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3. Juli 2012
EM-Auftakt einmal anders
Ganz Europa ist im EM-Fieber. Doch nicht nur dort ist Fußball eine große Sache, sondern auch in Indonesien erfreut sich die kontinentale Meisterschaft großer Beliebtheit. Das sollten wir erfahren, als wir uns für das Auftaktspiel auf die Suche nach einem Fernshegerät begaben.
Wir waren inzwischen in Bogor angekommen, rund eineinhalb Stunden mit dem Vorortzug von Jakarta entfernt. In Jakarta auf der Jalan Jaksa hätte ich mir die Bar aussuchen können, in der ich den EM-Auftakt verfolgen wollte. Ich hätte auch zum riesigen Public-Viewing-Event in der Hauptstadt gehen können. Die Optionen waren mannigfaltig. In Bogor sah es da etwas anders aus. Und langsam wurde ich nervös. Keine Kneipe mit Fernseher in Reichweite, im Hostel lediglich eine Glotze, auf der sich Fußball nicht empfangen ließ und eine Internetverbindung, die an einen Live-Stream nicht einmal denken ließ.
Jochen als alter Anti-Fußball-Fan gab sich betont locker. Ich hingegen fühlte die Anspannung. Ich fragte herum, ob irgendjemand einen Ort kenne, an dem man des nachts (wir hatten in Bogor immerhin fünf Stunden Zeitverschiebung) Fußball gucken könne. Alle mir geratenen Lokalitäten erwiesen sich bei näherer Betrachtung als Flops. Entweder geschlossen oder keinen Fernseher. Beides keine guten Voraussetzungen für einen entspannten Fußballabend.
Ich war bereits kurz davor aufzugeben, als ich in einem kleinen Padang-Restaurant,
© Jochen MüllerRetter in der Not: Eki.
in unmittelbarer Nachbarschaft unserer Herberge, den Besitzer nach einer entsprechenden Bar fragte. Er sagte, es gebe wohl die Möglichkeit, in Bogor Fußball zu sehen, jedoch sei keine der Lokalitäten fußläufig zu erreichen. Aber warum wir nicht einfach bei ihm schauten? Ganz perplex ob dieser unerwarteten Einladung, fragte ich, wo er denn wohne. Nein nein, hier im Laden wolle er gucken. Gemeinsam mit ein paar Freunden. Als ich mich umsah, entdeckte ich auch in einer Ecke den kleinen Fernseher, der an diesem Abend mein Fenster zu europäischen Fußballwelt sein sollte. Dankbar nahm ich die Einladung an, verabschiedete mich kurzzeitig und versprach, rechtzeitig zurück zu sein. Eki, so der Name des Besitzers, freute sich und kündigte an, sogar ein paar Bier zu holen.
Und so saßen wir dann am späten Abend in Eki's Padang-Imbiss und verfolgten die Eröffnungsfeier. Mit von der Partie waren außer uns, dem Besitzer und zwei seiner Freunde auch noch ein Holländer, der sich zu diesem Zeitpunkt noch hoffnungsvoll zeigte, sowie ein französisches Pärchen, das uns für eine Weile Gesellschaft leistete. Eki erklärte uns, warum Fußball in Indonesien so beliebt sei: Für viele - inklusive ihn selbst - biete der Fußball die Gelegenheit, Wetten zu platzieren und die damit verbundene Hoffnung auf das schnelle Geld. Und er erklärte uns auch, warum er Deutschland bei dieser EM nicht uterstützen wolle: Er hatte bei den letzten Turnieren stets auf die DFB-Auswahl gesetzt und dadurch eine Menge Geld verloren. Diesmal wolle er sein Glück mit Spanien versuchen. Vielleicht nicht die schlechteste Wahl. Wie auch immer, wir sahen uns genötigt, eine eigene kleine Tipprunde für den ersten Spieltag zu eröffnen, und natürlich stiegen die Locals sofort ein. Wir mussten ihren Enthusiasmus sogar bremsen und die Einsätze auf ein vernünftiges Maß reduzieren.
© Jochen Müller Ole, ole!
In geselliger Runde begingen wir also den EM-Auftakt, Bier und Nüsse auf dem Tisch und alle Blicke auf den kleinen Fernseher in der Ecke gerichtet. Die Phasen der Ereignislosigkeit während und zwischen den Spielen überbrückten wir mit netten Gesprächen, in deren Verlauf wir die gesamte und ebenso bewegte wie beeindruckende Lebensgeschichte Eki's erfuhren. Nach dem Abfiff gingen wir zu Bett. Es war inzwischen gegen vier Uhr in der Früh und schon bald würde uns der Muezzin wieder aus dem Schlaf reißen. Doch es war für unseren Biorythmus eine gute erste Trainingseinheit, sollte doch unser Tag-Nacht-Rythmus in den nächsten Wochen etwas aus dem Gleichgewicht geraten.
von Peer Bergholter
Wir waren inzwischen in Bogor angekommen, rund eineinhalb Stunden mit dem Vorortzug von Jakarta entfernt. In Jakarta auf der Jalan Jaksa hätte ich mir die Bar aussuchen können, in der ich den EM-Auftakt verfolgen wollte. Ich hätte auch zum riesigen Public-Viewing-Event in der Hauptstadt gehen können. Die Optionen waren mannigfaltig. In Bogor sah es da etwas anders aus. Und langsam wurde ich nervös. Keine Kneipe mit Fernseher in Reichweite, im Hostel lediglich eine Glotze, auf der sich Fußball nicht empfangen ließ und eine Internetverbindung, die an einen Live-Stream nicht einmal denken ließ.
Jochen als alter Anti-Fußball-Fan gab sich betont locker. Ich hingegen fühlte die Anspannung. Ich fragte herum, ob irgendjemand einen Ort kenne, an dem man des nachts (wir hatten in Bogor immerhin fünf Stunden Zeitverschiebung) Fußball gucken könne. Alle mir geratenen Lokalitäten erwiesen sich bei näherer Betrachtung als Flops. Entweder geschlossen oder keinen Fernseher. Beides keine guten Voraussetzungen für einen entspannten Fußballabend.
Ich war bereits kurz davor aufzugeben, als ich in einem kleinen Padang-Restaurant,
Und so saßen wir dann am späten Abend in Eki's Padang-Imbiss und verfolgten die Eröffnungsfeier. Mit von der Partie waren außer uns, dem Besitzer und zwei seiner Freunde auch noch ein Holländer, der sich zu diesem Zeitpunkt noch hoffnungsvoll zeigte, sowie ein französisches Pärchen, das uns für eine Weile Gesellschaft leistete. Eki erklärte uns, warum Fußball in Indonesien so beliebt sei: Für viele - inklusive ihn selbst - biete der Fußball die Gelegenheit, Wetten zu platzieren und die damit verbundene Hoffnung auf das schnelle Geld. Und er erklärte uns auch, warum er Deutschland bei dieser EM nicht uterstützen wolle: Er hatte bei den letzten Turnieren stets auf die DFB-Auswahl gesetzt und dadurch eine Menge Geld verloren. Diesmal wolle er sein Glück mit Spanien versuchen. Vielleicht nicht die schlechteste Wahl. Wie auch immer, wir sahen uns genötigt, eine eigene kleine Tipprunde für den ersten Spieltag zu eröffnen, und natürlich stiegen die Locals sofort ein. Wir mussten ihren Enthusiasmus sogar bremsen und die Einsätze auf ein vernünftiges Maß reduzieren.
In geselliger Runde begingen wir also den EM-Auftakt, Bier und Nüsse auf dem Tisch und alle Blicke auf den kleinen Fernseher in der Ecke gerichtet. Die Phasen der Ereignislosigkeit während und zwischen den Spielen überbrückten wir mit netten Gesprächen, in deren Verlauf wir die gesamte und ebenso bewegte wie beeindruckende Lebensgeschichte Eki's erfuhren. Nach dem Abfiff gingen wir zu Bett. Es war inzwischen gegen vier Uhr in der Früh und schon bald würde uns der Muezzin wieder aus dem Schlaf reißen. Doch es war für unseren Biorythmus eine gute erste Trainingseinheit, sollte doch unser Tag-Nacht-Rythmus in den nächsten Wochen etwas aus dem Gleichgewicht geraten.
von Peer Bergholter
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