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16. August 2012
All inclusive
Durch dichten Wald und mannshohes Grases. Durch verstreute Dörfer, vorbei an unzähligen einsamen Stränden. Durch weite Ebenen, entlang trockener Vegetation. Durch enge Täler zwischen hohen Bergen. Der Süden Ost-Timors zwischen Viqueque und Same ist so vielfältig wie das Land selbst.
Der Tag begann mit Problemen. Unser Geld wurde knapp, in Baucau hatten wir den einzigen Geldautomaten der Stadt außer Betrieb vorgefunden. Dafür erhielten wir dort die Auskunft es gäbe einen in Viqueque. Was sich als nicht wahr herausstellte. Doch ich hatte noch 30 Dollar in indonesischen Rupiah bei mir. Also fuhren wir zur Bank, die es hier wirklich gab, und fragten nach. Die Antwort des Schalterbeamten ließ mir dann allerdings die Kinnlade herunter klappen. Um meine 300.000 Rupiah in 30 Dollar umtauschen zu können, müsste ich eine Gebühr von 31,50 Dollar zahlen. Ich unterließ es dem Angestellten 1,50 Dollar und all meine Rupiah zu geben und dafür außer einem Beleg nichts zurück zu bekommen, sondern verabschiedete mich lediglich. Der Tag fing ja gut an. Nach Baucau zurück zu fahren brachte uns auch keinen Vorteil, also zählten wir unser Geld durch, waren froh bereits vollgetankt zu haben und einigten uns darauf es in Same zu probieren. Wenn unsere Unterkunft nicht mehr als 20 Dollar kostete, konnten wir uns noch die Mahlzeiten bis nach Dili leisten. Das würde schon klappen.
Das nächste Problem war, aus der Stadt heraus zu finden. Das kannten wir noch aus Baucau. Die Erklärungen der Menschen hörten sich einleuchtend an. Allein den Weg fanden wir nicht. Erst als wir im Ortszentrum an einem Platz standen und zwei Einheimische bestimmt auf eine enge, steile Straße zeigten, die wir vorher übersehen hatten, fanden wir sie. Die Route nach Westen. Ab hier hatten wir keine Probleme mehr. Mittlerweile waren wir es gewöhnt, dass es im Land keine Straßenschilder gab. Wann immer wir an eine Straßenkreuzung kamen, entschieden wir aus dem Bauch heraus wohin wir fahren wollten. Trafen wir den nächsten Einheimischen, versicherten wir uns, dass wir richtig waren und weiter ging die wilde Fahrt.
© Jochen Müller Am Platz im Ortszentrum von Viqueque fanden wir den Ausweg aus der Stadt.
Dichte Vegetation
Der erste Teil der Strecke war von dichter Vegetation geprägt. Hoher Wald in sattgrün flankierte den Weg über lange Strecken. Die Straße war gut, trotzdem fuhren wir langsam. Zu oft waren wir in den letzten Tagen in vom Schatten verborgene Schlaglöcher gefahren. Doch die geringe Geschwindigkeit machte uns nichts aus, im Gegenteil. Es war ein Genuss durch dieses Land zu tuckern und die Gelegenheit zu haben die Aussicht würdigen zu können. Als der Wald in weite Felder und Wiesen überging konnte ich die Straße besser sehen, der Belag war zwar schotterig aber auch hier überraschend gut. Ich blieb trotzdem bei knappen 30 km/h und genoss das Gefühl über Kilometer durch mannshohes Gras zu fahren, ohne einer Menschenseele zu begegnen.
© Jochen Müller
Die Straße führte entlang der Südküste, jedoch immer einige Kilometer von dieser entfernt, so dass wir vom Meer wenig sahen. Wieder kamen wir durch einige kleine Dörfer. Der Süden schien uns noch weniger bevölkert als der Norden, was man unter anderem dadurch merkte, dass die Menschen sich bereits nach uns umdrehten, noch bevor wir in die Dörfer hinein fuhren. Das Geräusch eines sich nähernden Gefährts ließ sie sich erheben und umschauen. Als sie dann zwei Fremde auf einem Motorrad erblickten, war ihre Reaktion dieselbe, wie überall sonst auch. Freundlich winkten sie uns zu, die Kinder kamen auf uns zu gelaufen und riefen Begrüßungen. Hielten wir an, umringten sie uns und beobachteten neugierig all unsere Bewegungen.
© Jochen Müller
Der Reiseführer, den wir in unserer Unterkunft in Dili studiert hatten, schlug einige Routen vor, um Ost-Timor zu erkunden. Wir fragten uns, warum keine davon durch den Süden führte. Die Straßen waren hier genauso gut oder schlecht wir sonst wo. Und wenn man ein wenig plante, konnte man auch hier Strecken wählen, an deren Ende man eine Übernachtungsmöglichkeit finden würde. Die Natur im Süden jedoch schien uns ein allemal lohnenswertes Ziel zu sein, hierher zu fahren. Allein wegen ihrer Vielfältigkeit. Alle Regionen des Landes schienen hier vertreten zu sein, es war wie ein Schnelldurchlauf der Vegetation Ost-Timors.
© Jochen Müller
Schilderwald
Nach den Wiesen schloss sich eine Hochebene an, es wurde trockener, die bösen Schlaglöcher kehrten zurück auf die Straße. Doch nur kurz, gleich wurde es wieder grüner, die Vegetation üppiger und die Straßen besser. Und ein kleines Wunder geschah, wir fanden sogar Schilder.
© Jochen Müller Es gibt sie doch! Straßenschilder in Ost-Timor.
Eines zeigte eine steile Strecke an, war jedoch so angebracht, dass die Straße senkrecht in die Tiefe führte. Wir befürchteten das Schlimmste, fuhren im Schritttempo um die Kurve und waren recht erleichtert, als es danach zwar steil ins Tal ging, jedoch keineswegs senkrecht. Als wir dann, ein paar Dörfer später, an eine Straßenkreuzung kamen, traute ich zuerst meinen Augen nicht. Doch wir hatten es wirklich gefunden. Unser erstes Hinweisschild in Ost-Timor. Als ich das Motorrad anhielt, um es begeistert zu fotografieren, waren wir nicht, wie sonst immer, von Kindern umringt. Sie standen etwas abseits und betrachteten uns vorsichtig, gemeinsam mit ein paar Erwachsenen, mit verwunderten Gesichtsausdrücken. Ich verzichtete auf Erklärungsversuche, sondern winkte ihnen freundlich zu. Zurückhaltend erwiderten sie den gruß, offensichtlich brachte sie unsere Freude über dieses Schild völlig aus dem Konzept. Wo immer wir bis dahin auch gewesen waren, nach welchem Ort wir auch immer gefragt hatten, jeder, den wir trafen hatte uns den Weg sagen können. In einem so kleinen Land wie Ost-Timor schien sich jeder der etwa eine Million Einwohner perfekt auszukennen. Wozu Straßenschilder aufstellen?
Durch tiefe Wässer
Auf dem nächsten Teilstück mussten wir einige ausgetrocknete Flüsse überqueren. Nach der Breite der Flussbette zu schließen, konnten diese Rinnsale in der Regenzeit zu mächtigen Strömen anschwellen. Mehrere Brücken waren gleichzeitig im Bau und ich konnte mich der Frage nicht erwehren, wie vor dem Bau dieser teilweise mehrere hundert Meter langen Brücken eine Überquerung der Flüsse zur Regenzeit möglich gewesen war.
Wir fanden kurz darauf eine Kostprobe davon wie dies vielleicht ausgesehen haben mag, im kleinen Maßstab. Der Weg war zwischen Reisfeldern von Wasser unterspült worden, der Teerbelag auf einigen Metern weggebrochen. Vor uns lag eine braune Pfütze unbekannter Tiefe. Ich stieg ab und stocherte mit einem Ast darin herum, suchte mir eine Route und fuhr dann vorsichtig hindurch. Zwar waren die Füße hinterher nass, aber immerhin hatte ich das Bike nicht umgeschmissen. Als Susanne mit dem Rucksack nachkam, näherte sich ein LKW, der uns zeigte wie das richtig ging. Einfach mit Schwung hindurch und basta. Auch eine Möglichkeit.
© Jochen Müller
Die Flüsse, die es zu überqueren galt, wechselten sich mit Reisfeldern ab, bevor der Wald wieder dominierte. Die Dörfer hier waren teils Ansammlungen der grasbedeckten Bambushütten, die wir schon im Norden gesehen hatten, teils recht ordentlich anmutende Steinhäuser. Sogar ein einzelnes Fataluku-Haus fanden wir hier, allerdings die modernisierte Variante mit weiß getünchten Wänden, Wellblechdach und massiger Parabolantenne davor.
© Jochen Müller Viele Hütten, die wir sahen, glichen diesem Beispiel. Niedrige Bambuskonstruktionen unter dichten Grasdächern.
© Jochen Müller Auch im Süden gibt es Fataluku Häuser. Wenn auch das Exemplar, das wir fanden, ein wenig moderner aussah, als im Osten des Landes.
Am Meer
Dann kamen wir ans Meer. Schnell fanden wir eine Stelle an der wir das Motorrad abstellen konnten, um eine Pause zu machen. Mal wieder waren wir alleine. Wer einen Hang zu unberührten Stränden hat, der wird in Ost-Timor genug davon finden, soviel ist sicher. Ob mit weißem oder vulkanisch-schwarzem Sand, mit Kieseln oder großen Steinen, ob vor trockenen Felsen, Gestrüpp oder weiten Wäldern, das Land hat für jeden Geschmack etwas. Wir tranken Wasser und aßen Früchte, während wir es ein wenig bedauerten, dass es an der Süd-Küste so wenig touristische Infrastruktur gab.
© Jochen Müller Die Südküste Ost-Timors ist so schön wie die Nordküste. Nur noch leerer.
Hier hätten wir es länger aushalten können. Doch überall, wo wir nachfragten, stießen wir auf dieselbe Antwort. Die nächste Unterkunft gab es erst in Same. Also verließen wir den Strand und kehrten zurück ins Landesinnere, hinein in den Wald und dann hinein in die Berge. Erst flach, dann immer steiler ging es hinauf, durch enge Serpentinen, bis wir gegen fünf Uhr in Same ankamen. Hier fanden wir nur ein Haus, an dem „Motel" geschrieben stand. Wir erschraken, als der Inhaber 35 Dollar von uns wollte. Doch wieder einmal hatten wir Glück. Ein junges Pärchen, bei dem wir uns kurz zuvor versichert hatten, ob wir noch auf dem richtige Weg waren, holte uns ein und hielt neben uns an. Ob wir eine Unterkunft suchten? Wir bejahten dies und sie hießen uns, hinter ihnen her zu fahren. Kurz drauf hielten sie vor einem Haus an, das von außen aussah, wie ein ganz normales Wohnhaus. Man musste wissen, dass dies ein Gästehaus war, sonst wäre man nicht auf die Idee gekommen, hier nachzufragen. So fanden wir unsere Unterkunft für die Nacht, zahlten die 15 Dollar für das Doppelzimmer und gingen im letzten Licht des Tages auf die Suche nach etwas zu essen. Auch das Restaurant fanden wir erst auf Nachfrage, auch hier wies kein Schild darauf hin, dass im Inneren Speisen angeboten wurden. Wer in Ost-Timor reist, darf nicht zu schüchtern sein, um nachzufragen.
© Jochen Müller Wir haben es geschafft. Kurz vor der Dämmerung kamen wir in Same an.
Same selbst ist eher unspektakulär. Es gibt einen kleinen Dorfplatz und eine Schule, ein paar Geschäfte und Gästehäuser. Das, was die Stadt attraktiv macht, ist das Umland. Der höchste Berg Ost-Timors, der Mount Ramelau, ein wenig weiter in Richtung Norden, lädt zum Wandern ein, es gibt heiße Quellen zum baden und jede Menge Täler mit weiten Ausblicken und prächtiger Natur. Es war unserer schlechten finanziellen Vorplanung und dem nicht funktionierenden Geldautomaten in Baucau geschuldet, dass wir hier keinen zweiten Tag bleiben konnten, sondern am folgenden Morgen zu unserer letzten Etappe aufbrechen mussten. Nach Norden, geradewegs durch die Berge, in Richtung Dili. Der Hauptstadt des Landes, wo es genug Geldautomaten gab, um das Portemonnaie wieder aufzutanken.
© Jochen Müller Der zentrale Platz in Same, daneben liegt die Schule, unweit von hier unsere Unterkunft und ein Restaurant.
Jochen Müller
Der Tag begann mit Problemen. Unser Geld wurde knapp, in Baucau hatten wir den einzigen Geldautomaten der Stadt außer Betrieb vorgefunden. Dafür erhielten wir dort die Auskunft es gäbe einen in Viqueque. Was sich als nicht wahr herausstellte. Doch ich hatte noch 30 Dollar in indonesischen Rupiah bei mir. Also fuhren wir zur Bank, die es hier wirklich gab, und fragten nach. Die Antwort des Schalterbeamten ließ mir dann allerdings die Kinnlade herunter klappen. Um meine 300.000 Rupiah in 30 Dollar umtauschen zu können, müsste ich eine Gebühr von 31,50 Dollar zahlen. Ich unterließ es dem Angestellten 1,50 Dollar und all meine Rupiah zu geben und dafür außer einem Beleg nichts zurück zu bekommen, sondern verabschiedete mich lediglich. Der Tag fing ja gut an. Nach Baucau zurück zu fahren brachte uns auch keinen Vorteil, also zählten wir unser Geld durch, waren froh bereits vollgetankt zu haben und einigten uns darauf es in Same zu probieren. Wenn unsere Unterkunft nicht mehr als 20 Dollar kostete, konnten wir uns noch die Mahlzeiten bis nach Dili leisten. Das würde schon klappen.
Das nächste Problem war, aus der Stadt heraus zu finden. Das kannten wir noch aus Baucau. Die Erklärungen der Menschen hörten sich einleuchtend an. Allein den Weg fanden wir nicht. Erst als wir im Ortszentrum an einem Platz standen und zwei Einheimische bestimmt auf eine enge, steile Straße zeigten, die wir vorher übersehen hatten, fanden wir sie. Die Route nach Westen. Ab hier hatten wir keine Probleme mehr. Mittlerweile waren wir es gewöhnt, dass es im Land keine Straßenschilder gab. Wann immer wir an eine Straßenkreuzung kamen, entschieden wir aus dem Bauch heraus wohin wir fahren wollten. Trafen wir den nächsten Einheimischen, versicherten wir uns, dass wir richtig waren und weiter ging die wilde Fahrt.
Dichte Vegetation
Der erste Teil der Strecke war von dichter Vegetation geprägt. Hoher Wald in sattgrün flankierte den Weg über lange Strecken. Die Straße war gut, trotzdem fuhren wir langsam. Zu oft waren wir in den letzten Tagen in vom Schatten verborgene Schlaglöcher gefahren. Doch die geringe Geschwindigkeit machte uns nichts aus, im Gegenteil. Es war ein Genuss durch dieses Land zu tuckern und die Gelegenheit zu haben die Aussicht würdigen zu können. Als der Wald in weite Felder und Wiesen überging konnte ich die Straße besser sehen, der Belag war zwar schotterig aber auch hier überraschend gut. Ich blieb trotzdem bei knappen 30 km/h und genoss das Gefühl über Kilometer durch mannshohes Gras zu fahren, ohne einer Menschenseele zu begegnen.
© Jochen MüllerDie Straße führte entlang der Südküste, jedoch immer einige Kilometer von dieser entfernt, so dass wir vom Meer wenig sahen. Wieder kamen wir durch einige kleine Dörfer. Der Süden schien uns noch weniger bevölkert als der Norden, was man unter anderem dadurch merkte, dass die Menschen sich bereits nach uns umdrehten, noch bevor wir in die Dörfer hinein fuhren. Das Geräusch eines sich nähernden Gefährts ließ sie sich erheben und umschauen. Als sie dann zwei Fremde auf einem Motorrad erblickten, war ihre Reaktion dieselbe, wie überall sonst auch. Freundlich winkten sie uns zu, die Kinder kamen auf uns zu gelaufen und riefen Begrüßungen. Hielten wir an, umringten sie uns und beobachteten neugierig all unsere Bewegungen.
© Jochen MüllerDer Reiseführer, den wir in unserer Unterkunft in Dili studiert hatten, schlug einige Routen vor, um Ost-Timor zu erkunden. Wir fragten uns, warum keine davon durch den Süden führte. Die Straßen waren hier genauso gut oder schlecht wir sonst wo. Und wenn man ein wenig plante, konnte man auch hier Strecken wählen, an deren Ende man eine Übernachtungsmöglichkeit finden würde. Die Natur im Süden jedoch schien uns ein allemal lohnenswertes Ziel zu sein, hierher zu fahren. Allein wegen ihrer Vielfältigkeit. Alle Regionen des Landes schienen hier vertreten zu sein, es war wie ein Schnelldurchlauf der Vegetation Ost-Timors.
© Jochen MüllerSchilderwald
Nach den Wiesen schloss sich eine Hochebene an, es wurde trockener, die bösen Schlaglöcher kehrten zurück auf die Straße. Doch nur kurz, gleich wurde es wieder grüner, die Vegetation üppiger und die Straßen besser. Und ein kleines Wunder geschah, wir fanden sogar Schilder.
Durch tiefe Wässer
Auf dem nächsten Teilstück mussten wir einige ausgetrocknete Flüsse überqueren. Nach der Breite der Flussbette zu schließen, konnten diese Rinnsale in der Regenzeit zu mächtigen Strömen anschwellen. Mehrere Brücken waren gleichzeitig im Bau und ich konnte mich der Frage nicht erwehren, wie vor dem Bau dieser teilweise mehrere hundert Meter langen Brücken eine Überquerung der Flüsse zur Regenzeit möglich gewesen war.
Wir fanden kurz darauf eine Kostprobe davon wie dies vielleicht ausgesehen haben mag, im kleinen Maßstab. Der Weg war zwischen Reisfeldern von Wasser unterspült worden, der Teerbelag auf einigen Metern weggebrochen. Vor uns lag eine braune Pfütze unbekannter Tiefe. Ich stieg ab und stocherte mit einem Ast darin herum, suchte mir eine Route und fuhr dann vorsichtig hindurch. Zwar waren die Füße hinterher nass, aber immerhin hatte ich das Bike nicht umgeschmissen. Als Susanne mit dem Rucksack nachkam, näherte sich ein LKW, der uns zeigte wie das richtig ging. Einfach mit Schwung hindurch und basta. Auch eine Möglichkeit.
Die Flüsse, die es zu überqueren galt, wechselten sich mit Reisfeldern ab, bevor der Wald wieder dominierte. Die Dörfer hier waren teils Ansammlungen der grasbedeckten Bambushütten, die wir schon im Norden gesehen hatten, teils recht ordentlich anmutende Steinhäuser. Sogar ein einzelnes Fataluku-Haus fanden wir hier, allerdings die modernisierte Variante mit weiß getünchten Wänden, Wellblechdach und massiger Parabolantenne davor.
Am Meer
Dann kamen wir ans Meer. Schnell fanden wir eine Stelle an der wir das Motorrad abstellen konnten, um eine Pause zu machen. Mal wieder waren wir alleine. Wer einen Hang zu unberührten Stränden hat, der wird in Ost-Timor genug davon finden, soviel ist sicher. Ob mit weißem oder vulkanisch-schwarzem Sand, mit Kieseln oder großen Steinen, ob vor trockenen Felsen, Gestrüpp oder weiten Wäldern, das Land hat für jeden Geschmack etwas. Wir tranken Wasser und aßen Früchte, während wir es ein wenig bedauerten, dass es an der Süd-Küste so wenig touristische Infrastruktur gab.
Hier hätten wir es länger aushalten können. Doch überall, wo wir nachfragten, stießen wir auf dieselbe Antwort. Die nächste Unterkunft gab es erst in Same. Also verließen wir den Strand und kehrten zurück ins Landesinnere, hinein in den Wald und dann hinein in die Berge. Erst flach, dann immer steiler ging es hinauf, durch enge Serpentinen, bis wir gegen fünf Uhr in Same ankamen. Hier fanden wir nur ein Haus, an dem „Motel" geschrieben stand. Wir erschraken, als der Inhaber 35 Dollar von uns wollte. Doch wieder einmal hatten wir Glück. Ein junges Pärchen, bei dem wir uns kurz zuvor versichert hatten, ob wir noch auf dem richtige Weg waren, holte uns ein und hielt neben uns an. Ob wir eine Unterkunft suchten? Wir bejahten dies und sie hießen uns, hinter ihnen her zu fahren. Kurz drauf hielten sie vor einem Haus an, das von außen aussah, wie ein ganz normales Wohnhaus. Man musste wissen, dass dies ein Gästehaus war, sonst wäre man nicht auf die Idee gekommen, hier nachzufragen. So fanden wir unsere Unterkunft für die Nacht, zahlten die 15 Dollar für das Doppelzimmer und gingen im letzten Licht des Tages auf die Suche nach etwas zu essen. Auch das Restaurant fanden wir erst auf Nachfrage, auch hier wies kein Schild darauf hin, dass im Inneren Speisen angeboten wurden. Wer in Ost-Timor reist, darf nicht zu schüchtern sein, um nachzufragen.
Same selbst ist eher unspektakulär. Es gibt einen kleinen Dorfplatz und eine Schule, ein paar Geschäfte und Gästehäuser. Das, was die Stadt attraktiv macht, ist das Umland. Der höchste Berg Ost-Timors, der Mount Ramelau, ein wenig weiter in Richtung Norden, lädt zum Wandern ein, es gibt heiße Quellen zum baden und jede Menge Täler mit weiten Ausblicken und prächtiger Natur. Es war unserer schlechten finanziellen Vorplanung und dem nicht funktionierenden Geldautomaten in Baucau geschuldet, dass wir hier keinen zweiten Tag bleiben konnten, sondern am folgenden Morgen zu unserer letzten Etappe aufbrechen mussten. Nach Norden, geradewegs durch die Berge, in Richtung Dili. Der Hauptstadt des Landes, wo es genug Geldautomaten gab, um das Portemonnaie wieder aufzutanken.
© Jochen Müller Der zentrale Platz in Same, daneben liegt die Schule, unweit von hier unsere Unterkunft und ein Restaurant. Jochen Müller
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