Hauptinhalt
2. Dezember 2011
Lost with Lonely Planet
Der Lonely Planet Reiseführer genießt weltweit bei allen Individualreisenden höchstes Ansehen und erfreut sich bester Reputation. Auch uns persönlich hat er bereits auf früheren Reisen gute Dienste erwiesen, sich mit einigen Informationen und Warnungen sogar als möglicher Lebensretter bewährt. Doch in China mussten wir feststellen, dass man dieser Reisebibel leider nicht blind vertrauen kann.
Nun wissen wir etwa, wie es manche Hostels in diesen Reiseführer schaffen, während manch andere, eindeutig bessere, dort gar nicht aufgenommen werden. In der Russlandausgabe gab es diesbezüglich bereits einige nicht verlässliche oder unzutreffende Informationen, doch das war nicht weiter gravierend. Seit Peking wissen wir sicher, wie der Hase läuft: Wer den Autor bezahlt, kommt hinein, wer nicht, der nicht. So einfach ist das. So hat es zum Beispiel das LEO Hostel in Peking als besondere Empfehlung an erster Stelle in den China Reiseführer geschafft, während das gegenüber liegende 365 Inn als direkter Konkurrent nicht einmal erwähnt wird. Das LEO Hostel machte auf den ersten Blick zwar einen guten Eindruck, doch leider hielten Zimmer und Bad nicht, was der urige Aufenthaltsraum und der traditionell gestaltete Innenhof versprachen. Die Fußbodenkacheln in unserem Zimmer bestanden aus Scherben, die lose auf dem Boden lagen. In den Aufenthaltsräumen gab es keine Heizung, weshalb ein längerer Verbleib dort nur in Winterkleidung möglich war, das Personal war nur semifreundlich und die angebotenen Touren sind deutlich teurer als im 365 Inn. Die Duschen sind nur etwas für Leute, die es mit Hygiene nicht so genau nehmen und die Toiletten sind nicht besser. Und kalt ist es auch dort. Alles ist lose oder wackelt, es wird mit Spielkonsolen geworben, die es nicht gibt und das Frühstück ist teuer und wirklich nicht gut. Darüber konnten auch nicht der tatsächlich vorhandene Billardtisch und die üppige Filmsammlung samt entsprechendem Flatscreen hinwegtrösten.
Im 365 Inn wird man dagegen herzlich empfangen, die Angestellten sprechen deutlich besser Englisch, die Sanitäranlagen sind ein Traum, der Helen's Hangout Pub im Erdgeschoss ist ein Treffpunkt für Backpacker aus ganz Peking, die Zimmer sind sauber und gemütlich, die Touren sind günstiger, das (europäische) Essen köstlich und der ganze Ort ist in eine fröhliche, freundliche und friedliche Stimmung getaucht. Wir sind nach vier Nächten im LEO, die wir bereits bezahlt hatten, umgezogen, und mussten letztlich die Polizei holen um umziehen zu können. Unsere Pässe lagen noch bei der Vietnamesischen Botschaft, da wir in Peking das Visum für Vietnam beantragten. Ohne Kopien unserer chinesischen Visa konnten wir nicht im 365 Inn einchecken und natürlich weigerten sich die Angestellten des LEO, sie uns auszuhändigen. Wir könnten ja zurückkommen, hieß es. Erst als Jochen wirklich wütend wurde, die Polizei holte und mit dieser Unterstützung wiederkam, gaben sie uns die Kopien und wir konnten im 365 einchecken. Unser Fazit aus diesem Erlebnis und ein Tipp für Reisende: auf Internetseiten wie hostelworld.com kann man Unterkünfte buchen und sich die Kommentare und Bewertungen ehemaliger Gäste durchlesen. Das ist mit Sicherheit unabhängiger und ehrlicher als der Lonely Planet. Abgesehen davon bieten manche Hostels 10% Nachlass für Buchungen über hostelworld.com. Dort ist das 365 Inn als achtbestes Hostel weltweit (!!!) gekürt worden. Das LEO hat wenig begeisterte Bewertungen bekommen. Beides hat seine Gründe.
Auch beim Sightseeing hat sich der chinesische Lonely Planet leider nicht bewährt. Selbst der polnische Taschenreiseführer unserer Begleiter hielt etwa für den Tiannanmen Platz deutlich mehr (und anderslautende) Infos bereit, als unser 1144 Seiten starker Lonely Planet.
Natürlich hält der LP dennoch viele gute Ratschläge und nützliche Infos bereit, keine Frage. Trotzdem ist unser bisheriges Urvertrauen in diesen Führer etwas erschüttert.
von Peer Bergholter
Kommentare zu "Lost with Lonely Planet"
"Lost with Lonely Planet" kommentieren


Wenn du Spaß an Rucksackreisen hast und ein bisschen durch Spanien touren willst, bist du in unserem