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11. Juli 2012
Happy Birthday
Von Yogyakarta in Zentral-Java ging es direkt nach Bali. Aus Zeitgründen mussten wir leider auf den Besuch des berühmten Vulkans Bromo verzichten und an einem Stück durchfahren. So kam es, dass ich meinen Geburtstag in Zügen, auf der Fähre und in Bussen verbrachte.
Um von Yogyakarta nach Bali zu kommen entschieden wir uns für die etwas bequemere Variante und nahmen den Zug. Gerade bei langen Fahrten hat dies den Vorteil, dass man sich hin und wieder die Füße vertreten oder auf die Toilette gehen kann. Abgesehen davon braucht man sich nicht vor den teils wilden Fahrweisen hiesiger Busfahrer zu fürchten. Zusätzlich ist es schneller, denn selbst wenn es Straßen gibt, die man Autobahnen nennen kann, sind diese kurzen Strecken gerne völlig verstopft. Also buchten wir den Zug. Wobei es richtigerweise Züge heißen muss, denn in Surabaya mussten wir umsteigen.
Los ging die Fahrt in Yogyakarta nachts um eins. Kurz vorher saßen wir noch in einer Kneipe und stießen auf meinen Geburtstag an, dann trotteten wir zum Bahnhof. Da wir am frühen Morgen aus unserer Unterkunft ausgezogen waren, hatten wir unser Gepäck im Bahnhof in Schließfächern eingeschlossen. Wir kamen rechtzeitig am Bahnhof an und hüpften frohen Mutes in den Zug. Wieder einmal muss ich ein Wort relativieren. Denn wie es der Teufel wollte hatte ich mir als Geburtstagsgeschenk eine recht üble Darmverstimmung eingefangen, die mich eher in den Zug kriechen als hüpfen ließ.
Als wir morgens um kurz nach fünf in Surabaya ankamen, hatte ich vier Stunden hinter mir, in denen ich meine Mitreisenden dabei habe beobachten können, wie sie wie die kleinen Engel guten Gewissens vor sich hinschlummerten. Ich hätte es ihnen so gerne gegönnt. Hab ich aber nicht.
© Jochen Müller Dieses Bild täuscht, denn Schlaf fand ich auf dieser Fahrt keine.
Als wir dann auch noch am Bahnsteig bis um neun Uhr warten mussten, um unseren nächsten Zug besteigen zu können, als eine einheimische Live-Band nicht auf mein Leiden eingehen und ihr Konzert abbrechen wollte,
© Jochen Müller Nicht nur wir empfanden das Signalhorn des Zuges als störend.
sich stattdessen einige Einheimische mit uns fotografieren lassen wollten, war ich kurz davor meine Contenance zu verlieren. Irgendwann packte mich Susanne am Wickel und zog mich hinter sich her in unseren nächsten Zug. Ich freute mich auf ein wenig Schlaf. Pustekuchen. Mit Krämpfen im Bauchraum findet man einfach keine Ruhe, zumindest nicht in heißen Zugwaggons, die an einer Lok hängen, deren Führer das Signalhorn betätigte, als hielte es allein uns auf der Spur. Das Problem waren die Menschen, die die Gleise offensichtlich als Weg benutzten und regelmäßig von der Strecke vertrieben werden mussten. Sehr regelmäßig. Alle paar Minuten, teilweise alle paar Sekunden ertönte ein ohrenbetäubender Lärm. Gerne passgenau dann, wenn man frisch eingeschlummert war. Nach Ankunft fühlten wir uns um Jahre gealtert. Und sahen auch so aus.
Hinzu kam, dass bei jedem Halt Verkäufer durch die Waggons kamen und ihre Waren feilboten. Von Plastik-Spielzeug über Tageszeitungen bis zu Speisen und Getränken. Besonders die Speisen wurden den Reisenden gerne direkt unter die Nase gehalten, damit sie sich am appetitlichen Geruch erfreuen konnten. Ein paar Mal war ich kurz davor die diversen getrockneten Fische oder frittierten Was-auch-immer mit einer dekorativen Beigabe zu verschönern. Mit übermenschlicher Willensanstrengung konnte ich diesen Impuls zwar erfolgreich unterdrücken, allerdings sank mein Wille mit jeder weiteren Stunde immer mehr. Es wurde Zeit, dass wir ankamen.
© Jochen Müller Der Grund für die regelmäßigen Signale des Lok-Führers: die Gleise waren eine beliebte Wanderstrecke.
Irgendwann war es soweit, der Zug hatte das Ende der Strecke erreicht und frische Seeluft vertrieb meine düsteren Gedanken. Doch sofort ging es weiter. Wir wurden in einen kleinen Bus umgeschichtet und zur Fähre gefahren, die wir glücklicherweise bereits mitgebucht hatten. Ich bin schon auf einigen Schiffen gefahren, habe sogar schon stürmische See erlebt und es sogar genossen. Diesmal nicht. So sehr ich das Oberdeck und die frische Luft auch liebte, die Wellen waren kurz davor mir den Rest zu geben. Es war gegen fünf Uhr nachmittags, wir waren seit 16 Stunden unterwegs und ich wollte einfach nur meine Ruhe und mir eine Runde selber Leid tun. Dann setzte sich ein indonesisches Pärchen zu uns, die wir am Bahnhof von Surabaya kennen gelernt hatten und begannen ein Gespräch. Selten zuvor empfand ich meinen Mitreisenden gegenüber eine so tiefe Dankbarkeit wie da. Ich knabberte schüchtern und still an meiner Banane und fixierte das sich nähernde Ufer, während sie sich um die Unterhaltung kümmerten. Alles andere war unwichtig.
© Jochen Müller Gute Mine zum bösen Spiel...
Die letzte Etappe gab mir dann den Rest. So heiß der Zug gewesen war, so unterkühlt war der Bus. Wer um alles in der Welt empfindet es als angenehm sich auf 15°C herunterkühlen zu lassen? Ich saß da, eingewickelt in Hüttenschlafsack und ein Handtuch, an Susanne geschmiegt und in einer Mischung aus Genervtheit und Weinerlichkeit mir selbst nicht genug. Natürlich dauerte die Fahrt zwei Stunden länger als angekündigt und natürlich gab es noch eine Pause an einem Restaurant. Ich blieb im Bus.
Irgendwann kamen wir in Denpasar, der Hauptstadt Balis an. Die Taxifahrer ließen nicht mit sich handeln und blieben bei ihren irrwitzigen Preisen. Vor dem Busbahnhof fanden wir dann jedoch Minibusse, machten einen vernünftigen Preis aus und kamen kurz vor Mitternacht in unserem Hostel in Kuta an. Wo wir da gelandet waren, sollte ich erst am nächsten Tag richtig begreifen. Was gut so war, denn das hätte ich nicht mehr verkraftet. Ich schlug der Länge nach um und war sofort eingeschlafen, obwohl die 14 anderen Bewohner meines Schlafsaals zu meiner Begrüßung ein munteres Schnachkonzertchen veranstalteten. Nichts, was mich hätte stören können. Happy Birthday.
Jochen Müller
Um von Yogyakarta nach Bali zu kommen entschieden wir uns für die etwas bequemere Variante und nahmen den Zug. Gerade bei langen Fahrten hat dies den Vorteil, dass man sich hin und wieder die Füße vertreten oder auf die Toilette gehen kann. Abgesehen davon braucht man sich nicht vor den teils wilden Fahrweisen hiesiger Busfahrer zu fürchten. Zusätzlich ist es schneller, denn selbst wenn es Straßen gibt, die man Autobahnen nennen kann, sind diese kurzen Strecken gerne völlig verstopft. Also buchten wir den Zug. Wobei es richtigerweise Züge heißen muss, denn in Surabaya mussten wir umsteigen.
Los ging die Fahrt in Yogyakarta nachts um eins. Kurz vorher saßen wir noch in einer Kneipe und stießen auf meinen Geburtstag an, dann trotteten wir zum Bahnhof. Da wir am frühen Morgen aus unserer Unterkunft ausgezogen waren, hatten wir unser Gepäck im Bahnhof in Schließfächern eingeschlossen. Wir kamen rechtzeitig am Bahnhof an und hüpften frohen Mutes in den Zug. Wieder einmal muss ich ein Wort relativieren. Denn wie es der Teufel wollte hatte ich mir als Geburtstagsgeschenk eine recht üble Darmverstimmung eingefangen, die mich eher in den Zug kriechen als hüpfen ließ.
Als wir morgens um kurz nach fünf in Surabaya ankamen, hatte ich vier Stunden hinter mir, in denen ich meine Mitreisenden dabei habe beobachten können, wie sie wie die kleinen Engel guten Gewissens vor sich hinschlummerten. Ich hätte es ihnen so gerne gegönnt. Hab ich aber nicht.
Als wir dann auch noch am Bahnsteig bis um neun Uhr warten mussten, um unseren nächsten Zug besteigen zu können, als eine einheimische Live-Band nicht auf mein Leiden eingehen und ihr Konzert abbrechen wollte,
Hinzu kam, dass bei jedem Halt Verkäufer durch die Waggons kamen und ihre Waren feilboten. Von Plastik-Spielzeug über Tageszeitungen bis zu Speisen und Getränken. Besonders die Speisen wurden den Reisenden gerne direkt unter die Nase gehalten, damit sie sich am appetitlichen Geruch erfreuen konnten. Ein paar Mal war ich kurz davor die diversen getrockneten Fische oder frittierten Was-auch-immer mit einer dekorativen Beigabe zu verschönern. Mit übermenschlicher Willensanstrengung konnte ich diesen Impuls zwar erfolgreich unterdrücken, allerdings sank mein Wille mit jeder weiteren Stunde immer mehr. Es wurde Zeit, dass wir ankamen.
Irgendwann war es soweit, der Zug hatte das Ende der Strecke erreicht und frische Seeluft vertrieb meine düsteren Gedanken. Doch sofort ging es weiter. Wir wurden in einen kleinen Bus umgeschichtet und zur Fähre gefahren, die wir glücklicherweise bereits mitgebucht hatten. Ich bin schon auf einigen Schiffen gefahren, habe sogar schon stürmische See erlebt und es sogar genossen. Diesmal nicht. So sehr ich das Oberdeck und die frische Luft auch liebte, die Wellen waren kurz davor mir den Rest zu geben. Es war gegen fünf Uhr nachmittags, wir waren seit 16 Stunden unterwegs und ich wollte einfach nur meine Ruhe und mir eine Runde selber Leid tun. Dann setzte sich ein indonesisches Pärchen zu uns, die wir am Bahnhof von Surabaya kennen gelernt hatten und begannen ein Gespräch. Selten zuvor empfand ich meinen Mitreisenden gegenüber eine so tiefe Dankbarkeit wie da. Ich knabberte schüchtern und still an meiner Banane und fixierte das sich nähernde Ufer, während sie sich um die Unterhaltung kümmerten. Alles andere war unwichtig.
Die letzte Etappe gab mir dann den Rest. So heiß der Zug gewesen war, so unterkühlt war der Bus. Wer um alles in der Welt empfindet es als angenehm sich auf 15°C herunterkühlen zu lassen? Ich saß da, eingewickelt in Hüttenschlafsack und ein Handtuch, an Susanne geschmiegt und in einer Mischung aus Genervtheit und Weinerlichkeit mir selbst nicht genug. Natürlich dauerte die Fahrt zwei Stunden länger als angekündigt und natürlich gab es noch eine Pause an einem Restaurant. Ich blieb im Bus.
Irgendwann kamen wir in Denpasar, der Hauptstadt Balis an. Die Taxifahrer ließen nicht mit sich handeln und blieben bei ihren irrwitzigen Preisen. Vor dem Busbahnhof fanden wir dann jedoch Minibusse, machten einen vernünftigen Preis aus und kamen kurz vor Mitternacht in unserem Hostel in Kuta an. Wo wir da gelandet waren, sollte ich erst am nächsten Tag richtig begreifen. Was gut so war, denn das hätte ich nicht mehr verkraftet. Ich schlug der Länge nach um und war sofort eingeschlafen, obwohl die 14 anderen Bewohner meines Schlafsaals zu meiner Begrüßung ein munteres Schnachkonzertchen veranstalteten. Nichts, was mich hätte stören können. Happy Birthday.
Jochen Müller
Kommentare zu "Happy Birthday"
Re: Happy birthday
von Jochen Müller
am 12.07.2012 um 13:52 Uhr

Danke! Und ja, mir geht es wieder gut. Den Ärzten auf Bali sei Dank ;)
"Happy Birthday" kommentieren

Lieber Jochen, alles Gute zum Geburtstag und hoffentlich fuehlst du dich inzwischen besser.