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29. Juni 2012
Die vielen Highlights von Bogor
„Wenn es nicht regnet, wart ihr nicht in Bogor". Die „Regenstadt" blieb mit drei Gewittern in drei Tagen deutlich unter Jahres-Durchschnitt. So konnten wir den botanischen Garten und den Nachtmarkt ausgiebig genießen. Und den Vulkan Salak aus sicherer Entfernung bestaunen.
Bogor ist zuerst einmal die Jakarta am nächsten gelegene Stadt. Wobei das so gar nicht stimmt, denn die Grenzen zwischen dem (mindestens) 10 Millionen Moloch Jakarta und der halb Millionen Stadt Bogor ist heute gar nicht mehr auszumachen. Und da es in Jakarta für die Größe relativ wenig, in Bogor und Umland jedoch relativ viel zu sehen und zu tun gibt, raten nicht wenige dazu, es den Einheimischen, die es sich leisten können, gleichzutun und in Bogor das Lager aufzuschlagen und nach Jakarta nur zu pendeln. Wie immer bestens vorbereitet erfuhren wir davon jedoch erst, als wir schon in Bogor waren. Wir beruhigten uns damit, somit beide Seiten kennen gelernt zu haben und Bogor besser genießen zu können. Die Rechnung ging auf. Unsere Unterkunft war ebenso wenig luxuriös wie die in Jakarta, wir mussten Überzeugungsarbeit leisten um die Zimmer nicht zweimal zu bezahlen, die fehlenden Kleidungsstücke mussten wir nach der Reinigung ebenso vehement einfordern wie unser Wechselgeld und das Taschenmesser, das seinen Weg vom Tisch der Sitzecke ins Nimmerland alleine gefunden hatte, habe ich bis heute nicht wieder „gefunden". Trotzdem fühlten wir uns hier um einiges wohler, als in Jakarta, was schon alleine daran gelegen haben mag, dass man die Luft atmen konnte ohne zu fühlen, wie die Geschwüre in den Bronchien anfingen zu wachsen. Das liegt vor allem daran, dass es in Bogor durchschnittlich an 322 Tagen im Jahr gewittert. Den Namen "Regenstadt" hat sich Bogor also wirklich verdient. Die Schauer waren zwar heftig, blieben jedoch meistens kurz. Die saubere Luft, die sie hinterließen, war nach Jakarta auf jeden Fall ein Genuss.
Da machte es nicht mal etwas aus,
© Jochen Müller Hübsch anzusehen und ein effektiver Wecker.
dass wir in direkter Nachbarschaft zu einer Moschee wohnten und der dortige Muezzin sich eifrig um den Sieg im Wettbewerb „Wer ist der Lauteste im ganzen Land?" bemühte, sämtliche Gebete per Lautsprecher nach draußen übertragen wurden und jeden Tag mindestens ein ausgiebiger Soundcheck die Übertragung sicherstellte. Es war egal, es war authentisch. Nebenan gab es ein Padang Restaurant und von der Terrasse aus einen Blick auf Stadt und den Vulkan Salak. Zumindest morgens, wenn die Wolken noch nicht ganz wach waren. Was brauchten wir mehr?
Dieser Vulkan, nebenbei bemerkt, bildet eine neue Attraktion Bogors. Zumindest hat uns gefühlt jeder, den wir trafen, darauf aufmerksam gemacht. „Das da", so hieß es stets „ist der Berg an dem das russische Flugzeug zerschellt ist". Hin und wieder mit einem eifrigen Unterton in der Stimme, den wir nicht ganz zuordnen konnten. Der Pilot, der Anfang dieses Jahres den neuen Suchoi Superjet 100 den potentiellen Käufern vorführte, kann kein Einheimischer gewesen sein. Sonst wäre er nicht auf die Idee gekommen, in dieser Gegend der Welt einen Tiefflug zu wagen, ohne das OK der Luftsicherheit abzuwarten. Die Vulkandichte in Indonesien sucht weltweit ihresgleichen, die Wolkendichte um Bogor ist berühmt, das Schicksal des Flugzeugs ist bekannt. Die Einwohner Bogors können darüber nur mit dem Kopf schütteln.
© Jochen Müller Der Salak zeigt sich meist leicht von Wolken verhüllt. Das täuscht darüber hinweg, wie gefährlich dieser Vulkan sein kann.
© Jochen Müller Wenn man das Glück hat ihn einmal ganz "nackt" zu sehen, wirkt er schon etwas bedrohlicher.
Ein Mekka für Botaniker
Neben den Vulkanen im Umland gibt es noch eine weitere Attraktion, um die man in Bogor kaum herumkommt. Der botanische Garten. Nicht nur, weil er mit seinen 87 Hektar das gesamte Zentrum der Stadt einnimmt, sondern auch, weil er eine herrliche ruhige Oase in dem hektischen Treiben der Stadt ist.
© Jochen MüllerEin prachtvoller Philodendron rankt sich
an seinem Wirt empor.
Man muss kein Biologe sein, um sich am Gelände zu erfreuen. Die über 15.000 verschiedenen Pflanzenarten laden zum Betrachten ein, oder man schlendert einfach nur hindurch und genießt den Schatten, den sie spenden. Wer in unserer kleinen Truppe wozu neigte, sei einmal dahin gestellt, genossen haben wir den halben Tag in diesem Garten alle. Abgesehen davon konnten wir auch einige Einheimische erfreuen. Egal ob wir auf die Hängebrücke gingen und erst einmal mit zwei Gruppen Jugendlicher für ihre Fotos posieren mussten, bevor wir uns selber ablichten durften, oder ob wir von einer Schulklasse zum Highlight des Tages gekürt wurden, in jedem Fall haben wir Aufsehen erregt. Nur die Rehe im umzäunten Garten des ehemaligen Gouverneurs-Palasts, der direkt an den botanischen Garten anschließt, ließen sich von uns nicht stören, blickten uns eher etwas arrogant-genervt an und wandten sich wieder dem Futter zu. Wir nahmen uns ihre Gelassenheit zum Beispiel, als wir mit den Schulkindern einzeln für ihre Fotos posieren mussten, nachdem wir bereits von diversen Handys mit der gesamten Klasse abgelichtet worden waren.
Den Gouverneurs-Palast konnten wir leider nicht besichtigen, das geht nur als Gruppe mit vorheriger Anmeldung. Also zogen wir uns in die hiesige Shopping Mall zurück. Aus drei einfachen Gründen.
© Jochen Müller Der 1817 eröffnete Garten wurde auf Initiative des deutschen Botanikers Reinwardt gegründet. Er ist nicht nur eine ruhige Oase mitten in der Stadt, er stellt auch bis heute das Zentrum der botanischen Forschung Indonesiens dar.
© Jochen Müller Ich bin zwar kein Botaniker, habe mich aber trotzdem bemüht meine Mitreisenden für die Pflanenwelt zu begeistern. In diesem Fall für die Luftwurzeln des Ficus religiosa oder Buddha-Baums. Die Freude grenzte an Hysterie...
© Jochen Müller Das großflächige Abbrennen einer gesunden Mischung aus Pflanzen- und Plastikabfällen muss einen bedeutenden positiven Einfluss auf das Wachstum der hier ansässigen Pflanzen haben. Nehmen wir zumindest an.
© Jochen Müller Wir zwei Reisenden sind nun zu dritt. Endlich passt jemand auf uns auf.
© Jochen Müller Auf einmal war es mit der Ruhe vorbei. Diese Fotosession hat etwas gedauert...
© Jochen Müller ... denn die Mädchen wollten natürlich auch Fotos. Selbstverständlich im Anschluss an das Gruppenbild jede auch noch einzeln. Geduld ist eine Tugend.
© Jochen Müller Am Gouverneurs-Palast kehrte dann wieder Ruhe ein.
© Jochen Müller Auch Bambi hat es genossen.
Wasser, Aussicht, sanitärer Luxus
Die hiesige Mall lockt den Besucher mit einer wahren Fülle an Angeboten. Doch borniert wie wir nun mal sind, interessierten uns nur derer drei. Denn die unzähligen Klamotten- und Handy-Stände, die die fünfstöckige Mall sonst ausfüllten, konnten uns nicht so recht anlocken.
© Jochen Müller Der letzte Schrei in Bogors Mall: den Nachwuchs im ferngesteuerten
Auto im Kreise fahren lassen. Im vorliegenden Fall war die Freude
zwischen Vater und Tochter etwas ungleich verteilt.
Der Supermarkt im Keller, der Balkon im obersten Stock mit einem herrlichen Blick über die Stadt, sowie das Multiplexkino, das wir dort nebenbei fanden. Das war alles, was wir brauchten. Nein, wir sahen uns im Kino keinen ins Indonesische simultan-übersetzten Actionreißer an. Wir genossen, und ja, dieses Wort ist absichtlich gewählt, die dortigen Toiletten. Seien wir auch noch so lange unterwegs und haben wir uns auch noch so sehr an die diversesten Versuche gewöhnt mit denen man seine Nahrung nach Gebrauch entsorgen kann, ein wenig sanitärer Luxus kann uns immer noch in Verzückung versetzen. Wobei es nicht die kaum wahrnehmbare Hintergrundmusik war, noch nicht mal die wirklich hübsche Kachelung, und auch nicht das einen freundlich begrüßende Personal. Es war der Duft, der den Namen auch verdient hat und die Sauberkeit, die ihrerseits ihren Namen mehr verdient hatte, als so manches Zimmer, in dem wir bereits übernachtet hatten. Es verging kein Tag in Bogor, an dem nicht einer von uns nach dem Frühstück zum Aufbruch drängte. Nicht so sehr um die Sehenswürdigkeiten möglichst früh zu erkunden, sondern eher, um vorher noch schnell in der Mall vorbei zu sehen. Nach einer gewissen Zeit des Reisens erlangt das Wort Luxus eine ganz neue Bedeutung.
© Jochen Müller Die Aussicht vom Balkon des Kinos im obersten Stock war nicht alles, was uns hier anzog.
© Jochen Müller Obwohl man von hier aus einen guten Überblick über Bogor hatte.
Nachtmarkt mal anders
© Jochen Müller
Am Abend stürzten wir uns wieder ins Getümmel. Doch nicht um Musik zu hören oder geistreiche Getränke zu genießen, sondern um den Nachtmarkt zu besuchen. Und wieder einmal wurden wir überrascht. Keine Bekleidung, keine Souvenirs, ja, kein einziger Tourist weit und breit. Mehrere Straßenblöcke waren einzig mit frischem Fisch, Obst und Gemüse belegt. Die Bauern und Fischer der Umgebung (wohlgemerkt fast ausnahmslos Männer - den Begriff der Marktfrau scheint man hier nicht zu kennen) brachten ihre Waren tagsüber in die Stadt und verkauften nachts das, was am nächsten Tag sowohl in den heimischen Küchen, als auch in
© Jochen Müller
den diversen Restaurants und Geschäften wieder zu finden war. Und wieder mal waren wir die Höhepunkte. Jeder winkte uns zu, viele wollten auf die Fotos, alle waren überaus freundlich und begeistert an diesem Ort zu dieser Zeit Fremde zu sehen. Denn der Nachtmarkt in Bogor öffnet erst nach zehn Uhr abends, richtig in Schwung kommt er noch später. Für jeden Hobbyfotografen bedeutet dies eine schlaflose Nacht. Aber eine, die sich lohnt. Ganz abgesehen von den Melonen-großen Papayas, für die wir mit einem Dollar schon Touristenpreise zahlten, der frischen Kokosnuss für zwanzig Cent oder den diversen frittierten Köstlichkeiten, die ebenfalls kaum nennenswert zu Buche schlugen.
Wir gingen nach diesem Tag in allen Sinnen gesättigt nach hause, fielen müde aber glücklich in unsere Betten und genossen die Nachtruhe so lange sie dauerte.
© Jochen Müller Kaum ein Händler ließ es sich entgehen auf unseren Foto zu posieren.
© Jochen Müller Das blaue Licht soll die Insekten abhalten. Nebenbei sorgt es für die Stimmung.
© Jochen Müller Als dieser Fischverkäufer sah, dass wir seinen leeren Stand ablichten, kam er vom Schwätzchen mit seinem Kollegen zu uns gerannt, setzte sich hin und sagte: "now, ready, Foto". Jetzt, fertig, Foto. Stimmt, ohne ihn war das Bild unvollständig.
© Jochen Müller Eine Freude für jeden Obst- und Gemüseliebhaber. Und für Hobbyfotografen...
© Jochen Müller Die teilweise kunstvoll arrangierten Gemüse waren eine Augenweide. Das Obst, das wir kosteten, eine Gaumenfreude.
Jochen Müller
Bogor ist zuerst einmal die Jakarta am nächsten gelegene Stadt. Wobei das so gar nicht stimmt, denn die Grenzen zwischen dem (mindestens) 10 Millionen Moloch Jakarta und der halb Millionen Stadt Bogor ist heute gar nicht mehr auszumachen. Und da es in Jakarta für die Größe relativ wenig, in Bogor und Umland jedoch relativ viel zu sehen und zu tun gibt, raten nicht wenige dazu, es den Einheimischen, die es sich leisten können, gleichzutun und in Bogor das Lager aufzuschlagen und nach Jakarta nur zu pendeln. Wie immer bestens vorbereitet erfuhren wir davon jedoch erst, als wir schon in Bogor waren. Wir beruhigten uns damit, somit beide Seiten kennen gelernt zu haben und Bogor besser genießen zu können. Die Rechnung ging auf. Unsere Unterkunft war ebenso wenig luxuriös wie die in Jakarta, wir mussten Überzeugungsarbeit leisten um die Zimmer nicht zweimal zu bezahlen, die fehlenden Kleidungsstücke mussten wir nach der Reinigung ebenso vehement einfordern wie unser Wechselgeld und das Taschenmesser, das seinen Weg vom Tisch der Sitzecke ins Nimmerland alleine gefunden hatte, habe ich bis heute nicht wieder „gefunden". Trotzdem fühlten wir uns hier um einiges wohler, als in Jakarta, was schon alleine daran gelegen haben mag, dass man die Luft atmen konnte ohne zu fühlen, wie die Geschwüre in den Bronchien anfingen zu wachsen. Das liegt vor allem daran, dass es in Bogor durchschnittlich an 322 Tagen im Jahr gewittert. Den Namen "Regenstadt" hat sich Bogor also wirklich verdient. Die Schauer waren zwar heftig, blieben jedoch meistens kurz. Die saubere Luft, die sie hinterließen, war nach Jakarta auf jeden Fall ein Genuss.
Da machte es nicht mal etwas aus,
© Jochen Müller Hübsch anzusehen und ein effektiver Wecker.Dieser Vulkan, nebenbei bemerkt, bildet eine neue Attraktion Bogors. Zumindest hat uns gefühlt jeder, den wir trafen, darauf aufmerksam gemacht. „Das da", so hieß es stets „ist der Berg an dem das russische Flugzeug zerschellt ist". Hin und wieder mit einem eifrigen Unterton in der Stimme, den wir nicht ganz zuordnen konnten. Der Pilot, der Anfang dieses Jahres den neuen Suchoi Superjet 100 den potentiellen Käufern vorführte, kann kein Einheimischer gewesen sein. Sonst wäre er nicht auf die Idee gekommen, in dieser Gegend der Welt einen Tiefflug zu wagen, ohne das OK der Luftsicherheit abzuwarten. Die Vulkandichte in Indonesien sucht weltweit ihresgleichen, die Wolkendichte um Bogor ist berühmt, das Schicksal des Flugzeugs ist bekannt. Die Einwohner Bogors können darüber nur mit dem Kopf schütteln.
Ein Mekka für Botaniker
Neben den Vulkanen im Umland gibt es noch eine weitere Attraktion, um die man in Bogor kaum herumkommt. Der botanische Garten. Nicht nur, weil er mit seinen 87 Hektar das gesamte Zentrum der Stadt einnimmt, sondern auch, weil er eine herrliche ruhige Oase in dem hektischen Treiben der Stadt ist.
an seinem Wirt empor.
Den Gouverneurs-Palast konnten wir leider nicht besichtigen, das geht nur als Gruppe mit vorheriger Anmeldung. Also zogen wir uns in die hiesige Shopping Mall zurück. Aus drei einfachen Gründen.
Wasser, Aussicht, sanitärer Luxus
Die hiesige Mall lockt den Besucher mit einer wahren Fülle an Angeboten. Doch borniert wie wir nun mal sind, interessierten uns nur derer drei. Denn die unzähligen Klamotten- und Handy-Stände, die die fünfstöckige Mall sonst ausfüllten, konnten uns nicht so recht anlocken.
© Jochen Müller Der letzte Schrei in Bogors Mall: den Nachwuchs im ferngesteuerten Auto im Kreise fahren lassen. Im vorliegenden Fall war die Freude
zwischen Vater und Tochter etwas ungleich verteilt.
© Jochen Müller Die Aussicht vom Balkon des Kinos im obersten Stock war nicht alles, was uns hier anzog.Nachtmarkt mal anders
Wir gingen nach diesem Tag in allen Sinnen gesättigt nach hause, fielen müde aber glücklich in unsere Betten und genossen die Nachtruhe so lange sie dauerte.
Jochen Müller
Kommentare zu "Die vielen Highlights von Bogor"
Re: Bogor
von Jochen Müller
am 03.07.2012 um 16:42 Uhr

Bitte, gerne geschehen. Und ja, es gibt Neuigkeiten. Der entsprechende Eintrag folgt bald, ich bitte unserer momentanen Verzug zu entschuldigen, es ist viel passiert, wir hinken etwas nach, aber keine Bange, wir holen auf. Und dann gibt es auch in ausführlich die guten Neuigkeiten was den Pazifik angeht...
Bis dahin liebe Grüße, Jochen
"Die vielen Highlights von Bogor" kommentieren

Vielen Dank fuer die schoenen Eindruecke, auch die Bilder waren sehr beeindruckend.
Gibt es was Neues wie ihr nach Amerika kommt? Bis es soweit ist, wuensche ich weiterhin gute Reise.