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1. Juni 2012
Ein Tag auf Penang
Nachdem wir meinten, George Town zu Genüge erkundet, die wichtigsten Sehenswürdigkeiten gesehen und das Flair Chinatowns und Little Indias aufgesogen zu haben, beschlossen wir, über die Grenzen der Stadt hinaus zu blicken und den Rest der gut 1000 km² großen Insel zu erforschen.
© Bergholter "Steig auf Puppe!"
"Steig auf, Puppe", sagte Jochen. Ich leistete der Aufforderung Folge und nahm auf dem Sozius des gemieteten Motorrollers Platz. In Malaysia herrschen offenbar andere Sitten, denn hier wollen sie einen Führerschein sehen, bevor sie einem ein Gefährt vermieten. Tse. Da wir keinerlei Risiko eingehen wollten, mit der Staatsmacht aneinander zu geraten, nahmen wir uns also nur einen Roller und fuhren los in Richtung Norden.
Der Küste folgend
Wir planten, der Straße entlang der Küste zu folgen und versprachen uns dort einige schöne Buchten und Strände vorzufinden. Die erste Bucht, die wir ansteuerten, lag noch im Stadtgebiet George Towns und ließ uns nicht gerade vor Ehrfurcht erstarren. Wir standen auf der von Hochhäusern gesäumten Promenade und ließen den Blick schweifen. Das Geröllfeld unterhalb der Promenade ging nach wenigen Metern direkt ins Meer über. Über das Wasser hinweg sahen wir auf dem Festland liegend Butterworth, mit seiner großen Hafenanlage. Am Horizont zogen, den Perlen auf der Schnur gleich, Frachtkähne dahin. Und dann kam der Gestank. Er ging vom Wasser aus, in dem allerlei Unrat dümpelte und das bei näherer Betrachtung von einem schmierigen Ölfilm bedeckt war. Wir beschlossen, die mitgebrachten Badehosen noch nicht auszupacken und stattdessen schleunigst weiterzufahren.
© Bergholter Noch nicht da Wahre: Promenade und "Strand" in George Town mit Blick auf den Hafen von Butterworth.
Wir folgten der Küstenstraße und sobald wir George Town verließen, bot sich uns ein gänzlich anderes Bild: Die schmale Straße folgte in Serpentinen der Küstenlinie, das Meer zur Rechten und den tropischen Regenwald zur Linken. Ab und an gab die Straßenbegrenzung den Weg zu einer kleinen Bucht frei, die dann doch eher dem entsprach, was wir erwarteten. Kleine Strandabschnitte, eingefasst von Felsformationen und den Ausläufern des Waldes und in klarem Wasser mündend. Hier gingen wir erstmals ins Meer, blickten auf den Horizont und atmeten tief durch.
© Bergholter Herrliche Aussicht: Kurzer Stopp im Inneren der Insel.
Die schönste Ecke der Insel
Als wir weiterfuhren, entdeckten wir sie, die schönste Ecke Penangs. Es ist der Penang Nationalpark (Taman Negara Pulau Pinang), am äußersten nordwestlichen Ende der Insel. Hier, im kleinsten Nationalpark der Welt, gibt es traumhafte Strände, Korallenriffe, dichten Urwald und Einsamkeit. Diese Einsamkeit wird höchstens gestört durch die Vielzahl der hier lebenden Tiere. Der Nationalpark bietet Lebensraum für unterschiedlichste Arten von Schlangen, Affen, exotischen Vögeln und diversen Reptilien, von denen der Park insbesondere für die vielfältigen Schlidkrötenpopulationen berühmt ist.
Es wird empfohlen, sich mit dem Boot in den Penang Nationalpark fahren zu lassen und diesen dann zu Fuß zu erkunden. Ein Tagestrip sollte ausreichen, um sich den Park zu erschließen. Da wir aber erst gegen Mittag dort eintrafen und zudem unseren gemieteten Roller ausnutzen wollten, entschlossen wir uns dazu, den Besuch des Parks zu verschieben und uns darauf zu beschränken, lediglich seine Ränder abzufahren.
Das Innere der Insel
Als wir die Ausläufer des Penang Nationalprks abfuhren, führte uns die Straße weg von der Küste, hinein ins Innere der Insel. Wir passierten den Telok Baham Damm und das dahinter liegende größte Frischwasserreservoir Penangs, bevor sich unser Roller die Serpentinen hinauf in die Berge arbeitete. Je weiter wir die Küste hinter uns ließen, desto tiefer tauchten wir in den Regenwald ein. Wir passierten weitere Touristenattraktionen wie einen Botanischen Garten und die Schlangenfarm von Penang, bevor wir die Kuppe des Höhenzuges erreichten und der dichte Wald plötzlich den Blick auf die inzwischen unter uns liegende Nordseite der Insel freigab. Wir hielten an und sogen das atemberaubende Panorama in uns auf.
© Bergholter Blick über den Nordwesten der Insel.
© Bergholter Blick über den Nordwesten der Insel. Detailansicht.
Die zwei Gesichter Penangs
© Bergholter Willkommen im Südwesten
Penangs: Bayan Lepas.
Wir fuhren die Insel an der Westseite von Nord nach Süd ab, passierten dabei viele kleine Ortschaften und tauchten immer wieder in den Urwald ein. Als wir die Südküste Penangs erreichten, folgten wir wieder der Beschilderung nach George Town. Und es bot sich uns plötzlich ein gänzlich anderes Bild. Als wir durch den Ort Bayan Lepas kamen, wurde die Szenerie zunehmend urbaner. Zunächst kündigten lange Reihen von Wohnblocks den dicht besiedelten Teil der Insel an, in dem die Mehrheit der knapp 1,5 Millionen Einwohner lebt und arbeitet. Wenig später verrieten uns die Hochhäuser, dass wir den ursprünglichen und naturbelassenen Part Penangs nun endgültig hinter uns gelassen hatten. Die über uns hinweg donnernden Flugzeuge ließen die Nähe zum Inselflughafen erahnen. Hier waren wir definitiv wieder auf der urbanen und wirtschaftlich erschlossenen Seite Penangs angelangt, deren Zentrum die Hauptstadt George Town bildet. So war es auch nicht weiter verwunderlich, dass die Beschilderung irgendwann einfach aufhörte und wir bereits mitten in George Town waren, ohne realisiert zu haben, einen der anderen Orte im Südosten der Insel je verlassen zu haben. Hier geht alles ineinander über, konturlos und seelenlos, bis wir wieder in den nördlichsten Teil George Towns und schließlich in das bunte und lebendige Chinatown eintauchten.
© Bergholter Irgendwo zwischen George Town und Bayan Lepas.
So erkundeten wir in einem Tag Penang und erlebten dabei beide Gesichter der Insel. Und wir waren uns einig, dass uns das natürliche, das ursprüngliche Gesicht des Nordens wesentlich besser gefiel.
von Peer Bergholter
Der Küste folgend
Wir planten, der Straße entlang der Küste zu folgen und versprachen uns dort einige schöne Buchten und Strände vorzufinden. Die erste Bucht, die wir ansteuerten, lag noch im Stadtgebiet George Towns und ließ uns nicht gerade vor Ehrfurcht erstarren. Wir standen auf der von Hochhäusern gesäumten Promenade und ließen den Blick schweifen. Das Geröllfeld unterhalb der Promenade ging nach wenigen Metern direkt ins Meer über. Über das Wasser hinweg sahen wir auf dem Festland liegend Butterworth, mit seiner großen Hafenanlage. Am Horizont zogen, den Perlen auf der Schnur gleich, Frachtkähne dahin. Und dann kam der Gestank. Er ging vom Wasser aus, in dem allerlei Unrat dümpelte und das bei näherer Betrachtung von einem schmierigen Ölfilm bedeckt war. Wir beschlossen, die mitgebrachten Badehosen noch nicht auszupacken und stattdessen schleunigst weiterzufahren.
Wir folgten der Küstenstraße und sobald wir George Town verließen, bot sich uns ein gänzlich anderes Bild: Die schmale Straße folgte in Serpentinen der Küstenlinie, das Meer zur Rechten und den tropischen Regenwald zur Linken. Ab und an gab die Straßenbegrenzung den Weg zu einer kleinen Bucht frei, die dann doch eher dem entsprach, was wir erwarteten. Kleine Strandabschnitte, eingefasst von Felsformationen und den Ausläufern des Waldes und in klarem Wasser mündend. Hier gingen wir erstmals ins Meer, blickten auf den Horizont und atmeten tief durch.
Die schönste Ecke der Insel
Als wir weiterfuhren, entdeckten wir sie, die schönste Ecke Penangs. Es ist der Penang Nationalpark (Taman Negara Pulau Pinang), am äußersten nordwestlichen Ende der Insel. Hier, im kleinsten Nationalpark der Welt, gibt es traumhafte Strände, Korallenriffe, dichten Urwald und Einsamkeit. Diese Einsamkeit wird höchstens gestört durch die Vielzahl der hier lebenden Tiere. Der Nationalpark bietet Lebensraum für unterschiedlichste Arten von Schlangen, Affen, exotischen Vögeln und diversen Reptilien, von denen der Park insbesondere für die vielfältigen Schlidkrötenpopulationen berühmt ist.
Es wird empfohlen, sich mit dem Boot in den Penang Nationalpark fahren zu lassen und diesen dann zu Fuß zu erkunden. Ein Tagestrip sollte ausreichen, um sich den Park zu erschließen. Da wir aber erst gegen Mittag dort eintrafen und zudem unseren gemieteten Roller ausnutzen wollten, entschlossen wir uns dazu, den Besuch des Parks zu verschieben und uns darauf zu beschränken, lediglich seine Ränder abzufahren.
Das Innere der Insel
Als wir die Ausläufer des Penang Nationalprks abfuhren, führte uns die Straße weg von der Küste, hinein ins Innere der Insel. Wir passierten den Telok Baham Damm und das dahinter liegende größte Frischwasserreservoir Penangs, bevor sich unser Roller die Serpentinen hinauf in die Berge arbeitete. Je weiter wir die Küste hinter uns ließen, desto tiefer tauchten wir in den Regenwald ein. Wir passierten weitere Touristenattraktionen wie einen Botanischen Garten und die Schlangenfarm von Penang, bevor wir die Kuppe des Höhenzuges erreichten und der dichte Wald plötzlich den Blick auf die inzwischen unter uns liegende Nordseite der Insel freigab. Wir hielten an und sogen das atemberaubende Panorama in uns auf.
Die zwei Gesichter Penangs
Penangs: Bayan Lepas.
So erkundeten wir in einem Tag Penang und erlebten dabei beide Gesichter der Insel. Und wir waren uns einig, dass uns das natürliche, das ursprüngliche Gesicht des Nordens wesentlich besser gefiel.
von Peer Bergholter
Kommentare zu "Ein Tag auf Penang"
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Als Sohn eines Stadtplaners so abfällig über Georg Town zu schreiben, zeigt, dass Dir die Vorzüge der naturfernen Lebensformen noch nicht so richtig erschlossen sind. Es sei dem Traum vom wahren Leben geschuldet.
Giggi