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26. Juli 2012
In Ende am Ende
Das kleine Örtchen Ende im Südosten von Flores lädt zu Wortspielen ein. Ansonsten gibt es hier wenig zu tun. Für uns war es Zwischenstation auf dem Weg nach West-Timor, hofften wir doch von hier aus ein Boot zu bekommen. Doch es scheint, als hätten wir kein Glück mit Booten.
Von Labuan Bajo nach Ende dauerte die Fahrt nicht lang. Morgens um acht ging es in einem wirklich gemütlichen Kleinbus los, bereits abends um zehn waren wir in Ende. Ein Pappenstiel im Vergleich zu manch anderen Trips. In Ruteng galt es den Bus zu wechseln und ein Mittagessen einzunehmen. Den Rest der Fahrt brachten wir damit zu die frisch erneuerte Straße zu genießen, die beinahe vollständig den Boden bedeckte. Bis auf die letzten zwei Stunden, die uns daran erinnerte, dass wir immer noch in Indonesien waren. Niemand im Bus musste sich übergeben, im ersten Bus rauchte nicht einmal ein einziger Fahrgast Kette. Und im zweiten Bus war der Raucher so freundlich seine Gewürzkippen bei geöffnetem Fenster zu schmauchen, was auch nicht Durchschnitt war. Es war also eine sehr entspannte Wellnessfahrt. Trotzdem litten wir. Denn Flores ist nicht dafür gemacht, um vom Bus aus erlebt zu werden. Über weite Teile der Fahrt drückten wir uns die Nasen an der Scheibe platt. Unablässig zuckten meine Füße, sie wollten da raus. Als wir dann auch noch durch Moni kamen, einen kleinen Ort am Fuß des Kelimutu Vulkans mit seinen drei Kraterseen, die alle unterschiedliche Farben haben, wäre ich fast aus dem Fenster gesprungen. Es tat weh an all der Natur vorbei zu fahren, an diesen riesigen Bäumen, an unzähligen Reisfeldern, weiten Wäldern, hohen Bergen und tiefen Schluchten, in die sich stellenweise ein halbes Dutzend schmale, aber umso höhere, Wasserfälle in Reihen nebeneinander ins Tal ergossen. Meine Beine hatten sich von der Rinjani Wanderung erholt, die Batterie der Kameras waren voll, die Speicherkarten leer, es war zum aus der Haut fahren. Jeder, der uns Fremde in dem Bus erspähte, winkte uns zu. Oder zu sich heran? Abgelegene Dörfer galt es zu entdecken, kreisrunde aus Gras erbaute Hütten mit turmhohen, spitzen Dächern. In den Wäldern wilde Tiere, sogar einige Komodo-Warane gibt es auf Flores. Wir fuhren an allem vorbei.
© Jochen Müller Ende.
Als wir abends in Ende ankamen, waren wir am Ende. Da waren wir nun, und alles, was wir hatten, waren naheliegende Wortspiele in einem ausgestorben wirkenden Ort, von dem es heißt, dass man hier nur hinfährt, um schnell weg zu kommen. In meinem Kopf sang R.E.M. „It's the end of the world as we know it, and I feel fine". Es war das Ende der Welt, aber so gut fühlten wir uns dann doch wieder nicht.
Jochen Müller
Von Labuan Bajo nach Ende dauerte die Fahrt nicht lang. Morgens um acht ging es in einem wirklich gemütlichen Kleinbus los, bereits abends um zehn waren wir in Ende. Ein Pappenstiel im Vergleich zu manch anderen Trips. In Ruteng galt es den Bus zu wechseln und ein Mittagessen einzunehmen. Den Rest der Fahrt brachten wir damit zu die frisch erneuerte Straße zu genießen, die beinahe vollständig den Boden bedeckte. Bis auf die letzten zwei Stunden, die uns daran erinnerte, dass wir immer noch in Indonesien waren. Niemand im Bus musste sich übergeben, im ersten Bus rauchte nicht einmal ein einziger Fahrgast Kette. Und im zweiten Bus war der Raucher so freundlich seine Gewürzkippen bei geöffnetem Fenster zu schmauchen, was auch nicht Durchschnitt war. Es war also eine sehr entspannte Wellnessfahrt. Trotzdem litten wir. Denn Flores ist nicht dafür gemacht, um vom Bus aus erlebt zu werden. Über weite Teile der Fahrt drückten wir uns die Nasen an der Scheibe platt. Unablässig zuckten meine Füße, sie wollten da raus. Als wir dann auch noch durch Moni kamen, einen kleinen Ort am Fuß des Kelimutu Vulkans mit seinen drei Kraterseen, die alle unterschiedliche Farben haben, wäre ich fast aus dem Fenster gesprungen. Es tat weh an all der Natur vorbei zu fahren, an diesen riesigen Bäumen, an unzähligen Reisfeldern, weiten Wäldern, hohen Bergen und tiefen Schluchten, in die sich stellenweise ein halbes Dutzend schmale, aber umso höhere, Wasserfälle in Reihen nebeneinander ins Tal ergossen. Meine Beine hatten sich von der Rinjani Wanderung erholt, die Batterie der Kameras waren voll, die Speicherkarten leer, es war zum aus der Haut fahren. Jeder, der uns Fremde in dem Bus erspähte, winkte uns zu. Oder zu sich heran? Abgelegene Dörfer galt es zu entdecken, kreisrunde aus Gras erbaute Hütten mit turmhohen, spitzen Dächern. In den Wäldern wilde Tiere, sogar einige Komodo-Warane gibt es auf Flores. Wir fuhren an allem vorbei.
© Jochen Müller Ende.Als wir abends in Ende ankamen, waren wir am Ende. Da waren wir nun, und alles, was wir hatten, waren naheliegende Wortspiele in einem ausgestorben wirkenden Ort, von dem es heißt, dass man hier nur hinfährt, um schnell weg zu kommen. In meinem Kopf sang R.E.M. „It's the end of the world as we know it, and I feel fine". Es war das Ende der Welt, aber so gut fühlten wir uns dann doch wieder nicht.
Jochen Müller
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