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12. Juni 2012
Nicht alles Gold, was glänzt
Ein kleiner kritischer Nachtrag zu unserem Malaysia-Fazit, in dem wir die funktionierende Multi-Kulti-Gesellschaft über den grünen Klee lobten. Denn so haben wir es erfahren. Doch es gibt auch eine andere Seite.
Die folgende Anekdote haben wir zwar weder selbst erlebt noch überprüft, doch wurden uns von Einheimischen erzählt, als das Thema auf die multikulturelle Gesellschaft kam. Und wir wollen sie als kleine Relativierung nicht unerwähnt lassen.
Auch wenn der Islam in Malaysia Staatsreligion ist, so garantiert die Verfassung Religionsfreiheit. Das heißt aber nicht zwangsläufig, dass die Angehörigen aller Glaubensrichtungen gleich behandelt werden. So wurde uns zugetragen, dass es beispielsweise an den Universitäten Quoten für Moslems gebe, das heißt, dass an manchen Universitäten und in manchen Fächern angeblich bis zu 90% der Studienplätze für Muslime reserviert sind. Ganz gleich, ob es notenbessere Andersgläubige gibt. Dieses Studiensystem wirkt sich natürlich auch nachhaltig auf andere Bereiche in der Gesellschaft aus. So gilt das malaiische Gesundheitssystem nicht als das allerbeste, gehen doch die notenbesten nichtmuslimischen Studenten lieber an Universitäten im Ausland, die diese natürlich gerne annehmen. In diesem Zusammenhang wurde uns auch die Geschichte eines Ministers erzählt, der zwar das Quotensystem an den Universitäten vehement unterstützte, sich selbst aber zur medizinischen Behandlung lieber ins Ausland begab.
Wie bereits im vorangegangenen Text erwähnt, bleiben die ethnischen Gruppen gerne unter sich. Die Landessprache Bahasa wird längst nicht von jedem beherrscht und in Chinatown hört man Chinesich, in Little India Indisch. Untereinander spricht man oftmals Englisch. Ein chinesischstämmiger Malaie stellt sich auch als solcher vor, auch wenn er von indischstämmigen Malaien leicht zu unterscheiden ist. Die Herkunft der Vorfahren scheint auch nach Jahrhunderten in Malaysia für viele von großer Bedeutung zu sein.
Wie überall gilt auch in Malaysia, dass Integration keine Einbahnstraße ist. Politik und Gesellschaft müssen den Rahmen schaffen, die Menschen müssen diesen Rahmen aber letztlich mit Leben füllen. Auch das scheint in Malaysia nicht immer zu funktionieren. Doch offenkundig besser als an anderen Orten.
von Peer Bergholter
Die folgende Anekdote haben wir zwar weder selbst erlebt noch überprüft, doch wurden uns von Einheimischen erzählt, als das Thema auf die multikulturelle Gesellschaft kam. Und wir wollen sie als kleine Relativierung nicht unerwähnt lassen.
Auch wenn der Islam in Malaysia Staatsreligion ist, so garantiert die Verfassung Religionsfreiheit. Das heißt aber nicht zwangsläufig, dass die Angehörigen aller Glaubensrichtungen gleich behandelt werden. So wurde uns zugetragen, dass es beispielsweise an den Universitäten Quoten für Moslems gebe, das heißt, dass an manchen Universitäten und in manchen Fächern angeblich bis zu 90% der Studienplätze für Muslime reserviert sind. Ganz gleich, ob es notenbessere Andersgläubige gibt. Dieses Studiensystem wirkt sich natürlich auch nachhaltig auf andere Bereiche in der Gesellschaft aus. So gilt das malaiische Gesundheitssystem nicht als das allerbeste, gehen doch die notenbesten nichtmuslimischen Studenten lieber an Universitäten im Ausland, die diese natürlich gerne annehmen. In diesem Zusammenhang wurde uns auch die Geschichte eines Ministers erzählt, der zwar das Quotensystem an den Universitäten vehement unterstützte, sich selbst aber zur medizinischen Behandlung lieber ins Ausland begab.
Wie bereits im vorangegangenen Text erwähnt, bleiben die ethnischen Gruppen gerne unter sich. Die Landessprache Bahasa wird längst nicht von jedem beherrscht und in Chinatown hört man Chinesich, in Little India Indisch. Untereinander spricht man oftmals Englisch. Ein chinesischstämmiger Malaie stellt sich auch als solcher vor, auch wenn er von indischstämmigen Malaien leicht zu unterscheiden ist. Die Herkunft der Vorfahren scheint auch nach Jahrhunderten in Malaysia für viele von großer Bedeutung zu sein.
Wie überall gilt auch in Malaysia, dass Integration keine Einbahnstraße ist. Politik und Gesellschaft müssen den Rahmen schaffen, die Menschen müssen diesen Rahmen aber letztlich mit Leben füllen. Auch das scheint in Malaysia nicht immer zu funktionieren. Doch offenkundig besser als an anderen Orten.
von Peer Bergholter
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