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20. August 2012
Die Stadt des Friedens
Dili, die Hauptstadt Ost-Timors, liegt in einer hufeisenförmigen Bucht an der Nordküste, eingerahmt von Bergen und Meer. In den Straßen der Stadt findet man zwischen Märkten und Geschäften Kinder vor Ruinen und Jeeps vor Neubauten. Kontraste, viele Altlasten und noch mehr Hoffnung.
Die Sonne brennt vom wolkenlosen Himmel, als wir zu unserer Erkundungstour durch Dili, die "City of Peace", wie die Einheimischen sie hoffnungsvoll nennen, aufbrechen. Wir laufen die Avenida Almirante Americo Tomas entlang. Die Haupteinfallsstraße der Stadt ist wie immer gut befahren, doch nicht so dicht, dass man von einem Stau sprechen konnte. Von hier aus bewegen wir uns in Richtung Süden, durch Nebenstraßen, vorbei an Geschäften und den typischen Ständen, die auf dem Bürgersteig alles anbieten, was sich verkaufen lässt. Von Handies über Spielzeug, Bekleidung bis zu Speisen und Getränken, kann man in Dili alles auf der Straße kaufen. Den Betrieb der Geschäfte scheint dies nicht zu stören. Es scheint, als habe hier jeder seine Nische gefunden. Die Geschäfte bieten eher größere Dinge an, die Stände das, was sich leicht transportieren lässt. Auch eine Mall gibt es, am Stadtrand, für diejenigen, die es sich leisten können westliche Markenprodukte zu erstehen. Es sind nicht viele.
© Jochen Müller Geschäftsstraßen und Reisfelder liegen in Dili nah beieinander.
© Jochen Müller Und selbst wenn am Sonnatg die Geschäfte geschlossen sind, die Stände in den Straßen haben auch dann geöffnet.
Leben in den Straßen
Das Leben passiert in Dili auf der Straße. Zwar wird man keine Straßencafés finden, dafür aber genug hölzerne Anhänger, von denen Café, Tee oder Säfte angeboten werden. Setzen sie sich auf die Plastikstühle, oder auf die Mauer und lassen sie die Füße baumeln, während sie das bunte Treiben in den Straßen betrachten. Hier werden Geschäfte abgeschlossen, die Neuigkeiten ausgetauscht, während Kinder um sie herum spielen. An einem kleinen Kanal finden wir die Waschanlage. Autos und Roller parken, sofort kommen Jugendliche, die, nach einer kurzen Verhandlung um den Preis, beginnen das Fahrzeug zu waschen. Nebenan liegt ein kleines Feld, mitten in der Stadt wird unter Palmen Reis angebaut, im Hintergrund stehen ärmliche Hütten, aus denen uns die Menschen zu winken. An der nächsten Straßenkreuzung erinnert das Gebäude des „Phoenix Camp" der internationalen Friedensstreitkräfte daran, dass Ost-Timor noch nicht lange ein friedliches Land ist. Man passiert des Öfteren Ruinen, Zeugnisse der indonesischen Gewaltherrschaft. Die Kinder, die dort spielen, lassen den Betrachter stutzen. Doch ihr Lächeln und ihr Winken nehmen einem die Befangenheit. Das Land und seine junge Bevölkerung blicken vorwärts und nehmen den Besucher einfach mit sich auf diesem Weg.
© Jochen Müller
© Jochen Müller Die "Waschanlage" Dilis. Im Hintergrund das "Phoenix Camp"
An
© Jochen Müller
einem kleinen Lädchen kaufen wir uns Wasser und in Teig frittierte Bananen, sitzen vor dem Eingang zwischen den Kartons und Kisten, während die Kinder der Besitzerin um uns herum wuseln. Dann tippt mich etwas an den Arm. Das kleine Mädchen grinst mich an, präsentiert stolz die erste Zahnlücke. Immer, wenn ich trinke, trinkt sie auch. Wir spielen, tippen uns gegenseitig an die Schultern und tun so, als hätten wir es nicht getan. Das Lachen der Kinder klingt nach, während sie uns hinter her winken.
Buntes Markttreiben
Am
© Jochen Müller
Markt am Südrand der Stadt angekommen, nimmt uns hektisches Treiben ein. Bereits vor dem Marktgelände fangen die Stände an. Betelnüsse werden hier angeboten, jeder im Land scheint sie zu kauen, die durch den Saft rot gefärbten Zähne sieht man überall. Dazwischen der dunkel gebrannte Kaffee, mit dem wir uns eindecken, Früchte, Fleisch und natürlich die Tracht der Jugend. Sporttrikots in allen Farben und Formen. Kaum ein Junge läuft ohne Fußballtrikot einer europäischen Mannschaft herum, groß die Begeisterung für deutsche Teams, wenn auch nicht alle Namen richtig geschrieben sind.
© Jochen Müller Betelnüsse und die dazu angebotenen Blätter der Palme. Zusammen wirken sie ein wenig aufputschend, wie eine Tasse starken Kaffees.
Auf einmal quetscht sich ein Bus zwischen den Ständen hindurch, wie auch immer er das schafft ohne die Stände umzuschmeißen. Waren werden auf das Dach geladen, da kann auch schon mal ein ganzes, lebendes Schwein darunter sein. Wir setzen uns an einen Brunnen und kaum eine Minute später steht ein junger Mann neben uns, der uns begrüßt und ein Gespräch beginnt. Auch er ist Fußballfan, auch er möchte einmal Deutschland sehen. Wie so viele.
© Jochen Müller Die Waren werden direkt auf dem Markt auf den Bus verladen und in die Dörfer im Umland gebracht. Wie der Bus allerdings durch die engen Wege des Marktes kommt, blieb uns ein Rätsel.
Zurück zum Meer
Der Weg zurück nach Norden, in Richtung Meer, führt am Stadion der Stadt vorbei. Die großen Flutlichtmasten sind schon von weitem sichtbar. Wer hier wohl gegen wen spielt? Die auf die Mauer vor dem Stadion gemalten olympischen Ringe scheinen wie ein gemeinschaftliches Ziel, ein Vorhaben. Irgendwann einmal wird in diesem Stadion jemand trainieren, der es schaffen wird.
Je näher wir dem Ufer kommen, umso öfter finden wir renovierte, moderne Gebäude. Das koreanische Zentrum, die Universität, das europäische Zentrum am Ufer, gleich neben dem Gouverneurspalast, vor dem sich die weißen UNO-Fahrzeuge mit den silbernen der Regierung abwechseln. Hier strahlen die Gebäude Selbstsicherheit aus, blank geputzt und stolz zeigen sie sich der Küste und dem fern liegenden Indonesien, der ganzen Welt.
© Jochen MüllerDer Gouverneurspalast in Dili.
Es ist Sonntag, am Ufer ist viel los. Der Frachthafen zwar liegt still, daneben dümpeln einige Segelboote vor sich hin, doch in Richtung Osten ist Betrieb. „Ist hier ein Kinderfest?", fragt Susanne und beschreibt damit die Situation perfekt. Junge Familien verbringen den freien Tag am Meer, die Eltern schaukeln ihre Jüngsten in Kinderwägen, während Schulkinder die gleichen Luftballons wie überall von ihren Eltern erbetteln. Zwischen gasgefüllten Supermans, Hello Kittys, Nemos und Spongebobs rennen die Kinder umher, trinken die Eltern Kaffee und einige junge Erwachsene nutzen mit ihren Laptops das freie Funknetz des Touristeninformationszentrums.
© Jochen Müller An der Uferpromenade verbringen die einheimischen Familien ihr Wochenende.
Allein die klapprigen Holzwägen, aus denen die Getränke angeboten werden, erinnern daran, dass wir uns nicht in irgendeiner Hafenstadt am Mittelmeer befinden. Oder der etwas weiter liegende Furchtmarkt, wo frische Papayas, Mangos oder Schlangenfrüchte von alten, in traditionelle Wickelröcke gewandete Frauen angeboten werden.
© Jochen Müller Ein Strandcafé in Dili.
Dahinter reparieren die Fischer ihre Netze, bevor ihre Kollegen den Fang auf dem Fischmarkt verkaufen. Der Geruch macht hungrig, doch leider gibt es hier keinen Grill, der den Fang zubereiten würde, also gehen wir nach einem Becher Kaffee weiter. Immer am Ufer entlang, in Richtung Christusstatue.
© Jochen Müller Frische Papayas, Mangos, Süßkartoffeln aus eigenem Anbau, garantiert "biologisch".
Vom Stadtrand zum Stadtstrand
Am Rande der Stadt liegt das Zentrum des internationalen roten Kreuzes und internationalen roten Halbmonds. Nach einem kurzen Blick auf das Schild, das am Eingang besagt, dass hier keine Schusswaffen erwünscht sind, ernten wir ein freundliches Winken eines Mitarbeiters, es wirkt nicht im mindesten grotesk. Wer an einem Wochenende das Ufer von Dili aus in Richtung Osten entlang läuft, wird ab hier auch viele Ausländer finden. An den Stränden der vielen kleinen Buchten reihen sich die UNO-Fahrzeuge aneinander, im Sand liegen die Mitarbeiter der unzähligen Organisationen und genießen ihre freie Zeit. Oder sie joggen, genauso wie die Einheimischen die Promenade entlang. Der einzige Unterschied besteht im Schuhwerk, dass die Läufer tragen, denn 200 Dollar Turnschuhe können sich nur die wenigsten Einheimischen leisten.
© Jochen Müller
© Jochen Müller Hinter dem Stadtrand beginnen kleine Buchten mit Sandstränden, die zum baden einladen.
Das neue Wahrzeichen Dilis
© Jochen Müller
Am Ende des Weges angekommen, ragt die Christusstatue auf einem Felsen hoch empor. 27 Meter ist sie hoch, 1988 wurde sie als gute Geste der indonesischen Besatzungsmacht hier aufgestellt. Doch alleine ihre Höhe ist ein Affront für die Ost-Timoresen. Sie wollten nie die 27. Provinz Indonesiens sein und kämpften lange und hart für ihre Unabhängigkeit. Doch auch, wenn die Arme des Heilands für viele eher in Richtung Jakarta denn nach Dili ausgestreckt scheinen, ist sie zum Wahrzeichen der Stadt geworden, vielleicht aus Ermangelung einer Alternative, vielleicht, weil man seinen Frieden damit gemacht hat.
© Jochen Müller
Über viele Stufen führt der Weg hinauf zur Statue entlang der Kreuzigungsgeschichte Jesu, dargestellt auf bronzenen Tafeln in kleinen Nischen. Wenn die Hitze vom wolkenlosen Himmel hinab brennt, kann man sich schon ohne Kreuz das Leiden Christi gut vorstellen. Doch oben angekommen wird man mit der Aussicht über die Bucht von Dili, die menschenleere Nachbarbucht und die Berge im Hintergrund belohnt. Kurz vorher hielten wir an, kauften uns gebratene Nudeln, die wir hier nun verspeisten. Zum Sonnenuntergang ist dieser Ort ein viel besuchter, aber nicht überlaufener Aussichtspunkt. Doch sobald die Sonne verschwunden ist, treten die Besucher den Heimweg an, kurz darauf sind wir alleine, vor uns die Brandung in der Dunkelheit, über uns nur der Sternenhimmel. Das Sternbild des Skorpions leuchtet durch die Arme Jesu zu uns herab, vor uns erscheinen die Lichter Dilis eher schüchtern. Ich frage mich, wie dieser Anblick wohl sein wird, wenn wir vielleicht in zwanzig Jahren hierher zurück kommen werden. Eine Skyline mag zu Dili so gar nicht passen.
© Jochen Müller Die Bucht von Dili von der Statue aus gesehen.
© Jochen Müller Und die menschenleere Nachtbarbucht weiter östlich.
Eine Stunde später treten wir den Heimweg an. Die Autos sind fort, nur vereinzelt sieht man noch Menschen am Strand, ausschließlich Einheimische. Die Ausländer haben sich in die Strandbars zurück gezogen, von denen es zwischen dem Markt und der Statue bereits einige gibt. Die Straße kommt ohne Beleuchtung aus, mit einer Taschenlampe machen wir entgegenkommende Fahrzeuge auf uns aufmerksam, denn hier gibt es keinen Bürgersteig. Der Weg ist lang, vom Markt zur Statue braucht man zu Fuß etwa eineinhalb Stunden. Bei der Hälfte der Strecke hält ein Moped neben uns. „Hallo Ihr, wir fahren nach Dili, sollen wir Euch ein Taxi rufen?". „Wow, ehrlich gesagt wäre das großartig, danke." Fünf Minuten später kommt das Taxi. Und das Motorrad, der Fahrer wollte sicher gehen, dass es uns auch findet. Natürlich müssen wir nachts mehr zahlen als tagsüber, doch auch hier hilft uns der Fahrer. Wenige Minuten später sind wir in unserem Hostel, während über uns die Leoniden für den alljährlichen Sternschnuppen-Schauer Mitte August sorgen. Viele Wünsche, die in Erfüllung gehen werden. Hoffentlich.
© Jochen Müller Der Sternenhimmel über der Christusstatue. Oben rechts erkennt man das Sternbild des Skorpions.
Jochen Müller
Die Sonne brennt vom wolkenlosen Himmel, als wir zu unserer Erkundungstour durch Dili, die "City of Peace", wie die Einheimischen sie hoffnungsvoll nennen, aufbrechen. Wir laufen die Avenida Almirante Americo Tomas entlang. Die Haupteinfallsstraße der Stadt ist wie immer gut befahren, doch nicht so dicht, dass man von einem Stau sprechen konnte. Von hier aus bewegen wir uns in Richtung Süden, durch Nebenstraßen, vorbei an Geschäften und den typischen Ständen, die auf dem Bürgersteig alles anbieten, was sich verkaufen lässt. Von Handies über Spielzeug, Bekleidung bis zu Speisen und Getränken, kann man in Dili alles auf der Straße kaufen. Den Betrieb der Geschäfte scheint dies nicht zu stören. Es scheint, als habe hier jeder seine Nische gefunden. Die Geschäfte bieten eher größere Dinge an, die Stände das, was sich leicht transportieren lässt. Auch eine Mall gibt es, am Stadtrand, für diejenigen, die es sich leisten können westliche Markenprodukte zu erstehen. Es sind nicht viele.
© Jochen Müller Geschäftsstraßen und Reisfelder liegen in Dili nah beieinander.Leben in den Straßen
Das Leben passiert in Dili auf der Straße. Zwar wird man keine Straßencafés finden, dafür aber genug hölzerne Anhänger, von denen Café, Tee oder Säfte angeboten werden. Setzen sie sich auf die Plastikstühle, oder auf die Mauer und lassen sie die Füße baumeln, während sie das bunte Treiben in den Straßen betrachten. Hier werden Geschäfte abgeschlossen, die Neuigkeiten ausgetauscht, während Kinder um sie herum spielen. An einem kleinen Kanal finden wir die Waschanlage. Autos und Roller parken, sofort kommen Jugendliche, die, nach einer kurzen Verhandlung um den Preis, beginnen das Fahrzeug zu waschen. Nebenan liegt ein kleines Feld, mitten in der Stadt wird unter Palmen Reis angebaut, im Hintergrund stehen ärmliche Hütten, aus denen uns die Menschen zu winken. An der nächsten Straßenkreuzung erinnert das Gebäude des „Phoenix Camp" der internationalen Friedensstreitkräfte daran, dass Ost-Timor noch nicht lange ein friedliches Land ist. Man passiert des Öfteren Ruinen, Zeugnisse der indonesischen Gewaltherrschaft. Die Kinder, die dort spielen, lassen den Betrachter stutzen. Doch ihr Lächeln und ihr Winken nehmen einem die Befangenheit. Das Land und seine junge Bevölkerung blicken vorwärts und nehmen den Besucher einfach mit sich auf diesem Weg.
An
Buntes Markttreiben
Am
Auf einmal quetscht sich ein Bus zwischen den Ständen hindurch, wie auch immer er das schafft ohne die Stände umzuschmeißen. Waren werden auf das Dach geladen, da kann auch schon mal ein ganzes, lebendes Schwein darunter sein. Wir setzen uns an einen Brunnen und kaum eine Minute später steht ein junger Mann neben uns, der uns begrüßt und ein Gespräch beginnt. Auch er ist Fußballfan, auch er möchte einmal Deutschland sehen. Wie so viele.
Zurück zum Meer
Der Weg zurück nach Norden, in Richtung Meer, führt am Stadion der Stadt vorbei. Die großen Flutlichtmasten sind schon von weitem sichtbar. Wer hier wohl gegen wen spielt? Die auf die Mauer vor dem Stadion gemalten olympischen Ringe scheinen wie ein gemeinschaftliches Ziel, ein Vorhaben. Irgendwann einmal wird in diesem Stadion jemand trainieren, der es schaffen wird.
Je näher wir dem Ufer kommen, umso öfter finden wir renovierte, moderne Gebäude. Das koreanische Zentrum, die Universität, das europäische Zentrum am Ufer, gleich neben dem Gouverneurspalast, vor dem sich die weißen UNO-Fahrzeuge mit den silbernen der Regierung abwechseln. Hier strahlen die Gebäude Selbstsicherheit aus, blank geputzt und stolz zeigen sie sich der Küste und dem fern liegenden Indonesien, der ganzen Welt.
Es ist Sonntag, am Ufer ist viel los. Der Frachthafen zwar liegt still, daneben dümpeln einige Segelboote vor sich hin, doch in Richtung Osten ist Betrieb. „Ist hier ein Kinderfest?", fragt Susanne und beschreibt damit die Situation perfekt. Junge Familien verbringen den freien Tag am Meer, die Eltern schaukeln ihre Jüngsten in Kinderwägen, während Schulkinder die gleichen Luftballons wie überall von ihren Eltern erbetteln. Zwischen gasgefüllten Supermans, Hello Kittys, Nemos und Spongebobs rennen die Kinder umher, trinken die Eltern Kaffee und einige junge Erwachsene nutzen mit ihren Laptops das freie Funknetz des Touristeninformationszentrums.
Allein die klapprigen Holzwägen, aus denen die Getränke angeboten werden, erinnern daran, dass wir uns nicht in irgendeiner Hafenstadt am Mittelmeer befinden. Oder der etwas weiter liegende Furchtmarkt, wo frische Papayas, Mangos oder Schlangenfrüchte von alten, in traditionelle Wickelröcke gewandete Frauen angeboten werden.
Dahinter reparieren die Fischer ihre Netze, bevor ihre Kollegen den Fang auf dem Fischmarkt verkaufen. Der Geruch macht hungrig, doch leider gibt es hier keinen Grill, der den Fang zubereiten würde, also gehen wir nach einem Becher Kaffee weiter. Immer am Ufer entlang, in Richtung Christusstatue.
Vom Stadtrand zum Stadtstrand
Am Rande der Stadt liegt das Zentrum des internationalen roten Kreuzes und internationalen roten Halbmonds. Nach einem kurzen Blick auf das Schild, das am Eingang besagt, dass hier keine Schusswaffen erwünscht sind, ernten wir ein freundliches Winken eines Mitarbeiters, es wirkt nicht im mindesten grotesk. Wer an einem Wochenende das Ufer von Dili aus in Richtung Osten entlang läuft, wird ab hier auch viele Ausländer finden. An den Stränden der vielen kleinen Buchten reihen sich die UNO-Fahrzeuge aneinander, im Sand liegen die Mitarbeiter der unzähligen Organisationen und genießen ihre freie Zeit. Oder sie joggen, genauso wie die Einheimischen die Promenade entlang. Der einzige Unterschied besteht im Schuhwerk, dass die Läufer tragen, denn 200 Dollar Turnschuhe können sich nur die wenigsten Einheimischen leisten.
© Jochen Müller Hinter dem Stadtrand beginnen kleine Buchten mit Sandstränden, die zum baden einladen.Das neue Wahrzeichen Dilis
Über viele Stufen führt der Weg hinauf zur Statue entlang der Kreuzigungsgeschichte Jesu, dargestellt auf bronzenen Tafeln in kleinen Nischen. Wenn die Hitze vom wolkenlosen Himmel hinab brennt, kann man sich schon ohne Kreuz das Leiden Christi gut vorstellen. Doch oben angekommen wird man mit der Aussicht über die Bucht von Dili, die menschenleere Nachbarbucht und die Berge im Hintergrund belohnt. Kurz vorher hielten wir an, kauften uns gebratene Nudeln, die wir hier nun verspeisten. Zum Sonnenuntergang ist dieser Ort ein viel besuchter, aber nicht überlaufener Aussichtspunkt. Doch sobald die Sonne verschwunden ist, treten die Besucher den Heimweg an, kurz darauf sind wir alleine, vor uns die Brandung in der Dunkelheit, über uns nur der Sternenhimmel. Das Sternbild des Skorpions leuchtet durch die Arme Jesu zu uns herab, vor uns erscheinen die Lichter Dilis eher schüchtern. Ich frage mich, wie dieser Anblick wohl sein wird, wenn wir vielleicht in zwanzig Jahren hierher zurück kommen werden. Eine Skyline mag zu Dili so gar nicht passen.
© Jochen Müller Die Bucht von Dili von der Statue aus gesehen.Eine Stunde später treten wir den Heimweg an. Die Autos sind fort, nur vereinzelt sieht man noch Menschen am Strand, ausschließlich Einheimische. Die Ausländer haben sich in die Strandbars zurück gezogen, von denen es zwischen dem Markt und der Statue bereits einige gibt. Die Straße kommt ohne Beleuchtung aus, mit einer Taschenlampe machen wir entgegenkommende Fahrzeuge auf uns aufmerksam, denn hier gibt es keinen Bürgersteig. Der Weg ist lang, vom Markt zur Statue braucht man zu Fuß etwa eineinhalb Stunden. Bei der Hälfte der Strecke hält ein Moped neben uns. „Hallo Ihr, wir fahren nach Dili, sollen wir Euch ein Taxi rufen?". „Wow, ehrlich gesagt wäre das großartig, danke." Fünf Minuten später kommt das Taxi. Und das Motorrad, der Fahrer wollte sicher gehen, dass es uns auch findet. Natürlich müssen wir nachts mehr zahlen als tagsüber, doch auch hier hilft uns der Fahrer. Wenige Minuten später sind wir in unserem Hostel, während über uns die Leoniden für den alljährlichen Sternschnuppen-Schauer Mitte August sorgen. Viele Wünsche, die in Erfüllung gehen werden. Hoffentlich.
Jochen Müller
Kommentare zu "Die Stadt des Friedens"
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Wunderschön war es mit Euch in Dili, wir hören die Kinder, das Leben dort, die Hoffnung der Menschen und sehen die Sterne, .... eine schöne Erzählung Jochen .....wie immer . LG Gisi