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25. Oktober 2012
Die Küche im Vorgarten
Im Süden des Ortes kann man die alte Maorisiedlung besuchen, deren unaussprechlicher Name der Einfachheit
noch kürzer Whaka genannt. Wer es komplett mag:
unten steht der volle Name
Besonders spannend war zu erfahren, wie sie die Geothermie für den Alltag nutzen. Keines der Häuser im Dorf hat beispielsweise ein Bad oder einen Herd. Wozu? Die heißen Quellen befinden sich direkt hinter dem Haus. Von hier aus wird das Wasser abgeführt und, mit Flusswasser vermischt, und so auf die angenehme Temperatur von knapp unter 40°C gekühlt, in die Wannen geleitet, die jedem Einwohner jederzeit zur Verfügung stehen.
„Ich nehme jeden Morgen zwischen sechs und sieben Uhr hier ein Bad, während neben mir, hinter dem
Kochtopf und Mikrowelle im Vorgarten
Nebenan, in einem umzäunten Pool, ist eine der Kochstellen des Dorfes. „Ein Beutel mit einem Dutzend tief gefrorener Hühnchen ist in zehn Minuten gar, Maiskolben in fünf". Nebenan steigt aus einer aus dem Boden ragenden Holzkonstruktion Dampf auf. „Unsere Mikrowelle". Erklärt er. „Wenn ein Stein darauf liegt, dann weiß man, dass jemand gerade etwas darin kocht. Dann sollte man besser nicht den Deckel heben, sonst wird jemand ärgerlich" sagt er, während er es doch wagt und uns begeistert berichtet, was es in dieser Familie zum Abendbrot geben wird. „Hmm", gurrt er „ein Schweinskopf. Nach einer Viertelstunde im Dampf, braucht man den Kopf nur auf ein Brett fallen lassen, das Fleisch fällt locker ab und man kann es essen. Herrlich" Gemüse, Kartoffeln, Reis, Fleisch, alles lässt sich in einem Topf hier garen, man muss es nur hineinstellen und wenige Minuten später kann gegessen werden. „Abends nach der Arbeit geht man mit dem Topf hinaus, stellt ihn hier rein, geht zum baden und auf dem Rückweg nimmt man das Abendessen mit heim. Perfekt. Dabei hat man keine Energie verbraucht und kein Wasser verschwendet. Es ist gesund, umsonst und es schmeckt auch nicht nach Schwefel" wovon wir uns danach überzeugen können, als wir einen so gegarten Maiskolben verzehren, der wirklich herrlich schmeckt und butterzart ist.
© Jochen Müller Die "Mikrowelle" von Whakarewarewa.Die Ahnen im Zentrum
Im Zentrum des Dorfes steht das wohl wichtigste Gebäude. Das Ahnenhaus. Laut Auskunft des Führers handelt es sich dabei weder um eine Kirche, noch um einen andersartig zu verstehenden Sakralbau. „Das Haus selbst stellt unsere Ahnen dar, es ist auch so aufgebaut und erzählt unsere Geschichte". Da die Maori keine Schriftsprache kannten, wurde so ihre Geschichte von Generation zu Generation weiter gegeben. Als er die bedeutsamen Schnitzereien erklärt, die das Haus und die davor stehenden Statuen verzieren, erkennen wir erst, was uns auf den ersten Blick nicht aufgefallen war. Der Eingangsbereich des Hauses stellt einen Menschen dar, der Giebel ist der Kopf, die Dächer die Arme, die zu fünf Fingern auslaufen und unter dem Dach sind die Rippen dargestellt. Der zentrale Stützbalken stellt das Rückgrat dar. Alles ist mit Schnitzereien von Gesichtern verziert, welche die Generationen seit Gründung des Dorfes darstellen. Sieht man darauf stets die ausgestreckte Zunge, weiß der Betrachter, dass es sich hierbei um Männer handelt. Sie beschützen die Frauen, die sich im Falle von Gefahr ins Innere des Gebäudes zurück ziehen. „Hier ist auch eine zentrale Statue, die unseren Chief darstellt, und zugleich das Herz des Hauses ist." Das Fenster an der Front stellt das Auge dar und der Eingang ist der Mund. Alles an diesem Gebäude hat eine Geschichte, die Symbolik steckt in jedem Detail. „Hier drin werden keine Predigten gehalten wie in Kirchen, es ist ein Versammlungsort, hier werden Geburtstage, Hochzeiten und andere Feierlichkeiten abgehalten, aber auch andere Zusammenkünfte des Dorfes. Das Ahnenhaus ist das Zentrum des Dorfes und das Zentrum des Lebens unseres Stamms, ausgedrückt durch seine Bauweise und die Ahnen die es symbolisiert". Dass man trotzdem im Dorf eine protestantische und eine katholische Kirche findet, ist kein Widerspruch. Der Glaube der Maori gründet sich wie der christliche auf einen einzigen Schöpfer, so dass es die Missionare leicht hatten, die Maori für ihre Lehren zu begeistern. „Irgendwann versammelte dann der damalige Chief den Stamm im Ahnenhaus und sagte ihr alle auf der linken Seite, ihr seit ab jetzt katholisch und ihr auf der rechten Seite ihr seit Protestanten. Damit war auch das erledigt". Um die Unterschiede kümmert man sich hier wenig, es ist eine durchweg gelebte Ökumene, die neben den Ahnen weiterhin besteht. „Die Kirchen sind Häuser der Religion, das Ahnenhaus ist eben das. Das Haus der Ahnen" Die Maori sind pragmatische Menschen.
Ein Tanz als Vorbereitung auf die Rugby-Schlacht
© Jochen Müller Poi.Die armen Argentinier taten uns jetzt schon leid.
Jochen Müller
Kommentare zu "Die Küche im Vorgarten"
"Nie wusste über die Maori-Dorf, bis der Lektüre Ihrer Post. Häuser sieht so cool, und Sie haben einen fantastischen Job bei der Deckung die Details gemacht. Ich plane, lesen Sie in diesem Ort, ich das nächste Mal dort.
Sorry für deutsche writing skills. Ich bin immer noch lernen und daran zu arbeiten."
Re:

Danke für den Kommentar, sehr gerne geschehen. Das Dorf Whaka hat auch uns begeistert und eingenommen. Noch mehr vielleicht die Art, wie es uns gezeigt wurde. Ich hoffe, sie können es bald selber sehen. Viel Freude dabei wünscht, Jochen Müller
Toller Artikel
Es gibt doch so manche Kuriosität auf diesem Planeten. Aber einen riesigen Dampfgarer im Hinterhof zu haben, ist die Höhe. Es ist wahrscheinlich eine Frage der Zeit, bis das erste Restaurant auf die Idee kommt, diese heißen Quellen kommerziell zu nutzen.
Danke für den Artikel
"Die Küche im Vorgarten" kommentieren

Einen beeindruckenden Bericht ueber den Alltag der Maori. Danke fuer diesen Einblick.