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12. April 2012
Die Geister, die ich rief
Stellen sie sich folgende Situation vor. Sie sind in Laos. In einer der schönsten Landschaften, die unsere Erde hervor gebracht hat. Sie fahren auf einer sanft gewundenen Straße durch Berge und Täler, vorbei an Feldern, Flüssen und kleinen Dörfern. Sie begegnen offenen Menschen und sehen in freundliche Gesichter. Sie sehen Wälder und Wiesen, Wasserbüffel und Kühe. Ein kleines Schwein wird von einem aufgeregten Huhn über die Straße gejagt, die Sonne brennt die Vögel beinahe vom Himmel und der Gesang der Zikaden untermalt alles. Das Leben geht seinen Gang gemächlich, dementsprechend zuckeln sie durch die Gegend, genießen die Fahrt, die Aussicht und die Luft. Halten für eine Nudelsuppe und ein kurzes Gespräch, das mehr mit Händen als mit Worten geführt wird und doch freundlich ist und im Gedächtnis bleibt. Sie fahren erfrischt weiter und genießen die Natur unseres herrlichen Planeten. Als sie um eine Kurve kommen. Und vor einer Zementfabrik stehen, eingehüllt von einer Staubwolke. Dahinter sehen sie ein Dorf, schon von der Ferne erblicken sie die Menschen. Wild durcheinander rennend, halb nackt, völlig außer sich. Am Ortseingang begegnen sie einem jungen Paar. Die Frau lehnt an ihrem Roller, während sich der Mann auf ihre Flip Flops erbricht. Sie sind auf einmal umringt von Bars, blinkenden Lichtern, ununterscheidbar vielen Beats aus den unterschiedlichsten Boxen, schreiend lauten Sitcoms oder Comedy Shows aus diversen Großbild-Fernsehern, dem Geknatter der Roller und Tuk Tuks und beinahe ausschließlich nur in Shorts bekleideten und nur selten nüchternen weißen Urlauber, die hier den Spaß ihres Lebens haben. In einem der „must sees", der Dinge, die man gesehen haben muss, wenn man in Laos ist. Herzlich Willkommen, sie sind in Vang Vieng.
Vom Bust-Stop zum Party-Spot
Vor etwa zehn Jahren war Vang Vieng nicht mehr als ein Bus-Stop auf dem Weg von Vientiane nach Luang Prabang. So mancher Reisende verließ den Bus jedoch hier, denn die Landschaft in dieser Gegend von Laos ist wahrlich nichts für die Durchreise. Karstfelsen erheben sich plötzlich in und aus dem Grün. Berghoch türmen sie sich auf und bilden ein weites Tal. Ein kleiner Fluss, der Nam Song, plätschert gemütlich hindurch, bildet kleine Inseln, Wasserfälle und ein paar Stromschnellen. Es gibt Wälder, Wiesen und Felder, in den Bergen gibt es Höhlen und überall die herrlichsten An- und Ausblicke. Es ist ein himmlischer Ort. Natürlich stiegen hier Fremde aus dem Bus und blieben für eine Weile. Etwas nördlich vom Dorf gelegen gibt es eine Eco-Lodge, hier kann man übernachten und essen oder aber bleiben und als Freiwilliger Helfer für Kost und Logis arbeiten. Irgendwann kam der Betreiber der Lodge darauf, seinen Arbeitern etwas bieten zu wollen und kaufte ein paar LKW Schläuche. In diesen konnten sich seine, meist jungen, ausländischen, Helfer nach getaner Arbeit den Fluss herunter treiben lassen und entspannt die Natur genießen.
In LKW-Schläuchen „tubt" man
Heute ist „tubing" ein Muss für Reisende, die sich nicht zwischen Ibiza und Indochina entscheiden konnten. Und Vang Vieng ist um das über hundertfache an Bettenzahlen angeschwollen. Natürlich hat sich seitdem vieles verändert. War es vor zehn Jahren eine Gelegenheit nach getaner Arbeit im Wasser zu entspannen, während man dahin trieb, gibt es heute eine ganze Unterhaltungsindustrie am und um den Fluss. Man lässt sich von Tuk Tuks den Fluss herauf fahren und schippert danach von Ufer-Bar zu Ufer-Bar zurück nach Vang Vieng. Die Bars haben Ausleger gebaut, von denen aus sie die Treibenden an ausgeworfenen Leinen herein ziehen, um die diversen Happy Hours genießen zu können. Es gibt reichlich Alkohol, sowie happy shakes, happy Tees, happy Pizzas oder sonstiges. Hauptsache happy. Happy bedeutet in diesem Fall natürlich eine Spezial-Zutat. Und so kann man sich an Psilocybin Pilz-Cocktails, Metamphetamin- und Opium Shakes gütlich tun oder an Marihuana-Shakes bzw. hundsordinären Joints für die Einsteiger. Danach kann man dann von kleinen Felsen in das Wasser unbekannter Tiefe springen oder im berauschten Kopf an Zip-Lines über den Fluss sausen. Ungesichert, klar.
Die Schattenseiten
Da Laos kaum verlässliche Statistiken führt, ist es schwer handfeste Zahlen zu bekommen,
© Jochen Müller Im Krankenwagen kein Spaß.Etwa ein halbes Dutzend verletzte Touristen werden pro Tag in Vang Vieng behandelt, die meisten davon mit Knochenbrüchen oder offenen Wunden. Für schwerere Verletzungen kommt jedoch nur allzu oft jede Hilfe zu spät. Im Schnitt starben 2011 in Vang Vieng zwei Urlauber pro Monat.
Böses Karma
© Jochen Müller Fromme Wünsche...
© Jochen Müller ... die Realität in Vang Vieng.
© Jochen Müller Teile Vang Viengs sind schick und herausgeputzt, als warten sie auf neue Klientel.Es gibt mehr als nur tubing
Von Reisenden, die wir in Vietnam, Kambodscha und Laos trafen, hörten wir einige Geschichten über Vang Vieng, auch die „tubing" T-Shirts sieht man öfters.
© Jochen Müller Diese T-Shirts sieht man oft in Süd-Ostasien.Die Alternativen
Laut meines Reiseführers kann man sich, überprüft und ganz, ganz wirklich, auch anderen Dingen hingeben, wenn man hier ist. Es gibt einige Höhlen in der Umgebung, die man besuchen kann, man kann die Felsen erklettern, die Wälder und Berge durchwandern oder mit dem Fahrrad befahren oder im Fluss Kanu fahren oder raften. Aber natürlich ist all das nichts gegen die Freude, die es einem bereitet, sich zugedröhnt in einem LKW-Schlauch ein Flüsschen durch eine der traumhaft schönsten Natur-Landschaften der Welt herunter treiben zu lassen, gleichzeitig beschallt von nie weniger als drei Bars. Um sich dann am Abend gemeinsam zu treffen und den Abend und die Nacht noch mal so richtig zu genießen. Die so herrlich hier im Tal ist, denn für die Natur sind alle schließlich hergekommen. Das steht in jedem Reiseführer. Eine junge Dame, die ich traf, hatte da eine andere Meinung. „There are only three reasons to go to Vang Vieng. Go tubing and get fucked and waisted" Ich denke die Übersetzung kann ich mir sparen. Aber die junge Dame hat sich wenigstens nichts vorgemacht.
Jochen Müller
Kommentare zu "Die Geister, die ich rief"
Keine Macht den Drogen
Und was hast du so in und um Vang Vieng herum gemacht? Warum bist du denn eigentlich dorthin gefahren? Wegen der Höhlen? Der Felsen? Auf die Antwort bin ich sehr gespannt.
Vang vieng
Na mit Anna scheint sich ja jemand betroffen zu fühlen.
Re: Keine Macht den Drogen

Ich bitte Dich liebe Anna, das dürfte doch wohl klar sein. Um sich mal wieder so richtig die Festplatte zu formatieren. Warum sonst?
Geile Höhlen gibts da wirlich!
Servus Jochen!
Ich lese schon einige Zeit mit und freue mich jedesmal über einen neuen Post!
Grad den Bericht Vang Vieng fand ich nicht nur sehr amüsant sondern auch sehr interessant. Ich selber war dort 2003 und 2005 und erkenne bis auf die grandiose Landschaft, die wirklich beeindruckenden Höhlen eigentlich nichts wieder. Gut, "getubt" wurde da auch schon, und 2005 waren auch bereits die ersten "Uferbars" am entstehen, aber diese Dimensionen, die Du beschreibst lassen lassen mich förmlich erschaudern!
Zu der einen Frage von Anna wollte ich noch eingehen - die Verbindung Nord-Süd führt unweigerlich an Vang Vieng vorbei, man kann maximal die "Umgehungsstraße" nehmen.
Also dann, genieß die Zeit und grüß mir mein heißgeliebtest SOA!
Gabi :-)
Der Spruch der Smile Bar erinnert ans Black Jack! Oh Mann, laßt's euch gut gehen, Gruß aus der Heimat!
Re: Vang vieng
Wie meinst du das? Warum so gehässig?
"Die Geister, die ich rief" kommentieren

Es gibt also doch noch eine Steigerung auf ""Lloret de Mar" oder "Ballermann". Na denn Prost und Heidewitzka, wer`s mag?????
Wiedermal toll beschrieben, wie immer Gisi39