Hauptinhalt
21. Mai 2012
Überraschendes Thailand. Das Fazit.
Die positive Überraschung
Ich will ehrlich sein, wir kamen ohne große Erwartungen nach Thailand. Nachdem uns im Vorfeld glaubhaft versichert wurde, Vietnam sei das neue Thailand, waren wir gewarnt. In Vietnam machten wir nicht die besten Erfahrungen und Thailand stellten wir uns daher in manchen Dingen noch schlimmer vor. Doch es sollte nicht lange dauern, bis uns das Land und allen voran die Menschen eines Besseren belehrten. Wo wir aufdringliche Händler, nervige Tuk-Tuk-Fahrer und überteuerte Preise für Touristen erwarteten, sahen wir uns von Anfang an mit dem kompletten Gegenteil konfrontiert. Die Menschen waren ausnahmslos freundlich, zuvorkommend und hilfsbereit, (fast) niemand versuchte uns über den Tisch zu ziehen und auch wenn wir das Land zu großen Teilen getrennt bereisten, machten wir doch beide die gleiche Erfahrung: Wir fühlten uns in Thailand auf das herzlichste Willkommen geheißen und einfach nur wohl.
Die hervorragende thailändische Küche sowie die zum Teil atemberaubend schöne Landschaft ließen uns binnen kurzer Zeit ein gänzlich anderes Bild von Thailand gewinnen, als wir uns im Vornherein ausgemalt hatten. Das ist wohl das Schöne an vorgefertigten Meinungen. Man kann sie nach eigener Überprüfung revidieren. So ging es uns mit Thailand. Wir waren mehr als positiv überrascht. Hier einige Highlights.
Die Thais, ein Highlight für sich
„Hey Mister, where you go?" Eine Frage, die wir oft zu hören bekamen und (sicherlich auch aufgrund entsprechender Erfahrungen) sofort als Angebot einer Tuk-Tuk- oder Taxifahrt verstanden. Als wir jedoch freundlich Auskunft über unseren Weg gaben, staunten wir nicht schlecht, wenn die Fragesteller einfach nur einen Stadtplan aus der Tasche zogen und uns den Weg erklärten. Manchmal drückten sie uns den Plan auch einfach in die Hand. Gänzlich ohne Hintergedanken. Natürlich gab es auch die Anderen, die einen zu „Touristentarifen" von A nach B bringen wollten, wobei dazwischen garantiert viele unerwartete Zwischenstopps gelegen hätten. Aber darauf waren wir eingestellt, das gehört dazu.
Weitere positive Erfahrungen machte ich persönlich während des Tsunami-Alarms auf Phuket. Nun gut, man saß im selben Boot. Doch das Erlebnis, ein (drohendes) Leid sprichwörtlich zu teilen und damit zu halbieren, ist eindrucksvoll und lässt einander enger zusammen rücken. Zudem mussten wir uns keine Sorgen machen, zu verhungern oder zu verdursten, wurden wir doch an diesem Tag von den Thais gut umsorgt.
Gut um- und versorgt wurden wir auch in Krabi, unserer letzten Station in Thailand. Der freundliche Empfang im Rathaus anlässlich der 140-Jahr Feier der Stadt und die Erfahrungen mit den herzlichen Betreibern unseres Gästehauses rundeten die bislang äußerst positiven Eindrücke nicht nur ab, sie setzten diesen gar die Krone auf. Und die genannten Beispiele sind nur einige in einer langen Reihe positiver Erlebnisse.
Fairerweise muss man sagen, dass wir auch in anderen Ländern viele gute Erfahrungen mit den Menschen dort gemacht haben. Der Vorteil an Thailand in dieser Hinsicht ist aber, dass viele Menschen hier sehr gutes Englisch und bisweilen sogar Deutsch sprechen, was uns die Möglichkeit gab, auch mal tiefergehende und ernsthafte Gespräche zu führen. Eine sehr schöne Erfahrung, die uns das Gefühl gab, weit mehr über Land und Leute gelernt zu haben, als uns jeder Reiseführer hätte vermitteln können.
Das Land
Thailand ist vielfältig, Thailand ist abwechslungsreich. Es gibt wunderbare Landschaften, Nationalparks und natürlich die Strände. Ich bedauere Jochen ein wenig, dass er, als alter Naturfreund, die traumhaften Karstformationen, die sich entlang der Küsten ziehen oder mitten aus dem Dschungel erheben, nur durch das Fenster eines Busses bestaunen durfte. Doch auch im Vorbeifahren boten sich uns atemberaubende Anblicke. Ich hatte etwas mehr Glück, weil mehr Zeit. Auch wenn ich meinen All-Inclusive-Nationalpark-Trip nicht bedenkenlos weiterempfehlen kann, so taugte er doch dazu, mich tief in diese wunderschöne Landschaft zu entführen. Schlicht umwerfend.
Gleiches gilt für die Strände, die ich im Gegensatz zu meinem Wegbegleiter zumindest in Ansätzen erleben durfte. Je nachdem, was man erwartet oder sucht, findet man in Thailand alles: Inseln mit unberührten Buchten und einsamen, weißen Sandstränden, an deren Saum man auf der Veranda seines kleinen Bungalows sitzen und versonnen aufs Meer blicken kann; ebenso wie prall gefüllte Orte mit einer ausgeprägten Kneipenszene, die niemals zu schlafen scheint. Ich habe beides gefunden und erlebt. Beides hat sowohl seine Daseinsberechtigung wie seinen Reiz. Man sollte sich nur im Vorfeld überlegen, was man will.
Und wenn man es beispielsweise etwas urbaner will, dann ist Bangkok sicherlich die richtige Adresse. Auch hier, in dieser pulsierenden und polarisierenden Metropole, findet man alles, vom exzessiven Nachtleben über kulturelle Schätze bis hin zu beschaulichen Ecken zum Durchatmen.
Es bleibt festzuhalten, dass es an ausnahmslos jeder unserer Stationen in Thailand ein Highlight gab. Mal waren es alte Ruinen, mal ein schöner Trip in die Natur. Hier ein Wat, dort ein riesiger Buddha. Mal ein Strand und mal ein Markt. Oftmals waren es aber einfach die Menschen, die dafür sorgten, dass uns ein Ort in Erinnerung bleiben wird.
Thai-Curry und mehr
Ein weiteres Highlight in Thailand war sicherlich die Küche. Auch wenn etwa die Nudelsuppe nicht ganz an das vietnamesische Pendant heran reichte, so war sie auch in Thailand hervorragend und hatte ihren Platz auf unserem täglichen Ernährungsplan sicher. Ob zum Frühstück, als Snack zwischendurch oder als „Betthupferl" - so ein Nudelsüppchen geht immer. Gleiches gilt für das legendäre Thai-Curry. Auf dem Markt, im Imbiss oder im Restaurant, in welcher Ausprägung auch immer, das Curry hier ist schlicht eine Delikatesse. Auch wenn das Gericht nicht immer was mit dem gleichnamigen Gewürz zu tun haben muss, sondern bisweilen als schlichter Eintopf ohne jede Curry-Note daher kommt, es hat uns immer geschmeckt.
© Bergholter Er wird doch nicht? Doch! Unter Thips kritischem Blick probiert Jochen seine erste Heuschrecke. Fazit: Naja.
Wir versuchten uns auch an einigen exotischen Speisen, wie beispielsweise Insekten. Heuschrecken, Kakerlaken und Maden. Nun ja, wir verbuchten es eher als Erfahrungswert denn als Delikatesse.
Eines muss hier aber noch lobend erwähnt werden: Das berühmte Chang-Bier. Berühmt deshalb, weil sein Logo die Front der T-Shirts unzähliger Touristen ziert. Ein schönes Logo. Gewiss. Doch wollten wir überprüfen, ob das Bier diese Popularität nur einer geschickten Marketingstrategie oder auch seinem Geschmack zu verdanken hat. Es ist definitiv beides.
Highlight Thai-Massage
Nahezu allerorts wird sie einem angeboten. Die Thai-Massage. Als Teil der traditionellen thailändischen Heilkunst hat sie ihren festen Platz in diesem Land und seiner Kultur. Und sie ist durchaus empfehlenswert. Egal ob in einer offenen Bambushütte am Strand, in einem der zahllosen Massage-Salons, die man in jeder Stadt findet, oder ungefragt von einem Obdachlosen in einer Seitenstraße Bangkoks verabreicht (kein Scherz!), in Thailand scheint dieses Handwerk jeder zu beherrschen. Und zwar gut. Man fühlt sich danach nicht nur deutlich entspannter, sondern sogar wie neugeboren. Die Thai-Massage ist ein Wellness-Erlebnis für sich.
April, April - lässt uns schwitzen, wie er will
Es würde zu weit gehen, das Wetter und insbesondere die Temperaturen in Thailand als Höhepunkt zu werten. Nahe dem Höhepunkt auf der Skala eines Thermometers waren sie aber mit Sicherheit. Der April gilt als die heißeste Zeit des Jahres in Thailand und wir glauben es gerne, auch ohne andere Monate hier erlebt zu haben. Temperaturen jenseits der 40°C und extrem hohe Luftfeuchtigkeit machten uns doch bisweilen ordentlich zu schaffen. Trotzdem trugen wir das Wetter ebenso wie unsere schweißnasse Kleidung mit Fassung. Doch sollten wir nach Thailand zurückkehren, so wird es garantiert nicht im April sein.
Zahlenspiele
Wie in jedem Zwischenfazit dürfen sie natürlich auch hier nicht fehlen. Die Zahlenspiele. In 227 Tagen legten wir etwa 29500 km Wegstrecke zurück, um zwischen Berlin und Arau in Malaysia 65 Städte in elf Ländern zu besuchen. Die Gesamtausgaben seit Beginn unserer Reise belaufen sich nunmehr auf 14980 Euro. Und man höre und staune, das sind tatsächlich zwei zu wenig ausgegebene Euro! Bei einem Soll von 14982 Euro hat unser rigoroser Sparkurs offenbar Früchte getragen. Und wir sind schon ein wenig stolz auf uns, endlich verkünden zu können, dass wir nicht nur von den Mehrausgaben heruntergekommen sind, sondern wirklich und wahrhaftig seit langer Zeit mal wieder unter dem Soll liegen. Natürlich ist das kein Grund für uns, das Geld nun mit vollen Händen zum Fenster hinaus zu werfen, doch vielleicht leisten wir uns künftig mal wieder ein Zimmer mit Bad, Fenster oder ähnlichem Luxus. Aber nur vielleicht...
© Bergholter We proudly present: Die Ausgabensituation in Südost-Asien.Zahlen und Fakten
Zurückgelegte Wegstrecke (ab Berlin): ca. 29500 km
Transportmittel: Bus, Zug, Auto, Schiff, Moped.
Highlights: Leute, Essen, Landschaft, die historischen Stätten in Sukothai und Ayutthaya, Koh Samui, die Zugfahrt in der Holzklasse, die Kaoh San Road und die Sampeg Lane in Chinatown in Bangkok, die Zeit in Krabi mit allem Drum und Dran.
Ausgaben seit Berlin: 14980 € (Soll: 14982 €. Juhuuuuuu!)
Kulturelle Aktivitäten: Geschichtsparks in Sukothai und Ayutthaya, diverse Wats in jeder Stadt, alte und weniger alte Paläste, große und kleine Buddhas.
Probleme: Pünktlichkeit thailändischer Verkehrsmittel (aber daran gewöhnt man sich schnell), erstmals getrennt zu reisen (weniger Problem als ungewohnte Erfahrung), das Aprilwetter in Thailand, fehlende Zeit, um noch mehr von Land und Leuten zu sehen.
Verluste: Das zweite (und letzte) spitzenmäßige Funktions-Handtuch, Vorurteile gegenüber Thailand.
von Peer Bergholter
Kommentare zu "Überraschendes Thailand. Das Fazit."
Ihr sprecht mir ausm Herz!
Servus Ihr Beiden!
Als stille Mitleserin muss ich mich jetzt doch mal wieder melden.
Ich möchte mich ganz herzlich bedanken, dass Ihr mich an Euren Erlebnissen teilhaben lasst. Grad mit Euren Eindrücken von Thailand sprecht Ihr mir so ausm Herzen! Das Land und die Leute sind einfach klasse - normalerweise hätte ich behauptet, man kanns nicht in Worte fassen, aber Ihr habt mich eines besseren belehrt!
Nach Vietnam, Kambodscha, Laos und Thailand erwartet mich nun Neuland - Malaysia. Bin schon sehr gespannt, was Ihr berichten werdet, bevor es mit Indonesien wieder auf bekanntes Terrain gehen könnte.
Euch noch eine tolle Zeit und viele Grüße ausm Altmühltal,
Gabi :-)
Thailand
Ein sehr informativer Bericht über Thailand.
Wir,Henning und Marit, wünschen Euch eine schöne
Reise weiter.Wir freuen uns auf den nächsten
Bericht!
Ach Peer, mit diesem Artikel hast du mir so aus der Seele gesprochen.LOS ( Land of smile) ist einfach traumhaft in jeder Hinsicht, deshalb zieht es mich auch immer wieder hin. Auch in den anderen von euch bereisten SOA Ländern gab es so viele Wiedererkennungsmomente, ihr macht das einfach genial. Jetzt bin ich gespannt wie ein Flitzebogen auf Malaysia, das ist für mich komplett neu.
Macht weiter so, please don´t stop.......
Ganz liebe Grüsse aus dem warmen Spanien
Romy
Wunderbar
Ein wunderbarer Abschlussbericht über Thailand.
Du weckst durchaus Fernweh....
Grüße aus Kassel!
Fernweh
Oh ja da bekommt man wirklich sofort Fernweh...
sehr scheeener Bericht
liebe Grüße aus Dresden
Danke für die Blumen!

Es freut zu hören, dass es uns offenbar gelungen ist, unsere Begeisterung über Thailand - nicht nur in diesem Fazit - zu vermitteln. Es war uns ein Anliegen, denn wir waren wirklich begeistert, insbesondere aufgrund der nicht eben hohen Erwartungen im Vorfeld.
Mit mindestens einem weinenden Auge verließen wir Thailand. Doch auch wir sind gespannt auf Malaysia und werden selbstverständlich darüber berichten... Versprochen!
Peer Bergholter
Thailand
Wenn ihr schon wegen 140 Jahrfeier in Krabi im Rathaus empfangen wurdet- was wird euch wohl nächstes Jahr im Kasseler Rathaus erwarten, wenn wir 1100 Jahre alt werden? Das eigens für diesen Anlass kreiierte Jubiläumsbier - ich stell schon mal 2 Fläschchen kalt!!!
Re: Thailand
Guten Abend die Dame,
wäre denn da vielleicht auch noch eine Flasche Jubiläumsbier für mich machbar ? ;-)
Herzlichsten Gruss vom Fraggle
Ein paar Worte...
Interessant zu lesen, aber mal ein paar Anmerkungen:
Ihr habt sicherlich keine Kakerlaken gegessen, sondern Wasserkäfer. Sehen zwar ähnlich aus, sind aber doch was ganz anderes. Kakerlaken werden in Thailand nicht gegessen. Die Maden sind übrigens die Larven der Seidenraupe.
Dass die Englischkenntnisse in Thailand gut sind, halte ich auch für ein Gerücht, die sind in Kambodscha und Malaysia weitaus besser. Gut höchstens da, wo viele Touristen sind und auch wenn ihr denkt, diese Leute haben euch selbstlos aus Freundlichkeit geholfen, waren Hintergedanken dabei. Das kann ich nach mittlerweile 6 Jahren Thailand sicher sagen. Ausserhalb der Touristengebiete werdet ihr kaum auf Thais treffen, die mehr als 3 Worte englisch sprechen.
Von einem Obdachlosen massiert? Ziemlich schräg, sind doch die Obdachlosen in Bangkok zwar eher eine Seltenheit, dann aber doch fast ausschliesslich ziemlich heruntergekommen und schwarz vor Dreck. Naja, da hat wohl jeder seine eigene Ansicht, ob das ein Erlebnis sein kann.
"Überraschendes Thailand. Das Fazit." kommentieren


Klasse, Peer, ein so schöner Abschlußbericht und die rührende Auflistung all Eurer Ausgaben waren Beweis, daß Ihr 2 noch immer auf dem Boden seid. Schöne Reflektion und wie immer toll erzählt. Weiter gute Reise und viel Glück gisi