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2. August 2012
Ein Tag auf West-Timor
An unserem letzten Tag in Indonesien machten wir einen Ausflug an die Südküste West-Timors. Am Strand des kleinen Fischerdörfchens Tablolong fanden wir weißen Sand, kristallklares Wasser, Stille und Einsamkeit. Am Abend gab es ein Abschieds-Festessen auf dem Nachtmarkt Kupangs.
Die Fahrt nach Tablolong war entspannend. Es ging über kleine Straßen, teilweise geteert, dann wieder Feldwege, sandige Pisten, von der Hitze festgebacken, durch winzige Dörfer oder lose Ansammlungen kleiner Holz und Bambus-Hütten. Die einzigen gemauerten Häuser hier waren erstaunlich große Kirchen, von denen wir mehr als ein Dutzend zählten. Timor ist hauptsächlich katholisch geprägt, was man auf der Strecke nach Tablolong deutlich merkte.
© Jochen Müller
© Jochen Müller
Wir fuhren durch die trockene Landschaft, die Sonne brannte hinab und die Menschen auf der Straße begrüßten uns, wie schon so oft, mit freundlichem Winken. In Tablolong fanden wir einen kleinen Hafen, in dem die Fischerboote vertäut lagen und vom Wasser kaum bewegt wurden. Es war kurz vor Mittag, die Luft flimmerte, und die wenigen Menschen, die durch das Dorf gingen, schienen bemüht dies so langsam wie möglich zu tun. Mensch wie Tier verzogen sich in den Schatten, bis der Nachmittag erträglichere Temperaturen bringen würde. Doch es stand zu vermuten, dass auch dann keine Hektik aufkommen würde. Ich bezweifle, dass je ein Einwohner Tablolongs einen Herzinfarkt erlitten hat.
© Jochen Müller Das Fischerdörfchen Tablolong an der Südküste West-Timors.
Wir fuhren einen kleinen Weg entlang der Küste, bis dieser nach etwa einem Kilometer endete. Ein kleines Gehöft war dem Verfall überlassen worden, die Bungalows teilweise bereits Ruinen. Dieses „Home Stay", die einzige Unterkunft des Dorfes, hat es offensichtlich nicht geschafft, Touristen nach Tablolong zu locken. Wir stellten unseren Roller ab, gingen an den Strand und waren wenig überrascht hier mutterseelenallein zu sein. Leise plätscherten kleine Wellen an den weißen Sand, den wir uns nur mit ein paar Muscheln und winzigen Krebsen teilten. Im Schatten eines Baumes verbrachten wir die heißesten Stunden des Tages, schwammen ein paar Runden im Meer, das so klar war, dass man auch weiter draußen bis auf den Grund sehen konnte. Kaum ein Lüftchen regte sich, die Oberfläche des Wassers war ruhig, so dass man auch ohne Taucherbrille Fische und Korallen beobachten konnte. Es war herrlich.
© Jochen Müller
© Jochen Müller
Ein letzter Abend auf dem Nachtmarkt
Allein der Hunger trieb uns am Nachmittag zurück in Richtung Kupang. Kurz vor dem Stadtrand hielten wir in einem kleinen Warung, aßen eine Kleinigkeit, darauf bedacht uns nicht den Appetit für den Abend zu verderben. Denn in Kupang wartete der Nachtmarkt mit seinen Grillständen auf uns.
© Jochen Müller
Allabendlich wird die „Jalan Garuda" gesperrt und die Einheimischen bauen ihre Stände auf. Dann gibt es hier alles, was der Gaumen begehrt. Ob Bakso, die indonesische Nudelsuppe mit Fleischbällchen, oder Reisgerichte, ob Gegrilltes oder Gebratenes, auf diesem Nachtmarkt wurden wir noch jeden Abend fündig. Gegrillte Riesengarnelen in Knoblauchbutter oder ein Schnapperfisch in selbstgemachter Marinade, dazu Reis oder ein gegrillter Maiskolben, sowie ein frischer Avokadosaft. Wir versuchten die Gedanken an unsere vergebliche Suche nach einem Boot zu vergessen, das gute Essen und das Ambiente taten ihr Übriges, dass wir es ganz gut schafften. In Kupang gibt es sehr wenig Touristen, erstaunlicherweise finden selbst von denen, die wir hier trafen, noch weniger auf den Nachtmarkt. Doch die Hamburger in der Lavalon oder der Pantai Laut Bar wollten uns nicht locken, wenn wir hier unter den Einheimischen sitzen konnten. Die lokalen Märkte in Süd-Ostasien werde ich wohl mit am meisten vermissen. Die kleinen Stände voller Fisch oder Früchten, das bunte Treiben, das Geschnatter der Leute, herum flitzende Kinder, die Märkte waren noch immer ein lohenswertes Ziel. Von den Speisen und den Preisen einmal ganz abgesehen.
Auf dem Heimweg sahen wir noch ein letztes Mal in der Lavalon Bar vorbei. Wieder war Edwin nicht anwesend. Ich fragte mich, ob dieser Mensch überhaupt real war. Doch es war gleichgültig, unsere Zeit in Indonesien abgelaufen, das Ticket für den nächsten Tag nach Ost-Timor bereits gebucht. Wir blickten über den Strand, an dem 1789 Kapitän Bligh nach der Meuterei auf seiner "Bounty" nach einer unglaublichen Reise von 3600 Seemeilen in einem Beiboot mit den wenigen Getreuen auf Timor angekommen war. Wir nahmen uns seinen Mut und seinen Willen zum Vorbild, die Suche nach Booten würde in Dili weiter gehen, das war unsere letzte Chance. So gingen wir mit gemischten Gefühlen in die Betten, die Bäuche gefüllt mit herrlichem Fisch, die Gedanken irgendwo zwischen zwei Monaten in Indonesien, der Ungewissheit, was uns wohl in Ost-Timor erwarten würde und dem, was Kapitän Bligh wohl zu alldem gesagt hätte.
Jochen Müller
Die Fahrt nach Tablolong war entspannend. Es ging über kleine Straßen, teilweise geteert, dann wieder Feldwege, sandige Pisten, von der Hitze festgebacken, durch winzige Dörfer oder lose Ansammlungen kleiner Holz und Bambus-Hütten. Die einzigen gemauerten Häuser hier waren erstaunlich große Kirchen, von denen wir mehr als ein Dutzend zählten. Timor ist hauptsächlich katholisch geprägt, was man auf der Strecke nach Tablolong deutlich merkte.
© Jochen Müller
© Jochen MüllerWir fuhren durch die trockene Landschaft, die Sonne brannte hinab und die Menschen auf der Straße begrüßten uns, wie schon so oft, mit freundlichem Winken. In Tablolong fanden wir einen kleinen Hafen, in dem die Fischerboote vertäut lagen und vom Wasser kaum bewegt wurden. Es war kurz vor Mittag, die Luft flimmerte, und die wenigen Menschen, die durch das Dorf gingen, schienen bemüht dies so langsam wie möglich zu tun. Mensch wie Tier verzogen sich in den Schatten, bis der Nachmittag erträglichere Temperaturen bringen würde. Doch es stand zu vermuten, dass auch dann keine Hektik aufkommen würde. Ich bezweifle, dass je ein Einwohner Tablolongs einen Herzinfarkt erlitten hat.
© Jochen Müller Das Fischerdörfchen Tablolong an der Südküste West-Timors.Wir fuhren einen kleinen Weg entlang der Küste, bis dieser nach etwa einem Kilometer endete. Ein kleines Gehöft war dem Verfall überlassen worden, die Bungalows teilweise bereits Ruinen. Dieses „Home Stay", die einzige Unterkunft des Dorfes, hat es offensichtlich nicht geschafft, Touristen nach Tablolong zu locken. Wir stellten unseren Roller ab, gingen an den Strand und waren wenig überrascht hier mutterseelenallein zu sein. Leise plätscherten kleine Wellen an den weißen Sand, den wir uns nur mit ein paar Muscheln und winzigen Krebsen teilten. Im Schatten eines Baumes verbrachten wir die heißesten Stunden des Tages, schwammen ein paar Runden im Meer, das so klar war, dass man auch weiter draußen bis auf den Grund sehen konnte. Kaum ein Lüftchen regte sich, die Oberfläche des Wassers war ruhig, so dass man auch ohne Taucherbrille Fische und Korallen beobachten konnte. Es war herrlich.
Ein letzter Abend auf dem Nachtmarkt
Allein der Hunger trieb uns am Nachmittag zurück in Richtung Kupang. Kurz vor dem Stadtrand hielten wir in einem kleinen Warung, aßen eine Kleinigkeit, darauf bedacht uns nicht den Appetit für den Abend zu verderben. Denn in Kupang wartete der Nachtmarkt mit seinen Grillständen auf uns.
Auf dem Heimweg sahen wir noch ein letztes Mal in der Lavalon Bar vorbei. Wieder war Edwin nicht anwesend. Ich fragte mich, ob dieser Mensch überhaupt real war. Doch es war gleichgültig, unsere Zeit in Indonesien abgelaufen, das Ticket für den nächsten Tag nach Ost-Timor bereits gebucht. Wir blickten über den Strand, an dem 1789 Kapitän Bligh nach der Meuterei auf seiner "Bounty" nach einer unglaublichen Reise von 3600 Seemeilen in einem Beiboot mit den wenigen Getreuen auf Timor angekommen war. Wir nahmen uns seinen Mut und seinen Willen zum Vorbild, die Suche nach Booten würde in Dili weiter gehen, das war unsere letzte Chance. So gingen wir mit gemischten Gefühlen in die Betten, die Bäuche gefüllt mit herrlichem Fisch, die Gedanken irgendwo zwischen zwei Monaten in Indonesien, der Ungewissheit, was uns wohl in Ost-Timor erwarten würde und dem, was Kapitän Bligh wohl zu alldem gesagt hätte.
Jochen Müller
Kommentare zu "Ein Tag auf West-Timor"
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Ach, Kinners, das Leben kann so schön sein, danke, daß wir auch hier wieder dabeisein durften Gisi