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24. November 2012
Die selbsternannte touristische Hauptstadt Kolumbiens
Die Antwort auf diese Frage sollten wir bald erhalten. Es ist weniger der Ort an sich, als vielmehr die Vielzahl an Extremsportmöglichkeiten, die sich rund um San Gil anbieten. So waren auch die Hostels im Ort vollgepackt mit jungen, vornehmlich westlichen, Adrenalinjunkies.
Nachdem wir die Stadt binnen kürzester Zeit fußläufig erkundet und sie für nicht sonderlich reizvoll befunden hatten, sahen auch wir uns die Freizeitangebote etwas genauer an: Paragliding von den umliegenden Berghängen, Bungeejumping, abenteuerliche Mountainbiketouren oder Rafting auf dem nahegelegenen Rio Súarez. Richtig überzeugt waren wir davon nicht. Erschwerend kam hinzu, dass zu der Zeit das Paragliding wegen starken Winden und Regens nicht möglich war, ebenso wie das Rafting, da aufgrund der Regenzeit der Rio Súarez zu viel Wasser führte und es daher zu gefährlich sei. Dann wollten wir uns wenigstens zu einem Bungeesprung aufraffen, doch auch der wurde gestrichen. Ärgerlich für Jochen, der ziemlich heiß auf diese Erfahrung war, weniger ärgerlich für mich, da ich es lediglich als Therapie gegen meine Höhenangst in Erwägung zog. Von dieser Heilmethode selbst nicht wirklich überzeugt, atmete ich erleichtert auf bei der Nachricht, dass der Sprung abgeblasen wurde.
Alternativprogramm
Da die Extremsportangebote offenbar unter schlechten Vorzeichen standen, beschlossen wir, es etwas ruhiger anzugehen und entschieden uns für eine Höhlenwanderung unter fachkundigerer Anleitung. Wobei ich das Wort „Wanderung" schleunigst relativieren sollte, denn mit Wandern hatte dieser Trip nun wirklich herzlich wenig zu tun.
Mit dem Collectivo, einem öffentlichen Minibus, fuhren wir eine halbe Stunde nach Curiti, wo die Cueva de la Vaca, die „Kuhhöhle" liegt. Der Name rührt daher, dass in den nahzu senkrechten Einstieg zur Höhle eine Vielzahl von Kühen stürzte und dort ihr vorzeitiges Ende fand. Wir waren also gewarnt und machten uns mit der nötigen Vorsicht an den Einstieg. Lediglich mit Badehose und T-Shirt bewehrt, dazu ein paar geliehene Kletterschuhe sowie Helm und Stirnlampe ließen uns den Gedanken an eine gemütliche Wanderung umgehend vergessen. Und so wateten wir auch alsbald durch eiskaltes, braunes Wasser, das uns mal bis zu den Knien, mal bis zur Hüfte reichte. Wenig später fanden wir uns auf dem Bauch durch das Wasser robbend, nur um danach zu einem „Tauchgang" anzusetzen. Ein nur wenige Meter messender Durchgang zum nächsten Stollen lag in Gänze unter Wasser, die Höhlendecke davor und dahinter war gerade einmal hoch genug, dass man mit seitlich geneigtem Kopf Luft holen konnte. Für uns definitiv Abenteuer genug. Tauchten oder wateten wir nicht durch das Wasser, so krochen wir auf allen Vieren durch den Schlamm oder krakselten entlang glitschiger Felsen, über Stalagmiten hinweg und unter Stalagtiten hindurch. Nach knapp zwei Stunden hatten wir gerade einmal 1,5 der 14 bisher erforschten Kilometer der Höhle bewältigt. Nicht einmal unser Führer, der das Höhlensystem wie seine Westentasche zu kennen schien, konnte uns sagen, wie weit sich das unterirdische Labyrinth noch erstreckte. Als wir nass bis auf die Knochen und schlammverschmiert wieder das Tageslicht erblickten, waren wir zwar komplett durchgefroren doch hellauf begeistert. Als Belohnung gab es dann im Hinterhof der Baracke des Touranbieters eine kalte Dusche mit dem Gartenschlauch.
Koloniale Spurensuche
Um in Kolumbien Spuren der spanischen Kolonialherrschaft zu finden, muss man normalerweise nicht lange suchen. Die Kolonialarchitektur und prunkvolle Kirchen findet man nahezu überall, doch sind diese Überreste meist in ein moderneres Stadtbild integriert. Will man aber unverfälschtes und unberührtes Kolonialambiente sehen, muss man schon etwas genauer hinschauen. Wir taten dies mit einem Tagesausflug nach Barichara. Barichara gilt als das schönste Dorf Kolumbiens und wurde aus diesem Grund 1978 zum Nationaldenkmal erklärt. Wie kaum ein anderer Ort steht Barichara für ein unverfälschtes Zeugnis der Kolonialzeit. Das Stadtbild ist geprägt von weißgetünchten Häusern mit roten Ziegeldächern über dunklen Holzbalken. Ebenso massive wie wunderschöne alte Holztüren zieren die Fronten im Erdgeschoss, darüber erheben sich kleine, hölzerne Balkone, sofern die Bauten über ein zweites Stockwerk verfügten.
Vom Hauptplatz aus, der von der Kirche der Unbefleckten Empfängnis dominiert wird, schlenderten wir durch die kleinen Gassen mit dem groben Pflaster und den zum Teil kniehohen Bürgersteigern. Und wir kamen aus dem Staunen nicht heraus: Nicht ein modernes Bauwerk störte das perfekte Idyll eines verschlafenen Kolonialstädtchens. Um der Mittagshitze zu entkommen, kehrten wir in eine Taverne ein und kosteten die regionale Spezialität: Ziegenfleisch. Danach ließen wir uns bei einem Kaffee auf dem zentralen Platz nieder, blinzelten in die Sonne, während wir das gänzlich entspannte Treiben um uns herum beobachteten und wir waren verzaubert von dem Charme Baricharas. In diesem Moment war das Dorf genau das, was sein Name in der Sprache der Chibcha, der Ureinwohner, bedeutet: ein Ort zum Ausruhen.
Mehr davon
Wir waren angetan von Barichara und wir wollten mehr davon. Und wir sollten es bekommen. Ein halber Tag in den Gässchen der Stadt genügte uns, um das Flair aufzusaugen, also entschieden wir uns, am frühen Nachmittag weiterzufahren. Wir nahmen uns ein Tuk-Tuk (endlich einmal wieder!) und fuhren neun Kilometer über eine schlaglochgespickte kurvige Passstraße nach Guane, einem noch winzigeren Dorf, im gleichen Stile wie Barichara errichtet.
Der Ort war die Hauptstadt der präkolumbianischen Kultur Guane und ist so klein, dass man bereits bei der Einfahrt über die „Hauptstraße" deren Ende zwei Blocks weiter erkennen kann. Wir brauchten gerade einmal eine halbe Stunde, um sämtliche Gassen des Örtchens abzulaufen, denn befahrbar waren die wenigsten von ihnen. Als wir uns wieder am einzigen und zentralen Platz vor der Kirche einfanden, sollte unser Aufenthalt aber spontan verlängert werden.
Dutschland gegen Kolumbien - ich würde sagen: unentschieden
Auf dem Weg zu unserem wartenden Tuk-Tuk-Fahrer wurden wir von ein paar Kindern abgefangen und zu einer Partie Fußball aufgefordert. Natürlich konnten wir nicht ablehnen. Also bolzten wir mit einem platten Gummiball auf dem gefliesten Hartplatz - ich in meinen Wanderschuhen, Jochen in Sandalen gaben wir ein recht erbarmungswürdiges Bild ab. Die kleinen Ballzauberer spielten uns dann auch bald Knoten in die Beine, lediglich das Besinnen auf die vielzitierten „deutschen Tugenden" und die Tatsache, dass unsere Gegner gerade einmal halb so groß waren wie wir, bewahrte uns vor einer Schmach. Als die Dämmerung einzubrechen drohte, beendeten wir das Spiel schweißgebadet und einigten uns auf ein Unentschieden. Auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob wir den Kindern damit nicht Unrecht taten, Spass hat es auf jeden Fall allen Beteiligten gemacht.
von Peer Bergholter
Kommentare zu "Die selbsternannte touristische Hauptstadt Kolumbiens"
Wir ziehen den Deutschen die Lederhosen aus...
Oh nein!
Jetzt werden diese Kinder ein Leben lang denken, dass Deutsche mittleren Alters grobmotorisch und unbegabt sind. Aber wenigstens nett.
Kolumbien gefällt mir. Mehr davon!
Stan. The biggest fan.
Re: Wir ziehen den Deutschen die Lederhosen aus...

Mein lieber Stan, ich verwahre mich vor diesem schnellen Urteil. Ja, ich möchte behaupten, dass wir uns grazil wie Elfen über den Bolzplatz bewegten und den Kindern ein gutes Beispiel des neuen deutschen Fußballs ablieferten. Einziger Unterschied zwischen ihnen und uns war, dass wir hinterher in unser Tuktuk krochen, während sie noch Energie für weitere Runden gehabt hätten. Aber irgendwas ist ja immer...
Kolumbien
Danke fuer die ersten Eindruecke aus Kolumbien, die Bilder sind sehr eindrucksvoll. Weiterhin gute Reise!
Die Bilder sind so wie ich Kolumbien aus dem Fernsehen kannte. Sehr viel unbepflegte Natur und ich hoffe, dass das auch so bleibt. Und so ein wenig Lust mit kolumbianischen Kids Fussball zu spielen würde mich auch reizen. Das wäre für mich auch ziemlich wichtig den Kontakt zu suchen.
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Die Bilder sprechen für sich, Klasse!