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14. August 2012
Höhlen, heiße Quellen und bellende Hunde
Die Straße nach Viqueque führt an einigen Attraktionen vorbei. Bunker aus dem zweiten Weltkrieg, Kolonialbauten in kleinen Bergdörfern und heiße Quellen in abgelegenen Tälern. Viqueque selber liegt an einem Flüsschen unter Wald versteckt, bewacht und beschallt von streunenden Hunden.
Von Com, ganz im Osten der Insel, gibt es zwei Möglichkeiten, um nach Viqueque zu kommen. Entweder an der Nordküste entlang bis Baucau, und von da aus in Richtung Süden durch die Berge. Oder an der Südküste entlang. Zwar kannten wir die Nordstrecke bereits, doch erstens hieß es, dass die Südroute stellenweise kaum befahrbar sei, zweitens gab es dort keine Möglichkeit zu übernachten, falls wir es nicht an einem Tag bis Viqueque schafften. Drittens, und letztlich entscheidend, wollten wir das Landesinnere sehen. Denn die Strecke von Baucau aus quer durch die Insel nach Viqueque im Süden bietet einige lohnenswerte Ziele.
© Jochen Müller Von der Neustadt Baucaus aus ging es auf die Straße nach Süden.
In Baucau verbrachten wir eine Nacht. Nach 130 Kilometern auf den Straßen Ost-Timor hat man genug für den Tag erlebt und will seinem Hintern und seiner Konzentration eine wohlverdiente Pause gönnen. Am nächsten Morgen fuhren wir früh los. Nachdem wir diesmal den Weg aus der Stadt schneller als letztes Mal fanden, ging es über das trockene Hochplateau nach Süden. Wieder waren die Straßen voller tiefer Überraschungen und verlangten ständige Wachsamkeit. Wieder fiel es schwer, denn die Landschaft war atemberaubend und die vielen Menschen am Wegesrand wollten zurückgegrüßt werden. Manche winkten nicht nur, sondern kamen nahe ans Motorrad gelaufen, um uns mit einem „high five" abzuklatschen. Letztlich einigte ich mich mit Susanne darauf, dass sie das Grüßen und ich das Fahren übernahm. Was den zusätzlichen Vorteil bot, dass meine erhobene Hand nicht ihre Fotos versaute.
© Jochen Müller "Hello Mister, Hello Misses"
So beschränkte ich mich darauf, die sich nähernden Fahrzeuge durch Hupzeichen zu grüßen oder ihre Grüße zu erwidern. Denn auf den Straßen Ost-Timors grüßt sich jeder.
© Jochen Müller Die vielen freundlichen Grüße nicht zu erwidern war keine Option.
Schattige Überbleibsel aus dem Krieg
Etwa 20 Kilometer südlich von Baucau fanden wir in der Felswand am Straßenrand seltsam anmutende Höhleneingänge. Fast ein Dutzend dieser kaum mannshohen Eingänge führten zu einem System miteinander verbundener Bunker, die die Japaner während der Besatzungszeit im zweiten Weltkrieg anlegten. In den Höhlen selber gibt es wenig zu sehen, doch grob bearbeiteten Wände und Decken lassen erahnen, mit welch einfachen Mitteln diese Schutzräume angelegt wurden. Heute werden die Bunkerhöhlen hauptsächlich von Schweinen und Ziegen benutzt, die Schutz vor der Hitze suchen. Auf der anderen Seite der Straße öffnete sich das Tal, ausgetrocknete Reisfelder lagen hier zwischen Reihen von Bäumen und Palmen. Pferde grasten in der Sonne, hin und wieder sahen wir einige Büffel. Sie waren zu groß für die niedrigen Höhlen, sonst hätten wohl auch sie sich in die Kühle zurück gezogen.
© Jochen Müller Die unter japanischer Besatzung angelegten Schutzbunker aus der Zeit des zweiten Weltkriegs bieten heute ein schattiges Plätzchen für Hunde und Ziegen.
© Jochen Müller Wer zu groß für die Höhlen ist, muss die Mittagshitze draußen überstehen.
Koloniales Erbe in Venilale
© Jochen Müller Willkommen in Venilale.
Weitere zehn Kilometer südlich liegt Venilale, ein kleines Örtchen inmitten hoher Berge. Hier kann man ebenfalls Hinterlassenschaften des zweiten Weltkriegs finden. Einige Ruinen stehen bis heute unverändert, Zeichen der Kämpfe, die schon so lange her sind. Die wenigen Kolonialbauten, die den Krieg unbeschadet überstanden, oder nach dem Krieg repariert wurden, sind vor allem die Schule und die Kirche. Besonders letztere bietet einen herrlichen Anblick. Der sandfarbene Bau ruht im Ortszentrum auf einem kleinen Hügel, direkt daneben steht ein hölzerner Pavillon mit traditionellem Grasdach. Wir kamen nicht umhin uns vorzustellen, welch prächtiges Bild Venilale abgeben würde, wenn auch die anderen kolonialen Ruinen restauriert werden könnten. Die Mischung aus europäischer und einheimischer Architektur wäre bezaubernd.
© Jochen Müller Die Kirche in Venilale...
© Jochen Müller ... und die Schule sind die einzigen Kolonialbauten, die nach dem Krieg renoviert wurden.
© Jochen Müller Die restlichen alten Häuser liegen in Ruinen.
Lauwarme „heiße Quellen"
In Venilale verließen wir die Straße in Richtung Süden, um die heißen Quellen von Vaicana zu erkunden. Was für ein Abenteuer. Zuerst fanden wir sie nicht. Wenn wir nach „hot springs" fragten, ernteten wir nur ahnungslose Blicke. Doch dann fanden wir eine Ordensschwester, die Englisch sprach, uns den Weg grob erklärte und uns sagte, wir sollten ab dem Ortsausgang nach „Vaicana" fragen. Glück gehabt. Als wir dann jedoch die Straße sahen, die zuerst noch recht hübsch an Reisterrassen vorbei und dann weit hinab in das Tal führte, spätestens ab hier den Namen „Straße" nicht mehr verdiente, fragten wir uns, ob wir hier richtig seien. Doch alle Einheimischen, die wir trafen, versicherten uns, dass es hier nach Vaicana ginge.
© Jochen Müller Der Weg von Venilale in Richtung Vaicana ist zu Beginn in gutem Zustand und führt malerisch an Reisterrassen vorbei. Der Zustand der Straße ändert sich schnell, um den Ausblick zu würdigen bleibt dann keine Gelegenheit mehr.
Susanne musste mehrmals absteigen, zu zweit konnte ich das Motorrad auf der holprigen Piste kaum kontrollieren. Kopfgroße Wackersteine lagen in den Schlaglöchern versteckt, um die in den meisten Fällen kein Weg herumführte. Weiter und weiter ging es in das Tal, streckenweise war der Weg so steil, dass ich befürchtete hier ohne Hilfe von schwerem Gerät nicht mehr zurück zu kommen. Dann kamen wir an einen kleinen rechteckig angelegten Teich. Ich streckte den Finger hinein, das konnte nicht Vaicana sein. Heiße Quellen sollten, meiner Meinung nach, eben dies sein. Heiß. Doch dieser Tümpel war eher von der Temperatur frischen Urins, höchstens lauwarm. Wir fuhren weiter. Doch die nächsten zwei Einheimischen, die wir trafen, zeigten komischerweise mit ihren Fingern zurück, in die Richtung aus der wir kamen, als wir nach Vaicana fragten. Wir drehten um, hielten wieder vor dem lauwarmen Teich und fragten einen jungen Mann, der just in den Moment vorbeikam. Ja, das hier sei Vaicana. Nun denn, dann war das wohl so. Gerade, als wir hineinhüpfen wollten, kamen ein halbes Dutzend Kinder angerannt. Die Kunde, dass hier zwei Fremde umherkurvten, hatte ich sich in Windeseile herumgesprochen. So badeten wir gemeinsam, lieferten uns eine großartige Wasserschlacht und teilten danach unsere Erdnüsse mit ihnen, die wir noch als Snack dabei hatten.
© Jochen Müller Die heißen Quellen von Vaicana. Zwar lauwarm, aber trotzdem sehr nett.
Danach kämpften wir uns die Kilometer den steilen Pfad zurück nach Venilale. Wir schafften es, ohne umzufallen, doch manchmal waren wir kurz davor an besonders steilen Stellen, nach hinten umzukippen. Wir legten uns gemeinsam weit vor, schlichen im ersten Gang über das Geröll und stießen unentwegt Stoßgebete aus, bis wir endlich wieder in Venilale waren und halbwegs guten Teer unter uns hatten. Der einen Kilometer später wieder aufhörte, doch das konnte uns nicht mehr schrecken.
Viqueque, die Stadt der bellenden Hunde
Als wir später über eine Kuppe kamen, hielten wir an, um uns zu wundern. Unter uns zog sich ein Tal weit in Richtung Süden. Ein Fluss wand sich hindurch, zu beiden Seiten bis an die Berghänge, die das Tal umrahmten, bewaldet. Doch nirgends waren Häuser zu sehen. Von einer Stadt ganz zu schweigen. Sollte nicht bald Viqueque kommen? Ich begann zu befürchten, dass wir es nicht mehr vor Sonnenuntergang dorthin schaffen würden, wir hatten zu viel Zeit auf dem Weg nach Vaicana verloren. Doch schneller als zuvor zu fahren verboten die Straßen. Als wir dann im Tal ankamen, bemerkten wir unseren Denkfehler. Denn Viqueque war genau vor uns gewesen. Die einzelnen kleinen Häuser verschwanden nur vom Hügel aus vollständig zwischen den Bäumen. Der gesamte Ort war von einem Kilometern Entfernung aus nicht zu sehen. Wir hielten an einem kleinen Supermarkt unweit des Ortseingangs an und fragten nach einer Unterkunft. Das Glück wollte es, dass der Besitzer des Marktes auch ein paar Zimmer vermietete. Wir parkten unser Gefährt im Hinterhof, etwas abseits der Straße und dankten in der Nacht dem Schicksal dafür. Denn die anderen beiden Unterkünfte, die wir kurz darauf fanden, waren alle an der Hauptstraße des Dorfes. Dem Spielplatz der streunenden Hunde, die allnächtlich Viqueque durch ihr pausenloses Gebell beschallen. Bis morgens gegen etwa vier Uhr. Wenn die Hähne anfangen zu krähen. Wir waren zumindest soweit abseits, dass mit guten Ohrstöpseln ein wenig Schlaf möglich war.
© Jochen Müller Das Warung (Restaurant) und der Fluss Viqueques.
Doch bevor wir das herausfanden, spazierten wir durch das Örtchen, das im Gegensatz zu anderen Orten und Dörfern, die wir bis dahin sahen, einen sehr ursprünglichen Eindruck machte. Die meisten Häuser waren aus Holz, lose unter den Bäumen verstreut, so dass es zwischenzeitlich den Eindruck machte, bei Viqueque handele es sich eher um eine Ansammlung kleiner Dörfer als einer zusammenhängenden Stadt.
© Jochen Müller Das Stadtbild Viqueques ist geprägt von Straßen in schlechtem Zustand und losen Ansammlungen kleiner Häuser, die meisten davon unter Bäumen und Palmen versteckt.
Die Seitenstraßen waren samt und sonders ungeteert und selbst die Hauptstraße war so schlammig und von Gräben durchsetzt, dass man immer darauf achten musste, wo man hintrat. Es schien, als sei die Hilfe der UNO noch nicht bis hier her gekommen. Selbst das Krankenhaus Viqueques war nicht mehr als ein Stahlcontainer, der schräg vor einem der wenigen Steinhäuser des Ortes stand. Koloniale Bauten fehlten vollständig.
© Jochen Müller Das Krankenhaus von Viqueque.
Wir standen ein wenig auf der etwas wackeligen Brücke, die die zwei Flussufer miteinander verband und betrachteten die Frauen, die im Fluss ihre Wäsche wuschen, während manche Kinder im letzten Licht des Tages im Wasser spielten. Unser Magen meldete sich, doch wir fanden ein kleines Warung, aßen Reis mit Huhn und, zu meiner Freude und Überraschung, eine Portion herrlichen Kartoffelsalat mit frischen Chilischoten. Als wir zurück gingen, war es bereits stockdunkel, die Menschen die wir noch auf der Straße sahen, schienen alle auf dem Heimweg zu sein. Zwischen den Bäumen, am Straßenrand und in den Ecken begannen sich die bis dahin schläfrigen Hunde zu strecken, setzten sich auf und schickten die ersten leisen Rufe in den Abend. Sie liefen sich warm für die Nacht. Wir fanden mal wieder heraus, dass eines der wichtigsten Dinge, die man auf Reisen dabei haben sollte, ein Paar gute Ohrstöpsel ist. Ohne sie hätten wir in der Nacht kein Auge zu getan.
Jochen Müller
Von Com, ganz im Osten der Insel, gibt es zwei Möglichkeiten, um nach Viqueque zu kommen. Entweder an der Nordküste entlang bis Baucau, und von da aus in Richtung Süden durch die Berge. Oder an der Südküste entlang. Zwar kannten wir die Nordstrecke bereits, doch erstens hieß es, dass die Südroute stellenweise kaum befahrbar sei, zweitens gab es dort keine Möglichkeit zu übernachten, falls wir es nicht an einem Tag bis Viqueque schafften. Drittens, und letztlich entscheidend, wollten wir das Landesinnere sehen. Denn die Strecke von Baucau aus quer durch die Insel nach Viqueque im Süden bietet einige lohnenswerte Ziele.
© Jochen Müller Von der Neustadt Baucaus aus ging es auf die Straße nach Süden.In Baucau verbrachten wir eine Nacht. Nach 130 Kilometern auf den Straßen Ost-Timor hat man genug für den Tag erlebt und will seinem Hintern und seiner Konzentration eine wohlverdiente Pause gönnen. Am nächsten Morgen fuhren wir früh los. Nachdem wir diesmal den Weg aus der Stadt schneller als letztes Mal fanden, ging es über das trockene Hochplateau nach Süden. Wieder waren die Straßen voller tiefer Überraschungen und verlangten ständige Wachsamkeit. Wieder fiel es schwer, denn die Landschaft war atemberaubend und die vielen Menschen am Wegesrand wollten zurückgegrüßt werden. Manche winkten nicht nur, sondern kamen nahe ans Motorrad gelaufen, um uns mit einem „high five" abzuklatschen. Letztlich einigte ich mich mit Susanne darauf, dass sie das Grüßen und ich das Fahren übernahm. Was den zusätzlichen Vorteil bot, dass meine erhobene Hand nicht ihre Fotos versaute.
© Jochen Müller "Hello Mister, Hello Misses"So beschränkte ich mich darauf, die sich nähernden Fahrzeuge durch Hupzeichen zu grüßen oder ihre Grüße zu erwidern. Denn auf den Straßen Ost-Timors grüßt sich jeder.
Schattige Überbleibsel aus dem Krieg
Etwa 20 Kilometer südlich von Baucau fanden wir in der Felswand am Straßenrand seltsam anmutende Höhleneingänge. Fast ein Dutzend dieser kaum mannshohen Eingänge führten zu einem System miteinander verbundener Bunker, die die Japaner während der Besatzungszeit im zweiten Weltkrieg anlegten. In den Höhlen selber gibt es wenig zu sehen, doch grob bearbeiteten Wände und Decken lassen erahnen, mit welch einfachen Mitteln diese Schutzräume angelegt wurden. Heute werden die Bunkerhöhlen hauptsächlich von Schweinen und Ziegen benutzt, die Schutz vor der Hitze suchen. Auf der anderen Seite der Straße öffnete sich das Tal, ausgetrocknete Reisfelder lagen hier zwischen Reihen von Bäumen und Palmen. Pferde grasten in der Sonne, hin und wieder sahen wir einige Büffel. Sie waren zu groß für die niedrigen Höhlen, sonst hätten wohl auch sie sich in die Kühle zurück gezogen.
© Jochen Müller Die unter japanischer Besatzung angelegten Schutzbunker aus der Zeit des zweiten Weltkriegs bieten heute ein schattiges Plätzchen für Hunde und Ziegen.Koloniales Erbe in Venilale
Lauwarme „heiße Quellen"
In Venilale verließen wir die Straße in Richtung Süden, um die heißen Quellen von Vaicana zu erkunden. Was für ein Abenteuer. Zuerst fanden wir sie nicht. Wenn wir nach „hot springs" fragten, ernteten wir nur ahnungslose Blicke. Doch dann fanden wir eine Ordensschwester, die Englisch sprach, uns den Weg grob erklärte und uns sagte, wir sollten ab dem Ortsausgang nach „Vaicana" fragen. Glück gehabt. Als wir dann jedoch die Straße sahen, die zuerst noch recht hübsch an Reisterrassen vorbei und dann weit hinab in das Tal führte, spätestens ab hier den Namen „Straße" nicht mehr verdiente, fragten wir uns, ob wir hier richtig seien. Doch alle Einheimischen, die wir trafen, versicherten uns, dass es hier nach Vaicana ginge.
Susanne musste mehrmals absteigen, zu zweit konnte ich das Motorrad auf der holprigen Piste kaum kontrollieren. Kopfgroße Wackersteine lagen in den Schlaglöchern versteckt, um die in den meisten Fällen kein Weg herumführte. Weiter und weiter ging es in das Tal, streckenweise war der Weg so steil, dass ich befürchtete hier ohne Hilfe von schwerem Gerät nicht mehr zurück zu kommen. Dann kamen wir an einen kleinen rechteckig angelegten Teich. Ich streckte den Finger hinein, das konnte nicht Vaicana sein. Heiße Quellen sollten, meiner Meinung nach, eben dies sein. Heiß. Doch dieser Tümpel war eher von der Temperatur frischen Urins, höchstens lauwarm. Wir fuhren weiter. Doch die nächsten zwei Einheimischen, die wir trafen, zeigten komischerweise mit ihren Fingern zurück, in die Richtung aus der wir kamen, als wir nach Vaicana fragten. Wir drehten um, hielten wieder vor dem lauwarmen Teich und fragten einen jungen Mann, der just in den Moment vorbeikam. Ja, das hier sei Vaicana. Nun denn, dann war das wohl so. Gerade, als wir hineinhüpfen wollten, kamen ein halbes Dutzend Kinder angerannt. Die Kunde, dass hier zwei Fremde umherkurvten, hatte ich sich in Windeseile herumgesprochen. So badeten wir gemeinsam, lieferten uns eine großartige Wasserschlacht und teilten danach unsere Erdnüsse mit ihnen, die wir noch als Snack dabei hatten.
Danach kämpften wir uns die Kilometer den steilen Pfad zurück nach Venilale. Wir schafften es, ohne umzufallen, doch manchmal waren wir kurz davor an besonders steilen Stellen, nach hinten umzukippen. Wir legten uns gemeinsam weit vor, schlichen im ersten Gang über das Geröll und stießen unentwegt Stoßgebete aus, bis wir endlich wieder in Venilale waren und halbwegs guten Teer unter uns hatten. Der einen Kilometer später wieder aufhörte, doch das konnte uns nicht mehr schrecken.
Viqueque, die Stadt der bellenden Hunde
Als wir später über eine Kuppe kamen, hielten wir an, um uns zu wundern. Unter uns zog sich ein Tal weit in Richtung Süden. Ein Fluss wand sich hindurch, zu beiden Seiten bis an die Berghänge, die das Tal umrahmten, bewaldet. Doch nirgends waren Häuser zu sehen. Von einer Stadt ganz zu schweigen. Sollte nicht bald Viqueque kommen? Ich begann zu befürchten, dass wir es nicht mehr vor Sonnenuntergang dorthin schaffen würden, wir hatten zu viel Zeit auf dem Weg nach Vaicana verloren. Doch schneller als zuvor zu fahren verboten die Straßen. Als wir dann im Tal ankamen, bemerkten wir unseren Denkfehler. Denn Viqueque war genau vor uns gewesen. Die einzelnen kleinen Häuser verschwanden nur vom Hügel aus vollständig zwischen den Bäumen. Der gesamte Ort war von einem Kilometern Entfernung aus nicht zu sehen. Wir hielten an einem kleinen Supermarkt unweit des Ortseingangs an und fragten nach einer Unterkunft. Das Glück wollte es, dass der Besitzer des Marktes auch ein paar Zimmer vermietete. Wir parkten unser Gefährt im Hinterhof, etwas abseits der Straße und dankten in der Nacht dem Schicksal dafür. Denn die anderen beiden Unterkünfte, die wir kurz darauf fanden, waren alle an der Hauptstraße des Dorfes. Dem Spielplatz der streunenden Hunde, die allnächtlich Viqueque durch ihr pausenloses Gebell beschallen. Bis morgens gegen etwa vier Uhr. Wenn die Hähne anfangen zu krähen. Wir waren zumindest soweit abseits, dass mit guten Ohrstöpseln ein wenig Schlaf möglich war.
© Jochen Müller Das Warung (Restaurant) und der Fluss Viqueques.Doch bevor wir das herausfanden, spazierten wir durch das Örtchen, das im Gegensatz zu anderen Orten und Dörfern, die wir bis dahin sahen, einen sehr ursprünglichen Eindruck machte. Die meisten Häuser waren aus Holz, lose unter den Bäumen verstreut, so dass es zwischenzeitlich den Eindruck machte, bei Viqueque handele es sich eher um eine Ansammlung kleiner Dörfer als einer zusammenhängenden Stadt.
© Jochen Müller Das Stadtbild Viqueques ist geprägt von Straßen in schlechtem Zustand und losen Ansammlungen kleiner Häuser, die meisten davon unter Bäumen und Palmen versteckt.Die Seitenstraßen waren samt und sonders ungeteert und selbst die Hauptstraße war so schlammig und von Gräben durchsetzt, dass man immer darauf achten musste, wo man hintrat. Es schien, als sei die Hilfe der UNO noch nicht bis hier her gekommen. Selbst das Krankenhaus Viqueques war nicht mehr als ein Stahlcontainer, der schräg vor einem der wenigen Steinhäuser des Ortes stand. Koloniale Bauten fehlten vollständig.
Wir standen ein wenig auf der etwas wackeligen Brücke, die die zwei Flussufer miteinander verband und betrachteten die Frauen, die im Fluss ihre Wäsche wuschen, während manche Kinder im letzten Licht des Tages im Wasser spielten. Unser Magen meldete sich, doch wir fanden ein kleines Warung, aßen Reis mit Huhn und, zu meiner Freude und Überraschung, eine Portion herrlichen Kartoffelsalat mit frischen Chilischoten. Als wir zurück gingen, war es bereits stockdunkel, die Menschen die wir noch auf der Straße sahen, schienen alle auf dem Heimweg zu sein. Zwischen den Bäumen, am Straßenrand und in den Ecken begannen sich die bis dahin schläfrigen Hunde zu strecken, setzten sich auf und schickten die ersten leisen Rufe in den Abend. Sie liefen sich warm für die Nacht. Wir fanden mal wieder heraus, dass eines der wichtigsten Dinge, die man auf Reisen dabei haben sollte, ein Paar gute Ohrstöpsel ist. Ohne sie hätten wir in der Nacht kein Auge zu getan.
Jochen Müller
Kommentare zu "Höhlen, heiße Quellen und bellende Hunde"
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Du schaffst es immerwieder einem das Gefühl zu geben, dabei zu sein, so schön sind Deine Beschreibungen , danke und weiter so und viel Glück, Grüße aus der Zivilisation (!!!) Gisi