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20. November 2011
In der Wildnis 2. Teil
Die erste Station des Tages war das Erdene Zuu Kloster in Kharakhorum. Leider konnten wir nicht mehr sehen als den Innenhof, da das Museum des Klosters an Wochenenden geschlossen hat. Doch auch die wenige Zeit, die wir dort hatten, lohnte sich. Wir besuchten eine Ger, in der Mönche im Kreis saßen und beteten. Rächerstäbchen verbreiteten ihren Duft und buddhistische Devotionalien schmückten die große Ger.
Fahrt ans Ende der Welt
Die Fahrt dauerte vier Stunden. Wieder ging es über einsame Straßen, die teilweise bis zum Horizont keine Kurve beschrieb.
Doch an diesem Tag hatten wir Glück, das Auto hatte keine Panne.
Am frühen Nachmittag pausierten wir in einem kleinen Dorf. Dorthin zu gelangen war in sofern kompliziert, als es einen Bach zu überqueren galt und wir die Straße bereits einige Zeit hinter uns gelassen hatten. Nun ging es über Feldwege, manchmal auch direkt über Wiesen und Felder. Hier gab es keinen Asphalt, keinen Beton und somit auch keine Brücke. Wir mussten einige Male halten, Jay stieg aus und begutachtete den gefrorenen Bachlauf skeptisch, bis er eine Stelle ausgemacht hatte, von der er meinte, dass das Eis dick genug sei um das Auto zu halten. Es war wohl seiner Erfahrung zu verdanken, dass wir wohl behalten ankamen, obwohl uns beiden etwas mulmig zumute war und wir meinten das Eis knirschen zu hören.
In diesem kleinen Dorf, dessen Häuser nahezu ausschließlich aus Holz gebaut waren, dessen Wege mehr aus kleinen Hügeln und Tälern, denn aus einer ebenen Piste bestanden, nahmen wir unser Mittagessen ein. In einer kleinen Stube gab es Dumplings. Das sind aus Nudelteig geformte ballonförmige Taschen mit Füllung, welche an diesem Tag aus Lammfleisch bestand. In China werden sie meistens gedämpft, hier wurden sie in Brühe gekocht serviert und schmeckten köstlich.
So gestärkt ging es weiter.
Ein gefrorener Wasserfall
Nachdem wir die Ger bezogen hatten, machten wir uns gleich auf dem Weg zum Wasserfall, der kaum 300 Meter hinter der Ger liegen sollte. Doch er war weder zu sehen noch zu hören. Wo sollte er sein? Etwas unsicher folgten wir dem Fingerzeig von Jay. Und standen erneut mit offenen Mündern da. Sprachlos. Ein kleiner Bach hatte sich im Lauf der Jahrtausende einen kleinen Canyon in die Landschaft gegraben, dessen Beginn genau vor uns lag. Ein Wasserfall, beinahe zur Gänze gefroren, ergoss sich etwa zehn Meter in die Tiefe, bildete einen kleinen Weiher und zog von dort aus durch das ganze Tal. An manchen Bäumen oder Steinen waren Gebetstücher befestigt, sie flatterten im Winde und setzten diesem Anblick die Krone auf. Wir stiegen hinunter in den Canyon, fotografierten anfangs wie wild, doch standen bald nur noch dort und staunten mit offenen Mündern, die Kamera vergessen um den Hals baumelnd. Es war unbeschreiblich schön.
Todesmutig hoch zu Ross
Kaum zurück in der Ger und aufgewärmt holte uns Jay wieder ab. Die Pferde waren gesattelt, der Ausritt konnte losgehen. Na denn auf die Rösser und ab dafür! Was wörtlich zu verstehen ist, denn genau so war es. Wer meint, wir wären an die Hand genommen worden, hätten eine Einweisung bekommen oder etwa Schutzausrüstung, der irrt gewaltig. In den Sattel und viel Spaß, seid bitte in einer Stunde wieder zurück, denn die Sonne geht unter und der Hof ist im Dunkeln schwer zu finden. Alles klar!
Ein kleiner Junge von etwa 12 Jahren lief anfangs neben uns her, nach ein paar Minuten blieb er auf einem Hügel stehen und beobachtete uns nur noch.
Nachdem wir uns etwas beruhigt hatten und über die erste Schrecksekunde lachen konnten, fing der Spaß an. Wir ritten hier hin und dort hin, an die Kante des Canyons (die Zügel noch eine Spur fester als vorher, man weiß ja nie), und testeten sogar einen leichten Trab aus. Doch der Ausritt dauerte keine Stunde, denn mit eingefrorenen Oberschenkeln reitet es sich schlecht. Also brachen wir das Unterfangen nach knapp einer halben Stunde ab und ließen den Tag in der Ger bei einer heißen Suppe ausklingen. Wie es sich für echte Mongolen gehört.
Jochen Müller
Kommentare zu "In der Wildnis 2. Teil"
Und flug mit dem Finger . . .
. . . sind wir auch schon wieder hinterher.
http://g.co/maps/mtja2
die echten Mongolen
Ja, ganz genau so machen das die echten Mongolen bestimmt auch. Meine ich juengst sogar auf National Geographic gesehen zu haben ;)
Montag Morgen im Büro
Hallo ihr Helden!
Ich zoome mich gerade durch Christines google-Karte eures Weges und verlasse für diese Momente, in denen ich euren Erzählungen folge, meinen Schreibtisch und versuche mich in eure Situation, in eure Gefühlswelt zu versetzen und verbleibe mit feuchten Händen und dem Kribbeln im Bauch. Ein weiser alter Affe Rafiki hat mal gesagt:"Es gibt mehr als Du siehst!" Und so lausche ich eurer Mehr-Sichtigkeit und eurer Wortgewandtheit und erfreue mich an eurem Mut und Männlichkeit! ;)
Der Weg entsteht beim Gehen!
Hoch zu Ross
Das ist mein Lieblingsbericht! Ich bin stolz auf Euch beide! ;-)
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Jochen höttest vielleicht früher in Kanada oder USA in wärmeren Gefilden unter Anleitung eines Cowboys üben sollen hihi