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23. März 2012
Pleiten, Pech und Pannen (4)
Zwei Versuche und der laotischen Grenze nicht einen Meter näher gekommen. Dafür zum dritten Mal in Phnom Penh gestrandet. Macht nichts, ist ja auch schön hier. Außerdem gibt es hier ein vernünftiges Krankenhaus.
Sicher ist sicher und teuer
Und dieses suchte ich am Folgetag auf, um mich sicherheitshalber noch einmal durchchecken zu lassen. Gleich beim Betreten des Hospitals wurde mir die Preisliste serviert. 59 Dollar nur um einen Arzt zu sehen. Nicht schlecht. Dennoch entschloss ich mich dafür, mir von meiner Auslandskrankenkasse wenigsten etwas von den gezahlten Beiträgen zurückzuholen und zwei Stunden auf einen Arzt zu warten. In der Zwischenzeit wurde ich gewogen, mein Blutdruck gemessen und eine Schwester stellte zufrieden fest, dass ich kein Fieber habe. Nun war ich beruhigt.
Als sich der Arzt endlich zu mir bemühte, stellte er auf den ersten Blick und ohne mich abzutasten oder ähnliches fest, dass ich mir nichts Ernsthaftes getan habe. Wenn dieser Röntgenblick keine 59 Dollar wert war, dann weiß ich es auch nicht. Anschließend wurden meine Wunden erneut gereinigt und frisch verbunden. Dabei diagnostizierte der Doc, dass sich meine Wunden leicht entzündet hätten. Also ein paar Schmerzmittel, Antibiotika und mit einem freundlichen Klaps wurde ich entlassen. Wiederkommen sollte ich auch nicht, lediglich ein- bis zweimal die Verbände wechseln und alles werde gut. Na denn.
© Bergholter In bester Gesellschaft: Unser Hostel in Phnom Penh glich einem Lazarett. Andere hatten bei ihren Motorradunfällen aber weniger Glück als ich.
Auf herkömmlichem Wege
Wir beschlossen, noch einen Tag länger in Phnom Penh zu bleiben, damit ich Zeit hätte mich zu regenerieren und Jochen die Möglichkeit hätte, sein Motorrad hier zu verkaufen. Ersteres klappte bedingt, zweites gar nicht. Also besann ich mich am Folgetag auf unsere Anfänge und bestieg am frühen Morgen den Bus nach Don Det, eine der 4000 Mekong-Inseln in Laos, während Jochen sich allein auf den Weg mit dem Bike machte.
Einerseits traurig, da die vergangenen Wochen und über 3500 Kilometer mit dem Motorrad doch eine einmalige Erfahrung waren, andererseits auch froh es überlebt und das Kapitel geschlossen zu haben. Denn es entwickelte sich langsam zu einem kostspieligen und gefährlichen Abenteuer.
Schlechtes Karma
Allerdings sollte die anstehende Fahrt nach Don Det nicht minder abenteuerlich werden. Ob es an mir und meinem Karma lag, vermag ich nicht zu sagen, doch überraschte uns unser Bus mit einer Pannenserie auf dem Weg zur Grenze. Mehrfach krochen der Fahrer und sein Bordmechaniker unter das Gefährt und flickten irgendetwas an der Achse. Notdürftig mit einem Fahrradschlauch und etwas Klebeband, während die 35-köpfige Reisegruppe fachsimpelnd daneben stand. Irgendwann wurden wir aufgefordert, uns alle auf die eine Seite des Busses zu setzen, um das Gewicht entsprechend zu verlagern. So brauchten wir gut elf Stunden bis wir die Grenze erreichten und schließlich auch passierten.
Kurz hinter der Grenze galt es dann den Bus zu wechseln. Handelte es sich bisher um einen ordentlichen, wenn auch recht betagten Reisebus, so musste jetzt die ganze Mannschaft auf einen Mini-Pick-Up-Truck umsteigen. 25 Mann kletterten auf die Ladefläche, was zu einem gemütlichen Gedränge führte. Weitere fünf fanden einen Platz auf dem Dach bei dem Gepäck und die restlichen fünf Mitfahrer hingen einfach hinten dran. Nach kurzer aber höchst unterhaltsamer Fahrt, wurden wir am Anleger abgesetzt, von wo aus es mit dem Boot auf die Insel gehen sollte. Der angekündigte Anleger entpuppte sich aber lediglich als ein Stück des Sandstrandes. Hier wurden wir alle mitsamt unserem Gepäck in einen Holzkahn gepfercht. Hätte man uns Paddel in die Hände gedrückt, um selbst zur Insel zu gelangen, es hätte niemanden verwundert. Im Stockdunkeln ging es dann durch die bisweilen winzigen Mekong-Inselchen in Richtung Don Det. Doch um die ganze Geschichte abzurunden, gab kurz vor der Insel der Motor unseres Bootes den Geist auf. Mit einem letzten Röcheln versagte er den Dienst und wir wurden freundlich aufgefordert, jetzt und hier auszusteigen. Etwa 20 Meter vom Strand entfernt sprangen wir also mit Sack und Pack in das knietiefe Wasser des Mekong und wateten an Land.
Als ich mich in einen Bungalow einquartierte und das wohlverdiente Bier in der Hängematte auf meiner Veranda genoss, ließ ich die vergangenen Tage im Geiste Revue passieren. Mir war klar, dass ich richtig Glück gehabt habe, allerdings beschlichen mich leise Zweifel, ob die Busreisen hierzulande tatsächlich sicherer sind, als die Fahrt auf dem Motorrad.
Von Peer Bergholter
Sicher ist sicher und teuer
Und dieses suchte ich am Folgetag auf, um mich sicherheitshalber noch einmal durchchecken zu lassen. Gleich beim Betreten des Hospitals wurde mir die Preisliste serviert. 59 Dollar nur um einen Arzt zu sehen. Nicht schlecht. Dennoch entschloss ich mich dafür, mir von meiner Auslandskrankenkasse wenigsten etwas von den gezahlten Beiträgen zurückzuholen und zwei Stunden auf einen Arzt zu warten. In der Zwischenzeit wurde ich gewogen, mein Blutdruck gemessen und eine Schwester stellte zufrieden fest, dass ich kein Fieber habe. Nun war ich beruhigt.
Als sich der Arzt endlich zu mir bemühte, stellte er auf den ersten Blick und ohne mich abzutasten oder ähnliches fest, dass ich mir nichts Ernsthaftes getan habe. Wenn dieser Röntgenblick keine 59 Dollar wert war, dann weiß ich es auch nicht. Anschließend wurden meine Wunden erneut gereinigt und frisch verbunden. Dabei diagnostizierte der Doc, dass sich meine Wunden leicht entzündet hätten. Also ein paar Schmerzmittel, Antibiotika und mit einem freundlichen Klaps wurde ich entlassen. Wiederkommen sollte ich auch nicht, lediglich ein- bis zweimal die Verbände wechseln und alles werde gut. Na denn.
© Bergholter In bester Gesellschaft: Unser Hostel in Phnom Penh glich einem Lazarett. Andere hatten bei ihren Motorradunfällen aber weniger Glück als ich.Auf herkömmlichem Wege
Wir beschlossen, noch einen Tag länger in Phnom Penh zu bleiben, damit ich Zeit hätte mich zu regenerieren und Jochen die Möglichkeit hätte, sein Motorrad hier zu verkaufen. Ersteres klappte bedingt, zweites gar nicht. Also besann ich mich am Folgetag auf unsere Anfänge und bestieg am frühen Morgen den Bus nach Don Det, eine der 4000 Mekong-Inseln in Laos, während Jochen sich allein auf den Weg mit dem Bike machte.
Einerseits traurig, da die vergangenen Wochen und über 3500 Kilometer mit dem Motorrad doch eine einmalige Erfahrung waren, andererseits auch froh es überlebt und das Kapitel geschlossen zu haben. Denn es entwickelte sich langsam zu einem kostspieligen und gefährlichen Abenteuer.
Schlechtes Karma
Allerdings sollte die anstehende Fahrt nach Don Det nicht minder abenteuerlich werden. Ob es an mir und meinem Karma lag, vermag ich nicht zu sagen, doch überraschte uns unser Bus mit einer Pannenserie auf dem Weg zur Grenze. Mehrfach krochen der Fahrer und sein Bordmechaniker unter das Gefährt und flickten irgendetwas an der Achse. Notdürftig mit einem Fahrradschlauch und etwas Klebeband, während die 35-köpfige Reisegruppe fachsimpelnd daneben stand. Irgendwann wurden wir aufgefordert, uns alle auf die eine Seite des Busses zu setzen, um das Gewicht entsprechend zu verlagern. So brauchten wir gut elf Stunden bis wir die Grenze erreichten und schließlich auch passierten.
Kurz hinter der Grenze galt es dann den Bus zu wechseln. Handelte es sich bisher um einen ordentlichen, wenn auch recht betagten Reisebus, so musste jetzt die ganze Mannschaft auf einen Mini-Pick-Up-Truck umsteigen. 25 Mann kletterten auf die Ladefläche, was zu einem gemütlichen Gedränge führte. Weitere fünf fanden einen Platz auf dem Dach bei dem Gepäck und die restlichen fünf Mitfahrer hingen einfach hinten dran. Nach kurzer aber höchst unterhaltsamer Fahrt, wurden wir am Anleger abgesetzt, von wo aus es mit dem Boot auf die Insel gehen sollte. Der angekündigte Anleger entpuppte sich aber lediglich als ein Stück des Sandstrandes. Hier wurden wir alle mitsamt unserem Gepäck in einen Holzkahn gepfercht. Hätte man uns Paddel in die Hände gedrückt, um selbst zur Insel zu gelangen, es hätte niemanden verwundert. Im Stockdunkeln ging es dann durch die bisweilen winzigen Mekong-Inselchen in Richtung Don Det. Doch um die ganze Geschichte abzurunden, gab kurz vor der Insel der Motor unseres Bootes den Geist auf. Mit einem letzten Röcheln versagte er den Dienst und wir wurden freundlich aufgefordert, jetzt und hier auszusteigen. Etwa 20 Meter vom Strand entfernt sprangen wir also mit Sack und Pack in das knietiefe Wasser des Mekong und wateten an Land.
Als ich mich in einen Bungalow einquartierte und das wohlverdiente Bier in der Hängematte auf meiner Veranda genoss, ließ ich die vergangenen Tage im Geiste Revue passieren. Mir war klar, dass ich richtig Glück gehabt habe, allerdings beschlichen mich leise Zweifel, ob die Busreisen hierzulande tatsächlich sicherer sind, als die Fahrt auf dem Motorrad.
Von Peer Bergholter
Kommentare zu "Pleiten, Pech und Pannen (4)"
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Vielen Dank für den informativen Beitrag. Weiter so :-)
Hätte auch ins Auge gehen können...
Gruß
Sebastian