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16. März 2012
Die schwimmenden Dörfer
An vielen Ecken rund um den Tonle Sap See findet man sie, die schwimmenden Dörfer. Ansammlungen von Hausbooten oder Hütten, auf meterhohen Stelzen errichtet, säumen die Ufer des größten Sees Südost-Asiens.
Im Umkreis von Siem Reap findet man allein drei dieser „Floating Villages". Einen halben Tagestrip braucht es, um dort hinzugelangen, ein Boot zu besteigen und sich durch eines dieser Dörfer fahren zu lassen. Eine kurze Rundfahrt durch die schwimmenden Wälder, die diese Dörfer umgeben sowie einen Abstecher auf den Tonle Sap See gibt es inklusive.
Nicht das Erstbeste
Wir machten uns von Siem Reap auf nach Kompong Phluk, was etwa 15 Kilometer von der Stadt entfernt liegt. Wir entschieden uns bewusst gegen das nächstgelegene schwimmende Dorf, da wir dort einen zu großen Besucheransturm erwarteten. Und wir taten gut daran, etwas weiter raus zu fahren.
Nach einigen Kilometern verließen wir die Landstraße und bogen in einen kleinen Feldweg ein, der alsbald in einer einspurigen Sandpiste mündete. Auf halber Strecke zwang uns eine Schranke zum Anhalten. Hier wurden wir zur Kasse gebeten. Durchfahrt und Bootstour waren in dem Ticket, das wir lösten, inbegriffen. Also weiter zum Anleger.
© Jochen Müller Der Bootsanleger kurz vor Kampong Phluk.
Eintauchen in eine andere Welt
Als wir dort ankamen staunten wir nicht schlecht über die schier endlose Reihe von Booten, die in einer braunen Lache dümpelten. Wir bestiegen einen dieser Kähne, der etwa 20 Personen Platz bot und waren zu unserer Überraschung ganz allein an Bord. Souverän navigierte unser Bootsführer das Gefährt aus der Reihe der Boote hinaus auf den Fluss. Wobei die Bezeichnung Fluss hier nicht ganz angebracht erscheint. Wir waren zur Trockenzeit hier und entsprechend niedrig war der Wasserstand. Wie niedrig er wirklich war, sahen wir, als wir einige Flussbiegungen passierten und das schwimmende Dorf erreichten. Hier schwamm nämlich gar nichts. Dennoch fühlten wir uns wie in einer anderen Welt. Die auf hohen hölzernen Stelzen stehenden Holz- und Bambushütten, deren Dächer mit Palmwedeln oder Wellblech gedeckt waren, ragten zum Teil 10 Meter in die Höhe. Wir mussten schon unsere Hälse recken, um die nächstgelegenen Häuser in luftiger Höhe zu sehen. Die dunklen Verfärbungen der Außenwände ließen erkennen, wie hoch das Wasser hier normalerweise steht. Mindestens 6 Meter höher, versicherte uns unser Bootsführer. Das würde bedeuten, dass einige der Hütten dann zur Gänze im Wasser versinken. Dort ist also nur saisonales Wohnen möglich. Ganzjährig nutzbar sind hingegen die wenigen steinernen Bauten, die bisweilen das homogene „Stadtbild" stören. So gibt es eine Schule, ein Verwaltungsgebäude oder einen Tempel, die allesamt höher liegen, als die umliegenden Hütten.
© Jochen Müller Die lokale Verwaltung ist eines der wenigen Gebäude, die gemauert sind.
© Jochen Müller Die "Skyline" von Kampong Phluk hat ihren Namen verdient.
© Jochen Müller Bei Hochwasser ragen nur die hochgelegenen Hütten aus dem Wasser. Der Rest versinkt bis zur nächsten Trockenzeit.
© Jochen Müller Auf dünnen Stelzen errichtet, schrauben sich die meisten Hütten in schwindelerregende Höhen.
© Jochen Müller Was dem Vorbeifahrenden ungewöhnliche Einblicke ermöglicht.
© Jochen Müller Während einzelne Hütten wirklich schwimmen.
Der nun recht schmale Wasserweg führte uns in vielen Windungen durch das Dorf. Die Ufer säumten unzählige Holzkähne in unterschiedlichen Größen. Manche mit Motor und sogar einer Kabine, andere nicht mehr als eine Nussschale mit Paddeln. Manche sahen recht seetauglich aus, andere hatten schon bessere Tage gesehen. Zwischen den Kähnen und den diversen Fischreusen, die man immer wieder sah, plantschten Kinder im Wasser. Doch nicht nur Kinder, sondern auch Fischer standen zum Teil bis zum Hals in der braunen Brühe und versuchten ihr Glück mit einfachen Netzen. Es muss ein einträgliches Geschäft sein, gilt doch der Tonle Sap See mitsamt den umliegenden Flussläufen als das fischreichste Gewässer Südost-Asiens. An den Ufern des Sees scheint das ganze Leben auf ein Dasein am und im Wasser ausgerichtet zu sein.
© Jochen Müller Ob groß...
© Jochen Müller ... oder klein, das Leben findet am und im Wasser statt.
© Jochen Müller Fischer mit ihren Netzen stehen am Ufer und hoffen auf einen guten Fang.
© Jochen Müller Der Nachwuchs übt fleißig.
© Jochen Müller Und wer erfolgreich war, fährt seinen Fang heim.
Durch den Märchenwald
Langsam passierten wir das Dorf und nach der letzten Biegung lag der Tonle Sap in seiner ganzen Größe vor uns. Doch bevor wir auf den See hinaus fuhren, legten wir an einem schwimmenden Restaurant an. Und dieses schwamm wirklich, denn es handelte sich um eine Art Hausboot, das zum Restaurant ausgebaut war. Hier entschieden wir uns für eine Tour durch den schwimmenden Wald. Allerdings erst nach zähen Verhandlungen, war dieser Trip doch nicht im Preis inbegriffen. So stiegen wir in ein winziges Bötchen und ließen uns von den zwei Töchtern des Hauses durch den Wald staken. Dieser Kahn verfügte über keine Sitzbänke oder ähnliches, sodass wir im Schneidersitz auf einer Bastmatte Platz nahmen, während jeweils eines der Mädchen am Bug und am Heck saß, wo sie sich mit dem einzigen Holzpaddel abwechselten.
© Jochen Müller Das Restaurant am Ende des Flusses.
© Jochen Müller Von hier aus ging es in den schwimmenden Wald.
© Jochen Müller Die jungen Frauen schippern die Gäste gekonnt durch das Unterholz.
Die gut halbstündige Tour entführte uns in eine erstaunliche und zugleich bizarre Landschaft.
© Jochen Müller Verwunschen.
Es war, als tauchten wir in einen verwunschenen Märchenwald ein. Bäume und Sträucher ragten hier direkt aus dem Wasser, Wurzelwerk war nicht zu erkennen. Durch das Blätterdach brach die Sonne und tauchte die ganze Szenerie in ein mystisches Zwielicht.
Jedem, der es wie ich, schon mal zu gut mit seinen heimischen Topfpflanzen meinte und sie mit besten Absichten ertränkt hat, stellt sich die Frage, wie diese Bäume hier überleben können. Insbesondere, wenn auch einige von ihnen bei Hochwasser in Gänze unter dem Wasserspiegel liegen müssen.
Die dichte Vegetation in diesem schwimmenden Wald zwang uns oftmals dazu, die Köpfe einzuziehen. Ferner ließ sie keinerlei Wasserwege erkennen. Dennoch steuerten unsere Führerinnen den Kahn zielsicher durch das feuchte Dickicht. Doch auch ihre offensichtliche Routine und die Kenntnis dieses Ortes konnten es nicht verhindern, dass wir uns bisweilen in einem Fischernetz verfingen und zur Umkehr gezwungen waren.
© Jochen Müller Unsere Bootsführerin bei der Arbeit.
Ein Blick auf das Leben am Fluss
Zurück im Restaurant bestiegen wir wieder unser Boot und fuhren auf den Tonle Sap hinaus. Auch wenn wir nicht wirklich weit fuhren, ließen sich doch die Dimensionen dieses Gewässers erahnen.
© Jochen Müller Der Tonle Sap inklusive (nicht) schwimmendem Haus.
Wir kehrten um und fuhren zurück durch das Dorf. Erfreuten wir uns auf der Hinfahrt an dem Ambiente und staunten über die Bauten und die zum Teil gewagten Stelzen-Konstruktionen, so hatten wir auf der Rückfahrt Zeit, etwas auf das Leben in diesem schwimmenden Dorf zu achten. In schwindelerregender Höhe waren zwei Männer dabei, das Dach eines neuen Hauses zu decken und turnten dabei mit traumwandlerischer Sicherheit über die Balken. An anderer Stelle wurde die Wasserversorgung sichergestellt. Mit kleinen Eimern wurde das Flusswasser an Seilen in die Höhe gezogen. Ich denke, bei Hochwasser gestaltet es sich etwas leichter. Auf der Veranda einer Hütte verrichtete ein Mann seine Notdurft und die goldene Pracht plätscherte aus 10 Metern Höhe geräuschvoll in den Fluss. Nur wenige Meter weiter badeten dort Kinder und die Fischer tauchten mitsamt ihren Netzen in die Brühe ein. Wir beschlossen, an diesem Abend keinen Fisch zu essen.
Auch wenn sich zu anderen Zeiten, wenn das Wasser höher steht, ein gänzlich anderer und wahrscheinlich auch beeindruckender Anblick bieten wird, so genossen wir den Besuch des schwimmenden Dorfes doch sehr. Es war auch so schon das Eintauchen in eine gänzlich andere Welt.
Von Peer Bergholter
Im Umkreis von Siem Reap findet man allein drei dieser „Floating Villages". Einen halben Tagestrip braucht es, um dort hinzugelangen, ein Boot zu besteigen und sich durch eines dieser Dörfer fahren zu lassen. Eine kurze Rundfahrt durch die schwimmenden Wälder, die diese Dörfer umgeben sowie einen Abstecher auf den Tonle Sap See gibt es inklusive.
Nicht das Erstbeste
Wir machten uns von Siem Reap auf nach Kompong Phluk, was etwa 15 Kilometer von der Stadt entfernt liegt. Wir entschieden uns bewusst gegen das nächstgelegene schwimmende Dorf, da wir dort einen zu großen Besucheransturm erwarteten. Und wir taten gut daran, etwas weiter raus zu fahren.
Nach einigen Kilometern verließen wir die Landstraße und bogen in einen kleinen Feldweg ein, der alsbald in einer einspurigen Sandpiste mündete. Auf halber Strecke zwang uns eine Schranke zum Anhalten. Hier wurden wir zur Kasse gebeten. Durchfahrt und Bootstour waren in dem Ticket, das wir lösten, inbegriffen. Also weiter zum Anleger.
Eintauchen in eine andere Welt
Als wir dort ankamen staunten wir nicht schlecht über die schier endlose Reihe von Booten, die in einer braunen Lache dümpelten. Wir bestiegen einen dieser Kähne, der etwa 20 Personen Platz bot und waren zu unserer Überraschung ganz allein an Bord. Souverän navigierte unser Bootsführer das Gefährt aus der Reihe der Boote hinaus auf den Fluss. Wobei die Bezeichnung Fluss hier nicht ganz angebracht erscheint. Wir waren zur Trockenzeit hier und entsprechend niedrig war der Wasserstand. Wie niedrig er wirklich war, sahen wir, als wir einige Flussbiegungen passierten und das schwimmende Dorf erreichten. Hier schwamm nämlich gar nichts. Dennoch fühlten wir uns wie in einer anderen Welt. Die auf hohen hölzernen Stelzen stehenden Holz- und Bambushütten, deren Dächer mit Palmwedeln oder Wellblech gedeckt waren, ragten zum Teil 10 Meter in die Höhe. Wir mussten schon unsere Hälse recken, um die nächstgelegenen Häuser in luftiger Höhe zu sehen. Die dunklen Verfärbungen der Außenwände ließen erkennen, wie hoch das Wasser hier normalerweise steht. Mindestens 6 Meter höher, versicherte uns unser Bootsführer. Das würde bedeuten, dass einige der Hütten dann zur Gänze im Wasser versinken. Dort ist also nur saisonales Wohnen möglich. Ganzjährig nutzbar sind hingegen die wenigen steinernen Bauten, die bisweilen das homogene „Stadtbild" stören. So gibt es eine Schule, ein Verwaltungsgebäude oder einen Tempel, die allesamt höher liegen, als die umliegenden Hütten.
Der nun recht schmale Wasserweg führte uns in vielen Windungen durch das Dorf. Die Ufer säumten unzählige Holzkähne in unterschiedlichen Größen. Manche mit Motor und sogar einer Kabine, andere nicht mehr als eine Nussschale mit Paddeln. Manche sahen recht seetauglich aus, andere hatten schon bessere Tage gesehen. Zwischen den Kähnen und den diversen Fischreusen, die man immer wieder sah, plantschten Kinder im Wasser. Doch nicht nur Kinder, sondern auch Fischer standen zum Teil bis zum Hals in der braunen Brühe und versuchten ihr Glück mit einfachen Netzen. Es muss ein einträgliches Geschäft sein, gilt doch der Tonle Sap See mitsamt den umliegenden Flussläufen als das fischreichste Gewässer Südost-Asiens. An den Ufern des Sees scheint das ganze Leben auf ein Dasein am und im Wasser ausgerichtet zu sein.
Durch den Märchenwald
Langsam passierten wir das Dorf und nach der letzten Biegung lag der Tonle Sap in seiner ganzen Größe vor uns. Doch bevor wir auf den See hinaus fuhren, legten wir an einem schwimmenden Restaurant an. Und dieses schwamm wirklich, denn es handelte sich um eine Art Hausboot, das zum Restaurant ausgebaut war. Hier entschieden wir uns für eine Tour durch den schwimmenden Wald. Allerdings erst nach zähen Verhandlungen, war dieser Trip doch nicht im Preis inbegriffen. So stiegen wir in ein winziges Bötchen und ließen uns von den zwei Töchtern des Hauses durch den Wald staken. Dieser Kahn verfügte über keine Sitzbänke oder ähnliches, sodass wir im Schneidersitz auf einer Bastmatte Platz nahmen, während jeweils eines der Mädchen am Bug und am Heck saß, wo sie sich mit dem einzigen Holzpaddel abwechselten.
Die gut halbstündige Tour entführte uns in eine erstaunliche und zugleich bizarre Landschaft.
Jedem, der es wie ich, schon mal zu gut mit seinen heimischen Topfpflanzen meinte und sie mit besten Absichten ertränkt hat, stellt sich die Frage, wie diese Bäume hier überleben können. Insbesondere, wenn auch einige von ihnen bei Hochwasser in Gänze unter dem Wasserspiegel liegen müssen.
Die dichte Vegetation in diesem schwimmenden Wald zwang uns oftmals dazu, die Köpfe einzuziehen. Ferner ließ sie keinerlei Wasserwege erkennen. Dennoch steuerten unsere Führerinnen den Kahn zielsicher durch das feuchte Dickicht. Doch auch ihre offensichtliche Routine und die Kenntnis dieses Ortes konnten es nicht verhindern, dass wir uns bisweilen in einem Fischernetz verfingen und zur Umkehr gezwungen waren.
Ein Blick auf das Leben am Fluss
Zurück im Restaurant bestiegen wir wieder unser Boot und fuhren auf den Tonle Sap hinaus. Auch wenn wir nicht wirklich weit fuhren, ließen sich doch die Dimensionen dieses Gewässers erahnen.
Wir kehrten um und fuhren zurück durch das Dorf. Erfreuten wir uns auf der Hinfahrt an dem Ambiente und staunten über die Bauten und die zum Teil gewagten Stelzen-Konstruktionen, so hatten wir auf der Rückfahrt Zeit, etwas auf das Leben in diesem schwimmenden Dorf zu achten. In schwindelerregender Höhe waren zwei Männer dabei, das Dach eines neuen Hauses zu decken und turnten dabei mit traumwandlerischer Sicherheit über die Balken. An anderer Stelle wurde die Wasserversorgung sichergestellt. Mit kleinen Eimern wurde das Flusswasser an Seilen in die Höhe gezogen. Ich denke, bei Hochwasser gestaltet es sich etwas leichter. Auf der Veranda einer Hütte verrichtete ein Mann seine Notdurft und die goldene Pracht plätscherte aus 10 Metern Höhe geräuschvoll in den Fluss. Nur wenige Meter weiter badeten dort Kinder und die Fischer tauchten mitsamt ihren Netzen in die Brühe ein. Wir beschlossen, an diesem Abend keinen Fisch zu essen.
Auch wenn sich zu anderen Zeiten, wenn das Wasser höher steht, ein gänzlich anderer und wahrscheinlich auch beeindruckender Anblick bieten wird, so genossen wir den Besuch des schwimmenden Dorfes doch sehr. Es war auch so schon das Eintauchen in eine gänzlich andere Welt.
Von Peer Bergholter
Kommentare zu "Die schwimmenden Dörfer"
Die schwimmenden Dörfer
von Jasmin
am 06.04.2012 um 22:18 Uhr
Traumhaft fotografiert! Wie immer.
"Die schwimmenden Dörfer" kommentieren


Sehr spannend diese andere, schwimmende Welt, aber bitte, warum ist das Wasser so braun? Kann ja wohl nicht nur an dem Ergebnis der Notdurft der Bewohner liegen, zumal sie sich ja aus diesem Fluss ernähren?
Bleibt gesund!!