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12. August 2012
Ein Tagestrip ans Ende der Welt
Von Com aus machten wir einen Ausflug, vorbei an außergewöhnlichen Pfahlbauten und einem von Krokodilen bewohnten Salzsee. In Tutuala am östlichsten Ende Ost-Timors fanden wir einen herrlichen Aussichtspunkt, auf dem Rückweg nach Com ein blutiges Spektakel.
An unserem Pausentag in Com schliefen wir aus, dann fuhren wir den Berg hinauf nach Tutuala. Die Straße war als abenteuerlich zu bezeichnen, für die kaum 30 Kilometer brauchten wir zwei Stunden. Stellenweise ermangelte die Straße jeglicher Art von Belag. Mehr als einmal musste Susanne absteigen und ich versuchte mein Glück für ein paar Meter alleine. Der Weg sah aus wie frisch kaputt gemacht. Immer wieder hielt ich an, besah mir die Strecke und plante den Kurs für die nächsten 20 Meter im Kopf vor. Ohne geländetaugliche Maschine wären wir hier völlig verloren gewesen.
Die Pfahlbauten der Fataluku
© Jochen Müller
Später kamen wir durch das Dorf Mehara, das vor allem für seine Fataluku Häuser bekannt ist. Diese für Ost-Timor typischen Holzbauten entlockten und einiges Staunen. Sie ruhten auf vier Holzpfählen, welche auf Brettern standen, die wiederum auf Pfählen standen. Es sah so aus, als könne man das Haus von den Stützen einfach herunternehmen. Darunter befand sich eine Art Sitzfläche, von wo aus eine Leiter in den einzigen Raum des Hauses führte. Zwar gab es auch andere Bauten, sogar einige Steinhäuser, doch die Fataluku Häuser schienen immer noch bewohnt zu sein.
© Jochen Müller Futulaka Häuser.
Am Aussichtspunkt in Tutuala
Wir fuhren am Ira Lalaro See vorbei, einem großen Salzsee, der für seine Krokodile bekannt ist. Wir waren ganz froh, dass die Straße nicht direkt, sondern in etwa 500 Meter Abstand vom Wasser entlang führte. Als wir in Tutuala ankamen, stellten wir das Motorrad ab und gingen zum Aussichtspunkt, hoch auf dem Kliff gelegen, von wo aus man einen guten Blick über den bewaldeten Hang hinunter und weit über das Meer hatte. Es hieß von hier aus hätte man gute Chancen Wale zu sehen, doch auch wenn wir angestrengt suchten, hatten wir an diesem Tag kein Glück. Außerdem wollten wir noch zum Strand hinunter, einem der schönsten Strände ganz Ost-Timors. Doch die Straßen machten uns einen Strich durch die Rechnung. Kurz nach Tutala mussten wir aufgeben, der Weg war unpassierbar. Doch zum Strand hinunter sind es acht Kilometer und wir wollten vor Sonnenuntergang zurück in Com sein. So kam es, dass wir diesen Strand mit seinem weißen Sand und kristallklaren Wasser nicht erleben konnten. Dafür entlohnte uns die Rückfahrt mit einer besonderen Überraschung.
© Jochen Müller Am Aussichtspunkt in Tutuala gab es einen herrlichen Blick über das Meer. Leider ohne Wale.
Ein blutiges Spektakel
Im Dorf Fuiloro bemerkten wir eine große Menge Menschen, die sich versammelt hatten. Einer Eingebung folgend stellen wir das Motorrad ab und gingen dort hin. Es herrschte Volksfest-Stimmung, Kinder rannten umher, Frauen verkaufen Speisen und Getränke. Am Ende des kleinen Geländes standen viele Männer dicht aneinander gedrängt im Karree. Als wir die vielen auf dem Platz verteilt angebundenen Hähne sahen, wussten wir den Grund für diese Versammlung. Denn Hahnenkämpfe sind in Ost-Timor ein beliebter Zeitvertreib mit langer Tradition.
© Jochen Müller Das sah nach Volksfeststimmung aus, was geht hier vor?
Obwohl ich kein Freund von Tierquälerei bin, wollte ich das mit eigenen Augen sehen und ging näher heran. Was ich sah, schockierte mich, doch ich konnte meine Augen nicht abwenden. Den Tieren wurden Messer an die Füße gebunden, während die Zuschauer, ausschließlich Männer, begeistert ihre Wetteinsätze machten. Dann hielten die Besitzer die Tiere fest, während sie sie einander präsentierten. Die Hähne stellten ihre Halsfedern auf, um dem Gegner Angst einzujagen, doch der wollte einfach nicht kleinbei geben, floh nicht, kam immer und immer wieder heran, ließ sich einfach nicht vertreiben. So reizten die Besitzer ihre Hähne, bis sie fast wahnsinnig vor Wut waren, halfen noch nach, indem sie sie selber mit den Fingern piekten. Dann ließen sie sie frei. Und die Hähne gingen aufeinander los, um zu zeigen, wer hier der Stärkere war. Kurz wünschte ich mir, dass sie es verstünden, welch falsches Spiel mit ihnen getrieben wurde und statt sich eher die Menschen angriffen, doch sie waren blind in ihrer Rage. Sie flatterten und attackierten mit Schnabel und Fuß, schnell floss das erste Blut, doch immer weiter und weiter ging der Kampf. Wenn einer aufgeben wollte, und die Flucht ergriff, wurde er wieder eingefangen und erneut seinem Kontrahenten präsentiert. Bis einer sich nicht mehr rühren konnte, in seinem Blut lag und der Kampf damit entschieden war. Ich drehte mich um, mir war mulmig zumute. Ein paar der Anwesenden blickten mich neugierig an, warteten auf die Reaktion des Fremden. Ich rang mir einen höflichen aber emotionslosen Gruß ab, dann ging ich zurück zu Susanne, die sich geweigert hatte das Schauspiel anzusehen. Nun konnte ich sie verstehen. Erst jetzt fiel uns auf, dass auf dem Gelände schon einige tote Hähne auf dem Boden lagen oder an Ästen hingen. Auf dem Heinweg fuhren wir an einigen Einheimischen vorbei, die tote Hähne mit sich trugen. Die Verlierer der Kämpfe landen im Kochtopf.
© Jochen Müller Zuerst werden die Kontrahenten einander gezeigt, was sie reizt, weil sie es als Aggression interpretieren. Dann werden die Tiere losgelassen. Den Rest erledigt der Instinkt. Man achte auf die Messer an den Füßen.
Wir fuhren zurück nach Com und verbrachten den Abend bei einem vegetarischen Abendessen. Wieder beschien der Mond den Strand, das Glitzern seines Lichts auf den Wellen lullte uns ein und verbreitete eine ruhige und friedliche Stimmung. Als in der Nacht die Hähne krähten und ich wegen ihrem Krach mal wieder nicht schlafen konnte, brachte ich es nicht über das Herz ihnen das übel zu nehmen.
Jochen Müller
An unserem Pausentag in Com schliefen wir aus, dann fuhren wir den Berg hinauf nach Tutuala. Die Straße war als abenteuerlich zu bezeichnen, für die kaum 30 Kilometer brauchten wir zwei Stunden. Stellenweise ermangelte die Straße jeglicher Art von Belag. Mehr als einmal musste Susanne absteigen und ich versuchte mein Glück für ein paar Meter alleine. Der Weg sah aus wie frisch kaputt gemacht. Immer wieder hielt ich an, besah mir die Strecke und plante den Kurs für die nächsten 20 Meter im Kopf vor. Ohne geländetaugliche Maschine wären wir hier völlig verloren gewesen.
Die Pfahlbauten der Fataluku
Am Aussichtspunkt in Tutuala
Wir fuhren am Ira Lalaro See vorbei, einem großen Salzsee, der für seine Krokodile bekannt ist. Wir waren ganz froh, dass die Straße nicht direkt, sondern in etwa 500 Meter Abstand vom Wasser entlang führte. Als wir in Tutuala ankamen, stellten wir das Motorrad ab und gingen zum Aussichtspunkt, hoch auf dem Kliff gelegen, von wo aus man einen guten Blick über den bewaldeten Hang hinunter und weit über das Meer hatte. Es hieß von hier aus hätte man gute Chancen Wale zu sehen, doch auch wenn wir angestrengt suchten, hatten wir an diesem Tag kein Glück. Außerdem wollten wir noch zum Strand hinunter, einem der schönsten Strände ganz Ost-Timors. Doch die Straßen machten uns einen Strich durch die Rechnung. Kurz nach Tutala mussten wir aufgeben, der Weg war unpassierbar. Doch zum Strand hinunter sind es acht Kilometer und wir wollten vor Sonnenuntergang zurück in Com sein. So kam es, dass wir diesen Strand mit seinem weißen Sand und kristallklaren Wasser nicht erleben konnten. Dafür entlohnte uns die Rückfahrt mit einer besonderen Überraschung.
Ein blutiges Spektakel
Im Dorf Fuiloro bemerkten wir eine große Menge Menschen, die sich versammelt hatten. Einer Eingebung folgend stellen wir das Motorrad ab und gingen dort hin. Es herrschte Volksfest-Stimmung, Kinder rannten umher, Frauen verkaufen Speisen und Getränke. Am Ende des kleinen Geländes standen viele Männer dicht aneinander gedrängt im Karree. Als wir die vielen auf dem Platz verteilt angebundenen Hähne sahen, wussten wir den Grund für diese Versammlung. Denn Hahnenkämpfe sind in Ost-Timor ein beliebter Zeitvertreib mit langer Tradition.
Obwohl ich kein Freund von Tierquälerei bin, wollte ich das mit eigenen Augen sehen und ging näher heran. Was ich sah, schockierte mich, doch ich konnte meine Augen nicht abwenden. Den Tieren wurden Messer an die Füße gebunden, während die Zuschauer, ausschließlich Männer, begeistert ihre Wetteinsätze machten. Dann hielten die Besitzer die Tiere fest, während sie sie einander präsentierten. Die Hähne stellten ihre Halsfedern auf, um dem Gegner Angst einzujagen, doch der wollte einfach nicht kleinbei geben, floh nicht, kam immer und immer wieder heran, ließ sich einfach nicht vertreiben. So reizten die Besitzer ihre Hähne, bis sie fast wahnsinnig vor Wut waren, halfen noch nach, indem sie sie selber mit den Fingern piekten. Dann ließen sie sie frei. Und die Hähne gingen aufeinander los, um zu zeigen, wer hier der Stärkere war. Kurz wünschte ich mir, dass sie es verstünden, welch falsches Spiel mit ihnen getrieben wurde und statt sich eher die Menschen angriffen, doch sie waren blind in ihrer Rage. Sie flatterten und attackierten mit Schnabel und Fuß, schnell floss das erste Blut, doch immer weiter und weiter ging der Kampf. Wenn einer aufgeben wollte, und die Flucht ergriff, wurde er wieder eingefangen und erneut seinem Kontrahenten präsentiert. Bis einer sich nicht mehr rühren konnte, in seinem Blut lag und der Kampf damit entschieden war. Ich drehte mich um, mir war mulmig zumute. Ein paar der Anwesenden blickten mich neugierig an, warteten auf die Reaktion des Fremden. Ich rang mir einen höflichen aber emotionslosen Gruß ab, dann ging ich zurück zu Susanne, die sich geweigert hatte das Schauspiel anzusehen. Nun konnte ich sie verstehen. Erst jetzt fiel uns auf, dass auf dem Gelände schon einige tote Hähne auf dem Boden lagen oder an Ästen hingen. Auf dem Heinweg fuhren wir an einigen Einheimischen vorbei, die tote Hähne mit sich trugen. Die Verlierer der Kämpfe landen im Kochtopf.
Wir fuhren zurück nach Com und verbrachten den Abend bei einem vegetarischen Abendessen. Wieder beschien der Mond den Strand, das Glitzern seines Lichts auf den Wellen lullte uns ein und verbreitete eine ruhige und friedliche Stimmung. Als in der Nacht die Hähne krähten und ich wegen ihrem Krach mal wieder nicht schlafen konnte, brachte ich es nicht über das Herz ihnen das übel zu nehmen.
Jochen Müller
Kommentare zu "Ein Tagestrip ans Ende der Welt"
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Irgendwie habe ich verpasst wo Peer abgeblieben ist?
Habe alles durchsucht aber finde in keinem Bericht etwas von einer Trennung??
Bitte um Aufklärung.
Danke
Franz