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18. Juli 2012
Die Verbrennung einer Hohepriesterin
Für manche Dinge muss man zur rechten Zeit am rechten Ort sein. Man kann sie nicht planen, sie tauchen nicht in Veranstaltungskalendern auf, und auf die Idee sie zu googeln kommt man nicht, wenn man sie denn überhaupt dort finden würde. Wir wären weder auf die Idee gekommen nach der Vrebrennungszeremonie einer balinesishen Hohepriesterin zu suchen, noch, dass wir dort gern gesehene Gäste gewesen wären. Doch unser Interesse an der balinesischen Kultur (siehe vorangegangener Text) führte dazu, dass wir von einem Tempelwächter eingeladen wurden "das wahre Bali" zu erleben.
Balinesische Totenzeremonien
Das Leben auf Bali ist von unzähligen Zeremonien und religiösen Feierlichkeiten geprägt, die von Dorf zu Dorf sehr unterschiedlich sein können. Da jeder Gläubige dazu verpflichtet ist, an allen wichtigen Zeremonien teilzunehmen, führt dies dazu, dass in manchen größeren Betrieben bis zu einem Viertel der Angestellten ständig im Urlaub ist. Von den Geburtstagen der Tempel einmal abgesehen sind die Leichenverbrennungen mit Sicherheit die wichtigsten Zeremonien überhaupt auf Bali.
provozieren die Geister. Als Ablenkung
und Aufforderung die Verstorbene ins
Reich der Götter ziehen zu lassen.
Als die Hohepriesterin im Februar im Alter von 111 Jahren starb, starb nicht nur die älteste Balinesin und höchste Hohepriesterin Balis, sondern auch eine Legende. Es hieß, keiner verstehe die göttlichen und weltlichen Sphären so gut wie Ida Pedanda Istri Mas. Doch einige glaubten, sie hätte auch magische Kräfte. Als der Vulkan Gunung Agung 1963 ausbrach, war der am Vulkan-Hang gelegene Tempel "Besakih", der heiligste und Mutter-Tempel Balis, in großer Gefahr. Sie war die einzige Hohepriesterin, die während des Ausbruchs dort blieb. Viele Dörfer wurden vernichtet, hunderte Menschen starben. Doch während die Lava teilweise bis in tiefer gelegene Regionen floss und dort verheerende Schäden anrichtete, hielt sie kurz vor Besakih an. Der Tempel war gerettet und der legendäre Ruf der Hohepriestering begründet.
Nach ihrem Tod wurde sie einbalsamiert und bis zum günstigsten Datum für eine Verbrennung, dem ersten Juli, im Tempel auf dem Anwesen der Familie aufbewahrt. Viele Familien haben auf Bali kleine eigene Tempel auf ihrem Grundstück, die alle einem regelmäßigen Aufbau folgen. Den Tempel dieser Hohepriesterin durften wir nicht besuchen, da solange sie dort aufgebart war, uns Ungläubigen der Zutritt verboten blieb. Jedoch waren wir am ganzen Tage zu beinahe allen Teilen der Zeremonie gerne gesehene Gäste. Alleine den Gebeten durften wir nicht beiwohnen, was natürlich nachvollziehbar war. Unsere Verwunderung, dass zu einem solch persönlichen Moment wie der Verbrennung überhaupt Touristen eingeladen werden, beantwortete Ida, der Tempelwächter der uns einlud und uns während des Tages immer wieder Dinge erklärte, ganz einfach. „Die Anzahl der Gäste bei einer Verbrennung ist wichtig für die Familie des Verstorbenen. Je zahlreicher die Gäste, um so größer die Ehre". Natürlich sollten sich solche Besucher im Hintergrund halten und besonders die verschiedenen religiösen Zeremonien nicht stören. Wir hielten uns daran und machten offensichtlich alles richtig. Tatsächlich kam es öfters vor, dass besonders ältere Anwesende auf uns zukamen, uns begrüßten und uns dafür dankten, dass wir gekommen waren.
Warten auf gute Geister
Wir bekamen morgens um neun zuerst Kaffee und Gebäck gereicht. Die Zeit vom Beginn der Veranstaltung bis zur Mittagstunde dient der Ankunft aller Gäste und deren Verköstigung. Denn bis um zwölf Uhr überwiegen die bösen Geister. Keine gute Zeit um die Seele des Toten auf die Reise zu schicken. Nach dem Kaffee, den wir neben einem älteren Ehepaar einnahmen, welche uns noch letzte Fragen beantworteten, wurden wir von ihnen gebeten doch über die Straße zu gehen um dort unser Mittagessen einzunehmen. Diesem Beispiel folgten auch andere, denen wir begegneten.
Weiße Tücher wurden ausgelegt, dann wurden die
Ein letzter Umzug
einem Hohepriester.
Am kommenden Tag wird die Asche dann in einer weiteren Prozession der See übergeben. Die Feierlichkeiten dauern noch einen letzten Tag an, dann ist die Seele aus der irdischen Welt vollends in die göttliche Sphäre übergegangen.
So lange blieben wir freilich nicht. Die Zeremonie dieses Tages endete mit der Verbrennung am späten Nachmittag, so dass wir noch rechtzeitig den Weg heim antreten konnten um zum Einbruch der Dunkelheit in Ubud anzukommen. Wir waren so angefüllt mit Eindrücken und Informationen, dass wir den Rest des Tages über nichts anderes sprachen. Bis auf eine Familie, die wir gesehen hatten, waren wir die einzigen Touristen gewesen, die die Ehre und Freude hatten, die Kremation der Ida Pedanda Istri Mas erleben zu dürfen. Wir hatten das wahre Bali erlebt und Dinge gesehen, wie sie nur wenige Touristen sehen. So kam es, dass wir abends Ida anriefen und sein Angebot annahmen, uns am folgenden Tag noch weitere Orte der Insel zu zeigen. Die Vorstellung nun eine der oft angebotenen Touren zu buchen, wollte uns nicht mehr gefallen. Doch unsere Begeisterung für Bali war geweckt. Wir wollten noch mehr von dieser Insel und ihrer Kultur sehen. Und Ida zeigte sich begeistert uns diesen Wunsch zu erfüllen. Diesmal zwar gegen Bezahlung, doch das war völlig in Ordnung, hatte er uns doch bereits zwei Tage lang reich mit Eindrücken beschenkt.
Jochen Müller
Kommentare zu "Die Verbrennung einer Hohepriesterin"
Verbrennung
Ich bin beeindruckt, ein wirklich tolles und einmaliges Erlebnis der dortigen Kultur und Ihr ward dabei, wunderschön beschrieben, Jochen LG gisi
wahre Bali
Vielen Dank fuer diesen wunderbaren Artikel und ich wuensche euch weiterhin solche einmalige Erlebnisse und freue mich immer wieder daran teilnehmen zu koennen.Viele Gruesse von Anna-Maria.
wahre Bali
Danke fuer dieses einmalige Erlebnis! Ich wuensche euch weiterhin besondere Momente und freue mich dran teilnehmen zu koennen.
Ich habe als langjähriger Asienreisender den Blog mit wachsendem Interesse verfolgt.Meine Favoriten für Urlaubsreisen ( allerdings als Vielflieger beruflich bedingt, immer per Flug ) waren Thailand und Bali.
Was ich aber hier gelesen habe, toppt Alles bisher selbst Erlebte.
Viel Glück weiterhin auf der Suche nach einem Schiffstrip nach AUS.
Schauer
Hallo Jungs,
noch immer laufen mir Schauer über den Rücken nach dem Lesen des Berichtes. Vielen Dank für euren Schreibstil und eure offenen Augen! Viel Glück euch!
Ich freue mich für Euch, dass Ihr die Gelegenheit hattet, an einer solch außergewöhnlichen Zeremonie teilzunehmen. Die Bilder sind sehr eindrucksvoll.
Weiterhin viel Glück!
Liebe Grüße
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Wow! Sowas sieht man sonst nur im Fernsehen oder liest es in der Geo!
Ihr Glückstierchen!
Vielen Dank für den balinesischen Tiefgang.
Stan. Your biggest fan.