, entschieden wir uns, auf einen Besuch zu verzichten.

Stattdessen wollten wir etwas Natur sehen. Und davon gibt es einiges in der Mitte Koh Samuis. Beispielsweise drei große Wasserfälle. Der Ausflug dorthin bescherte meiner Freundin und mir eine angenehme Abwechslung zum Sonnenbad am Strand, da wir einige Kilometer über kleine schattige Pfade durch den dichten Dschungel stiegen und uns an der Schönheit des Waldes erfreuten. Doch zugegebenermaßen hatten wir den Dschungelspaziergang etwas unterschätzt, was jedoch auch an der Beschilderung liegen konnte. Als uns ein kleines Pappschild am Rande des Pfades darüber informierte, dass es nur noch 300 Meter zum Wasserfall seien, waren wir noch guten Mutes. Als wir nach einem weiteren halbstündigen Fußmarsch noch immer nicht unser Ziel erreicht hatten, fragten wir uns, wie lang 300 Meter denn wohl sei könnten.

Varan.JPG© Bergholter Wer sagt denn, dass man hier nur Touristen trifft?

Nach knapp einstündiger Wanderung fanden wir endlich den gesuchten Wasserfall, doch waren wir etwas enttäuscht und wir fragten uns, ob dieser Anblick die Mühe wert gewesen sei. Als wir uns auf den Rückweg machten, dunkelte es bereits und wir mussten zusehen, dass wir schnellstens aus dem Dschungel kamen, in dem wir offenbar weit und breit die einzigen Menschen waren. So endete der Ausflug doch in einem kleinen Abenteuer, denn in der Zwischenzeit war der Pfad in der Dämmerung kaum noch zu erkennen und wir stolperten und kletterten mehr, als dass wir wanderten. Wenigstens bot sich mir dabei die Gelegenheit, meine ganze laotische Dschungelerfahrung ausspielend, mich zum kundigen Fährtensucher und letztlich zum Helden meiner langsam nervös werdenden Herzdame aufzuschwingen, indem ich uns, die Ruhe bewahrend, mehr oder weniger trittsicher aus dem Dickicht führte. Wohlbehalten in der Zivilisation zurück, entdeckten wir, dass wir uns lediglich zum kleinsten der drei Wasserfälle begeben hatten. Ärgerlich, hatten wir uns doch auf ein Bad im großen Teich unterhalb des Hu Nam-Wasserfalls gefreut, der um einiges höher und wesentlich spektakulärer sein soll und unter dessen fallendem Wasser man sich herrlich massieren lassen kann. Vielleicht das nächste Mal.

  

von Peer Bergholter

 

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Kommentare zu "Keine einsame, doch eine schöne Insel"

[antworten]

von Stan am 22.04.2012 um 22:22 Uhr

Lieber Peer,
es ist schön, endlich wieder was von dir zu hören. Dir und deiner Begleitung ging es gut und das freut mich. Jetzt musst du dich wieder mit dem Nichtsnutz rumschlagen...

Welcome back.

Your biggest fan. Stan.



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