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8. August 2012
Baucau, ein kleines Paradies
Um Ost-Timor zu erkunden, fuhren wir mit dem Motorrad von Dili aus nach Osten. Unser erstes Ziel war Baucau, die zweitgrößte Stadt des Landes. Hier gab es Ruinen kolonialer Bauten, buntes Treiben auf dem Straßenmarkt und ein Abendessen am vom Vollmond beschienenen Palmenstrand.
Unter der gleißenden Sonne begann unsere Erkundungstour durch Ost-Timor. Wir verließen das Gewühl Dilis und waren, kaum, dass wir die Stadt hinter uns gelassen hatten, alleine auf der Straße. Das sollte sich schnell als Segen herausstellen, denn die Straßen des Landes sind nicht immer in bestem Zustand. Stellenweise bedeckt zwar Teer den Boden, doch das ist beileibe nicht immer so. Schlaglöcher kennen wir noch aus Vietnam, Kambodscha und Laos, doch das, was hier hinter so manchen Kurven auf uns lauerte, war eine neue Kategorie. Tiefer, breiter und vor allem öfter tauchten sie wie aus dem Nichts auf. Da war es gut, wenn man die Straße für sich hatte, um sie umfahren zu können.
© Jochen Müller Die wenigsten Straßen Ost-Timors sind in solch gutem Zustand.
Wenn wir andere Verkehrsteilnehmer sahen, so vielen sie in drei Kategorien. Motorräder, große Geländewagen und Busse. Wobei alles als Bus fungieren kann, was groß genug ist, um mehrere Menschen zu transportieren. Von Kipplastern über Tiefladern bis zu wirklichen Bussen wird in Ost-Timor alles für den Personentransport genutzt, was fährt. Zu den meisten Orten gibt es keine offizielle Busverbindung, so dass oft die einzige Möglichkeit an sein Ziel zu kommen, darin besteht, das nächste Gefährt anzuhalten und einen Fahrpreis auszuhandeln. Die Stunden, die die Fahrt dauert, sitzt man dann vielleicht auf einer Ladung Kies oder zwischen Maschinenteilen, doch man ist nicht alleine, kann sich unterhalten, oder sich gegenseitig festhalten.
Wir waren froh ein Motorrad zu haben. Zumal es im Gegensatz zu unseren bisherigen Fahrten eine größere Maschine und geländetauglich war. Was sich in den folgenden Tagen des Öfteren als unsere Rettung erwies.
© Jochen Müller Als Bus fungiert alles, was fährt und genug Platz hat. In diesem Fall gibt es sogar den Komfort richtiger Sitzbänke. Zumindest für die meisten der Fahrgäste.
Die Straßen Ost-Timors
Für die 140 Kilometer bis nach Baucau brauchten wir trotzdem fünf Stunden. Selten konnten wir schneller als 40 km/h fahren. Doch wir waren nicht hier, um durch das Land zu brettern. Selbst die wenigen Male, wo wir hätten schneller fahren können, blieben wir bei unserer gemütlichen Geschwindigkeit, genossen die Landschaft, die so wechselhaft ist, wie wir es bisher selten erlebt hatten. Trockener Steppe und dichten Urwald trennten bisweilen nur zwei Kurven. Mal führte die Straße direkt am Meer entlang, Kilometer für Kilometer sahen wir hier keinen Menschen. Dann wand sich die Straße durch kleine Dörfer einen Anhang hinauf, und wenn wir über die Kuppe fuhren, blickten wir in eine weite Ebene, bei deren Anblick wir uns unweigerlich fragten, was an dieser kargen Landschaft uns dazu brachte anzuhalten und begeistert Fotos zu schießen. Doch wir konnten nicht anders. Dann tauchten wir in dieses Tal ein, es ging über den nächsten Hügel und dahinter war es wieder grün, die Felder bewachsen und Büffel und Ziegen weideten friedlich nebeneinander. Wir hielten in einem der zahlreichen kleinen Dörfer, die meisten davon waren in keiner Karte verzeichnet. In einem Pavillon aus Palmholz tranken wir einen Kaffee, froh um die Pause, denn auch wenn die Straßen bisher noch in relativ gutem Zustand waren, verlangten sie dem Fahrer dennoch ständige Konzentration ab.
© Jochen Müller Karg und trocken, doch von einer herben Schönheit, die Landschaft Ost-Timors.
© Jochen Müller Ein guter Ort für eine Pause.
Buntes Treiben in Baucau
Am Nachmittag kamen wir in Baucau an, verließen das Hochplateau, auf das sich der Weg gewunden hatte und nahmen die zahlreichen Serpentinen in Richtung Meer. Die ganze Altstadt Baucaus liegt an einem Hang, die Straßen sind steil, das Meer nahezu von überall aus sichtbar. Im Zentrum des Ortes steht die Ruine des 1933 erbauten Marktgebäudes, nebenan ziehen sich an der Straße die windschiefen Stände entlang, die heute den Markt bilden. Es machte den Eindruck, als haben die Einwohner alles zum Bau der Stände verwendet, was sie finden konnten. Die Stadtverwaltung hat Pläne aus dem alten Marktgelände ein Kulturzentrum zu machen, mit Bibliothek und Internetcafé, so dass es zu vermuten ist, dass der Markt auch weiterhin die Straßen der Altstadt flankieren dürfte. Wir stellten unser Gefährt ab und schlenderten durch den Ort, der durch diesen Straßenmarkt so voller Leben und Treiben war. Die Einheimischen grüßten uns freundlich, nicht wenige unterbrachen ihre Handlungen, um uns neugierig zu betrachten. Obwohl wir auch hier einige Fahrzeuge mit UN-Aufdruck sahen, schienen nicht viele Ausländer nach Baucau zu kommen. Was uns einigermaßen verwunderte, immerhin ist Baucau nicht weit von Dili entfernt und mit 20.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes. Sogar einen Flughafen gibt es hier, das Rollfeld im Gegensatz zu Dili lang genug, dass auch große Jumbos hier landen könnten. Obwohl es nicht den Eindruck machte, als käme es oft dazu. Kurz zuvor waren wir am Flughafen vorbeigefahren, was wir freilich erst bemerkten, als wir an einem Gebäude vorbeifuhren, an dem „Airport" stand. Es hätte auch irgendein kleiner, abgelegener Schuppen sein können.
© Jochen Müller Die Ruine des 1933 erbauten Marktes prägt das Bild der Altstadt Baucaus.
© Jochen Müller
© Jochen Müller Der Straßenmarkt von Baucau.
© Jochen Müller Ein typischer Marktstand in Baucau.
Im Strandbungalow am Osolata Beach
Auch wenn es in der Altstadt einige Unterkünfte gab, entschieden wir uns dazu Baucau wieder zu verlassen. Wir fuhren die acht Kilometer hinab zum Strand, mussten einige Male hin und her fahren um den Weg zu finden, denn Straßen-, wie Hinweisschilder wird man in Ost-Timor vergeblich suchen. Wir fragten uns durch und fanden ihn schließlich. Den Weg, die Piste, wie auch immer man das nennen möchte. Wie wir hier wieder herauf kommen würden? Wir würden es schon erleben. Am „Osolata Beach" angekommen waren wir uns jedoch schnell einig, dass sich der Weg gelohnt hatte. In der einzigen Unterkunft am Strand bezogen wir Quartier. Die Bungalows waren alle bis auf einen, welcher belegt war, vor ein paar Jahren abgebrannt, so dass uns die Familie kurzerhand in ihrem Haus unterbrachte. Bevor wir an den Strand konnten, fingen uns noch die Kinder der Familie ab, fragten uns neugierig und interessiert aus, wo wir denn herkämen und was wir hier täten. Zumindest vermuten wir das, denn sie sprachen kein Englisch und wir kein Tetun. Doch wie so oft funktionierte die Unterhaltung auch hier ohne Sprachkenntnisse problemlos. Dann war es Zeit für den Strand. Den wir für uns alleine hatten. Palmen neigten sich über das Wasser, einige kleine Fischerboote schaukelten in den türkisen Wellen, hinter uns erhob sich der Wald, der Baucau vor uns verbarg. Direkt am Ufer gab es einen kleinen Bambuspavillon, eine Bar und Restaurant, an dem wir am Abend ein fürstliches Mal einnahmen. Die Sonne verschwand hinter dem Hügel, beschien die letzten Wolken glutrot, bevor sie unterging und sich die Wolken auflösten. Als kurz darauf die Lampen ausgingen, weil der Strom ausgefallen war, brach kurz Hektik aus, die Angestellten waren untröstlich und entschuldigten sich mehrmals für diese Unannehmlichkeit. Doch die wenigen Gäste, die außer uns hier waren, eine Urlauberin und ein paar Angestellte der amerikanischen Botschaft, winkten ab. Der Vollmond leuchtete am wolkenlosen Himmel, beschien den hellen Sand und das Meer so kräftig, dass künstliches Licht gar nicht nötig war. So saßen wir dort im Halbdunkel am Strand unter Palmen bei Hühnchen und Fisch, lauschten den Wellen und waren uns einig ein kleines Paradies gefunden zu haben.
© Jochen Müller Das Restaurant am Osolata Beach.
© Jochen Müller Kurz bevor sich die Wolken auflösten und der Vollmond für ausreichend Helligkeit sorgte.
Jochen Müller
Unter der gleißenden Sonne begann unsere Erkundungstour durch Ost-Timor. Wir verließen das Gewühl Dilis und waren, kaum, dass wir die Stadt hinter uns gelassen hatten, alleine auf der Straße. Das sollte sich schnell als Segen herausstellen, denn die Straßen des Landes sind nicht immer in bestem Zustand. Stellenweise bedeckt zwar Teer den Boden, doch das ist beileibe nicht immer so. Schlaglöcher kennen wir noch aus Vietnam, Kambodscha und Laos, doch das, was hier hinter so manchen Kurven auf uns lauerte, war eine neue Kategorie. Tiefer, breiter und vor allem öfter tauchten sie wie aus dem Nichts auf. Da war es gut, wenn man die Straße für sich hatte, um sie umfahren zu können.
Wenn wir andere Verkehrsteilnehmer sahen, so vielen sie in drei Kategorien. Motorräder, große Geländewagen und Busse. Wobei alles als Bus fungieren kann, was groß genug ist, um mehrere Menschen zu transportieren. Von Kipplastern über Tiefladern bis zu wirklichen Bussen wird in Ost-Timor alles für den Personentransport genutzt, was fährt. Zu den meisten Orten gibt es keine offizielle Busverbindung, so dass oft die einzige Möglichkeit an sein Ziel zu kommen, darin besteht, das nächste Gefährt anzuhalten und einen Fahrpreis auszuhandeln. Die Stunden, die die Fahrt dauert, sitzt man dann vielleicht auf einer Ladung Kies oder zwischen Maschinenteilen, doch man ist nicht alleine, kann sich unterhalten, oder sich gegenseitig festhalten.
Wir waren froh ein Motorrad zu haben. Zumal es im Gegensatz zu unseren bisherigen Fahrten eine größere Maschine und geländetauglich war. Was sich in den folgenden Tagen des Öfteren als unsere Rettung erwies.
© Jochen Müller Als Bus fungiert alles, was fährt und genug Platz hat. In diesem Fall gibt es sogar den Komfort richtiger Sitzbänke. Zumindest für die meisten der Fahrgäste.Die Straßen Ost-Timors
Für die 140 Kilometer bis nach Baucau brauchten wir trotzdem fünf Stunden. Selten konnten wir schneller als 40 km/h fahren. Doch wir waren nicht hier, um durch das Land zu brettern. Selbst die wenigen Male, wo wir hätten schneller fahren können, blieben wir bei unserer gemütlichen Geschwindigkeit, genossen die Landschaft, die so wechselhaft ist, wie wir es bisher selten erlebt hatten. Trockener Steppe und dichten Urwald trennten bisweilen nur zwei Kurven. Mal führte die Straße direkt am Meer entlang, Kilometer für Kilometer sahen wir hier keinen Menschen. Dann wand sich die Straße durch kleine Dörfer einen Anhang hinauf, und wenn wir über die Kuppe fuhren, blickten wir in eine weite Ebene, bei deren Anblick wir uns unweigerlich fragten, was an dieser kargen Landschaft uns dazu brachte anzuhalten und begeistert Fotos zu schießen. Doch wir konnten nicht anders. Dann tauchten wir in dieses Tal ein, es ging über den nächsten Hügel und dahinter war es wieder grün, die Felder bewachsen und Büffel und Ziegen weideten friedlich nebeneinander. Wir hielten in einem der zahlreichen kleinen Dörfer, die meisten davon waren in keiner Karte verzeichnet. In einem Pavillon aus Palmholz tranken wir einen Kaffee, froh um die Pause, denn auch wenn die Straßen bisher noch in relativ gutem Zustand waren, verlangten sie dem Fahrer dennoch ständige Konzentration ab.
Buntes Treiben in Baucau
Am Nachmittag kamen wir in Baucau an, verließen das Hochplateau, auf das sich der Weg gewunden hatte und nahmen die zahlreichen Serpentinen in Richtung Meer. Die ganze Altstadt Baucaus liegt an einem Hang, die Straßen sind steil, das Meer nahezu von überall aus sichtbar. Im Zentrum des Ortes steht die Ruine des 1933 erbauten Marktgebäudes, nebenan ziehen sich an der Straße die windschiefen Stände entlang, die heute den Markt bilden. Es machte den Eindruck, als haben die Einwohner alles zum Bau der Stände verwendet, was sie finden konnten. Die Stadtverwaltung hat Pläne aus dem alten Marktgelände ein Kulturzentrum zu machen, mit Bibliothek und Internetcafé, so dass es zu vermuten ist, dass der Markt auch weiterhin die Straßen der Altstadt flankieren dürfte. Wir stellten unser Gefährt ab und schlenderten durch den Ort, der durch diesen Straßenmarkt so voller Leben und Treiben war. Die Einheimischen grüßten uns freundlich, nicht wenige unterbrachen ihre Handlungen, um uns neugierig zu betrachten. Obwohl wir auch hier einige Fahrzeuge mit UN-Aufdruck sahen, schienen nicht viele Ausländer nach Baucau zu kommen. Was uns einigermaßen verwunderte, immerhin ist Baucau nicht weit von Dili entfernt und mit 20.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes. Sogar einen Flughafen gibt es hier, das Rollfeld im Gegensatz zu Dili lang genug, dass auch große Jumbos hier landen könnten. Obwohl es nicht den Eindruck machte, als käme es oft dazu. Kurz zuvor waren wir am Flughafen vorbeigefahren, was wir freilich erst bemerkten, als wir an einem Gebäude vorbeifuhren, an dem „Airport" stand. Es hätte auch irgendein kleiner, abgelegener Schuppen sein können.
Im Strandbungalow am Osolata Beach
Auch wenn es in der Altstadt einige Unterkünfte gab, entschieden wir uns dazu Baucau wieder zu verlassen. Wir fuhren die acht Kilometer hinab zum Strand, mussten einige Male hin und her fahren um den Weg zu finden, denn Straßen-, wie Hinweisschilder wird man in Ost-Timor vergeblich suchen. Wir fragten uns durch und fanden ihn schließlich. Den Weg, die Piste, wie auch immer man das nennen möchte. Wie wir hier wieder herauf kommen würden? Wir würden es schon erleben. Am „Osolata Beach" angekommen waren wir uns jedoch schnell einig, dass sich der Weg gelohnt hatte. In der einzigen Unterkunft am Strand bezogen wir Quartier. Die Bungalows waren alle bis auf einen, welcher belegt war, vor ein paar Jahren abgebrannt, so dass uns die Familie kurzerhand in ihrem Haus unterbrachte. Bevor wir an den Strand konnten, fingen uns noch die Kinder der Familie ab, fragten uns neugierig und interessiert aus, wo wir denn herkämen und was wir hier täten. Zumindest vermuten wir das, denn sie sprachen kein Englisch und wir kein Tetun. Doch wie so oft funktionierte die Unterhaltung auch hier ohne Sprachkenntnisse problemlos. Dann war es Zeit für den Strand. Den wir für uns alleine hatten. Palmen neigten sich über das Wasser, einige kleine Fischerboote schaukelten in den türkisen Wellen, hinter uns erhob sich der Wald, der Baucau vor uns verbarg. Direkt am Ufer gab es einen kleinen Bambuspavillon, eine Bar und Restaurant, an dem wir am Abend ein fürstliches Mal einnahmen. Die Sonne verschwand hinter dem Hügel, beschien die letzten Wolken glutrot, bevor sie unterging und sich die Wolken auflösten. Als kurz darauf die Lampen ausgingen, weil der Strom ausgefallen war, brach kurz Hektik aus, die Angestellten waren untröstlich und entschuldigten sich mehrmals für diese Unannehmlichkeit. Doch die wenigen Gäste, die außer uns hier waren, eine Urlauberin und ein paar Angestellte der amerikanischen Botschaft, winkten ab. Der Vollmond leuchtete am wolkenlosen Himmel, beschien den hellen Sand und das Meer so kräftig, dass künstliches Licht gar nicht nötig war. So saßen wir dort im Halbdunkel am Strand unter Palmen bei Hühnchen und Fisch, lauschten den Wellen und waren uns einig ein kleines Paradies gefunden zu haben.
Jochen Müller
Kommentare zu "Baucau, ein kleines Paradies"
Fernweh
von Stan
am 10.08.2012 um 23:25 Uhr
Boah, habt ihr es guuuut!
"Baucau, ein kleines Paradies" kommentieren


Freue mich, dass ihr so einen wunderbaren Tag erlebt habt. Wann geht eurer kurzer Flug nach Australien? Wird auch Peer mit dabei sein?
Viele Gruesse von Anna-Maria.