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31. Oktober 2011
Die russische Seele, die russische Lebensart und das Drumherum.
Eigentlich verfolgen wir auf unserer Reise das Ziel, das jeweilige Land und die dort lebenden Menschen kennen zu lernen. Natürlich kommt man dabei nicht um die touristischen Highlights herum, doch nachdem diese bereits zu Genüge vorgestellt wurden, möchte ich mich nun einmal den Russen und ihrer Lebensart zuwenden. Natürlich ist es unmöglich, unsere bisherigen Erlebnisse und Eindrücke als allgemeingültigen Maßstab für die Gesamtheit der circa 143 Mio. Einwohner dieses Vielvölkerstaates anzulegen, dennoch machten wir einige Beobachtungen, die wir regelmäßig bestätigt fanden. Wir möchten sie in einer kleinen Serie darstellen.
Teil 1. Mode
Die russische Bevölkerung, insbesondere in den Metropolen, ist ebenso heterogen und vielschichtig, wie überall sonst auf der Welt. Diese Heterogenität findet ihren offensichtlichen Ausdruck in der Kleidung. Das russische Modeverständnis unterscheidet sich dabei nicht sonderlich von dem in westeuropäischen Ländern. Auch hier trägt der Businessman feinen Zwirn und die Jugendlichen Baseballcaps und Sneakers. Auch hier findet man die in lange, schwarze Mäntel gehüllten und mit diabolischen Motiv-Shirts ausgestatteten Metal-Freaks, ebenso wie den Berliner Chic: Secondhand-Klamotten, alberne Wollmütze und Nerdbrille - man kennt sie, die Uniform des Individualisten. Auch hier achtet man auf sein Äußeres und was es darstellen soll.
Auffällig ist doch, dass in Russland gewisse Dinge niemals aus der Mode gekommen zu sein schienen, oder aber gerade ihre Renaissance erfahren. Ganz oben auf der Liste der Klassiker stehen neben Stonewashed-Jeans (Hosen und Röcken) Jacken aus Lederimitat. Beliebt bei allen Geschlechtern und Altersgruppen. Frauen tragen diese gern mit Pelz besetzt - ich denke, es handelt sich dabei um echten Teddybär - während Männer die schlichte Variante bevorzugen.
Gerne wird die Kunstlederjacke mit einer Tarnhose und saloppen Lackslippern oder Schnabelschuhen à la Leningrad Cowboys kombiniert. Zumindest bei den Herren. Damen tragen grundsätzlich kürzeste Röcke und Hochhackiges dazu. Überhaupt ist es beeindruckend, wie kurz und wie hochhackig frau sich hier gewandet. Lange Beine - wir sahen sogar Exemplare, die bis zum Boden reichten! - werden eingenetzt und münden in kniehohen Schaftstiefel mit Absätzen die jedem Orthopäden ein verheißungsvolles Lächeln ins Gesicht zaubern. Der Nachteil an dieser Besohlung ist, dass die Frauen hier einen Mann mit dem preußischen Gardemaß von 1,80m bisweilen um Haupteslänge überragen. Man kommt sich ziemlich klein vor in Russland...
Diese Mode ist im Übrigen völlig unabhängig von den Außentemperaturen. Ok, fällt das Thermometer unter den Gefrierpunkt, werden die Strümpfe etwas dicker oder die Netze etwas engmaschiger geknüpft. Manchmal wird sogar die Pelzbewehrte Jacke gegen einen Mantel eingetauscht. Trotzdem verfolgt einen hier auf Schritt und Tritt das KlippKlapp beschlagener Frauenhufe - äh -füße, Verzeihung.
In jedem Fall sind russische Frauen schön anzusehen: grazile Figur, hohe Wangenknochen, lange Beine und ein verschmitztes Lächeln, was die vollen Lippen umspielt. Sehr hübsch. Zugegeben, es gibt auch andere, aber die Anzahl derer, die sich unter dieser Beschreibung zusammenfassen lassen ist auffällig hoch.
Leider müssen wir alle weiblichen Leser enttäuschen: Bei den Männern konnten wir solche Beobachtungen nicht anstellen. Und wir gingen dabei völlig neidlos zu Werke, stets um Objektivität bemüht. Diejenigen, die wir reinen Gewissens als gut aussehend und gut gekleidet bezeichnen konnten, ließen sich an zwei Händen abzählen. Russische Männer scheinen durch andere Qualitäten zu bestechen. Das sind entweder beeindruckende Muskelberge, die durch entsprechend spannende Kleidung in Szene gesetzt werden oder aber ... Geld. Wir sahen einen relativ ungepflegt wirkenden Mann, das Beinkleid aus Ballonseide, die Tennissocken in Badelatschen und das Muscleshirt legte Oberarme frei, die andernorts als Beide durchgehen würden. Der Stiernacken goldbehangen, der kantige Schädel rasiert. An der Hand eine Frau, die überall auf der Welt als Model hätte arbeiten können. Wir staunten nicht schlecht über dieses ungleiche Paar, bis wir des Rätsels Lösung sahen: Der Kerl stieg in einen dicken Porsche Cayenne, die Frau folgte ihm in gebührendem Abstand. Geld macht also doch sexy. Und ersetzt die Mühe, sich mit modischen Trends auseinander setzen zu müssen.
Doch auch Männer mit weniger Geld pflegen diesen Chic: Trainingsanzüge in Kombination mit Badeschlappen scheinen sowohl Kulturen als auch Generationen in modischer Fragwürdigkeit zu vereinen.
Kombiniert wird im Übrigen gerne: Ein zu allem passendes Teil, was nicht fehlen darf, sind Militärartikel im zeitlosen Camouflage: Tarnhose, Parka oder Springerstiefel - zumeist reicht eines davon, manche Trendsetter kombinieren auch alle mit einander. Und nein, es sind handelt sich dabei nicht um Milizionäre!
Bei einer weiteren Beobachtung rückten die Accessoires in den Fokus. Na klar, bei Frauen nette Handtäschchen der üblichen namhaften Schneider und Arme, Hälse und Ohren bevorzugt mit Gold behangen. Bisweilen ein funkelnder Edelstein oder eine Perle. Klassisch eben. Nichts Außergewöhnliches. Bei den Männern ein ähnliches, wenngleich dezenteres Goldvorkommen. Zumindest manchmal. Ferner scheinen sich bei Männern Herrenhandtaschen mit großem Erfolg zu etablieren. Ob alt ob jung, ob arm ob reich - hier findet jeder das passende Modell. Von sportlich-dynamisch über schlicht und elegant bis zeitlos-klassisch (also aus Lederimitat), man sieht sie in jeder Ausführung im Straßenbild.
Peer Bergholter
Teil 1. Mode
Die russische Bevölkerung, insbesondere in den Metropolen, ist ebenso heterogen und vielschichtig, wie überall sonst auf der Welt. Diese Heterogenität findet ihren offensichtlichen Ausdruck in der Kleidung. Das russische Modeverständnis unterscheidet sich dabei nicht sonderlich von dem in westeuropäischen Ländern. Auch hier trägt der Businessman feinen Zwirn und die Jugendlichen Baseballcaps und Sneakers. Auch hier findet man die in lange, schwarze Mäntel gehüllten und mit diabolischen Motiv-Shirts ausgestatteten Metal-Freaks, ebenso wie den Berliner Chic: Secondhand-Klamotten, alberne Wollmütze und Nerdbrille - man kennt sie, die Uniform des Individualisten. Auch hier achtet man auf sein Äußeres und was es darstellen soll.
Auffällig ist doch, dass in Russland gewisse Dinge niemals aus der Mode gekommen zu sein schienen, oder aber gerade ihre Renaissance erfahren. Ganz oben auf der Liste der Klassiker stehen neben Stonewashed-Jeans (Hosen und Röcken) Jacken aus Lederimitat. Beliebt bei allen Geschlechtern und Altersgruppen. Frauen tragen diese gern mit Pelz besetzt - ich denke, es handelt sich dabei um echten Teddybär - während Männer die schlichte Variante bevorzugen.
Gerne wird die Kunstlederjacke mit einer Tarnhose und saloppen Lackslippern oder Schnabelschuhen à la Leningrad Cowboys kombiniert. Zumindest bei den Herren. Damen tragen grundsätzlich kürzeste Röcke und Hochhackiges dazu. Überhaupt ist es beeindruckend, wie kurz und wie hochhackig frau sich hier gewandet. Lange Beine - wir sahen sogar Exemplare, die bis zum Boden reichten! - werden eingenetzt und münden in kniehohen Schaftstiefel mit Absätzen die jedem Orthopäden ein verheißungsvolles Lächeln ins Gesicht zaubern. Der Nachteil an dieser Besohlung ist, dass die Frauen hier einen Mann mit dem preußischen Gardemaß von 1,80m bisweilen um Haupteslänge überragen. Man kommt sich ziemlich klein vor in Russland...
Diese Mode ist im Übrigen völlig unabhängig von den Außentemperaturen. Ok, fällt das Thermometer unter den Gefrierpunkt, werden die Strümpfe etwas dicker oder die Netze etwas engmaschiger geknüpft. Manchmal wird sogar die Pelzbewehrte Jacke gegen einen Mantel eingetauscht. Trotzdem verfolgt einen hier auf Schritt und Tritt das KlippKlapp beschlagener Frauenhufe - äh -füße, Verzeihung.
In jedem Fall sind russische Frauen schön anzusehen: grazile Figur, hohe Wangenknochen, lange Beine und ein verschmitztes Lächeln, was die vollen Lippen umspielt. Sehr hübsch. Zugegeben, es gibt auch andere, aber die Anzahl derer, die sich unter dieser Beschreibung zusammenfassen lassen ist auffällig hoch.
Leider müssen wir alle weiblichen Leser enttäuschen: Bei den Männern konnten wir solche Beobachtungen nicht anstellen. Und wir gingen dabei völlig neidlos zu Werke, stets um Objektivität bemüht. Diejenigen, die wir reinen Gewissens als gut aussehend und gut gekleidet bezeichnen konnten, ließen sich an zwei Händen abzählen. Russische Männer scheinen durch andere Qualitäten zu bestechen. Das sind entweder beeindruckende Muskelberge, die durch entsprechend spannende Kleidung in Szene gesetzt werden oder aber ... Geld. Wir sahen einen relativ ungepflegt wirkenden Mann, das Beinkleid aus Ballonseide, die Tennissocken in Badelatschen und das Muscleshirt legte Oberarme frei, die andernorts als Beide durchgehen würden. Der Stiernacken goldbehangen, der kantige Schädel rasiert. An der Hand eine Frau, die überall auf der Welt als Model hätte arbeiten können. Wir staunten nicht schlecht über dieses ungleiche Paar, bis wir des Rätsels Lösung sahen: Der Kerl stieg in einen dicken Porsche Cayenne, die Frau folgte ihm in gebührendem Abstand. Geld macht also doch sexy. Und ersetzt die Mühe, sich mit modischen Trends auseinander setzen zu müssen.
Doch auch Männer mit weniger Geld pflegen diesen Chic: Trainingsanzüge in Kombination mit Badeschlappen scheinen sowohl Kulturen als auch Generationen in modischer Fragwürdigkeit zu vereinen.
Kombiniert wird im Übrigen gerne: Ein zu allem passendes Teil, was nicht fehlen darf, sind Militärartikel im zeitlosen Camouflage: Tarnhose, Parka oder Springerstiefel - zumeist reicht eines davon, manche Trendsetter kombinieren auch alle mit einander. Und nein, es sind handelt sich dabei nicht um Milizionäre!
Bei einer weiteren Beobachtung rückten die Accessoires in den Fokus. Na klar, bei Frauen nette Handtäschchen der üblichen namhaften Schneider und Arme, Hälse und Ohren bevorzugt mit Gold behangen. Bisweilen ein funkelnder Edelstein oder eine Perle. Klassisch eben. Nichts Außergewöhnliches. Bei den Männern ein ähnliches, wenngleich dezenteres Goldvorkommen. Zumindest manchmal. Ferner scheinen sich bei Männern Herrenhandtaschen mit großem Erfolg zu etablieren. Ob alt ob jung, ob arm ob reich - hier findet jeder das passende Modell. Von sportlich-dynamisch über schlicht und elegant bis zeitlos-klassisch (also aus Lederimitat), man sieht sie in jeder Ausführung im Straßenbild.
Peer Bergholter
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