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26. April 2012
Eine Stadt auf der Suche nach ihrer Identität
Auf Phuket führen nur wenige Wege an Phuket City, dem Hauptort der Insel, vorbei. Es drängt sich allerdings die Frage nach dem Warum auf, hat die Stadt selber doch nicht wirklich viel zu bieten. Allerhöchstens ein Kontrastprogramm zu den sonstigen Hotspots Phukets, den Stränden und Bars.
Mit nicht einmal 80.000 Einwohnern nimmt sich die Provinzhauptstadt Phukets recht bescheiden aus. Zudem hat sie durch den Massentourismus auf der Insel, der sich in erster Linie auf die Strände beschränkt, an Bedeutung verloren. Nichts desto trotz heißt Phuket Town seit 2004 offiziell Phuket City. Wenigstens nominell eine Aufwertung.
Kein Weg vorbei
© Bergholter "Fortschrittsbaum" in Phuket City.
An einem Besuch der Stadt kommt man nicht vorbei, sofern man sich mit den öffentlichen Bussen über die Insel bewegt, denn diese fahren ausschließlich von und nach Phuket City und nur von dort aus die einzelnen Strände und Buchten an. Doch kann die Fahrt in einem solchen Bus durchaus ein Erlebnis sein. Im Halbstundentakt verkehren diese offenen Busse, die eigentlich nur LKW mit bestuhlter und überdachter Ladefläche sind. Haltestellen sind, sofern vorhanden, nicht beschildert, sodass man einfach am Straßenrand dem Fahrer signalisiert, dass man mitgenommen werden möchte. In manchen Fällen, etwa wenn es sich um ältere Fahrgäste handelt, hält der Bus auch kurz an. In anderen Fällen, so auch in unserem, wird lediglich kurzzeitig die Fahrt verlangsamt, so dass man die Gelegenheit erhält, hinter dem Bus herzulaufen und während der Fahrt aufzuspringen. Gerade in FlipFlops eine echte Herausforderung. Hat man es dann aber geschafft, insbesondere ohne die einem entgegengestreckten helfenden Hände in Anspruch nehmen zu müssen, war es ein großer Spaß. Irgendwann stoppt der Bus auf freier Strecke und der Fahrer besteigt die Ladefläche, um den Fahrpreis von 30 Baht einzusammeln. Die Tatsache, dass ein Taxi für dieselbe Route 500 Baht kostet, macht die Busfahrt nicht nur zu einem Erlebnis, sondern überdies zu einem wahren Schnäppchen. Ein Erlebnis ist die Fahrt auch deshalb, weil man sich bei entspannter Geschwindigkeit den Fahrtwind um die Nase wehen lassen kann, während man genug Zeit und Muße hat, die bisweilen doch sehr schöne Landschaft abseits der Straße zu bewundern. Es ist einfach etwas anderes, als durch die getönten Scheiben eines Taxis, das mit 100 km/h die Straße entlangjagt, die vorbeiziehende Gegend lediglich erahnen zu können.
Zwischen Geschichte und Gegenwart
Phuket City wirkte auf uns wie eine Stadt, die um ihre Identität ringt. Beim Flanieren durch die Gassen sahen wir durchaus hübsche Häuschen mit bunten Fassaden, die sehr an den portugiesischen Kolonialstil erinnerten. Auch wenn die Region niemals unter portugiesischer Herrschaft stand.
© Bergholter Viele Straßenzüge bieten solch hübsche Fassaden im Kolonialstil. Oft verschandelt durch wüste Kabelstränge.
© Bergholter Stellenweise präsentieren sich die Fassaden auch sehr farbenfroh.
An anderen Ecken wird der langjährige Einfluss der Chinesen, der größten Minderheit in Phuket City deutlich. Chinesische Tempel und Schreine sowie zahlreiche chinesische Restaurants prägen das Viertel, das lediglich informell als Chinatown bezeichnet wird.
Ansonsten sieht die Gegenwart eher trist aus. Einige lieblose Neubauten zerstören das ansonsten homogene Stadtbild, ohne es jedoch zu prägen und der Stadt zu einer neuen, einer eigenen Identität zu verhelfen.
© Bergholter Auch dieser Uhrenturm auf einem Kreisel erinnert an Kolonialstil.
© Bergholter Viele Neubauten wirken hingegen eher deplatziert.
Local Shopping
Viele Touristen kommen wegen des zentralen Busbahnhofs (selbst der Flughafen befindet sich auf der anderen Seite der Insel) nur notgedrungen oder auf der Durchreise nach Phuket City. Andere besuchen die Stadt lediglich für eine Shoppingtour. So auch wir, suchten wir doch etwas Abwechslung zu den Angeboten, die die einzig auf Touristen ausgelegten Geschäfte in den Strandorten bereit hielten und die sich im Wesentlichen auf überteuerte Souvenirs, FlipFlops und T-Shirts lokaler Brauereierzeugnisse beschränken.
© Bergholter Same same: Lokale Lebensmittelmärkte gehören in Südost-Asien einfach zum Stadtbild.
In Phuket City findet man tatsächlich noch ein anderes Sortiment. Neben einem netten Lebensmittelmarkt gibt es in der Altstadt einige Einkaufszentren sowie komplette Straßenzüge, die von kleinen Klamottenläden gesäumt werden. FlipFlops und Chang-Beer-Shirts sieht man zwar auch hier, doch fehlen die sich vor den Auslagen drängenden Touristen dazu. In den Malls zum Beispiel sahen wir ausnahmslos Thais beim Einkauf. Für uns eine angenehme Abwechslung. Eher unangenehm war hingegen, dass nahezu alle Kleidungsstücke auch für Thais gemacht schienen. So musste man alles mindestens zwei Nummern größer kaufen als gewohnt. Sobald ich dies herausgefunden hatte, störte es mich nicht weiter. Meine Freundin hingegen wirkte zunehmend deprimierter bei der Anprobe. Frauen scheinen den Kleidergrößen dann doch mehr Aussagekraft zuzuschreiben...
© Bergholter Markthalle: Riesige Auswahl an "hochwertigen Markenklamotten" in unüblichen Größen...
Miese Qualität für kleines Geld
Unterm Strich ging ich dann auch mit einer größeren Ausbeute als meine Freundin aus der Shoppingtour hervor. Zwar war es anders herum geplant, doch gelang es mir offenbar schneller und besser, mich auf die Waren minderer Qualität einzulassen. Ob gefakte Lacoste-Hemden oder „Markenjeans", deren Stoff so dünn ist, dass man bereits hindurchsehen kann - ich fühlte mich an die chinesischen Fake-Märkte erinnert. Daher störte es mich auch nicht weiter, dass meine neuen Calvin Klein Unterhosen selbst in XL noch zu eng sind oder dass sich das Taschenfutter meiner erstandenen Bermuda-Short bereits nach der Anprobe in Wohlgefallen auflöste. Für vier Euro kann man wohl nicht mehr erwarten, dennoch bot es mir einen triftigen Grund zum Feilschen. Für die drei Euro, die ich letztlich bezahlte, mache ich gerne Abstriche und nutze einfach die anderen Taschen der Hose. Dank dieser pragmatischen Einstellung beendete wenigstens einer von uns den Einkaufsbummel mit vielen prall gefüllten Plastiktüten.
Allerdings gelang es mir, den diesbezüglich aufkommenden Neid und die Frustration meiner Freundin über ihre persönliche Shopping-Niederlage, bei einem schönen Abendessen in einem der zahlreichen netten Restaurants der Altstadt wieder etwas einzudämmen. Somit war es ein feiner Tagesausflug in die Provinzhauptstadt. Genug für einen ersten Eindruck und um die Gewissheit zu erlangen, dass man einen zweiten Tag hier nicht zwingend braucht.
von Peer Bergholter
Mit nicht einmal 80.000 Einwohnern nimmt sich die Provinzhauptstadt Phukets recht bescheiden aus. Zudem hat sie durch den Massentourismus auf der Insel, der sich in erster Linie auf die Strände beschränkt, an Bedeutung verloren. Nichts desto trotz heißt Phuket Town seit 2004 offiziell Phuket City. Wenigstens nominell eine Aufwertung.
Kein Weg vorbei
Zwischen Geschichte und Gegenwart
Phuket City wirkte auf uns wie eine Stadt, die um ihre Identität ringt. Beim Flanieren durch die Gassen sahen wir durchaus hübsche Häuschen mit bunten Fassaden, die sehr an den portugiesischen Kolonialstil erinnerten. Auch wenn die Region niemals unter portugiesischer Herrschaft stand.
An anderen Ecken wird der langjährige Einfluss der Chinesen, der größten Minderheit in Phuket City deutlich. Chinesische Tempel und Schreine sowie zahlreiche chinesische Restaurants prägen das Viertel, das lediglich informell als Chinatown bezeichnet wird.
Ansonsten sieht die Gegenwart eher trist aus. Einige lieblose Neubauten zerstören das ansonsten homogene Stadtbild, ohne es jedoch zu prägen und der Stadt zu einer neuen, einer eigenen Identität zu verhelfen.
Local Shopping
Viele Touristen kommen wegen des zentralen Busbahnhofs (selbst der Flughafen befindet sich auf der anderen Seite der Insel) nur notgedrungen oder auf der Durchreise nach Phuket City. Andere besuchen die Stadt lediglich für eine Shoppingtour. So auch wir, suchten wir doch etwas Abwechslung zu den Angeboten, die die einzig auf Touristen ausgelegten Geschäfte in den Strandorten bereit hielten und die sich im Wesentlichen auf überteuerte Souvenirs, FlipFlops und T-Shirts lokaler Brauereierzeugnisse beschränken.
In Phuket City findet man tatsächlich noch ein anderes Sortiment. Neben einem netten Lebensmittelmarkt gibt es in der Altstadt einige Einkaufszentren sowie komplette Straßenzüge, die von kleinen Klamottenläden gesäumt werden. FlipFlops und Chang-Beer-Shirts sieht man zwar auch hier, doch fehlen die sich vor den Auslagen drängenden Touristen dazu. In den Malls zum Beispiel sahen wir ausnahmslos Thais beim Einkauf. Für uns eine angenehme Abwechslung. Eher unangenehm war hingegen, dass nahezu alle Kleidungsstücke auch für Thais gemacht schienen. So musste man alles mindestens zwei Nummern größer kaufen als gewohnt. Sobald ich dies herausgefunden hatte, störte es mich nicht weiter. Meine Freundin hingegen wirkte zunehmend deprimierter bei der Anprobe. Frauen scheinen den Kleidergrößen dann doch mehr Aussagekraft zuzuschreiben...
Miese Qualität für kleines Geld
Unterm Strich ging ich dann auch mit einer größeren Ausbeute als meine Freundin aus der Shoppingtour hervor. Zwar war es anders herum geplant, doch gelang es mir offenbar schneller und besser, mich auf die Waren minderer Qualität einzulassen. Ob gefakte Lacoste-Hemden oder „Markenjeans", deren Stoff so dünn ist, dass man bereits hindurchsehen kann - ich fühlte mich an die chinesischen Fake-Märkte erinnert. Daher störte es mich auch nicht weiter, dass meine neuen Calvin Klein Unterhosen selbst in XL noch zu eng sind oder dass sich das Taschenfutter meiner erstandenen Bermuda-Short bereits nach der Anprobe in Wohlgefallen auflöste. Für vier Euro kann man wohl nicht mehr erwarten, dennoch bot es mir einen triftigen Grund zum Feilschen. Für die drei Euro, die ich letztlich bezahlte, mache ich gerne Abstriche und nutze einfach die anderen Taschen der Hose. Dank dieser pragmatischen Einstellung beendete wenigstens einer von uns den Einkaufsbummel mit vielen prall gefüllten Plastiktüten.
Allerdings gelang es mir, den diesbezüglich aufkommenden Neid und die Frustration meiner Freundin über ihre persönliche Shopping-Niederlage, bei einem schönen Abendessen in einem der zahlreichen netten Restaurants der Altstadt wieder etwas einzudämmen. Somit war es ein feiner Tagesausflug in die Provinzhauptstadt. Genug für einen ersten Eindruck und um die Gewissheit zu erlangen, dass man einen zweiten Tag hier nicht zwingend braucht.
von Peer Bergholter
Kommentare zu "Eine Stadt auf der Suche nach ihrer Identität"
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Manches hat mir gefallen,aber ich hoffe,dass du nicht den Mut verlierst. Weiter so, ich bin gespannt was noch kommt.