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20. März 2012
Pleiten, Pech und Pannen (1)
Sechs Werkstätten in drei Tagen. Ein neuer, trauriger und vor allem kostspieliger Rekord, aufgestellt bei dem Versuch, Siem Reap in Richtung der laotischen Grenze zu verlassen. Nicht zuletzt diesem Umstand ist es zu verdanken, dass ich mich nach über 3500 Kilometern auf dem Motorrad, wieder auf konventionelle Transportmittel besann.
Am Rande des Hitzschlags
Die Pannenserie begann beim Besuch Angkor Wats. Als wir uns am Nachmittag von einer Tempelanlage zur nächsten begaben, verlor ich sie zum ersten Mal. Meine Kette. Ich zog sie selbst wieder auf, schaffte einige hundert Meter und verlor sie wieder. Und wieder und wieder. Über das ständige Aufziehen der Kette verlor ich schließlich auch Jochen. Ich hoffte ihn am nächsten Wat wiederzutreffen. Doch hoffte ich vergebens. Nachdem beim letzten Fahrversuch meine Kette nicht nur das hintere Zahnrad gesprengt hat, sondern auch das vordere inklusive der Abdeckung, und sich die Kette derart verkeilte, dass an ein eigenständiges Richten nicht mehr zu denken war, verabschiedete ich mich im Geiste von Jochen sowie den restlichen Tempeln und machte mich auf den Rückweg nach Siem Reap. Zu Fuß. Ich hoffte dort eine Werkstatt zu finden, die mein Bike wieder flott machte, da wir am kommenden Tag in Richtung Laos aufbrechen wollten.
Von Ta Prohm, wo ich meine Odyssee startete, nach Siem Reap sind es schätzungsweise 10 Kilometer. Ich machte mich unter der gleißenden Nachmittagssonne auf den Weg, das Bike am Straßenrand schiebend. Bereits nach wenigen Metern war ich schweißgebadet. Ein freundlicher kambodschanischer Mopedfahrer hielt neben mir an und erkundigte sich, was meinem Motorrad fehle. Ich zeigte ihm das Desaster und erntete ein unmissverständliches „Uiuiui". Er bot mir an, mich auf meinem Hobel zu ziehen. Also ergriff ich den Rand eines riesigen Korbes, den er hinten auf seinen Roller geschnallt hatte und gab ihm zu verstehen, er könne nun langsam anfahren. Mit einem Ruck setzte er sein Gefährt in Bewegung und ich ließ den Korb gerade noch rechtzeitig los, bevor es mich über den Lenker zog. Wir versuchten es erneut. Vergebens. Schließlich bedankte ich mich für das freundliche Angebot und zog es vor, mein Bike weiter zu schieben. Und so tat ich es. Knappe zwei Stunden lang. Ich stoppte lediglich, um mir Wasser zu kaufen und freute mich über die Weitsicht, meinen Strohhut eingepackt zu haben. Andernfalls wäre ich wohl dem Hitzschlag erlegen.
Unter Bikern
Nach zweistündigem Fußmarsch war Siem Reap noch immer nicht in Sicht. Dafür brannte die Sonne umso gnadenloser und meine Kleidung zeigte keine trockene Stelle mehr. Unter dem Hupen, Lachen und Winken der Tuk-Tuk-Fahrer und ihrer ausländischen Fahrgäste schleppte ich mich weiter die Straße entlang, als plötzlich neben mir ein Bike zum Stehen kam. Und zwar ein richtiges. Aus dem tiefen Sattel des mattschwarzen Choppers schwang sich ein Kambodschaner - die gegerbte Haut mit Tätowierungen überzogen, die graue Mähne im Wind wehend. Er schob sich die Sonnenbrille auf das unbehelmte Haupt, kraulte sich den spärlichen grauen Bart und schlurfte auf mich zu. In breitestem amerikanischen Englisch fragte er mich, ob er mir helfen könne. Noch vor seiner Bierfahne umfing mich seine Herzlichkeit. Der waschechte Biker stellte sich mir als Mike vor und erzählte, dass er über 30 Jahre lang in den Staaten gelebt und dort das gesamte Land mit seiner alten Triumph und später mit der Harley bereist habe. Als ich ihm meine Geschichte erzählte, konnte ich ihm zumindest ein anerkennendes Nicken entlocken, insbesondere, da mein Hobel mit einer Harley mal so gar nichts gemein hat.
Er warf einen Blick auf meine Kette und diagnostizierte gleich ein kaputtes Ritzel und bot mir an, mich zur nächsten Werkstatt zu begleiten. Dankend nahm ich das Angebot an und trottete hinter ihm her die Straße entlang. Die Werkstatt war tatsächlich gleich um die Ecke, nur leider geschlossen. Also erkundigte er sich am Wegesrand nach der nächsten und erklärte mir den Weg. Wir trafen uns an der beschrieben Werkstatt. Diese bestand aus einem Mechaniker, der im Schatten seines Generators auf einer Pappe inmitten seiner Schraubenschlüssel auf einem Parkplatz saß. Na gut, besser als nichts. Mike erklärte die Lage und handelte einen Preis aus. Gemessen am Schaden war es relativ günstig. Biertrinkend erzählte mir Mike seine Geschichte, bis ihm einfiel, dass seine Kinder allein zu Hause seien und er doch besser mal nach ihnen schauen sollte. Er verabschiedete sich, aber nicht ohne mir den Weg zu seinem Haus zu beschreiben und mir einen Schlafplatz anzubieten. Für alle Fälle. Unter Bikern müsse man schließlich zusammenhalten. Richtig. Doch trat der der Fall der Fälle glücklicherweise nicht ein, denn dem Mechaniker gelang es, mein Motorrad zu reparieren. Während ich den Sonnenuntergang über dem Parkplatz betrachtete, anstatt über einem der Tempel von Angkor Wat.
Von Peer Bergholter
Am Rande des Hitzschlags
Die Pannenserie begann beim Besuch Angkor Wats. Als wir uns am Nachmittag von einer Tempelanlage zur nächsten begaben, verlor ich sie zum ersten Mal. Meine Kette. Ich zog sie selbst wieder auf, schaffte einige hundert Meter und verlor sie wieder. Und wieder und wieder. Über das ständige Aufziehen der Kette verlor ich schließlich auch Jochen. Ich hoffte ihn am nächsten Wat wiederzutreffen. Doch hoffte ich vergebens. Nachdem beim letzten Fahrversuch meine Kette nicht nur das hintere Zahnrad gesprengt hat, sondern auch das vordere inklusive der Abdeckung, und sich die Kette derart verkeilte, dass an ein eigenständiges Richten nicht mehr zu denken war, verabschiedete ich mich im Geiste von Jochen sowie den restlichen Tempeln und machte mich auf den Rückweg nach Siem Reap. Zu Fuß. Ich hoffte dort eine Werkstatt zu finden, die mein Bike wieder flott machte, da wir am kommenden Tag in Richtung Laos aufbrechen wollten.
Von Ta Prohm, wo ich meine Odyssee startete, nach Siem Reap sind es schätzungsweise 10 Kilometer. Ich machte mich unter der gleißenden Nachmittagssonne auf den Weg, das Bike am Straßenrand schiebend. Bereits nach wenigen Metern war ich schweißgebadet. Ein freundlicher kambodschanischer Mopedfahrer hielt neben mir an und erkundigte sich, was meinem Motorrad fehle. Ich zeigte ihm das Desaster und erntete ein unmissverständliches „Uiuiui". Er bot mir an, mich auf meinem Hobel zu ziehen. Also ergriff ich den Rand eines riesigen Korbes, den er hinten auf seinen Roller geschnallt hatte und gab ihm zu verstehen, er könne nun langsam anfahren. Mit einem Ruck setzte er sein Gefährt in Bewegung und ich ließ den Korb gerade noch rechtzeitig los, bevor es mich über den Lenker zog. Wir versuchten es erneut. Vergebens. Schließlich bedankte ich mich für das freundliche Angebot und zog es vor, mein Bike weiter zu schieben. Und so tat ich es. Knappe zwei Stunden lang. Ich stoppte lediglich, um mir Wasser zu kaufen und freute mich über die Weitsicht, meinen Strohhut eingepackt zu haben. Andernfalls wäre ich wohl dem Hitzschlag erlegen.
Unter Bikern
Nach zweistündigem Fußmarsch war Siem Reap noch immer nicht in Sicht. Dafür brannte die Sonne umso gnadenloser und meine Kleidung zeigte keine trockene Stelle mehr. Unter dem Hupen, Lachen und Winken der Tuk-Tuk-Fahrer und ihrer ausländischen Fahrgäste schleppte ich mich weiter die Straße entlang, als plötzlich neben mir ein Bike zum Stehen kam. Und zwar ein richtiges. Aus dem tiefen Sattel des mattschwarzen Choppers schwang sich ein Kambodschaner - die gegerbte Haut mit Tätowierungen überzogen, die graue Mähne im Wind wehend. Er schob sich die Sonnenbrille auf das unbehelmte Haupt, kraulte sich den spärlichen grauen Bart und schlurfte auf mich zu. In breitestem amerikanischen Englisch fragte er mich, ob er mir helfen könne. Noch vor seiner Bierfahne umfing mich seine Herzlichkeit. Der waschechte Biker stellte sich mir als Mike vor und erzählte, dass er über 30 Jahre lang in den Staaten gelebt und dort das gesamte Land mit seiner alten Triumph und später mit der Harley bereist habe. Als ich ihm meine Geschichte erzählte, konnte ich ihm zumindest ein anerkennendes Nicken entlocken, insbesondere, da mein Hobel mit einer Harley mal so gar nichts gemein hat.
Er warf einen Blick auf meine Kette und diagnostizierte gleich ein kaputtes Ritzel und bot mir an, mich zur nächsten Werkstatt zu begleiten. Dankend nahm ich das Angebot an und trottete hinter ihm her die Straße entlang. Die Werkstatt war tatsächlich gleich um die Ecke, nur leider geschlossen. Also erkundigte er sich am Wegesrand nach der nächsten und erklärte mir den Weg. Wir trafen uns an der beschrieben Werkstatt. Diese bestand aus einem Mechaniker, der im Schatten seines Generators auf einer Pappe inmitten seiner Schraubenschlüssel auf einem Parkplatz saß. Na gut, besser als nichts. Mike erklärte die Lage und handelte einen Preis aus. Gemessen am Schaden war es relativ günstig. Biertrinkend erzählte mir Mike seine Geschichte, bis ihm einfiel, dass seine Kinder allein zu Hause seien und er doch besser mal nach ihnen schauen sollte. Er verabschiedete sich, aber nicht ohne mir den Weg zu seinem Haus zu beschreiben und mir einen Schlafplatz anzubieten. Für alle Fälle. Unter Bikern müsse man schließlich zusammenhalten. Richtig. Doch trat der der Fall der Fälle glücklicherweise nicht ein, denn dem Mechaniker gelang es, mein Motorrad zu reparieren. Während ich den Sonnenuntergang über dem Parkplatz betrachtete, anstatt über einem der Tempel von Angkor Wat.
Von Peer Bergholter
Kommentare zu "Pleiten, Pech und Pannen (1)"
von U. horbrügger
am 25.03.2012 um 12:49 Uhr
Was sind schon die Tempel im Verhältnis zu den Erfahrungen mit anderen Menschen.
"Pleiten, Pech und Pannen (1)" kommentieren


Ach Peer,
Dir bleibt aber auch nix erspart.
LG