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9. Januar 2012
Jahresendfazit
Seit 105 Tagen streifen wir durch die Lande, durch sieben Länder, um genau zu sein. Um von Berlin nach Haikou zu kommen, haben wir über 18000 km Strecke in Zügen, Bussen, Autos und Schiffen zurückgelegt und haben in 21 Städten in diesen sieben Ländern Halt gemacht.
Die gute Nachricht ist, unser Budget ist langsam auf dem Weg zurück zum Soll. Wobei die Betonung auf dem Wort langsam liegt, aber wir arbeiten daran. Laut unseres ursprünglichen Plans wollten wir bis jetzt 6930 Euro ausgegeben haben. In Wirklichkeit waren es 9600. Ich spare mir die Ausflüchte, wir sind bei 139% des Solls. Aber wir freuen uns darüber von den 150% runter zu sein. Und das trotz eines recht luxuriösen Weihnachtsurlaubs, den wir mit unseren Freundinnen auf Hainan verlebt haben. Wir schliefen im Hotel und in einer Ferienwohnung statt in Hostels, wir reisten mit Schnellzügen statt mit der Holzklasse, wir aßen Meeresfrüchte in guten Restaurants und tranken Wein dazu. Man möge es uns verzeihen. Doch nun sind wir wieder allein. Und ab jetzt wird sich einiges ändern.
Wenn man eine Weile unterwegs ist, dann ändern sich ein paar Dinge. Wir sind auf Achse. Immer unterwegs. Und auch, wenn wir das so wollten, merken wir langsam, dass dabei einige Dinge auf der Strecke bleiben. Wenn ein Highlight das nächste jagt, wie und wo verarbeitet man das? Im Bus? Beim warten auf den Zug? Es wird immer wichtiger sich Pausen zu gönnen. Das Alte muss sich setzen, bevor Neues hinzu kommt, sonst verschwimmt das Erlebte zu einem Einheitsbrei, den man im Nachhinein nicht mehr trennen kann. Abgesehen davon ist Hetze teuer. Also sind wir in medias res gegangen und haben uns auf folgenden Leitspruch für 2012 geeinigt: weniger ist mehr! Weniger bedeutet von jedem Land weniger zu sehen. Mehr bedeutet von jedem Land mehr zu sehen. Nein, das ist kein Widerspruch. Es geht darum, bei dem was wir sehen, genauer hinzusehen. Sich mehr Zeit zu nehmen, um bewusster zu erleben. Nicht gleich weiter hasten. Kein Land der Welt kann man in einem Monat erkunden, also versuchen wir es auch nicht mehr. Wir konzentrieren uns auf einige ausgesuchte Stellen und haben dafür die Zeit, unter die Oberfläche zu tauchen und alles zu verarbeiten. Amen.
Weniger bedeutet natürlich auch: Zurück zum Soll. In drei Monaten haben wir ein dickes Loch in die Kasse gerissen, in zwei Monaten gleichen wir es wieder aus. Dito Amen.
Natürlich werden wir bei aller Vernunft nicht auf Highlights verzichten. Auch klar. Doch was waren die Highlights im letzten Monat?
Highlight muslimisches Viertel in Xi'an. Kein Fake, kein Kitsch, kein Disneyland. Es ist bunt, es ist chaotisch, es ist laut. Es ist wundervoll. Tausend Düfte, fremde Waren, wildes Treiben. Am besten einen Einheimischen mitnehmen, der einen zu einer verabredeten Zeit da weg zieht. Sonst kommt man nicht los.
Highlight Jangtse Bootstour. Es war touristisch, unsere Kajüte roch ungut, es war kalt und regnerisch. Alles völlig egal. Wenn wir daran denken, klappt uns jetzt noch unwillkürlich die Kinnlade herunter. Die drei großen und kleinen Jangtse Schluchten sind ein Naturwunder. Nicht nur für Naturliebhaber ein Erlebnis. Es war wunderschön.
Highlight Hongkong. Ich halte mich zurück, sonst wird der Text zu lang. Lesen sie die Liebeserklärung, Hongkong ist der Wahnsinn. I'll be back!
Highlight chinesische Küche. Dazu soviel: Nach sechs Wochen in China kann ich mich an jedes einzelne Gericht erinnern, das mir NICHT geschmeckt hat. Es waren nicht viele. Sie vermissen im Ausland Deutsche Kost? Kommen sie nach China, sie werden es zurück in der Heimat umgekehrt erleben.
Zahlen und Fakten.
Zurückgelegte Wegstrecke (ab Berlin): ca 18235 km
Transportmittel: Bus, Zug, Auto, Schiff.
Highlights: Chinas einmaliges Flair, Chinas Bewohner, unendliches Grün in den Jangtse Schluchten, Hongkong bei Tag und bei Nacht. Essen, Essen, Essen und natürlich der Besuch aus der Heimat.
Ausgaben seit Berlin: 9600 € (Soll: 6930 €. Immer mit der Ruhe...)
Kulturelle Aktivitäten: die große Mauer und die verbotene Stadt, die Terrakotta Armee, Tempel und Klöster, Jadebuddha Statuen, Kunstateliers, Austellungen und alte Viertel, die nach Geschichte und Leben duften.
Probleme: Hin und wieder wollen die Züge nicht so wie wir wollen, oder wir bekommen keine Tickets, aber bisher sind wir noch jedes Mal ans Ziel gekommen. Nach wie vor Sprachbarrieren, doch wir lernen die einheimische Zeichensprache mehr und mehr. Sensorischer Overkill. Nur einen Tag in einer Stadt zu verbringen bringt gar nichts. Nicht mal Ruhe. Last but not least das leidige Thema: Geld.
Verluste: Drei Socken, zwei Unterhosen, zwei T-Shirts. Dafür haben wir von der Wäscherei zwei fremde Socken, ein fremdes Handtuch und eine fremde Unterhose zurück bekommen. Die Socken haben wir behalten, den Rest haben wir zurück gegeben.
Stimmung: Bis kurz vor Weihnachten etwas gehetzt. Seither ruhen wir wieder in uns.
Jochen Müller
Kommentare zu "Jahresendfazit"
Aktualisierte Karte
Und wieder dabei! Jetzt muss ich nur noch mit dem lesen nachkommen.
Lieber Jochen, danke für die gründliche Email. So mag das die Deutsche :)
Karte macht mir Riesenspass, also da nix für. Geniesst die Sonne.
http://g.co/maps/56jg7
... and a happy new year.....
Bin erst seit Kurzem "dabei" und sauge alle Artikel auf. Ein gutes neues Jahr, mit mehr Ruhe und Gelassenheit und den Blicken für das Wesentliche. Weiter so - in Spannung auf neue Länder und Eindrücke.
Grüße aus der Ferne und aus dem Regen -
Jahresendfazit
Hallo, Ihr Globetrotter, ich lese Einsicht, ich lese Vernunft und ich lese Weisheit. Wenn diese Reise sonst zwar teuer war, aber in dieser Hinsicht war alles sein Geld wert. Ihr habt unvergessliche Dinge erlebt, die Euch niemand mehr nehmen kann, deshalb bin ich froh, daß Ihr noch was übrig habt, um Euren Weg weiterzugehen. Ich wünsch Euch Glück und tolle Erlebnisse, an denen wir hoffentlich weiter teilnehmen dürfen. Gruß aus BK von G 39
Frohes Neues Jahr !
Hallo Abenteurer !
Erstmal nachträglich noch ein Frohes Neues Jahr 2012 !
Auch ohne den Genuss eines grossen Feuerwerks scheint Ihr ja einen hervorragenden Start gehabt zu haben; als gutes Omen in Macao ein kleiner Gewinn, die Liebsten zu Besuch, das Budgetloch ein wenig gestopft und Einigung auf die neue Linie der weiteren Reise.
Eure Schilderungen sind einfach atemberaubend weltklasse, ich kann jeden neuen Bericht kaum abwarten, um Euch wenigstens virtuell nahe zu sein. Weiter so !
Geniesst weiterhin die Zeit und macht Euch nicht zuviel Stress, auch wenn nicht alle ursprünglich geplanten Stopps, Ziele und Aktivitäten umgesetzt werden können, erlebt Ihr gerade etwas Einmaliges, das sicher nur sehr Wenige neben Euch erfahren durften und dürfen. Ich beneide Euch !
Also Daumen und Köpfe hoch, zufriedenes Grinsen aufgelegt und ab auf die nächste Etappe. ;-)
Ganz Lieben Gruss aus dem trostlosen Deutschland, fühlt Euch gedrückt ;-)
Euer Charlestone
Fazit !
Kinners ! Weltklasse ! Sehr gut ! Ich honoriere Eure journalistische Arbeit ! Hab einen guten Start ins neue Jahr !
Schaq´s wünschen folgend aus dem trostlosen ganz und gar nicht winterlichen Germanien,
Der M´pel
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Liebe Weltenbummler,
ich wünsche euch ein gutes Neues Jahr und weiterhin alles Gute für eure tolle Reise!
Als treuer und begeisterter Leser eurer Berichte bin ich mir sicher, dass jeder der ausgegebenen Euros sinnvoll eingesetzt wurde und glaubt mir, in zehn Jahren (wenn nicht schon wesentlich früher) sind die Ausgaben längst vergessen aber die tollen Erlebnisse bleiben.
Eure Artikel sind immer so toll geschrieben, ich lechze nach jedem neuen Eintrag! Und wenn ich nicht so viele Kommentare schreibe, dann nur deshalb, weil mir das Schreiben nicht so leicht fällt wie euch und mir oft einfach die Worte fehlen - vor lauter Begeisterung!
Wie schön, dass ihr zu den Feiertagen so lieben Besuch aus der Heimat hattet und wie treffend Peer's philosophische Erkenntnisse!
Have fun!
Barbara aus KG