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3. Juni 2012
Kuala Lumpur: Vom Schlammloch zur Weltstadt
Schlammiger Zusammenfluss. Der Name der malaysischen Hauptstadt hört sich wenig schmeichelhaft an. Doch in den 150 Jahren seit der Gründung hat sich einiges getan. Heute ist KL, wie die Kapitale genannt wird, eine Metropole, die einiges zu bieten hat, was den Besuch lohnt.
Als wir am Abend in Kuala Lumpur ankamen, gingen wir durch die hektischen Straßen und suchten uns eine Unterkunft. Zwar fanden wir eine Bleibe, die recht günstige Zimmer anbot, doch waren wir uns schnell einig, dass wir hier nicht lange bleiben wollten. Kalter Zigarettenrauch hing im fensterlosen Zimmer, die Kakerlaken und Ratten waren selbst im dritten Stock noch zu zahlreich, um selbst nach all den Monaten der Abhärtung übersehen werden zu können. Diesmal blieben wir auf der Suche nach einer Absteige außerhalb Chinatowns, waren wir doch auf der Suche nach dem wahren Malaysia, wollten uns nicht immer in den gleichen Vierteln bewegen. Am nächsten Tag zogen wir doch wieder nach Chinatown um. Das soll freilich nicht heißen, dass das wahre Malaysia dreckig sei. Mitnichten. Es soll eher einen Denkfehler verdeutlichen, der uns erst hier aufging. DAS Malaysia gibt es nicht. Wie bereits im Artikel über George Town berichtet, ist es die Mischung aus unterschiedlichen Kulturen, die das Land ausmacht. Und so hatten wir kein schlechtes Gewissen, in das chinesische Viertel zu ziehen. Was uns, nebenbei gesagt, nicht ganz so glücklich machte, wie andernorts. Was aber eher an Qualität und Preisniveau der Speisen lag.
© Jochen Müller Chinatown in Kuala Lumpur. Lampions allein machen kein Flair.
Petaling Street und Zentralmarkt
Chinatown in Kuala Lumpur erschien uns eher als Touristenfänger, denn als wirkliches Viertel chinesischer Einwanderer. Die Straßen barsten vor Essensständen mit Gerichten erstaunlich geringer Qualität, die „Haupt"straße Petaling Street war eine der typischen Marktstraßen, in der man allerlei Souvenirs und Bekleidung zu überteuerten Preisen kaufen konnte. Doch wer ein wenig weiter geht, der findet Alternativen. Das Gebäude des Zentralmarkts etwa. Es ist nicht nur nett anzusehen, es lädt auch zum Schlendern ein. Viele kleine Läden und Stände reihen sich hier aneinander und bieten allerlei Erzeugnisse einheimischer Handwerks- und Schneiderkunst an. Nicht nur wegen der Klimatisierung ein lohnenswerter Besuch.
© Jochen Müller Die Petaling Street lockt mit den üblichen "Original" Markenprodukten.
© Jochen Müller Der Zentralmarkt war uns da lieber.
Kleine Geheimnisse der großen Stadt
Der Zentralmarkt ist auch Ausgangspunkt für die „Free City Tour", an der wir teilnahmen.
© Jochen MüllerDer Zentralmarkt in KL.
Wie schon in anderen Städten zuvor, wird auch in KL diese Stadtführung von Freiwilligen betrieben, die jedoch im Gegensatz zu den Guides in anderen Städten allesamt akkreditierte Fremdenführer sind. Eine schriftliche Anmeldung ist erforderlich, man muss sogar seine Passnummer angeben. Dann jedoch steht dem informativen Vergnügen nichts mehr im Weg. Die knappen zweieinhalb Stunden sind wirklich lohnenswert, unsere Führerin zeigte uns neben dem Markt, Little India, dem Kolonialviertel und natürlich der Stelle, an der die Stadt gegründet wurde, einige Stellen, an denen der Besucher sonst unweigerlich vorbeigelaufen wäre. Kleine, alteingesessene Geschäfte, Hainanesische Cafés oder indische Barbiere, auf den „Free City Tours", die wir bisher mitmachten, bekamen wir stets einen anderen Blick auf die Stadt als nur die großen Hauptattraktionen. Gerade die kleinen Geschäfte, die versteckten Orte, die in Seitengassen verborgenen Geheimnisse und Besonderheiten sind es, die einer Stadt ihren Charakter verleihen. Und eben weil die „Free City Tours" von Freiwilligen betrieben werden, die sich nicht an öffentliche Vorgaben zu halten haben, führen sie die Besucher zu den Stellen, die in keinem Reiseführer auftauchen. Das beste Chicken Biryani der Stadt etwa hätten wir nie gefunden, hätte uns unser Tourguide nicht darauf aufmerksam gemacht. Und wenn, dann vielleicht nicht ausprobiert, denn so einladend sah der Stand in einer kleinen Gasse nun auch wieder nicht aus. Doch so probierten wir es und waren begeistert. In den Hinterhöfen der indischen Geldwechselstuben fanden wir die Restaurants, in denen die Einheimischen ihr Curry mit den Fingern von Bananenblättern essen, in chinesischen Geschäften bekamen wir gleich eine Einführung in die traditionelle chinesische Medizin, im taoistischen Tempel einen Schnellkurs in der Tempelarchitektur sowie der Gottheiten, und in Little India erfuhren wir, warum vor den Geschäften stets ein gelblicher Film auf den Fließen zu finden ist. Wir standen nie früh genug auf, um Zeuge zu werden, wie die Besitzer vor der Öffnung des Ladens jeden Morgen hier ein kleines Ritual durchführen und den Boden vor ihrem Laden mit Kurkuma und Wasser reinigen. Die gelblichen Überbleibsel jedoch sahen wir sehr wohl. Die Leidenschaft unserer Führerin zog nicht nur uns in ihren Bann. Im taoistischen Tempel schloss sich uns ein Einheimischer an, der hinterher begeistert zugab, dass er noch viele Dinge über seine Heimatstadt gelernt hatte. Er sagte, dass niemand in seiner Heimatstadt eine touristische Führung mitmache, weil man glaube, alles aus dem EffEff zu kennen. Das konnten wir nur bestätigen. Doch bekanntlich lernt man nie aus.
© Jochen Müller Kuala Lumpur heißt übersetzt der "schlammige Zusammenfluss". Das kann man auch heute noch nachvollziehen... An dieser Stelle wurde 1857 die Stadt von einer chinesischen Expedition gegründet, die auf der Suche nach Zinn-Vorkommen war.
© Jochen Müller Alt- neben Neubauten in KL, ganz links das hainanesische Café, in dem sich die Einheimischen unter der Woche zu einem Plausch treffen.
© Jochen Müller Das Sultan Abdul Samad Gebäude beherbergt unter anderem das höchste Gericht Kuala Lumpurs. Sicherlich schön anzusehen, doch auch leicht durch Konsultation eines Reiseführers zu finden.
© Jochen Müller Der Chicken Biryani Stand hingegen fällt selbst dann kaum auf, wenn man direkt davor steht.
© Jochen Müller Hat man ihn einmal gefunden, wird man mit absoluten Köstlichkeiten belohnt.
Den Überblick gewinnen
Die Petronas Towers. Die höchsten Zwillingstürme der Welt,
© Jochen Müller Die Petronas Towers.
das Wahrzeichen von Kuala Lumpur und Beweis für den Wohlstand, den sich die Stadt in den letzten 150 Jahren erarbeitet hat und zugleich für die Rolle, die Malaysia heute in Süd-Ostasien spielt. Sie bieten wirklich einen eindrucksvollen Anblick. Doch den Ausblick sparten wir uns, denn der Eintrittspreis war erstens ganz schön teuer, und zweitens musste man sich etwa zwei Tage im vornherein anmelden, wenn man zu den beliebtesten Zeiten (natürlich zum Sonnenuntergang) hinauf wollte. Wir entschieden uns stattdessen für die Besucherplattform des KL Towers, des höchsten Fernsehturms im Lande und unter den Top 10 weltweit. Sie bot uns für den halben Preis und keinerlei Wartezeit auch zu Stoßzeiten einen atemberaubenden Ausblick. Nicht nur auf die Petronas Towers. Wir waren begeistert. Denn abgesehen von den Türmen konnte man von hier oben auch sehen, wie grün Kuala Lumpur ist. Für eine so große Stadt nicht gerade üblich. Immer wieder sah man grüne Flächen, dahinter stehende Hochhäuser verrieten, dass die Stadt dort noch lange nicht zu Ende war. Es gab mal wieder zu viel zu sehen, für die wenige Zeit, die wir hatten. Eine weitere Attraktion jedoch wollten wir uns auf keinen Fall entgehen lassen.
© Jochen Müller Kuala Lumpur von oben. Blick in Richtung Osten.
© Jochen Müller Kuala Lumpur von oben. Chinatown in der Bildmitte.
© Jochen Müller Kuala Lumpur von oben. Der grüne Westen.
© Jochen Müller Spaß muss sein...
© Jochen Müller Spaß muss sein...
Die Batu Höhlen
Einige Kilometer außerhalb KLs liegen diese Kalksteinhöhlen, unweit eines Dorfes gleichen Namens.
© Jochen Müller Ein Makake nach erfolgreicher Jagd.
Vor dem Eingang thront eine über 40 Meter hohe Statue des hinduistischen Gottes Murugan, die im Gegensatz zu den Tempelanlagen im Inneren der Höhle erst 2006 errichtet wurde. Wer die 272 Stufen zur Hauptgrotte erklimmt, findet sich in einer eindrucksvollen, 100 Meter hohen Höhle wieder, die verdientermaßen den Namen Kathedralenhöhle trägt. Sie verbreitet wahrlich eine sakrale Stimmung, wenn auch die Flutlichtmasten im Inneren alles dafür tun, diesen Eindruck zu stören. Durchbrüche lassen Lichtstrahlen ins Innere fallen; wenn es regnet, wie im Falle unseres Besuchs, tropft Wasser in die Höhle, was dem Ganzen einen herrlich natürlichen Gesamteindruck verleiht. Wenn man es schafft, an den Lichtmasten vorbeizusehen. Auf den Treppen begrüßen einen die Makaken, lassen sich füttern oder sind so frei sich selbst zu bedienen, wenn man nicht gut auf seine Snacks (oder was man sonst in Händen hält) aufpasst. Leider behinderte der wolkenverhangene Himmel einen Ausblick auf KL, doch bei gutem Wetter, so wurde uns versichert, sei das Panorama herrlich. So mussten wir uns mit dem Anblick der Höhlen begnügen, was uns jedoch nicht schwer fiel.
© Jochen Müller Von hier aus kann man KL sehen. Manchmal.
© Jochen Müller Die Batu Höhlen nördlich von KL.
© Jochen Müller Die Haupt- oder Kathedralenhöhle macht ihrem Namen alle Ehre.
Die Mischung macht's
Als wir nach den wenigen Tagen, die wir in Kuala Lumpur hatten, wieder abreisten, hatten wir mal wieder nicht alles gesehen. Doch immerhin genug, um sagen zu können, dass Kuala Lumpur eine Ausnahmestadt in Süd-Ostasien ist. Nicht nur wegen des offensichtlichen Wohlstandes. Hier verbinden sich Moderne und Tradition zu einer eindrucksvollen Mischung, hier pulsiert das Leben neben ruhigen Seitenstraßen, ragen Glas- und Stahltürme neben alten Häuschen und weitläufigen Grünflächen empor, hier vermengen sich, wie schon in George Town, verschiedenste Völker, Ethnien und Religionen zu dem, was Malaysia ausmacht. Eine bunte, spannende, lebensfrohe und gleichermaßen gastfreundliche wie friedliche Mischung, die Kontraste bietet, ohne gegensätzlich zu wirken.
Jochen Müller
Als wir am Abend in Kuala Lumpur ankamen, gingen wir durch die hektischen Straßen und suchten uns eine Unterkunft. Zwar fanden wir eine Bleibe, die recht günstige Zimmer anbot, doch waren wir uns schnell einig, dass wir hier nicht lange bleiben wollten. Kalter Zigarettenrauch hing im fensterlosen Zimmer, die Kakerlaken und Ratten waren selbst im dritten Stock noch zu zahlreich, um selbst nach all den Monaten der Abhärtung übersehen werden zu können. Diesmal blieben wir auf der Suche nach einer Absteige außerhalb Chinatowns, waren wir doch auf der Suche nach dem wahren Malaysia, wollten uns nicht immer in den gleichen Vierteln bewegen. Am nächsten Tag zogen wir doch wieder nach Chinatown um. Das soll freilich nicht heißen, dass das wahre Malaysia dreckig sei. Mitnichten. Es soll eher einen Denkfehler verdeutlichen, der uns erst hier aufging. DAS Malaysia gibt es nicht. Wie bereits im Artikel über George Town berichtet, ist es die Mischung aus unterschiedlichen Kulturen, die das Land ausmacht. Und so hatten wir kein schlechtes Gewissen, in das chinesische Viertel zu ziehen. Was uns, nebenbei gesagt, nicht ganz so glücklich machte, wie andernorts. Was aber eher an Qualität und Preisniveau der Speisen lag.
Petaling Street und Zentralmarkt
Chinatown in Kuala Lumpur erschien uns eher als Touristenfänger, denn als wirkliches Viertel chinesischer Einwanderer. Die Straßen barsten vor Essensständen mit Gerichten erstaunlich geringer Qualität, die „Haupt"straße Petaling Street war eine der typischen Marktstraßen, in der man allerlei Souvenirs und Bekleidung zu überteuerten Preisen kaufen konnte. Doch wer ein wenig weiter geht, der findet Alternativen. Das Gebäude des Zentralmarkts etwa. Es ist nicht nur nett anzusehen, es lädt auch zum Schlendern ein. Viele kleine Läden und Stände reihen sich hier aneinander und bieten allerlei Erzeugnisse einheimischer Handwerks- und Schneiderkunst an. Nicht nur wegen der Klimatisierung ein lohnenswerter Besuch.
Kleine Geheimnisse der großen Stadt
Der Zentralmarkt ist auch Ausgangspunkt für die „Free City Tour", an der wir teilnahmen.
Den Überblick gewinnen
Die Petronas Towers. Die höchsten Zwillingstürme der Welt,
Die Batu Höhlen
Einige Kilometer außerhalb KLs liegen diese Kalksteinhöhlen, unweit eines Dorfes gleichen Namens.
© Jochen Müller Ein Makake nach erfolgreicher Jagd.Die Mischung macht's
Als wir nach den wenigen Tagen, die wir in Kuala Lumpur hatten, wieder abreisten, hatten wir mal wieder nicht alles gesehen. Doch immerhin genug, um sagen zu können, dass Kuala Lumpur eine Ausnahmestadt in Süd-Ostasien ist. Nicht nur wegen des offensichtlichen Wohlstandes. Hier verbinden sich Moderne und Tradition zu einer eindrucksvollen Mischung, hier pulsiert das Leben neben ruhigen Seitenstraßen, ragen Glas- und Stahltürme neben alten Häuschen und weitläufigen Grünflächen empor, hier vermengen sich, wie schon in George Town, verschiedenste Völker, Ethnien und Religionen zu dem, was Malaysia ausmacht. Eine bunte, spannende, lebensfrohe und gleichermaßen gastfreundliche wie friedliche Mischung, die Kontraste bietet, ohne gegensätzlich zu wirken.
Jochen Müller
Kommentare zu "Kuala Lumpur: Vom Schlammloch zur Weltstadt"
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Mit euch lernt man fürs Leben.
Z.B., dass schwarze T-Shirts bei diesem Klima fotogener wirken als grüne... ;)
Danke für die Weiterbildung und gute Reise weiterhin!
Stan. The biggest fan.