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6. Mai 2012
Der Geschichtspark in Ayutthaya
Von der ehemaligen Hauptstadt Thailands aus herrschten die Könige 400 Jahre lang über das Land, bis die Burmesen die Stadt einnahmen und zerstörten. Erst danach wurde Bangkok zur Hauptstadt. Vom alten Glanz Ayutthayas blieben nur Ruinen. Doch die sind einen Besuch allemal wert.
Als alte Sightseeing-Profis machten wir uns mittags auf, den Geschichtspark Ayutthayas zu erkunden. Fest entschlossen, uns von der Hitze nicht beeindrucken zu lassen, natürlich mit Fahrrädern. Das Kopfschütteln der Tuk-Tuk-Fahrer deuteten wir als Respektsbekundung, die stolz erhobenen Häupter sanken allerdings spätestens nach der nächsten Biegung bereits erschöpft darnieder. Als wir gesagt bekamen, dass das Thermometer 42°C im Schatten anzeigte, machte es uns das zwar nicht erträglicher, bestätigte aber wenigstens, was wir bis dato nur geahnt hatten. Das war heißer als heiß.
© Jochen Müller Zu weiten Teilen sind die Grundmauern alles,
was vom alten Glanz übrig blieb.
Unsere deutschen Begleiterinnen waren entweder schlauer als wir oder nicht so verwegen, bzw. (ehr-)geizig, und fuhren mit dem Tuk-Tuk vor. Im ersten Wat trafen wir sie wieder, wobei sie weit weniger ausgedörrt wirkten als wir. Ihr Angebot, uns kostenfrei in ihrem Gefährt mitzunehmen, schlugen wir trotzdem aus. Da hatten sie uns wohl bei der Ehre gepackt. Zusammen mit unserem französischen Freund Tristan, den wir ebenfalls in Sukhothai kennen gelernt hatten, trotteten wir gemächlich durch die Tempelruinen und staunten nicht schlecht, was Ayutthaya uns zu bieten hatte. Der Geschichtspark machte seinem Namen alle Ehre. Man wandelt buchstäblich auf geschichtsträchtigem Boden. Ayutthaya wurde um das Jahr 1350 von König U-Thong gegründet und war bis 1767 Hauptstadt des Königreichs Siam. In diesem schicksalhaften Jahr fielen die Burmesen ein, eroberten und plünderten die Stadt und ließen sie in Ruinen zurück. Es heißt, die Thai hätten dies den Burmesen bis heute nicht vergeben, was verständlich wird, wenn man durch die Ruinen geht und sich im Geiste ausmalt, in welcher Pracht die Stadt erstrahlt haben mag, wenn noch fast 250 Jahre später die Ruinen so eindrucksvoll sind. Nach dem Sieg der Burmesen verlegte König Phuttayodfa Chulalok (Rama I.) die Hauptstadt des Reiches nach Bangkok, wo er mit dem dortigen Königspalast eine weitgehende Kopie der Palastanlage von Ayutthaya errichten ließ.
Es soll gesagt sein, dass man in Ayutthaya mehrere Tage damit zubringen kann, die diversen Wats, Chedis und Palastruinen zu erkunden. Aus Zeit- und Hitzegründen beschränkten wir uns auf einen Tag und nur fünf Stätten, was jedoch einen ganz guten Überblick über die gesamte Anlage vermittelte.
Wat Mahathat
Der „Tempel der großen und heiligen Reliquie" ist mit Sicherheit eine der am meisten besuchten Attraktionen in Ayutthaya. Wie durch ein Wunder überstand die Buddha-Reliquie den Überfall der Burmesen. Man fand sie erst 1956 bei Rekonstruktionsarbeiten und überführte sie ins Nationalmuseum in Ayutthaya. Das wichtigste Bauwerk des Wats war der große zentrale Prang im Khmer Stil, der zwar die Verwüstung durch die Burmesen überstand, jedoch 1911 einstürzte und nicht wieder aufgebaut wurde. Das mit Sicherheit meistfotografierte Objekt des Geschichtsparks liegt ebenfalls im Wat Mahathat. Der Kopf einer Buddha-Statue, von Wurzelwerk komplett eingeschlossen, bietet einen malerischen Anblick. Wir mussten an die Ruinen von Ta Prohm denken. Die dort von Bäumen überwucherten Mauern waren auch wunderschön anzuschauen. Doch dieser Buddha-Kopf, der uns aus dem Wurzelwerk heraus ansah, löste ungleich mehr Staunen und Gänsehaut aus. Auch große Statuten Buddhas sind nicht vor der Zeit gefeit, alles ist vergänglich, so schien die Botschaft. Die Lehre Buddhas vom Gleichmut ob des ewigen Werdens und Vergehens auf der Welt wurde durch diesen Anblick eindrucksvoll dargestellt.
© Jochen Müller Wat Mahathat, in Teilen rekonstruiert.
© Jochen Müller Der einstige Stolz Siams, heute in Ruinen.
© Jochen Müller Alles ist vergänglich. Auch eine Buddha-Statue.
Wat Ratchaburana
Nur wenige Meter entfernt liegt das Wat Ratchaburana,
© Jochen MüllerDanke, danke, das wäre doch nicht nötig gewesen.
wo wir von einer großen Tafel herzlich begrüßt wurden. Nun gut, eigentlich wurde unser Außenminister hier begrüßt, der einen Tag nach uns hier vorbeisehen wollte, aber trotzdem fühlten wir uns willkommen geheißen. Das Wat wurde 1424 von König Borommaracha II. erbaut, um die Asche seiner beiden älteren Brüder aufzunehmen, die sich zuvor bei einem Elefantenduell gegenseitig getötet hatten.
Besonders eindrucksvoll war der zentrale Prang, der nicht nur gut erhalten und mit herrlichen Verzierungen versehen,
© Jochen Müller Der große zentrale Prang des
Wat Ratchaburana.
sondern ausnahmsweise sogar begehbar ist. Von oben hatte man einen sehr guten Ausblick über die Anlage. Im Inneren musste man steile und schmale Stufen hinabsteigen, um in einen kleinen, kaum zwei Quadratmeter großen Raum zu gelangen, der kunstvoll bemalt war. An dieser Stelle hätten wir uns einen kundigen Führer gewünscht, um uns die Wandmalereien erklären zu lassen. So mussten wir uns damit zufrieden geben, sie unkundig zu bestaunen. Das schmälerte unser Staunen jedoch keineswegs.
© Jochen Müller Blick auf Wat Ratchaburana von Wat Mahathat aus gesehen.
© Jochen Müller Vom zentralen Prang hat man einen guten Überblick über das Gelände.
© Jochen Müller Der zentrale Prang ist reich verziert.
© Jochen Müller Im Inneren des Prang erwählen die Wandmalerein eine Geschichte. Welche, blieb uns leider verborgen.
Wihan Phra Mongkhon Bophit
Ein Wihan ist der Ort einer buddhistischen Tempelanlage, der für Feierlichkeiten bestimmt ist,
© Jochen Müller Passte leider nicht anders auf das Bild.
In Wirklichkeit war er riesenhaft.
zu denen auch Laien Zutritt haben. Ein Wat kann mehrere dieser Bauten haben, die durchaus auch größer und prächtiger sein können als der Usobot, das Allerheiligste, der in der Regel den Mönchen vorbehalten ist. Groß und prächtig, das passt in diesem Fall wahrhaftig. Wow! Das war haargenau, was ich dachte, als ich dieses Bauwerk betrat, den Kopf weit im Nacken, den Mund offen. Wir sahen schon so viele Buddha-Statuen auf unserer Reise, ihr Anblick ist immer wieder schön. Doch manche sind zusätzlich eindrucksvoll durch ihre Größe. So auch hier. Die Buddha-Statue Phra Mongkhon Bophit ist ein Riese und laut Auskunft eine der bedeutendsten Statuten ganz Thailands. Wer davor steht, glaubt das sofort. Etwa 20 Meter hoch und komplett vergoldet ließ sie uns alle in Ehrfurcht erstarren. Die Vergoldung allerdings trägt sie erst seit 1992 und manche Stimmen sagen, dass sie vorher noch eindrucksvoller ausgesehen haben soll. Wie auch immer das funktionieren soll.
Wat Phra Si Sanphet
Gleich neben dem Wihan Phra Mongkhon Bophit liegt das Wat Phra Si Sanphet, der königliche Tempel des alten Königspalastes. Der größte und schönste Tempel soll er gewesen sein, bevor die Burmesen alles niederbrannten. Heute stehen freilich nur noch die Grundmauern. Alleine die drei zentralen Chedis wurden rekonstruiert und geben eine rudimentäre Vorstellung davon, wie prachtvoll der Tempel zu Ayutthayas Hochzeiten ausgesehen haben mag, wenn diese drei Chedis schon so riesig sind. Wie so oft beherbergen auch sie angeblich Reliquien, genauer gesagt Fußabdrücke Buddhas. Überprüfen konnten wir das leider nicht, denn die Mondops, die quadratischen Räume, in denen diese Reliquien untergebracht sind, sind nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Abgesehen davon waren die Chedis komplett von Baugerüsten umhüllt, so dass sie kein schönes Fotomotiv abgaben und man sie auch nicht aus der Nähe bestaunen konnte.
(Alter) Königlicher Palast
Wiederum gleich nebenan liegen die Ruinen des alten Königspalastes.
© Jochen Müller Rekonstruierte Halle und Chedi des alten Königspalastes.
Auch hiervon sind nur die Grundmauern erhalten geblieben. Rekonstruiert wurden lediglich ein Pavillon und eine Halle, die jedoch leider verschlossen war. Der Spaziergang über diese große Wiese war trotzdem eindrucksvoll, da man immer wieder auf Grundmauern stieß und sich unweigerlich im Geiste ausmalte, wie diese Palastanlage ausgesehen haben mag, als sie in voller Blüte erstrahlte. Es muss ein atemberaubender Anblick gewesen sein. Vielleicht aus diesem Grunde entschied sich König Rama I. dazu, als er nach Bangkok umzog, den dortigen neuen Palast als Replik des alten Palastes in Ayutthaya erbauen zu lassen. Der Grundriss der Anlage ist derselbe, wenn sich einige Dinge auch verändert haben dürften. Wer also eine ungefähre Vorstellung davon haben möchte, wie es im Palast von Ayutthaya vor über 300 Jahren ausgesehen haben könnte, hat dazu heute noch, mit gewissen Einschränkungen, Gelegenheit. In Bangkok.
© Jochen Müller Dieser rekonstruierte Pavillon kann nur andeuten, wie prachtvoll der alte königliche Palast einst gewesen sein muss.
Jochen Müller
Als alte Sightseeing-Profis machten wir uns mittags auf, den Geschichtspark Ayutthayas zu erkunden. Fest entschlossen, uns von der Hitze nicht beeindrucken zu lassen, natürlich mit Fahrrädern. Das Kopfschütteln der Tuk-Tuk-Fahrer deuteten wir als Respektsbekundung, die stolz erhobenen Häupter sanken allerdings spätestens nach der nächsten Biegung bereits erschöpft darnieder. Als wir gesagt bekamen, dass das Thermometer 42°C im Schatten anzeigte, machte es uns das zwar nicht erträglicher, bestätigte aber wenigstens, was wir bis dato nur geahnt hatten. Das war heißer als heiß.
was vom alten Glanz übrig blieb.
Es soll gesagt sein, dass man in Ayutthaya mehrere Tage damit zubringen kann, die diversen Wats, Chedis und Palastruinen zu erkunden. Aus Zeit- und Hitzegründen beschränkten wir uns auf einen Tag und nur fünf Stätten, was jedoch einen ganz guten Überblick über die gesamte Anlage vermittelte.
Wat Mahathat
Der „Tempel der großen und heiligen Reliquie" ist mit Sicherheit eine der am meisten besuchten Attraktionen in Ayutthaya. Wie durch ein Wunder überstand die Buddha-Reliquie den Überfall der Burmesen. Man fand sie erst 1956 bei Rekonstruktionsarbeiten und überführte sie ins Nationalmuseum in Ayutthaya. Das wichtigste Bauwerk des Wats war der große zentrale Prang im Khmer Stil, der zwar die Verwüstung durch die Burmesen überstand, jedoch 1911 einstürzte und nicht wieder aufgebaut wurde. Das mit Sicherheit meistfotografierte Objekt des Geschichtsparks liegt ebenfalls im Wat Mahathat. Der Kopf einer Buddha-Statue, von Wurzelwerk komplett eingeschlossen, bietet einen malerischen Anblick. Wir mussten an die Ruinen von Ta Prohm denken. Die dort von Bäumen überwucherten Mauern waren auch wunderschön anzuschauen. Doch dieser Buddha-Kopf, der uns aus dem Wurzelwerk heraus ansah, löste ungleich mehr Staunen und Gänsehaut aus. Auch große Statuten Buddhas sind nicht vor der Zeit gefeit, alles ist vergänglich, so schien die Botschaft. Die Lehre Buddhas vom Gleichmut ob des ewigen Werdens und Vergehens auf der Welt wurde durch diesen Anblick eindrucksvoll dargestellt.
Wat Ratchaburana
Nur wenige Meter entfernt liegt das Wat Ratchaburana,
© Jochen MüllerDanke, danke, das wäre doch nicht nötig gewesen.Besonders eindrucksvoll war der zentrale Prang, der nicht nur gut erhalten und mit herrlichen Verzierungen versehen,
Wat Ratchaburana.
Wihan Phra Mongkhon Bophit
Ein Wihan ist der Ort einer buddhistischen Tempelanlage, der für Feierlichkeiten bestimmt ist,
In Wirklichkeit war er riesenhaft.
Wat Phra Si Sanphet
Gleich neben dem Wihan Phra Mongkhon Bophit liegt das Wat Phra Si Sanphet, der königliche Tempel des alten Königspalastes. Der größte und schönste Tempel soll er gewesen sein, bevor die Burmesen alles niederbrannten. Heute stehen freilich nur noch die Grundmauern. Alleine die drei zentralen Chedis wurden rekonstruiert und geben eine rudimentäre Vorstellung davon, wie prachtvoll der Tempel zu Ayutthayas Hochzeiten ausgesehen haben mag, wenn diese drei Chedis schon so riesig sind. Wie so oft beherbergen auch sie angeblich Reliquien, genauer gesagt Fußabdrücke Buddhas. Überprüfen konnten wir das leider nicht, denn die Mondops, die quadratischen Räume, in denen diese Reliquien untergebracht sind, sind nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Abgesehen davon waren die Chedis komplett von Baugerüsten umhüllt, so dass sie kein schönes Fotomotiv abgaben und man sie auch nicht aus der Nähe bestaunen konnte.
(Alter) Königlicher Palast
Wiederum gleich nebenan liegen die Ruinen des alten Königspalastes.
Jochen Müller
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