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3. Oktober 2011
Riga - meine Perle!
Märchenhafte Altstadt
Der erste Eindruck war überwältigend: Sofort tauchten wir in die kleinen, gewundenen, gepflasterten Gässchen ein und ließen uns ziellos treiben. Und genau das möchte ich jedem raten, der einmal nach Riga kommen sollte. Eines festen Ziels vor Augen bedarf es hier nicht unbedingt, denn beim Schlendern durch den historischen Stadtkern kommt man zwangsläufig an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten vorbei:
Nachdem wir noch unter dem Eindruck von Vilnius standen, dessen vorzeigbare Ecken wir letztlich doch fanden, musste ich in Riga feststellen, dass Häuser mit vier Stockwerken, die ein geschlossenes Straßenbild ergeben, einen ungleich urbaneren Eindruck vermitteln. Es mutet irgendwie weltstädtischer an.
Stadtführung der etwas anderen Art
Ein weiteres Muss ist die Teilnahme an einer guided Free Tour (Yellow Free Tours - „look out for a guy with a yellow suitcase!"). Diese, wie der Name vermuten lässt, kostenlosen Stadtführungen eröffnen noch einmal einen anderen Blick auf die Stadt, fernab der klassischen touristischen Highlights.
Highlights
Ein Highlight der Stadt ist sicherlich die Skyline Bar, gelegen im 26. Stock des Radisson Blu Hotels. Die 2 Lats Eintritt (nur am Wochenende!) sollte man sich unbedingt leisten, um in dieser edlen Cocktailbar ein Getränk zu nehmen. Einzigartig ist hier aber nicht die üppige Cocktailkarte, sondern der fantastische Ausblick über ganz Riga. Atemberaubend! Auf keinen Fall die Kamera vergessen!
Empfehlenswert ist auch ein Besuch des Zentralmarktes (Centraltirgus, wie der Lette spricht), der vor und in vier großen ehemaligen Zeppelinhallen untergebracht ist. Allerdings stellte sich das mit den Zeppelinhallen als eine Lüge unseres Reiseführers heraus, denn wir erfuhren, dass lediglich die Dächer der alten (und andernorts gelegenen) Fertigungshallen für diese urzeitlichen Fluggeräte auf die Markthallen gesetzt wurden. Aber das sind Spitzfindigkeiten, denn die Architektur ist hier - obwohl sehenswert - eher zweitrangig. Vordergründig geht es um die sinnliche Erfahrung des bunten Marktreibens zwischen Obst- und Gemüsekisten, Auslagen mit Backwaren, Fleisch- und Käseständen sowie in der Fischhalle. Diese letzte sinnliche Erfahrung sollten sich Menschen mit einer Abneigung gegen Fisch vielleicht ersparen. Jedenfalls gibt es hier alles, was das Herz begehrt - frisch und günstig.
Kulinarisches Allerlei
Wer nicht selber kochen mag oder kann, der wird in Riga selbstredend nicht verhungern müssen. Die lokale Küche hebt sich unserer Erfahrung nach nicht sonderlich von der der restlichen baltischen Staaten ab: Fisch, Schwein und Kartoffeln in unterschiedlichsten Variationen. Einflüsse der deutschen und mit Abstrichen der russischen und polnischen Küche sind erkennbar. Nicht schlecht das Ganze. Überzeugend aber unspektakulär. Einzig das lettische Nationalgericht - graue Erbsen an Speck und Zwiebeln - wusste nicht restlos zu gefallen. Dieses Relikt aus Zeiten, in denen in Lettland Essen lediglich der Nahrungszufuhr für die hart schuftenden Bauern diente und dem Zwecke, diese im harten baltischen Winter zu wärmen, haben wir natürlich auch probiert. Und was soll ich sagen? Wir haben es halt probiert. Ein zweites Mal wird es da wohl nicht geben.
Auch wenn es noch zahllose weitere Restaurants geben wird, können wir nur aus unserem begrenzten gastronomischen Erfahrungsschatz schöpfen und würden das Lido (Bin mir nicht sicher, ob es sich dabei nicht sogar um eine Kette handelt) in der Altstadt empfehlen. Rustikales, uriges Ambiente, gutes Essen zu äußerst zivilen Preisen (gemessen an dem Niveau anderer europäischer Metropolen) und Selbstbedienung.
Günstig und definitiv sättigend ist die Piroggen-Auswahl bei Pelmeni, einer Fast-Food-Kette, deren hiesige Filiale zumindest im Stile von Hundertwasser gestaltet wurde. Die gekochten oder frittierten, gefüllten Teigtaschen werden hier nach Gewicht bezahlt (200g ab 69 Cent), bevor sie in Mayonnaise oder einer würzigen Tomatensoße ersäuft werden. Man sollte nicht übermütig werden, 300 Gramm und eine Schaufel Mayo können selbst einen trainierten Magen versiegeln.
Sollte man sich mit den Mengen vertan haben, hilft nur noch eins: ein Glas Melnais Balzams (schwarzer Balsam). Dieses traditionelle Kräutergebräu bezeichnete bereits Goethe als das „Lebenselexir". Vielleicht liegt es an den 45 Umdrehungen, aber die Medizin wirkt. Garantiert.
Für Kaffee, Kuchen oder einen kleinen Snack bietet sich eine Einkehr in der Martina Bekereja (Martinas Backstube?) an. Sehr gut und erstaunlich günstig (die klassischen gefüllten Teigtaschen gibt's hier ab 23 lettische Cent), weshalb wir mindestens einmal täglich dort nach dem Rechten sehen. Lohnt sich!
Peer Bergholter
Kommentare zu "Riga - meine Perle!"
Magenknurren
Jetzt habe ich Hunger und eine enorme Lust, euch ganz ganz schnell hinterher zu reisen. Riga ist schön. Und die Sonne scheint wohl auch bei euch noch kräftig. Wenn Engel reisen...
Immer schön munter bleiben! Die Letten schlafen auf harten Betten.
Your biggest fan. Stan.
Re: Magenknurren

Da empfehle ich dringend Pelmeni. Das sind Maultaschen mit allerlei Füllung. Dazu Sauercreme, Tomaten- oder Knoblauchsauce. Ein Gedicht und super günstig. Guten Appetit Euch beiden.
Lebenselexir
Na, dann hoffe ich ihr habt das Wundergebräu wohl auch mal probiert, aber wie ich gesehen habe gibt es ja auch "Heimisches"- Jägermeister- dafür muss man aber nicht um die Welt reisen :-)
Wie es aussieht ist Riga echt eine Reise wert- macht nen wirklich netten Eindruck...
So, dann mal gute Weiterreise und schreibt weiter so schön fleißig- ich freu mich immer von euch zu lesen, genießt die Eindrücke, liebe Grüße Britt
Re: graue Erbsen

Liebe Melanie,
Riga ist definitiv einen (Kurz-)Trip wert - mit oder ohne graue Erbsen!
Re: Lebenselexir

Liebe Britt, was denkst Du denn?! Glaubst Du, wir würden hier Ratschläge aussprechen, die wir nicht selbst eingängig überprüft und für empfehlenswert befunden hätten?
Wir geben uns größte Mühe, in die Kultur der jeweiligen Länder einzutauchen. Und der schwarze Balsam scheint hier ein echtes Kulturgut zu sein. Ob es auch ein Lebenselexir ist, wird sich zeigen... Aber dann bitte den ollen Goethe zur Rechenschaft ziehen!
;)
Riga
Hallo, finde Euren Trip toll und mutig, weiter so, ich freu mich jeden Tag auf einen neuen Bericht, Ihr schreibt wunderbar und locker, bin begeistert, und Riga scheint Euch verzaubert zu haben, immer schön fröhlich bleiben, MamG
"Riga - meine Perle!" kommentieren

Ach Mensch, schön. Also Riga sollte dringend auf die Liste der Hauptstädte, die man in seinem Leben mal gesehen haben sollte. Werd ich gleich vermerken. Und Hunger hab ich jetzt auch... nur nicht auf graue Erbsen...