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25. Januar 2013
Der Versuch eines Fazits, Teil 1
Horizonterweiterung - die erste
Seinen eigenen Horizont erweitern - ein Ziel, das sich viele Reisende auf die Fahnen schreiben. Doch was verbirgt sich hinter dieser geläufigen Phrase? Das kann wohl nur jeder für sich selbst beantworten. In unserem Fall bedeutete es in erster Linie, einen Einblick in andere, für uns bis dato fremde Kulturen zu erlangen. Es lässt sich trefflich darüber streiten, ob es überhaupt möglich ist, in der verhältnismäßig kurzen Zeit, die uns in den meisten Ländern zur Verfügung stand, überhaupt einen adäquaten Blick auf die einzelnen Kulturen zu werfen. Oder gar in diese einzutauchen und sie zu verstehen. Dennoch wage ich zu behaupten, dass es uns bisweilen ganz gut gelungen ist. Wenn auch nur in Ansätzen. In erster Linie trugen die vielen Begegnungen mit interessanten Menschen maßgeblich dazu bei, dass wir oftmals mehr über Land und Leute sowie deren Geschichte und Kultur lernten, als jeder Reiseführer uns hätte vermitteln können. Dabei ist es völlig gleichgültig, ob es sich um ein so facettenreiches Land wie China handelt, in dem eine jahrtausende alte Kultur auf einen absoluten Boom der Moderne trifft oder ein Land wie Australien mit seiner relativ jungen Kultur. Ob man sich von einem buddhistischen Mönch in Kambodscha die Entstehungsgeschichte seiner Religion erklären lässt, dem Begräbnisritual einer Hohepriesterin in Indonesien beiwohnt oder den Anekdoten eines australischen Trampers lauscht - uns gaben diese Begegnungen die tiefsten Einblicke in die Kultur eines Landes.
© Bergholter Etwas Kultur war natürlich auch dabei. Hier: Angkor Wat in Kambodscha.Die Lehre, die wir daher für uns gezogen haben lautet: einfach mit offenen Augen, Ohren und Herzen durch die Welt zu gehen, auch einmal einen Blick abseits der ausgetretenen (touristischen) Pfade zu riskieren und sich nicht davor zu scheuen, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Von denen lernt man immernoch am meisten über ein Land. Und wir für uns können mit Fug und Recht behaupten, dass sich unser Horizont dahingehend beträchtlich erweitert hat.
Horizonterweiterung - die zweite
© Bergholter Nicht jedes Experiment glückte: Hühnerfüsse, eine chinesische Delikatesse, die wohl nicht zum Exportschlager werden wird.
Schafskopf, das mongolische Nationalgericht.
In jedem Fall empfanden wir die zahlreichen kulinarischen Exkursionen auch als eine Erweiterung unseres Horizonts. Es war der sprichwörtliche Blick über den Tellerrrand - im wahrsten Wortsinn.
Andere Länder, andere Sitten - Ablassen von alten Gewohnheiten
Bereist man fremde Länder, so muss man sich nicht nur auf fremde Sprachen, unbekannte Kost oder neue Kulturen einstellen, sondern auch auf andere Sitten und Gebräuche. Dabei ist es uns oftmals leichter gefallen, uns neue Sitten anzueignen, als diese wieder abzulegen, wenn man etwa in Länder kommt, wo diese als Unsitten gelten. Das gilt in erster Linie für Tischmanieren. In Asien übernahmen wir dort gängiges Benehmen, von dem wir wussten, dass wir dieses früher oder später wieder würden ablegen müssen. Schlürfen, schmatzen, unter Tische spucken - das geht nicht überall. Und das ist auch gut so.
Wir dachten, wir könnten mit Stäbchen essen, gingen davon aus, dass wir auch unsere Hände benutzen können. Eine Suppe mit Stäbchen zu essen oder sich in Soße getränkten Reis mit der Hand einzuverleiben, daran musste man sich doch erstmal gewöhnen.
Doch natürlich beziehen sich Sitten und Gebräuche nicht nur auf die Tischmanieren. Wir waren ebenso erstaunt wie beeindruckt von Ländern, in denen das gesellschaftliche Leben in der Öffentlichkeit stattfindet. Privatsphäre - Fehlanzeige. Und niemand schien diese zu vermissen. Offene Türen, vor denen offene Menschen saßen und uns freundlich empfingen waren keine Seltenheit, doch für uns zunächst einmal ungewohnt.
Wir erfuhren viele Kleinigkeiten über landestypische Gepflogenheiten wie etwa Höflichkeitsformeln und Respektsbekundungen. Wir versuchten diese stets zur Anwendung zu bringen. Und auch wenn es uns die Sprachbarriere nicht immer leicht machte, so wurde unser Bemühen doch oft erkannt und unser guter Wille mit Freundlichkeit und Herzlichkeit belohnt.
Doch fremde Sitten und Gebräuche treiben nicht nur positive Blüten. Klaglos verbringt man seine Nächte in ranzigen Absteigen, in Etagenbetten mit fleckigen Laken, man kommt mal eine Woche ohne eine Dusche aus und man verrichtet seine Notdurft auf Hockklos, die jedweder Beschreibung spotten und auch nicht immer über Türen verfügen. Man macht das alles mit, entwickelt eine ganz neue Toleranzschwelle, redet und lacht darüber, doch wirklich gewöhnen konnten und wollten wir uns daran nicht. Es gibt einfach Dinge, die uns aufgrund unserer Konditionierung und Sozialisation wichtig geworden sind. Toilettenpapier und ein gewisses Minimum an sanitärer Hygiene gehören dazu.
Andere Länder, andere Transportmittel
„Bus, Zug, Moped, Boot? Kenn ich, bin ich auch schon mit gefahren." Was zunächst nicht sonderlich spaktakulär klingt, war für uns doch definitiv ein Erlebnis. Natürlich saßen wir auch vor der Reise schon in einem Bus oder einem Zug, doch liegen zwischen einem russischen oder chinesischen Nachtzug und einem mitteleuropäischen Nahverkehrszug Welten. Nicht nur was die Pünktlichkeit anbelangt. Auf dieser Reise waren die unterschiedlichen Verkehrsmittel nicht nur Mittel um von A nach B zu gelangen, sondern vor allem war die Zeit, die wir auf der Straße, Schiene oder dem Wasser verbrachten Selbstzweck. Wir werden wohl niemals die Tage in der Transsibirischen Eisenbahn vergessen, genauso wenig die Strapazen der Busfahrten in Südost-Asien oder Südamerika. Dabei handelt es sich weiß Gott nicht nur um positive (oder orthopädisch unbedenkliche) Erlebnisse, doch um prägende Erfahrungen allemal. Gleiches gilt für unsere Motorradtour, auch wenn Spötter natürlich zurecht bemerkt haben, dass unsere Hobel hierzulande höchstens in die Kategorie „Moped" fallen. Es war weit abenteuerlicher (und bei nüchterner Betrachtung auch gefährlicher) als erwartet, doch sicher mit nichts zu vergleichen, was wir bislang erleben durften.
Auch Boote unterschiedlichster Größe und Gattung sind wir bereits viele gefahren, der Segeltörn durch die Karibik sowie die Ozeanüberquerungen auf den Containerschiffen aber waren für uns eine gänzlich neue und definitiv unvergessliche Erfahrung.
Glück gehabt?
Wir wollen gar nicht groß drum herumreden: Das Glück war uns hold in all der Zeit. Wir erlebten nicht wenige brenzlige Situationen, die wir aber allesamt wohlbehalten überstanden. Sei es der Ärger mit den Behörden in Moskau oder diverse Motorradstürze, seien es Tsunamialarm, Sprachbarrieren oder korrupte Polizisten, die uns an das Ersparte wollten - es ging in allen Fällen glimpflich aus. Wir blieben verschont von ernsthaften Erkrankungen und anderen Unglücksfällen. Ein Glück. Wir blieben auch weitestgehend verschont von Überfällen und Diebstahl. Auch hier war uns Fortuna gewogen. Wir trafen viele andere, denen es nicht so erging. Allerdings merkten wir bei solchen Erzählungen auch, dass man im Laufe der Zeit ein Gespür für gewisse Situationen entwickelt. Man wittert eine Abzocke gegen den Wind, ist sensibilisiert für potenzielle Gefahren und lernt Risiken richtig einzuschätzen. Zumindest meistens. Auf der anderen Seite legt man sich aber auch eine gewisse Gelassenheit zu. Gelassenheit gespeist aus Zuversicht und Vertrauen. Vertrauen darauf, dass es für jedes Problem eine Lösung gibt. Aber auch Vertrauen auf die Menschen und ein grundsätzliches Wohlwollen in dieser Welt (dieses Vertrauen sollte man aber nicht mit Naivität verwechseln). Damit fuhren wir sehr gut. Uns wurde oft und vor allem selbstlos geholfen, wir erlebten Großzügikeit und Gastfreundschaft. In nahezu jedem Land, das wir bereisten.
Wir können nur hoffen, dass wir uns diese Gelassenheit, diese Zuversicht und das Vertrauen bewahren. Wir können nur hoffen, dass wir Gelegenheit erhalten, die uns entgegengebrachte Freundlichkeit zurückzugeben. Und wir können nur hoffen, dass uns auch weiterhin das Glück hold bleibt.
von Peer Bergholter
Kommentare zu "Der Versuch eines Fazits, Teil 1"
Fazit Teil 1
Ein toller Überblick über Erlebnisse und Erkenntnisse über Ansichten und Einsichten, die Euch Euer zukünftiges Leben lang begleiten werden. Schön !! Gisi
Top
Könnte auch von mir sein: darum weckt mich auch immer wieder das Fernweh.
Obwohl ich in Lateinamerika nie schlechte Erfahrungen gemacht habe, ist das Lebensgefühl in buddhistisch geprägten Ländern einfach entspannter und man fühlt sich sicherer.
Super
Toll, dass ihr eure Erfahrung mit uns teilt. Sehr eindrucksvoll und interessant.
Toll
Also ich finde das toll wie Ihr von der Reise berichtet - besonders die Fotos. Eine kleine Frage habe ich zu den Fotos: wie habt ihr die während der Reise gesichert - habt ihr ein BackUp gemacht? Hattet ihr ein Laptop dafür dabei? Ich plane eine größere Reise Ende des Jahres und weiß nicht so recht, wie ich meine Fotos sichern soll. In voraus besten Dank für Eure Antwort.
Alexander
Sehr guter Reisebericht
da kann man nur von Glück reden das Ihr heil wieder Heim gekommen seid!
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Mir hat dieser Fazit gefallen und auch sonst habe ich alle anderen mit unvermindertem Interesse gelesen. Freue mich, dass ihr viel Positives zu saen habt.