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30. September 2011
Eine Lanze für Vilnius
Vilnius ist schön!
Bei Nacht noch mehr als tagsüber. Das liegt nicht daran, dass man nachts weniger sieht, sondern daran, dass die meisten modernisierten Gebäude effektvoll angestrahlt werden, was ihre Schönheit nur noch mehr hervorhebt. Wer einen Faible für altes Bauwerk hat, der sollte Vilnius besuchen. Hier findet sich jeder Baustil von Gotik bis Glas und Stahl. Alleine die 50 Kirchen in der Innenstadt entlocken dem Besucher Begeisterung und Staunen, unabhängig von seiner eventuellen Religiosität. Zu erwähnen wäre hier, dass Vilnius den Namen „Rom des Ostens" genau daher hat. Weil man kaum zehn Meter gehen kann, ohne auf eine Kirche zu stoßen.
© Jochen Müller Zwei von vielen Kirchen
Es ist unglaublich, sie sind einfach überall. Manchmal direkt nebeneinander, teilweise gehen sie gleich ineinander über. Ich fragte mich zu Beginn noch, wer um alles in der Welt in all diese Kirchen gehen soll, es schienen einfach nicht genug Menschen dafür da zu sein. Doch das wurde irgendwann gleichgültig. Sie sind einfach da. Und sie sind schön. Punkt. Doch Vilnius war nicht nur Rom, es war auch das Jerusalem des Ostens. War. 98 Synagogen zählte Vilnius, bis die Deutschen davon 97 zerstörten oder nieder brannten. Nur eine einzige ist übrig geblieben und bis heute erhalten. Wir standen davor, lasen die Gedenktafel, und als wir weitergingen war uns wohl beiden etwas mulmig zu mute.
Auf der Pylimo gatvé, der Pylimo Straße, die bei der Markthalle am Rand der Altstadt beginnt und diese zum Osten hin begrenzt, gingen wir unseren ersten Spaziergang entlang, und ja, ganz Unrecht hat Peer nicht. Hier war wirklich einiges heruntergekommen und nicht besonders schön. Aber wenn man von der Pylimo abgeht und in Richtung Altstadt abbiegt, dann begibt man sich in eine andere Welt. Die Altstadt lädt zum träumen ein. Kleine Gässchen und Häuschen, daneben mit reichlich Stuck und oder Malerei verzierte Bauten und immer wieder die bereits erwähnten Kirchen. Einfach herrlich. In kleinen Cafés kann man verweilen, in den vielen Restaurants die Spezialitäten kosten und dann weiterziehen. So kann man locker zwei Tage verbringen ohne irgendetwas von innen gesehen zu haben. Und genau das haben wir gemacht. Wir verbrachten unsere Zeit auf den Straßen der Innenstadt von Vilnius.
© Jochen Müller Die Altstadt von Vilnius.
Und dazu haben die zwei Tage gerade so gereicht. Als wir unsere Ankunft verdaut und den Nachmittag verschlafen hatten, gingen wir abends los um uns die hungrigen Bäuche vollzuschlagen. Hierbei sei jedem Reisenden folgender Tip gegeben: Ohne Vorspeise wird der Bauch nicht voll. Und auch die Regel mit den einem Schnitzel entsprechenden sieben Bier hilft da nicht weiter. Die Portionen sind klein. Für mich definitiv zu klein. Aber lecker, immerhin. Unser Reiseführer sprach von Schwein, Hering und Kartoffeln als Nationalspeisen, welche wir testeten und für gut befanden. Zum Beispiel Schnitzel. Oder Zeppeline. Das sind Klöße, die mit allerlei Zutaten gefüllt sein können. Wir entscheiden uns für die traditionelle Version und nahmen sie mit Hackfleisch gefüllt und mit Saurer Sahne und gerösteten Semmelbrösel garniert. Danach schmissen wir allerdings die Traditionen über Bord und gönnten uns von einem Spätkauf noch ein kleines Stück Pizza, denn wie gesagt, den Portionen hier mangelt es an Masse. In der Bar des Institut francais fanden wir eine urgemütliche Lokalität um den ersten Tag ausklingen zu lassen. Man sitzt auf schmucken Couchgarnituren, in der Ecke steht ein Kachelofen und aus den Boxen kommt entspannte Musik, die leise genug ist, dass man sich gut unterhalten kann. Z.B. mit der Bardame, im Versuch ihr zu erklären was Trinkgeld ist. Kein Scherz. Sie fragte Peer, was es damit auf sich hat, dass ihr die Leute immer einen anderen, höheren, Preis antworten, wenn sie ihnen verkündet, wie viel sie zu bezahlen haben. Das Konzept hatte sie dann wohl begriffen, allein sie schenkte ihm keine Beachtung. Weder in dieser Bar noch in irgendeinem Etablissement welches wir in Vilnius besuchten. Nichts zu machen. Die einzige Möglichkeit in Vilnius Trinkgeld zu geben, ist, es auf dem Tisch liegen zu lassen und schnell wegzulaufen. Anders hat man keine Chance.
Wir gaben auf und ließen es dabei bewenden. Für den ersten Tag hatten wir sowieso genug erlebt und mussten das erstmal verarbeiten, was ja bekanntlich im Schlaf ganz gut klappt...
Jochen Müller
Bei Nacht noch mehr als tagsüber. Das liegt nicht daran, dass man nachts weniger sieht, sondern daran, dass die meisten modernisierten Gebäude effektvoll angestrahlt werden, was ihre Schönheit nur noch mehr hervorhebt. Wer einen Faible für altes Bauwerk hat, der sollte Vilnius besuchen. Hier findet sich jeder Baustil von Gotik bis Glas und Stahl. Alleine die 50 Kirchen in der Innenstadt entlocken dem Besucher Begeisterung und Staunen, unabhängig von seiner eventuellen Religiosität. Zu erwähnen wäre hier, dass Vilnius den Namen „Rom des Ostens" genau daher hat. Weil man kaum zehn Meter gehen kann, ohne auf eine Kirche zu stoßen.
Auf der Pylimo gatvé, der Pylimo Straße, die bei der Markthalle am Rand der Altstadt beginnt und diese zum Osten hin begrenzt, gingen wir unseren ersten Spaziergang entlang, und ja, ganz Unrecht hat Peer nicht. Hier war wirklich einiges heruntergekommen und nicht besonders schön. Aber wenn man von der Pylimo abgeht und in Richtung Altstadt abbiegt, dann begibt man sich in eine andere Welt. Die Altstadt lädt zum träumen ein. Kleine Gässchen und Häuschen, daneben mit reichlich Stuck und oder Malerei verzierte Bauten und immer wieder die bereits erwähnten Kirchen. Einfach herrlich. In kleinen Cafés kann man verweilen, in den vielen Restaurants die Spezialitäten kosten und dann weiterziehen. So kann man locker zwei Tage verbringen ohne irgendetwas von innen gesehen zu haben. Und genau das haben wir gemacht. Wir verbrachten unsere Zeit auf den Straßen der Innenstadt von Vilnius.
Wir gaben auf und ließen es dabei bewenden. Für den ersten Tag hatten wir sowieso genug erlebt und mussten das erstmal verarbeiten, was ja bekanntlich im Schlaf ganz gut klappt...
Jochen Müller
Kommentare zu "Eine Lanze für Vilnius"
von Johannes Kamps
am 21.11.2011 um 11:15 Uhr
Wohltuend, das genaue Gegenteil zu den blöden, konsumistischen Berichten unter
/www.touropean.com/litauen_kaunas_vilnius_trakai/bericht.htm
und www.geo.de/blog/geo/mittendurch-statt-druberweg/allgemein/vilnius-ein-europ-isches-trauerspiel
Wo bzw. in welcher Verfassung waren diejenigen, die diese Berichte verfasst haben. Ich war jetzt schon fünfmal dort und habe natürlich auch das Miese und Hässliche (z.B auf tagelangen Touren durch Außenbezirke) und die noch immer verfallenden Viertel gesehen. Und war auch verärgert! Und man darf da auch nicht locker lassen und Verbesserungen einfordern. Aber der Wert des Überkommenen und schon Restaurierten übertrifft doch alle Miseren...
Johannes Kamps, Wiesbaden
"Eine Lanze für Vilnius" kommentieren


na endlich habt ihr Vilnius verstanden ;-)
wenn ihr länger bliebet , würdet ihr es lieben !!
gute Reise