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19. Oktober 2011
Moskau. Danke, reicht.
Der Kreml ist da, groß und mächtig, eindrucksvoll und abweisend. Dem Besucher die ausgestreckte Hand entgegenstreckend, ein allgemeingültiges „njet" aussprechend, ohne sich gleich welche Argumente angehört zu haben.
© Jochen Müller Moskau. Zu viele Menschen auf zu wenig Raum.Moskau. Was ist das? Wer wohnt hier? Zehn Millionen Menschen. Wie sie das fertig bringen, bleibt mir ein Rätsel. Früher wohnte hier „der Russe". Dieser eine. Der gleichzeitig bei uns vor der Tür stand. Heute wohnt hier das Elend. Gleich nebenan das Geld. Models, in Pelz gehüllt, an der Hand garstig aussehender Zuchtbullen mit teilweise tätowierten Glatzen.
Die ausgemergelten Gesichter der Normalbürger in der Metro und auf den Straßen wirken gehetzt vom Bestreben mitzuhalten. In New York haben die Leute zwei Jobs um zu überleben. Hier eher drei bis vier. Der deutsche Student, den wir trafen, hat eineinhalb Stunden Anfahrtsweg. Nicht zur Uni, sondern zur ersten Metrostation. Die Uni ist eine weitere Stunde entfernt. Aber er kann sich selbst diese weit entfernte Unterkunft kaum leisten und empfiehlt uns Fischkonserven als bezahlbares und nahrhaftes Lebensmittel. Und Pommes Frittes bei Mc Donalds, weil sie frisch und warm seien.
© Jochen Müller Kein KommentarDiese Stadt wirkt selbst bei Sonnenschein grau, nicht einmal die prächtigen Kuppeln der Basilius Kathedrale können ihre Farbe zur Geltung bringen. Der rote Platz ist anthrazitfarben. Und in Gänze in Gerüst gehüllt. Für eine Lichtshow. Nicht mal in Lenins Mausoleum kommt man, um sich die Puppe Lenins anzusehen, die noch immer manche für seinen Leichnam halten. Wenn man genug Geld hat, kann man freilich im Restaurant direkt unter dem Mausoleum einen Happen Essen. Der Zugang dazu ist immer offen, für die, die es sich leisten können und wissen wo er ist.
Ab fünf wird der Platz großräumig abgesperrt. Durch in Kampfmontur gehüllte Polizisten. Und Militär. Wer im Weg ist, und nicht gleich als Tourist erkennbar, wird grob entfernt, vor sich hergetrieben wie Vieh. Durch die Zäune fahren ein paar Mercedes, BMWs und Bentleys, davor steht die Flotte der Porsche Roadshow. Ein Junge will sich von seiner Mutter vor den aufgereihten Prachtkarossen fotografieren lassen, unter den wachsamen Blicken einer halben Tonne Muskeln mit Knopf im Ohr. Die Mutter will ihm den Gefallen tun. Sie scheint in Eile zu sein, sie fotografiert hastig, dann zieht sie ihren Sohn am Ärmel weg von den Absperrungen.
Die Menschen beschleunigen ihre Schritte, wann immer diese Muskeln in der Nähe sind, der Blick zum Boden gewandt, die Schultern hochgezogen. Ein Hauch von Furcht liegt über der Stadt. Erst wenn die Flasche halb leer ist, kann sie abgelegt werden, dann hebt sich der Kopf. Wenn der Blick trübe genug ist, um deutlich zu machen, dass nichts, was mit diesen Augen gesehen wird, hängen bleiben wird. Anders kann man nicht erhobenen Hauptes durch Moskaus Straßen gehen.
Nachts, wenn in St Petersburg die Pracht der Stadt zur vollen Geltung kommt, ändert sich in Moskau nicht viel. Es wird dunkler, es wird kälter, die Menschen weniger und noch betrunkener. Die Pracht bleibt weiter unter sich und eingezäunt, das Elend leidet still zu dessen Füßen.
Eine Bar, die uns als günstig empfohlen wurde, hat Preise, die mich an New York erinnern, als ich mir etwas gönnen wollte. Im Taxi können wir den Preis herunterhandeln, dafür setzt uns der Fahrer nach der Hälfte der Strecke ab und weigert sich weiter zu fahren. Wir sind ihm nicht mal böse, beinahe hätten wir ihm noch Trinkgeld dazu gegeben, er kann es sicher brauchen.
Der folgende Nachtspaziergang an der Moskwa entlang, er hätte schön sein können. Direkt an der Ufermauer, den Kreml langsam hinter sich lassend, vor einer Reihe theoretisch eindrucksvoller Gebäude entlang. Doch da waren sie wieder. Die rasend teuren und rasend schnellen Karren mit Blaulicht, daneben die an den Rand gedrängten baufälligen und röchelnden Ladas. Im Schatten eines Baums auf einer kleinen Grünfläche sieht man etwas Menschliches liegen. Natürlich kümmert sich niemand darum. Nirgendwo in Moskau ist es hell genug, um das Elend zu sehen. Tag wie Nacht.
Jochen Müller
Kommentare zu "Moskau. Danke, reicht."
Moskau
Hat sich nichts geändert, war vor fast 50 Jahren genau das gleiche Gefühl. Auf gehts! Viel Glück!
Moskau
Klingt doch gar nicht so schlecht. Ich kann über Moskau eigentlich nichts negatives sagen … Aber alles kann sich ändern
Moskau. Danke, reicht.
Es lohnt sich, diesen Artikel, thanks for sharing diese Informationen zu lesen. Mit diesem Artikel, den Sie bot mir bekam eine Chance, das wissen sowieso i Große Artikel sagen! und wartet bis zum nächsten Artikel über dieses interessante Thema.
Moskau. Danke, reicht.
WellThanks für den Austausch, habe ich diesen Artikel mögen, werde ich sehen, beim nächsten Mal, auf der Suche nach Ihrem nächsten Artikel.
Also, ich bin gerade auf diesen block gestossen und muss dann doch mal sagen/schreiben, dass hier ein völlig falsches Bild der Stadt gezeichnet wird.
Sicher, die Schönheit Moskaus erschließt sich nicht immer auf den ersten Blick und manchmal auch nicht auf den zweiten. Allerdings braucht es auch mehr als eine Woche, um sich dem Leben und Treiben, also dem wahren Moskau zu öffnen.
Ich habe zwei Jahre dort gewohnt und muss sagen, dass es hier nicht mehr Schein und Schau gibt, als in anderen Metropolen und gerade die Gegensätze zwischen drei Epochen, Zarismus, Sozialismus und Moderne, machen Moskau für mich zu einer besonderen Stadt.
Re:

Natürlich hat jede Stadt ihre hübschen wie hässlichen Seiten. Und wenn man erst eine Weile in einer Stadt verbringt, lange genug um ihre Geheimnisse und Besonderheiten zu entdecken, dann kann man sich sicher überall auf der Welt wohl fühlen. Meistens passiert das mit netten Menschen ganz von allein. Und davon gibt es in Russland einige. Soviel ist sicher.
Also, ich bin gerade auf diesen block gestossen und muss dann doch mal sagen/schreiben, dass hier ein völlig falsches Bild der Stadt gezeichnet wird.
Sicher, die Schönheit Moskaus erschließt sich nicht immer auf den ersten Blick und manchmal auch nicht auf den zweiten. Allerdings braucht es auch mehr als eine Woche, um sich dem Leben und Treiben, also dem wahren Moskau zu öffnen.
Ich habe zwei Jahre dort gewohnt und muss sagen, dass es hier nicht mehr Schein und Schau gibt, als in anderen Metropolen und gerade die Gegensätze zwischen drei Epochen, Zarismus, Sozialismus und Moderne, machen Moskau für mich zu einer besonderen Stadt.
WellThanks für den Austausch, habe ich diesen Artikel mögen, werde ich sehen, beim nächsten Mal, auf der Suche nach Ihrem nächsten Artikel.
Natürlich hat jede Stadt ihre hübschen wie hässlichen Seiten. Und wenn man erst eine Weile in einer Stadt verbringt, lange genug um ihre Geheimnisse und Besonderheiten zu entdecken, dann kann man sich sicher überall auf der Welt wohl fühlen. Meistens passiert das mit netten Menschen ganz von allein. Und davon gibt es in Russland einige. Soviel ist sicher.
"Moskau. Danke, reicht." kommentieren

Moskau ist also keine Reise wert,aber hoffentlich das weitere unendliche Land was allerdings im Sommer sicher noch interessanter wäre.
Weiter viel Spaß und paßt auf Euch auf.Woka sollten passionierte Biertrinker meiden.