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17. Mai 2012
Happy Birthday Krabi!
Manchmal kommt es anders. Und dann auch noch als man denkt. In einem solchen Fall ist es gut, einen Plan B in der Hinterhand zu haben oder aber die nötige Flexibilität zu besitzen, die Feste einfach zu feiern, wie sie fallen.
© Bergholter Eine Ampel in Krabi. Abgefahren.
Diese Flexibilität wurde uns in Krabi abverlangt. Kaum trafen wir in der südthailändischen Stadt an der Westküste des Landes ein, begann es in Strömen zu regnen. Einerseits eine angenehme Abwechslung zu der drückenden Hitze, der wir uns in Nordthailand und Bangkok ausgesetzt sahen, da mit dem Regen auch die Temperatur fiel. Andererseits ist Krabi weniger für ein hübsches Stadtbild oder kulturelle Höhepunkte berühmt, als vielmehr für die atemberaubende Landschaft der Umgebung sowie die nahegelegenen weißen Sandstrände und die vorgelagerten Inseln mit ihren Korallenriffen. Entsprechend sah unser Plan für Krabi vor, eben dieses angeblich so bezaubernde Umland zu erkunden. Ein Strandtag in einer der malerischen Buchten der Gegend oder ein Trip entlang der zerklüfteten Karstlandschaft der Küste. Vielleicht einen Ausflug in den nördlich gelegenen Khao Phanom Bencha Nationalpark oder einen Abstecher auf eine der nahen Inseln, unter denen Koh Phi-Phi oder Koh Lanta die reizvollsten sein sollen. So haben wir uns das gedacht. Doch in der Realität sahen wir nichts von alledem.
Erst mal ankommen
Unsere erste Amtshandlung nach der Ankunft in Krabi war ohnehin klar: eine günstige Bleibe suchen und ohnmächtig werden. Die Fahrt von Bangkok nach Krabi war zwar ein absolutes Erlebnis und zumindest die Zugfahrt nach Souratthani ein definitiver Höhepunkt unter den Fortbewegungsmitteln unserer bisherigen Reise, doch sie war zudem auch weitestgehend schlaflos und entsprechend kräfte- und nervenzehrend. Doch es war zu spät, um sich für ein Mittagsschläfchen hinzulegen, sofern wir nicht gänzlich aus dem Rhythmus kommen wollten. Also gönnten wir uns eine Dusche und ein leckeres Curry in einem kleinen Imbiss. Erst danach erfuhren wir vom hiesigen Nachtmarkt, den wir am folgenden Tag ausprobieren wollten und sollten. Diese Märkte gehören einfach zu Südost-Asien. In nahezu jeder Stadt und jedem Ort fanden wir sie in unterschiedlichster Größe und Ausprägung. Mal reine Fressmeilen, mal als Märkte für Handwerkskunst, mal von Touristen bevölkert, mal den Einheimischen vorbehalten. In jedem Fall lohnt sich der Besuch immer. Und wie mit den zahllosen Tempeln und Buddha-Statuen verhielt es sich auch mit den Nachtmärkten: Immer und überall präsent und wir glaubten schon alles gesehen zu haben. Bis wir nach Krabi kamen.
© Bergholter Krabi ist nicht gerade für sein Stadtbild berühmt.
© Bergholter Dennoch findet man auch hier hübsche Ecken. Wie etwa dieses Wat.
Der Markt der Märkte
Um es vorweg zu nehmen, hier fanden wir den bisher besten dieser Nachtmärkte. Auf dem Platz inmitten der Stadt gab es alles, was das (Schlemmer-)Herz begehrte. Zudem noch Handwerkskunst, Textilien, Schmuck und Musik. Eine perfekte Mischung. Eine dezente Anzahl von Touristen verlor sich in der Masse der Einheimischen, die in dichten Trauben die Stände belagerten. Mit einem frischen Fruchtshake in der Hand wollten wir den Markt zunächst einmal in Gänze abschreiten, um uns für ein nettes Abendessen zu entscheiden. Wir sollten gerade einmal bis zum zweiten Stand kommen, bevor dieser Plan über den Haufen geworfen wurde. Wir kamen einfach nicht an den Köstlichkeiten vorbei. Kaum hatten wir die erste Kleinigkeit verzehrt, bereuten wir es schon wieder, als wir die Auslage am nächsten Stand sahen. Wir einigten uns darauf, gänzlich auf Sättigungsbeilagen zu verzichten und uns auf das Wesentliche zu beschränken. Und das sind hier frische Meeresfrüchte sowie all die Leckereien, die die traditionelle Küche der hier recht großen muslimischen Gemeinde zu bieten hat. Also erlegten wir uns eiserne Disziplin auf und sondierten zunächst das Angebot. Nur wenig später saßen wir an einem der Tische auf dem Marktplatz, lauschten der Musik, die von der hier aufgebauten großen Bühne zu uns herüberschallte und breiteten die Beute unseres kulinarischen Streifzuges vor uns aus. Diverse Grillspieße, Meeresfrüchtesalat sowie die mit Abstand größten und besten Muscheln und Garnelen, die wir bisher kosten durften, bildeten die Höhepunkte unseres Mahls. Wir schlemmten als gäbe es kein Morgen und bereuten am Ende doch, dass unser Fassungsvermögen es uns nicht erlaubte, einfach alles probiert zu haben.
Ge- und erfüllt zogen wir uns mit einem Bier auf die Dachterrasse unseres Gästehauses zurück und ließen den Abend mit Blick auf den Krabi-Fluss ausklingen.
© Bergholter Unser Favorit bislang: Krabis Nachtmarkt stellte alles bis dahin Gesehene in den Schatten.
© Bergholter Wir wollten, doch wir konnten einfach nicht alles probieren.
Umdisponieren
Als wir am nächsten Tag aus unserer Fressnarkose erwachten, regnete es erneut. Und zwar nicht zu knapp. Wir beschlossen, den Tag mit der Planung unserer Aktivitäten vor Ort zu verbringen und deren Inangriffnahme auf den Folgetag zu verschieben. Morgen würde es schon besser werden. Wurde es nicht.
Mit kurzen Unterbrechungen goss es auch tags darauf aus Eimern. Wie jeden Tag, den wir hier verbringen sollten. Es war definitiv kein Strandwetter und unter diesen Vorzeichen hatten wir auch wenig Lust, mit dem Roller oder dem Fahrrad die Gegend zu erkunden. Wir mussten also umdisponieren. Wir hatten keinen wirklichen Plan B und waren daher gerade im Begriff, den Gedanken, hier gänzlich unverrichteter Dinge wieder abzureisen, auszusprechen. Da kam Patrick und offerierte uns den bisher fehlenden Alternativplan. Patrick, der Besitzer unseres Gästehauses, berichtete uns, dass Krabi dieser Tage sein 140-jähriges Bestehen feiere und es in der ganzen Stadt hoch her gehen würde. Das könne man sich nicht entgehen lassen. Er drückte uns das Programm für die eine Woche währenden Feierlichkeiten in die Hand. Und übersetzte uns gleich die wichtigsten Stellen, da es in Thai geschrieben war. Am nächsten Tag sollte es losgehen. Am 5.5.2555 (nach dem Suriyakati-Kalender, dem thailändischen Sonnenkalender), natürlich um 5.55 Uhr. Wir disponierten also spontan um und beschlossen zu bleiben, um wenigsten die ersten Tage der großen Feier mitzuerleben.
Die Feste feiern, wie sie fallen
Am 5.5. fanden wir uns dann pünktlich um 5.55 Uhr auf dem Rathausplatz zur Eröffnungszeremonie ein, welche im Schatten der hochverehrten Stadtsäule (Lak Mueang) stattfand. Diese, aus erlesenen Hölzern gefertigt und wie im Falle Krabis oft vergoldet, findet man in den thailändischen Provinzstädten, die durch einen Erlass des Königs dazu berechtigt sind, diese Säulen aufzustellen. Sie stehen zumeist in einem kleinen Schrein, der Wohnstätte der Schutzgeister der Stadt. In alter Zeit begruben die Stadtväter vier Bürger lebendig an vier Punkten um die Stadt, damit deren Seelen die Rolle dieser Schutzgeister übernehmen. Heutzutage wird jedoch auf diese Tradition verzichtet. Manch einen wird es freuen.
© Bergholter Und die Stadtsäule im Inneren.
© Bergholter Das Haus der Schutzgeister Krabis.
Die Feierlichkeiten begannen mit Segnungen, Ansprachen und Gesängen. Zumindest deuteten wir uns das so, da natürlich alles auf Thai war und wir außer „Krabi" nicht ein Wort verstanden. Wir glaubten, wir könnten in der Masse der Besucher untergehen, mussten aber feststellen, dass wir die einzigen Touristen waren, die dieser Zeremonie beiwohnten. Wir fühlten uns etwas unbehaglich, auch weil wir im Gegensatz zu allen anderen Anwesenden nicht weiß, sondern dunkel und mehr als stillos gekleidet waren.
© Bergholter Eröffnungszeremonie: Die Segnung der Stadtsäule.
© Bergholter Auch die Mönche der Provinz machten ihre Aufwartung.
© Bergholter Spalier: Die Mönche wurden reich beschenkt.
Das störte die Veranstalter aber nicht im Geringsten. Im Gegenteil. Im Festzelt wurden uns umgehend Plätze zugewiesen und im Anschluss wurden wir im Rathaus zum Frühstück eingeladen. Man freute sich offenkundig, dass auch Touristen Interesse an den Stadtfeierlichkeiten zeigten. Im Rathaus wurden wir in einen großen Saal geleitet, wo wir inmitten der Stadtoberen und 141 Mönchen, 140 für jedes vergangene und einer für das zukünftige Jahr, die traditionelle Reissuppe löffelten. So außergewöhnlich dieses Erlebnis war und so freundlich uns die Leute auch begrüßten, ganz wohl fühlten wir uns nicht in unserer Haut, wie wir ungewaschen in Schlabberhosen, FlipFlops und T-Shirts, die alles andere als feierliche Symbole zierten, inmitten der Herausgeputzten, Uniformierten und Mönche saßen.
Letztere vollzogen im Anschluss eine Prozession über den Rathausplatz und beschlossen damit die Eröffnungszeremonie. Dabei wurden die Bettelmönche von den Einwohnern Krabis reich beschenkt. Es soll gutes Karma bringen.
© Bergholter Gutes Karma: Man riss sich förmlich darum, die Mönche zu beschenken.
© Bergholter Und wir mittendrin: Beim Frühstück im Rathaus mit den Stadtoberen und Mönchen.
Großer Bahnhof
Am Nachmittag folgte der nächste Programmpunkt: ein Umzug durch die Stadt. Dabei präsentierten sich neben ortsansässigen Vereinen und Gesellschaften auch alle Distrikte der Provinz Krabi in typischen Trachten und mit traditionellen Tänzen und Gesängen. Das Wetter spielte kurzzeitig mit und so standen wir an der Straße und bestaunten den kunterbunten Zug, der uns passierte: Hier eine Tanzgruppe, dort ein geschmückter Wagen, von dem aus uns eine Provinzschönheit ein Lächeln oder ein Winken schenkte. Eine Horde Elefanten gefolgt von fahnentragenden Uniformierten, getrieben von einer Schar Trommler oder singenden Kostümierten.
Das Ganze war ein Riesenspektakel für Groß und Klein, ganz gleich ob es sich dabei um die Teilnehmer der Parade handelte oder um die zahlreichen Schaulustigen, die die Hauptstraße flankierten.
© Bergholter Bei der Parade machten alle mit. Ob Groß...
© Bergholter ... oder Klein. Fraglich ist, ob alle so viel Spaß daran hatten.
© Bergholter Diese "Trachtengruppe" war jedenfalls mit viel Freude dabei.
© Bergholter Auch Landesflaggen und die Portaits des Königspaares dürfen natürlich nicht fehlen.
© Bergholter In traditioneller Kleidung präsentierten sich die einzelnen Distrikte der Provinz Krabi.
Am Abend gab es das nächste große Event. Auf dem Rathausplatz war eine große Bühne aufgebaut, auf der dem geneigten Besucher nun die Stadtgeschichte nähergebracht wurde. Doch nicht etwa mit der lieblosen Präsentation schnöder Daten und Fakten, sondern durch aufwändig inszenierte Gesangs-, Tanz- und Schauspieldarbietungen. Die zweistündige Performance gab selbst uns, die wir die Sprache nicht verstanden, einen guten Überblick über das, was Krabi in den vergangenen 140 Jahren miterlebte. Eine bewegte Geschichte von der Stadtgründung über die japanische Besetzung im Zweiten Weltkrieg bis zur Tsunami-Katastrophe im Jahre 2004. Besonders der übergangslose Wechsel einer Tanzdarbietung zu den Schrecken der „Welle", wie der Tsunami hier genannt wird, war dramaturgisch eindrucksvoll gelöst. Zum Abschluss gab es ein gewaltiges Feuerwerk, insbesondere für die jüngsten Besucher wohl das Highlight des ersten Tages der Krabi-Festspiele.
© Bergholter Stadtgeschichte erlebbar gemacht: Hier durch eine ansprechende Performance.
© Bergholter Stadtgeschichte erlebbar gemacht: Alternativ durch eine beeindruckende Tanzeinlage..
© Bergholter Großes Finale. Der Abschluss der Auftaktfeierlichkeiten auf dem Rathausplatz.
Auch wir waren angetan von diesem Tag. Keiner von uns vermisste den Strand oder einen Nationalpark. Wir bekamen eine wunderbare Alternative geboten und sagen: Danke Krabi und Happy Birthday!
von Peer Bergholter
© Bergholter Eine Ampel in Krabi. Abgefahren.Erst mal ankommen
Unsere erste Amtshandlung nach der Ankunft in Krabi war ohnehin klar: eine günstige Bleibe suchen und ohnmächtig werden. Die Fahrt von Bangkok nach Krabi war zwar ein absolutes Erlebnis und zumindest die Zugfahrt nach Souratthani ein definitiver Höhepunkt unter den Fortbewegungsmitteln unserer bisherigen Reise, doch sie war zudem auch weitestgehend schlaflos und entsprechend kräfte- und nervenzehrend. Doch es war zu spät, um sich für ein Mittagsschläfchen hinzulegen, sofern wir nicht gänzlich aus dem Rhythmus kommen wollten. Also gönnten wir uns eine Dusche und ein leckeres Curry in einem kleinen Imbiss. Erst danach erfuhren wir vom hiesigen Nachtmarkt, den wir am folgenden Tag ausprobieren wollten und sollten. Diese Märkte gehören einfach zu Südost-Asien. In nahezu jeder Stadt und jedem Ort fanden wir sie in unterschiedlichster Größe und Ausprägung. Mal reine Fressmeilen, mal als Märkte für Handwerkskunst, mal von Touristen bevölkert, mal den Einheimischen vorbehalten. In jedem Fall lohnt sich der Besuch immer. Und wie mit den zahllosen Tempeln und Buddha-Statuen verhielt es sich auch mit den Nachtmärkten: Immer und überall präsent und wir glaubten schon alles gesehen zu haben. Bis wir nach Krabi kamen.
Der Markt der Märkte
Um es vorweg zu nehmen, hier fanden wir den bisher besten dieser Nachtmärkte. Auf dem Platz inmitten der Stadt gab es alles, was das (Schlemmer-)Herz begehrte. Zudem noch Handwerkskunst, Textilien, Schmuck und Musik. Eine perfekte Mischung. Eine dezente Anzahl von Touristen verlor sich in der Masse der Einheimischen, die in dichten Trauben die Stände belagerten. Mit einem frischen Fruchtshake in der Hand wollten wir den Markt zunächst einmal in Gänze abschreiten, um uns für ein nettes Abendessen zu entscheiden. Wir sollten gerade einmal bis zum zweiten Stand kommen, bevor dieser Plan über den Haufen geworfen wurde. Wir kamen einfach nicht an den Köstlichkeiten vorbei. Kaum hatten wir die erste Kleinigkeit verzehrt, bereuten wir es schon wieder, als wir die Auslage am nächsten Stand sahen. Wir einigten uns darauf, gänzlich auf Sättigungsbeilagen zu verzichten und uns auf das Wesentliche zu beschränken. Und das sind hier frische Meeresfrüchte sowie all die Leckereien, die die traditionelle Küche der hier recht großen muslimischen Gemeinde zu bieten hat. Also erlegten wir uns eiserne Disziplin auf und sondierten zunächst das Angebot. Nur wenig später saßen wir an einem der Tische auf dem Marktplatz, lauschten der Musik, die von der hier aufgebauten großen Bühne zu uns herüberschallte und breiteten die Beute unseres kulinarischen Streifzuges vor uns aus. Diverse Grillspieße, Meeresfrüchtesalat sowie die mit Abstand größten und besten Muscheln und Garnelen, die wir bisher kosten durften, bildeten die Höhepunkte unseres Mahls. Wir schlemmten als gäbe es kein Morgen und bereuten am Ende doch, dass unser Fassungsvermögen es uns nicht erlaubte, einfach alles probiert zu haben.
Ge- und erfüllt zogen wir uns mit einem Bier auf die Dachterrasse unseres Gästehauses zurück und ließen den Abend mit Blick auf den Krabi-Fluss ausklingen.
Umdisponieren
Als wir am nächsten Tag aus unserer Fressnarkose erwachten, regnete es erneut. Und zwar nicht zu knapp. Wir beschlossen, den Tag mit der Planung unserer Aktivitäten vor Ort zu verbringen und deren Inangriffnahme auf den Folgetag zu verschieben. Morgen würde es schon besser werden. Wurde es nicht.
Mit kurzen Unterbrechungen goss es auch tags darauf aus Eimern. Wie jeden Tag, den wir hier verbringen sollten. Es war definitiv kein Strandwetter und unter diesen Vorzeichen hatten wir auch wenig Lust, mit dem Roller oder dem Fahrrad die Gegend zu erkunden. Wir mussten also umdisponieren. Wir hatten keinen wirklichen Plan B und waren daher gerade im Begriff, den Gedanken, hier gänzlich unverrichteter Dinge wieder abzureisen, auszusprechen. Da kam Patrick und offerierte uns den bisher fehlenden Alternativplan. Patrick, der Besitzer unseres Gästehauses, berichtete uns, dass Krabi dieser Tage sein 140-jähriges Bestehen feiere und es in der ganzen Stadt hoch her gehen würde. Das könne man sich nicht entgehen lassen. Er drückte uns das Programm für die eine Woche währenden Feierlichkeiten in die Hand. Und übersetzte uns gleich die wichtigsten Stellen, da es in Thai geschrieben war. Am nächsten Tag sollte es losgehen. Am 5.5.2555 (nach dem Suriyakati-Kalender, dem thailändischen Sonnenkalender), natürlich um 5.55 Uhr. Wir disponierten also spontan um und beschlossen zu bleiben, um wenigsten die ersten Tage der großen Feier mitzuerleben.
Die Feste feiern, wie sie fallen
Am 5.5. fanden wir uns dann pünktlich um 5.55 Uhr auf dem Rathausplatz zur Eröffnungszeremonie ein, welche im Schatten der hochverehrten Stadtsäule (Lak Mueang) stattfand. Diese, aus erlesenen Hölzern gefertigt und wie im Falle Krabis oft vergoldet, findet man in den thailändischen Provinzstädten, die durch einen Erlass des Königs dazu berechtigt sind, diese Säulen aufzustellen. Sie stehen zumeist in einem kleinen Schrein, der Wohnstätte der Schutzgeister der Stadt. In alter Zeit begruben die Stadtväter vier Bürger lebendig an vier Punkten um die Stadt, damit deren Seelen die Rolle dieser Schutzgeister übernehmen. Heutzutage wird jedoch auf diese Tradition verzichtet. Manch einen wird es freuen.
Das störte die Veranstalter aber nicht im Geringsten. Im Gegenteil. Im Festzelt wurden uns umgehend Plätze zugewiesen und im Anschluss wurden wir im Rathaus zum Frühstück eingeladen. Man freute sich offenkundig, dass auch Touristen Interesse an den Stadtfeierlichkeiten zeigten. Im Rathaus wurden wir in einen großen Saal geleitet, wo wir inmitten der Stadtoberen und 141 Mönchen, 140 für jedes vergangene und einer für das zukünftige Jahr, die traditionelle Reissuppe löffelten. So außergewöhnlich dieses Erlebnis war und so freundlich uns die Leute auch begrüßten, ganz wohl fühlten wir uns nicht in unserer Haut, wie wir ungewaschen in Schlabberhosen, FlipFlops und T-Shirts, die alles andere als feierliche Symbole zierten, inmitten der Herausgeputzten, Uniformierten und Mönche saßen.
Letztere vollzogen im Anschluss eine Prozession über den Rathausplatz und beschlossen damit die Eröffnungszeremonie. Dabei wurden die Bettelmönche von den Einwohnern Krabis reich beschenkt. Es soll gutes Karma bringen.
Großer Bahnhof
Am Nachmittag folgte der nächste Programmpunkt: ein Umzug durch die Stadt. Dabei präsentierten sich neben ortsansässigen Vereinen und Gesellschaften auch alle Distrikte der Provinz Krabi in typischen Trachten und mit traditionellen Tänzen und Gesängen. Das Wetter spielte kurzzeitig mit und so standen wir an der Straße und bestaunten den kunterbunten Zug, der uns passierte: Hier eine Tanzgruppe, dort ein geschmückter Wagen, von dem aus uns eine Provinzschönheit ein Lächeln oder ein Winken schenkte. Eine Horde Elefanten gefolgt von fahnentragenden Uniformierten, getrieben von einer Schar Trommler oder singenden Kostümierten.
Das Ganze war ein Riesenspektakel für Groß und Klein, ganz gleich ob es sich dabei um die Teilnehmer der Parade handelte oder um die zahlreichen Schaulustigen, die die Hauptstraße flankierten.
© Bergholter Auch Landesflaggen und die Portaits des Königspaares dürfen natürlich nicht fehlen.Am Abend gab es das nächste große Event. Auf dem Rathausplatz war eine große Bühne aufgebaut, auf der dem geneigten Besucher nun die Stadtgeschichte nähergebracht wurde. Doch nicht etwa mit der lieblosen Präsentation schnöder Daten und Fakten, sondern durch aufwändig inszenierte Gesangs-, Tanz- und Schauspieldarbietungen. Die zweistündige Performance gab selbst uns, die wir die Sprache nicht verstanden, einen guten Überblick über das, was Krabi in den vergangenen 140 Jahren miterlebte. Eine bewegte Geschichte von der Stadtgründung über die japanische Besetzung im Zweiten Weltkrieg bis zur Tsunami-Katastrophe im Jahre 2004. Besonders der übergangslose Wechsel einer Tanzdarbietung zu den Schrecken der „Welle", wie der Tsunami hier genannt wird, war dramaturgisch eindrucksvoll gelöst. Zum Abschluss gab es ein gewaltiges Feuerwerk, insbesondere für die jüngsten Besucher wohl das Highlight des ersten Tages der Krabi-Festspiele.
© Bergholter Stadtgeschichte erlebbar gemacht: Hier durch eine ansprechende Performance.
© Bergholter Stadtgeschichte erlebbar gemacht: Alternativ durch eine beeindruckende Tanzeinlage..
© Bergholter Großes Finale. Der Abschluss der Auftaktfeierlichkeiten auf dem Rathausplatz.Auch wir waren angetan von diesem Tag. Keiner von uns vermisste den Strand oder einen Nationalpark. Wir bekamen eine wunderbare Alternative geboten und sagen: Danke Krabi und Happy Birthday!
von Peer Bergholter
Kommentare zu "Happy Birthday Krabi!"
Re:
von Jochen Müller
am 20.05.2012 um 15:34 Uhr

Ja, das war definitiv ein Highlight. Aber sieh es mal so liebe Romy, auf diese Weise hast Du nur die Vorteile der Bilder und Geschichten. Du sparst Dir die Nachtzüge...
Viel Spaß weiterhin mit unserem Blog.
Liebe Grüße
Krabi
von Anna-Maria Ciupe
am 21.05.2012 um 10:41 Uhr
Danke fuer diesen wunderbaren Tag, den ihr da verbracht habt! Hoffentlich hat euch das ueber die unangenehme Zeit im Nachtzug hinweggeholfen.
Re: Krabi
von Jochen Müller
am 21.05.2012 um 11:57 Uhr

Bitte, gerne geschehen ;)
Dieser Tag war in der Tat etwas ganz besonderes. Doch wenn das auch vielleicht schwer nachvollziehbar sein dürfte, so schlimm war die Nachtzugfahrt gar nicht. Sie war wegen des Schlafentzugs anstrengend, aber ansonsten definitiv ein Erlebnis. Aber hallo...
"Happy Birthday Krabi!" kommentieren

Ooooch,pffffffff.....ICH WILL AUCH, Manno. Ihr macht sowas wunderbares und in bin total neidisch!!!!!! Es ist Super, bei euch mitzureisen. Und ja, der Nachtmarkt in Krabi ist super.
Liebe Grüße , Romy